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Sachsen

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Insgesamt 30 Bewertungen
Bewertung vom 28.02.2025
Das Lieben danach
Bracht, Helene

Das Lieben danach


gut

Helene Bracht setzt sich in diesem Buch mit tiefgehenden und oft tabuisierten Themen wie Missbrauch auseinander. Besonders eindrucksvoll sind die Kapitel, in denen sie sehr persönlich und emotional schreibt – diese Passagen haben mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Andere Abschnitte hingegen wirkten auf mich distanziert und zu theoretisch, wodurch die emotionale Verbindung zum Text stellenweise verloren ging.

Das Cover in sanften Rosatönen mit einer verblühenden Blüte spiegelt die Thematik des Buches auf eindrucksvolle Weise wider. Es vermittelt bereits vor dem Lesen eine Ahnung von Vergänglichkeit, Veränderung und innerer Auseinandersetzung.

Ein mutiges Buch mit wichtigen Denkanstößen, das jedoch in seiner Erzählweise nicht immer durchgehend fesselt. Es ist teilweise Roman und teilweise Sachbuch.

Bewertung vom 06.02.2025
»Wenn Ende gut, dann alles« / Svetlana und Tommi ermitteln Bd.1
Klüpfel, Volker

»Wenn Ende gut, dann alles« / Svetlana und Tommi ermitteln Bd.1


sehr gut

Ein Krimi mit Charme und Humor

Mit „Wenn Ende gut, dann alles“ gelingt Volker Klüpfel ein unterhaltsamer Auftakt zu einer neuen Krimireihe, die mit viel Witz, Herz und unkonventionellen Ermittlern punktet. Das ungewöhnliche Duo – die lebenserfahrene, russische Bücherliebhaberin Svetlana und der chaotische Möchtegern-Bestsellerautor Tommi – stolpert mehr zufällig als geplant in einen rätselhaften Fall. Als sie ein kleines Mädchen am Waldrand finden, wird aus einer gut gemeinten Rettungsaktion bald eine gefährliche Spurensuche.

Die Geschichte lebt von der humorvoller Erzählweise und den charmant-skurrilen Charakteren. Svetlanas markante Sprachweise und ihre unerschütterliche Direktheit sorgen für viele unterhaltsame Momente, während Tommis liebenswert planloses Verhalten das Duo perfekt ergänzt. Die Balance zwischen Humor und Krimi ist gelungen – Spannung und Rätselraten kommen neben den humorvollen Passagen nicht zu kurz.

Fazit: Ein humorvoller Kriminalroman mit liebenswerten Figuren, einer spannenden Geschichte und einer Prise skurrilem Charme. Klüpfel beweist, dass er auch ohne seinen langjährigen Co-Autor einen mitreißenden Krimi schreiben kann. Eine klare Leseempfehlung für Fans von humorvollen Ermittlerduos!

Bewertung vom 24.01.2025
Die Schanze
Menz, Lars

Die Schanze


ausgezeichnet

Lars Menz gelingt mit Die Schanze ein fesselnder Thriller, der die düsteren Abgründe einer kleinen Dorfgemeinschaft im Alpenland beleuchtet. Das Cover ist ein echter Hingucker: die Schanze in Vogelperspektive, mit stimmigen Schwarz-Weiß-Kontrasten und grünen Highlights, die den grünen Farbschnitt perfekt ergänzen. Es weckt sofort das Gefühl von Höhe und Gefahr und spiegelt die Spannung des Romans treffend wider.

Die Handlung packt von der ersten Seite an. Der grausame Mord, bei dem ein Mann von einer Schanze gestoßen wird, zieht den Leser in eine Welt aus Schuld, Misstrauen und Geheimnissen. Die Hauptfigur Ellen Roth ist komplex und glaubwürdig. Ihre Rückkehr in das Dorf ihrer Kindheit, das von einem düsteren Verbrechen aus der Vergangenheit überschattet wird, ist eindringlich geschildert. Die Frage, ob sie selbst eine Verbindung zum Mord hat, sorgt für einen ständigen Nervenkitzel.

Der Autor schafft es meisterhaft, die Enge und Spannung einer abgeschotteten Dorfgemeinschaft zu transportieren. Jeder Charakter ist mit Bedacht gezeichnet, und die Beziehungen zwischen den Dorfbewohnern sind geprägt von einem Geflecht aus Lügen, Schuld und alten Geheimnissen. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist fließend und verstärkt die bedrückende Atmosphäre des Romans.

