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Barbara
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Remscheid

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Insgesamt 232 Bewertungen
Bewertung vom 02.01.2026
Winning, Josh

Verbrenn das Negativ


weniger gut

Vor vielen Jahren hat Polly Tremain als Kind die Hauptrolle in einem Horrorfilm gespielt, der danach scheinbar mit einem Fluch belegt war: acht Menschen starben, die mit dem Film zu tun hatten. Um der Vergangenheit zu entfliehen ändert Polly ihre Identität, arbeitet unter dem Namen Laura Warren als Journalistin und versucht, möglichst unerkannt zu bleiben. Doch die Vergangenheit holt sie ein als sie für ein Remake des Gruselfilms nach LA fliegen und über die Dreharbeiten berichten soll. Und prompt geht der Horror von damals wieder los.
Dieses Buch von Josh Winning ist ein Genre-Mix aus Thriller, Horror und Grusel. Was für mich ganz interessant gestartet ist wurde mir schnell zu bemüht und reißerisch. Ich lese zwar gerne Thriller, brauche aber offensichtlich nicht diese Kombination mit Horror- und Grusel- Elementen. Auch die Auflösung und das Ende haben mich nicht ganz abgeholt und lassen mich eher unzufrieden zurück. Sehr gut hat mir hingegen gefallen, dass jedem Kapitel eine zusätzliche Information in Form von Zeitungsausschnitten, Interviews oder Auszüge aus dem Drehbuch vorangestellt wird. Das belebt die Story, beleuchtet sie noch einmal von anderen Seiten und geht in Richtung Psychothriller.
Ich bin den einzelnen Charakteren leider nicht wirklich nahe gekommen, auch Polly/Laura blieb mir bis zum Schluß eher fremd. Ihre Schwester fand ich nervig, einige andere Personen nicht authentisch.
Insgesamt ist dieses Buch nicht nach meinem Geschmack und ich kann die Begeisterung der Kritik leider nicht teilen.

Bewertung vom 02.01.2026
Häffner, Hannah

Die Riesinnen


ausgezeichnet

Drei Generationen von Riessberger Frauen wachsen in einem kleinen Dorf im Schwarzwald auf, gemeinsam haben sie ihre Körpergröße, ihre roten Locken und ihre hagere Gestalt. Liese hat es schwer mit ihrem Anderssein, wird gehänselt und auch vom eigenen Ehemann wenig geachtet, ist still, angepasst und möchte möglichst unauffällig sein. Als der heiß ersehnte Sohn ein Mädchen wird und Cora eindeutig auf die Mutter kommt wird schnell klar, dass beide es in der Dorfgemeinschaft nicht leicht haben. Cora ist laut und wütend, sie will weg aus diesem engen Dorf und scheitert doch an ihrer Flucht. Coras Tochter Eva soll es einmal besser machen, hinaus gehen in die weite Welt, doch sie liebt ihre Heimat und sucht lange ihren Platz im Leben.
Es sind drei starke und wundervolle Riesinnen, die Hannah Häffner in ihrem Roman beschreibt. Und mit jeder Generation ändert sich ein wenig, es ist wie eine Zeitreise durch die Geschichte, auch wenn das kleine Dorf im Schwarzwald immer konservativ und altmodisch bleibt.
Ich bewundere vor allem Liese, mit welcher Kraft sie den Menschen trotzt, ihrem Ehemann und den Schwiegereltern, wie sie über sich hinauswächst wenn ihr nichts anderes übrig bleibt. Die starke Liebe zu ihrer Tochter ist verständlich, auch wenn sie Cora damit immer wieder in die Enge treibt. Ich mag ihr Verhältnis zu Eva, das nicht mehr so stark geprägt ist vom Erziehungsauftrag, sondern von Toleranz und Verständnis. Sie verkörpert für mich eine Generation, die nicht über das Schlechte spricht, sich nicht beklagt, die sich abfindet und immer weiter macht, kostet es was es wolle.
Cora leidet ebenfalls in der Dorfgemeinschaft an ihrem Aussehen, fügt sich jedoch nicht still den Gegebenheiten, sondern geht ihren eigenen Weg. Als ihre hart erkämpfte Flucht hinaus ins Leben kläglich und schwanger wieder bei der Mutter endet, muss sie sich jedoch wieder anpassen und mit der Häme und der Herablassung der Nachbarn leben. Aus der Eroberung der Welt ist eine Rückkehr geworden in ein Leben, das sie nicht wollte und für das sie nun verurteilt wird. Doch sie bleibt immer ein wenig widerborstig und stolz, was ich sehr an ihr mag.
Evas hadert in ihrer Generation weniger mit ihrem ungewöhnlichen Aussehen, sie liebt tatsächlich den Wald und die ländliche Umgebung von klein auf. Doch Mutter und Großmutter wollen, dass ihr die Flucht aus dem Dorf gelingt, die die beiden Frauen vor ihr nicht geschafft haben. Der Druck, den sie auf Eva ausüben, ist immens, ohne dass sie sich dessen bewußt sind. Und so ist auch Eva auf ihre Art anders, hat andere Ziele und Interessen als die Menschen um sie herum und sucht lange nach einem Platz und ihrem eigenen Glück im Leben.
In einer wundervollen Sprache beschreibt die Autorin hier drei ganz besondere und starke Frauen und ihre (Hass)Liebe zur Heimat. Ihre Formulierungen sind oft ungewöhnlich, sehr poetisch und gehen tief unter die Haut. Eine eindringliche und einfühlsame Geschichte, die mich bis zur letzten Seite sehr bewegt hat.
Eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die neben einer interessanten Geschichte auch Wert auf eine schöne Sprache legen.