Besonders beeindruckend ist die Intensität, mit der die Emotionen der Figuren und die Konfrontation mit der Vergangenheit geschildert wird. Der Spannungsbogen wird bis zum letzten Kapitel aufrechterhalten, und die Auflösung ist schockierend und plausibel zugleich.

Die Schanze ist ein hervorragend konstruierter Thriller, der durch seine vielschichtigen Charaktere, die beklemmende Dorfatmosphäre und den raffinierten Plot überzeugt. Lars Menz versteht es, seine Leser in Atem zu halten und gleichzeitig die Frage nach Schuld und Vergebung in den Mittelpunkt zu stellen. Ein absolutes Muss für Thriller-Fans, die psychologische Tiefe und unvorhersehbare Wendungen schätzen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.01.2025
Wackelkontakt
Haas, Wolf

Wackelkontakt


ausgezeichnet

Ein elektrisierender Roman

"Wackelkontakt" von Wolf Haas ist ein Roman, der sowohl durch seinen kreativen Erzählstil als auch durch die ausgefeilte Konstruktion der Handlung beeindruckt. Der scheinbar banale Ausgangspunkt – Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet, während er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo liest – entfaltet sich zu einem wendungsreichen, meisterhaft verflochtenen Erzählexperiment.

Besonders faszinierend ist die Art, wie die beiden Lebensgeschichten von Escher und Russo miteinander verwoben werden. Die Figuren agieren wie in einem literarischen Tanz, der die Grenzen von Realität und Fiktion geschickt verwischt. Die narrative Spirale, in der beide Protagonisten auf fast absurde Weise miteinander verbunden sind, sorgt für ein spannendes und zugleich intellektuell herausforderndes Leseerlebnis.

Wolf Haas versteht es meisterhaft, mit Sprache und Struktur zu spielen. Die Wechsel zwischen den Perspektiven sind präzise und fließend, während subtile Andeutungen und wiederkehrende Motive die Leserinnen und Leser immer tiefer in das komplexe Geflecht der Geschichte hineinziehen. Die skurrilen Details – wie der Wackelkontakt in der Steckdose oder die Paranoia des Kronzeugen – wirken nicht nur als humorvolle Einsprengsel, sondern tragen auch zur dichten Atmosphäre des Romans bei.

Das Cover, das die kreative und ungewöhnliche Natur der Geschichte widerspiegelt, ist ein weiteres Highlight und passt perfekt zum Inhalt. Der Roman besticht durch seine originelle Erzählweise und die ungewöhnlichen Verknüpfungen zwischen den Figuren und Ereignissen.

"Wackelkontakt" ist ein beeindruckendes literarisches Werk, das durch seinen Witz, seine Spannung und seine sprachliche Brillanz überzeugt. Wolf Haas liefert einen Roman, der gleichermaßen unterhaltsam wie anspruchsvoll ist und Leserinnen und Leser mit einem Finale überrascht, das den Titel des Buches in einem neuen Licht erscheinen lässt. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 25.12.2024
Für immer
Lunde, Maja

Für immer


ausgezeichnet

Zwischen Ewigkeit und Endlichkeit

Maja Lunde gelingt es mit "Für immer" einen zutiefst berührenden und zugleich nachdenklich stimmenden Roman zu schaffen, der sich mit den essenziellen Fragen des Lebens, der Zeit und unserer Beziehung zur Natur auseinandersetzt.

Der plötzliche Stillstand von Geburt und Tod ist ein faszinierender Ausgangspunkt, der die Lebensgeschichten der Protagonisten kunstvoll miteinander verbindet: Margo, die Rentnerin, die zwischen Abenteuerlust und Rücksichtnahme auf ihren Ehemann hin- und hergerissen ist; Jenny, die Fotografin, die trotz der scheinbar perfekten Familienidylle von einem Gefühl des Verlusts begleitet wird; und Eva, die Krankenschwester, deren Alltag plötzlich mit ungekannten Sorgen der Schwangeren gefüllt ist. Maja, Lunde verwebt diese Figuren geschickt zu einem Netz von Beziehungen und zeigt auf subtile Weise, wie stark menschliche Schicksale ineinander verwoben sein können, ohne dass die Beteiligten dies selbst bemerken.

Besonders beeindruckend ist, wie die Autorin es schafft, philosophische Tiefe mit einer sanften, warmherzigen Erzählweise zu kombinieren. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch, und ihre individuellen Herausforderungen und Sehnsüchte spiegeln universelle menschliche Themen wider. Gleichzeitig vermittelt der Roman eine besondere Wertschätzung für die Natur, die unbeirrt ihrem eigenen Rhythmus folgt, während die Menschen aus dem Lauf der Zeit gefallen sind.