Bewertung vom 06.12.2025
Edelmann, Max A.

Der unsichtbare Elefant


sehr gut

Der Rechtsanwalt Thomas Siebenmorgen stürzt in seiner Anwaltskanzlei von der Empore und stirbt vor den Augen seiner Kollegin. War es Suizid oder ein Unglück, was hat den stillen und fleißigen Mitarbeiter dazu getrieben und warum ausgerechnet an seinem Arbeitsplatz? Die Kollegin Maria, Viktor aus dem Kriseninterventionsteam und der Anwalt Simon aus dem Chefbüro versuchen, das Geschehene nachzuvollziehen und den Menschen Thomas Siebenmorgen zu verstehen.
Es sind viele verschiedene Charaktere die Max Edelmann hier aufführt, um hinter das Geheimnis des jungen Anwalts zu kommen. Einerseits ist die Geschichte um Thomas sehr interessant und der Blick hinter die Kulissen einer renommierten Anwaltskanzlei erinnert mit ihren zahlreichen Egomanen und ihren Intrigen an die sehr unterhaltsame Fernsehserie Suites. Informativ war für mich auch der Blick auf die Arbeit eines Kriseninterventionsteams. Die harten Fakten hinter der Vergangenheit von Thomas, die erst kurz vor Ende des Buches richtig thematisiert werden, machen einem klar, dass Spuren von Gewalt oft unbewusst an die nächste Generation weiter gegeben werden.
Andererseits hat der Autor hier für meinen Geschmack ein bisschen zu viel gewollt und hineingepackt. Ich hätte auf einige zusätzliche Personen und ihr Schicksal gut verzichten können, zum Beispiel Bettina mit ihrer unglücklichen Eltern-Kind-Beziehung oder die Star-Pilotin Corinna.
Leider ist mir der Mensch Thomas Siebenmorgen auch bis zum Schluß fremd geblieben. Obwohl es mich sehr berührt hat, wie er sich so stark angepasst hat, sich hat ausnutzen lassen, er sich gegen seine Neigungen und Interessen den Wünschen des Vaters gebeugt hat. Tatsächlich ist er für mich bis zum Schluß "der Mann ohne Eigenschaften" geblieben, hier hätte ich gerne eine tiefere Emotion zu seiner Figur aufgebaut.
Trotzdem ist dieser Roman mitreißend und die Suche nach dem unsichtbaren Elefanten im Raum bis zum Ende interessant. Die Verbindung zur vergangenen deutschen Geschichte kommt nach und nach ans Licht und geht uns alle irgendwie an.
Mir gefällt auch der Scherenschnitt des fallenden Mannes auf dem Cover und als Motiv über jedem der - zugegebenermaßen für meinen Geschmack oft sehr kurzen - Kapitel.