Einzig die zahlreichen Themen und Perspektiven könnten für manche Leser stellenweise etwas überwältigend wirken, doch gerade diese Vielfalt verleiht dem Roman seine Komplexität und Stärke.

"Für immer" ist ein tiefgründiger und feinfühliger Roman, der mit seinen lebendigen Figuren und der kunstvollen Verflechtung ihrer Geschichten überzeugt. Er lädt dazu ein, über das Leben, die Zeit und die eigene Endlichkeit nachzudenken – und lässt einen die Verbindung zur Natur neu wertschätzen. Für Leser*innen, die sich nach einer bewegenden und inspirierenden Geschichte sehnen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung.

Bewertung vom 09.11.2024
Still ist die Nacht / Maya Topelius Bd.2
Åslund, Sandra

Still ist die Nacht / Maya Topelius Bd.2


ausgezeichnet

In Sandra Åslunds Schweden-Krimi "Stille ist die Nacht" wird der Leser auf eine abgelegene Schäreninsel entführt, die auf den ersten Blick Ruhe und Erholung verspricht – doch hinter der friedlichen Fassade lauern tödliche Gefahren. Die erfahrene Kriminalinspektorin Maya Topelius, die sich auf einem Yoga-Retreat eigentlich entspannen möchte, wird unvermittelt in einen düsteren Fall hineingezogen, als ein Mann am Morgen nach einem Streit tot im Schilf gefunden wird.

Mit diesem Setting gelingt es Åslund, eine wunderbar dichte und spannungsgeladene Atmosphäre zu schaffen. Die Abgeschiedenheit der Insel und die bedrohliche Enge, die durch die Abriegelung entsteht, verstärken das Gefühl, dass niemand dem Täter entkommen kann. Die unheimliche Stille der weißen Nächte, in denen das Licht niemals ganz verschwindet, trägt dabei ihren Teil zur Spannung bei und verleiht der Handlung eine beinahe surreale Note.

Kriminalinspektorin Maya Topelius ist eine starke, komplexe Protagonistin, die verdeckt ermittelt und dabei geschickt Spuren legt und Verdächtige in die Enge treibt. Die Beziehungen und Spannungen zwischen den Inselbewohnern und den Gästen des Retreats sind lebhaft und realistisch geschildert, was die Handlung besonders spannend und unvorhersehbar macht. Als ein zweiter Mord geschieht, verschärft sich die Situation, und Maya erkennt, dass die Lösung des Falls ihre eigenen Grenzen auf die Probe stellt.

Åslund versteht es, die Spannung kontinuierlich zu steigern und dem Leser durch die gut platzierten Wendungen und Entdeckungen bis zur letzten Seite fesselnde Unterhaltung zu bieten. Der Showdown, in dem Maya einer erschütternden Wahrheit auf die Spur kommt, bringt die Geschichte zu einem packenden und unvergesslichen Ende.

„Stille ist die Nacht“ ist ein atmosphärischer Schweden-Krimi, der mit einer dichten, fesselnden Handlung und einem packenden Setting überzeugt. Sandra Åslund lässt die idyllische Schäreninsel zur Bühne eines nervenaufreibenden Thrillers werden und erschafft ein Spiel aus Verdächtigungen und Enthüllungen, das keinen Leser kalt lässt. Ein Muss für alle Fans skandinavischer Spannungsliteratur.

Bewertung vom 14.10.2024
In Zeiten des Todes
D'Andrea, Luca

In Zeiten des Todes


gut

Kälte, Korruption und Serienmorde

Luca D'Andrea entführt seine Leser in "In Zeiten des Todes" in das winterliche Bozen der 1990er Jahre und webt einen atmosphärischen Thriller, in dem ein Serienmörder unbemerkt sein Unwesen treibt. Der junge Commissario Luther Krupp steht im Zentrum der Ermittlungen, nachdem die Leiche einer Prostituierten gefunden wird. Zusammen mit der mutigen Streifenpolizistin Arianna Lici stößt er auf eine erschütternde Reihe ungelöster Mordfälle, während ein junger Reporter die gleichen Fährten verfolgt.

Die Geschichte punktet mit Spannung und zahlreichen Wendungen, die den Leser immer wieder auf neue Fährten locken. Besonders gelungen ist, dass D'Andrea nicht nur die Polizeiarbeit in den Vordergrund stellt, sondern auch die Perspektive des Reporters, was der Story zusätzliche Tiefe verleiht. Diese Parallelhandlung bringt frischen Wind in das Genre und verleiht dem Plot eine gewisse Vielschichtigkeit.

Allerdings hat der Thriller auch einige Schwächen. Die Vielzahl an Charakteren, viele davon mit Spitznamen, machte es teilweise schwer, der Geschichte immer zu folgen und die Figuren auseinanderzuhalten. Hinzu kommen langatmige Passagen, in denen unwichtige Beschreibungen und Nebenhandlungen die Spannung zeitweise ausbremsen. Diese hätten straffer gestaltet werden können, um den Fokus auf die Kernermittlungen zu behalten.

Was die Figuren angeht, bleibt es schwierig, eine emotionale Verbindung zu ihnen aufzubauen. Obwohl der Plot spannend ist, wirken viele Charaktere eher unsympathisch oder distanziert, sodass es schwerfällt, sich wirklich für ihr Schicksal zu interessieren. Diese fehlende Tiefe der Charaktere nimmt dem Thriller etwas von seiner emotionalen Wucht, die eine starke Bindung zu den Figuren hätte schaffen können.

Fazit: "In Zeiten des Todes" ist ein spannender Thriller mit einer atmosphärischen Kulisse und vielen Wendungen, der jedoch durch seine zahlreichen Charaktere und langatmigen Nebenhandlungen an Klarheit verliert. Für Fans von komplexen Ermittlungen und Krimis mit verschiedenen Perspektiven bietet das Buch jedoch unterhaltsame Lesestunden. Trotz einiger Schwächen lohnt sich ein Blick für Thriller-Liebhaber, die sich von der winterlichen Kälte der Alpen packen lassen wollen.

Bewertung vom 03.10.2024
Von Angesicht zu Angesicht
Eulberg, Dominik;Hörren, Thomas;Danke, Thorben

Von Angesicht zu Angesicht


ausgezeichnet

Insekten im Rampenlicht

"Von Angesicht zu Angesicht" ist ein faszinierendes Werk, das die Welt der heimischen Insekten auf beeindruckende Weise in den Vordergrund rückt. Dominik Eulberg und der Entomologe Thomas Hörren schaffen gemeinsam mit dem Fotografen Thorben Danke einen Bildband, der nicht nur durch seine ästhetischen Fotografien besticht, sondern auch durch seine informativen und detailreichen Inhalte.

Die spektakulären Nahaufnahmen der Insekten zeigen deren einzigartige Eigenschaften in nie zuvor gesehener Detailtreue. Jede Fotografie bringt uns die erstaunliche Vielfalt und die kleinen Wunder der Sechsbeiner näher, sodass man nach dem Durchblättern des Buches die heimische Insektenwelt mit völlig neuen Augen sieht. Die präzise abgebildeten Details lassen die scheinbar unscheinbaren Tiere in einem neuen Licht erstrahlen und rücken ihre Bedeutung für das Ökosystem in den Fokus.

Was dieses Buch besonders macht, ist die gelungene Kombination aus visueller Pracht und fundiertem Fachwissen. Die wissenschaftlichen Fakten sind klar und leicht verständlich aufbereitet, sodass sowohl Laien als auch Insektenfans voll auf ihre Kosten kommen. Der Text ergänzt die Bilder perfekt und gibt den Lesern einen umfassenden Einblick in die Bedeutung der Artenvielfalt und die Rolle der Insekten im Gleichgewicht der Natur.

Nach dem Lesen dieses Buches wird es schwer, nicht ein Fan der heimischen Insekten zu werden. Es vermittelt auf eindrucksvolle Weise, wie unverzichtbar diese kleinen Kreaturen für das große Ganze sind, und sensibilisiert für ihren Schutz und ihre Bedeutung.

Fazit: "Von Angesicht zu Angesicht" ist ein fantastisches Buch, das sowohl durch seine spektakulären Fotografien als auch durch die spannenden und lehrreichen Inhalte überzeugt. Es bringt die Welt der heimischen Insekten auf beeindruckende Weise näher und macht es nahezu unmöglich, sich nicht für diese faszinierenden Lebewesen zu begeistern. Ein Muss für Naturfreunde, Insektenliebhaber und alle, die sich für die Wunder der Natur interessieren.

Bewertung vom 15.09.2024
All das Böse, das wir tun
Dazieri, Sandrone

All das Böse, das wir tun


sehr gut

Zwischen Schuld und Unschuld

Mit "All das Böse, das wir tun" liefert Sandrone Dazieri einen fesselnden Thriller, der komplexe Handlungsstränge mit gesellschaftskritischen Themen wie Korruption und Gerechtigkeit verwebt. Der Klappentext verspricht eine packende Geschichte, die sich über dreißig Jahre erstreckt: Von der fälschlichen Verhaftung und dem Tod des unschuldigen Giuseppe bis hin zur Entführung der jungen Amala, die in der Gegenwart eine gefährliche Spur zu einem noch unentdeckten Verbrecher aufdeckt.

Dazieri schafft es meisterhaft, die Spannung durch die parallelen Zeitstränge konstant hoch zu halten. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist nicht nur gut durchdacht, sondern trägt entscheidend zur komplexen und vielschichtigen Handlung bei. Besonders interessant ist, wie die Ereignisse aus der Vergangenheit die Figuren und deren Motive in der Gegenwart beeinflussen.

Allerdings kann die Vielzahl an Figuren und die verschachtelte Erzählweise herausfordernd sein. Durch die vielen italienischen Namen besteht die Gefahr, die Charaktere zu verwechseln, was den Lesefluss zeitweise etwas erschwert. Gerade in den Passagen, in denen es um die Verknüpfungen zwischen den beiden Zeitsträngen geht, erfordert es Konzentration, um den Überblick zu behalten. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer intensiven und spannungsgeladenen Geschichte belohnt.

Besonders beeindruckend ist Dazieris Fähigkeit, moralische Grauzonen auszuloten. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer mehr, je tiefer man in die Geschichte eintaucht. Dies verleiht den Figuren eine große Tiefe und sorgt dafür, dass man als Leser ständig hinterfragt, wem man trauen kann.

Auch optisch macht das Buch einiges her: Das schwarze Cover mit roter Schrift und dunkelblauen Vögeln spiegelt die düstere Atmosphäre des Thrillers wider. Der schwarze Farbschnitt verleiht dem Buch zusätzlich eine besondere, ästhetische Note.

"All das Böse, das wir tun" von Sandrone Dazieri ist ein packender Thriller, der mit einer komplexen, gut durchdachten Handlung und tiefgründigen Charakteren überzeugt. Zwar können die vielen Figuren und der doppelte Zeitstrang stellenweise verwirrend sein, doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer vielschichtigen und düsteren Geschichte belohnt. Ein empfehlenswerter Thriller für Leser, die komplexe Erzählstrukturen und moralische Ambivalenzen schätzen.

Bewertung vom 04.08.2024
Mein drittes Leben
Krien, Daniela

Mein drittes Leben


sehr gut

Trauer und Hoffnung
In dem Roman "Mein drittes Leben" nimmt Daniela Krien den Leser auf eine emotionale Reise mit. Der Klappentext beschreibt die tragische Ausgangslage: Die Protagonistin Linda verliert durch einen Moment der Unachtsamkeit ihre einzige Tochter und sieht sich daraufhin mit einem tiefen Abgrund konfrontiert. Die Geschichte handelt von Verlust, Schmerz, aber auch von der langsamen und mühsamen Rückkehr ins Leben.

Krien beschreibt Lindas Trauer und ihren Weg aus der Dunkelheit mit einer Feinfühligkeit, die unter die Haut geht. Die hauchfeinen Fäden, die Linda halten – ihre Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten und das Mitgefühl für andere – sind symbolträchtige Elemente, die zeigen, wie selbst die kleinsten Dinge einen großen Unterschied machen können. Die Darstellung dieser Fäden ist authentisch und verleiht der Geschichte eine tiefe emotionale Resonanz.

Besonders beeindruckend ist, wie Krien die innere Stärke ihrer Protagonistin darstellt. Linda findet langsam zurück in den Alltag und zu sich selbst, was zeigt, wie viel Kraft in ihr steckt, auch wenn sie diese zunächst nicht erahnen konnte. Dieser Prozess ist realistisch und nachvollziehbar beschrieben, ohne in sentimentale Klischees abzurutschen.

Der Schreibstil von Daniela Krien ist poetisch und zugleich präzise. Sie schafft es, die Gefühle und Gedanken ihrer Figuren eindringlich darzustellen, was die Lektüre zu einem intensiven Erlebnis macht. Die feinen Nuancen und die sprachliche Eleganz tragen dazu bei, dass der Roman trotz seiner schweren Thematik Hoffnung und Trost vermittelt.

"Mein drittes Leben" von Daniela Krien ist ein bewegender Roman über Trauer, Verlust und die Kraft des Lebens. Mit ihrer feinfühligen Erzählweise und den tiefgründigen Charakteren schafft es Krien, den Leser zu berühren und zu inspirieren. Trotz kleinerer Längen verdient das Buch eine Bewertung von 4 von 5 Sternen und ist absolut empfehlenswert für alle, die sich auf eine emotionale und zugleich hoffnungsvolle Reise begeben möchten

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.