Bewertung vom 27.11.2025
Beyer, Martin

Elf ist eine gerade Zahl


sehr gut

Dieses Buch von Martin Beyer lässt mich sehr zweigespalten zurück. Einerseits die Geschichte von Katja und ihrer 14jährigen Tochter Paula, bei der nach einer überstandenen Krebserkrankung eine Metastase entdeckt wird. Im Mittelpunkt steht hier die Mutter und wie sie mit der Situation umgeht und fertig wird. Aber genau das beschreibt der Autor hier, kann man mit so einer Situation überhaupt fertig werden? Katja jedenfalls durchlebt viele Phasen zwischen Zuversicht und Verzweiflung, kann nicht schlafen, nicht essen, nur irgendwie funktionieren. Sie stößt Freunde und Familie vor den Kopf, möchte ihre Nähe und kann sie doch nicht wirklich ertragen. All das beschreibt der Autor mit so viel Empathie dass man schon ahnt, was er in seiner Danksagung am Ende ausdrückt: er hat eigene Erfahrungen mit dem Thema gemacht und mit diesem Buch auch versucht, sie zu verarbeiten anstatt sie zu verdrängen. Während des Lesens habe ich oft gedacht: genauso kann ich mir vorstellen, wie sich eine Mutter in dieser Situation fühlt. Und ja, sie hat das Recht, sich so ambivalent zu verhalten. Und Hut ab für die Kraft, die Katja hier aufbringt und wieviel sie als Mutter aushalten muss und deshalb auch kann. Für diesen Teil des Buches hätte ich alleine 5 Sterne vergeben.
Andererseits nun die Geschichte, die Katja ihrer Tochter erzählt, um wieder eine Verbindung zu ihr zu finden. Die Idee an sich ist kreativ und liebevoll und vor allem funktioniert sie. Doch die Geschichte selber nimmt mir im gesamten Buch zu viel Raum ein. Ich habe einen Roman über ein schwieriges Thema erwartet und zur Hälfte auch bekommen, die phantasievolle Erzählung aus TausendundeinerNacht ( mir gefiel hier die Anspielung am Ende auf Tausendundein Dank sehr ) war am Anfang zwar spannend und man versucht natürlich, den tieferen Sinn dahinter zu sehen. Aber zunehmend möchte ich mehr von Katja und Paula erfahren und weniger von Pola und dem Fuchs. Auch gefällt mir der Schreibstil zur erlebten Situation viel besser, er ist pointiert, manchmal fast humorig und beinhaltet mitunter interessante Worte ( "...sie bleibt weitgehend trocken, dabei wäre es nicht verkehrt, so richtig durchgeregnet zu werden." S. 301) Die Geschichte selber ist ganz schön hart, aber genau das braucht Paula, sie möchte nicht immer nur weich gespült und beschützt werden.
Der Titel und das Cover gefallen mir beide ausgesprochen gut. Der Fuchs als emotionaler Begleiter in Form eines schon fast ausrangierten Kuscheltiers gibt auch der Geschichte einen Rahmen und darf hier optisch nicht fehlen. Und mit der Kraft des Willens, der Hoffnung und des Kämpfens, könnte auch 11 eine gerade Zahl sein.
Ein Buch, dass mich auf jeden Fall beeindruckt und nachdenklich gemacht hat - zumindest zur Hälfte.

Bewertung vom 18.11.2025
Henn, Carsten Sebastian

Sonnenaufgang Nr. 5


sehr gut

Der 19jährige Jonas reist ans Meer, um die Autobiografie der exzentrischen Filmdiva Stella Dor zu verfassen. Dabei flüchtet er aus seinem eigenen Leben und findet Menschen, die auf ihre ganz individuelle Weise in ihren Erinnerungen leben.
In Sonnenaufgang Nr. 5 erzählt Carsten Henn von vielen verschiedenen Charakteren, die sich unterschiedlich mit ihrer Vergangenheit auseinander setzen. Allen voran Stella, die sich eine eigene Welt aus Glamour und Ruhm erschaffen hat, um die belastenden Dinge zu übertünchen. Doch was ist Fiktion und was Realität? Interessant zu lesen, wo die Schauspielerin endet und der Mensch Stella hervorkommt. Auch Jonas hat sein Päckchen an Erinnerungen zu tragen, was vor allem mit seiner früh verstorbenen Mutter zu tun hat. Die zarten Bande, die er mit Nessa knüpft, sind belastete von der eigenen Verunsicherung und dem Erlebten der jungen Frau.
Es sind zahlreiche Charaktere, die Henn hier in seinem Roman darstellt, bei denen sich Menschen mit ihren Erinnerungen auseinander setzen: Da ist Paul, der zunehmend dement wird und sich den Namen seines Hundes nicht mehr merken kann; Geraldo, der früher mal Lehrer war und jetzt nur noch Sonnenuntergänge malt; Bentje, die an der Bushaltestelle sitzt um die Stimme ihres verstorbenen Mannes als Bandansage zu hören.
Dieses Buch könnte traurig und schon fast ein bisschen schwermütig machen bei den Themen, die Henn hier alle anspricht: Trauer, Verlust, Einsamkeit, Verlust der eigenen Identität und Verdrängung von Ereignissen. Doch mit seinem philosophischen Ansatz und seinen humorigen Darstellungen kommt dieser Roman federleicht daher, auch wenn für meinen Geschmack der Autor manchmal ein bisschen zu weit über das Ziel hinaus schießt. "Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter" ist doch sehr abgedroschen, allerdings gibt es ein sehr schönes Zitat, das in meinen Augen den vorherrschenden Ton in diesem Roman wiedergibt: "Der Kopf weiß das, aber das Herz ist dumm. Es ist kurzsichtig, launisch und unzuverlässig. Und trotzdem ist es der Chef im Laden." (S.140)
Wer Bücher mit philosophischer Betrachtungsweise mag ist hier genau richtig, es ist leichte Unterhaltung und trotz des ernsten Themas ein Wohlfühlen-Roman.

Bewertung vom 10.11.2025
Dröscher, Daniela

Junge Frau mit Katze


gut

Ela hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Körper, was auch unter anderem daran liegt, dass die Körperfülle ihrer Mutter immer Thema in der Familie war. Zwischen Promotion und Arbeit zerrieben hat sie verschiedene Symptome, die jedoch niemand vollständig zuordnen kann. Während ihr Körper sie zunehmend im Stich lässt fühlt sich Ela von den Ärzten nicht ernst genommen.
Beim Lesen schwankt man zwischen Hypochondrie und psycho-somatischen Beschwerden, oder ist Ela doch viel ernsthafter erkrankt und man tut ihr Unrecht? Auf jeden Fall kreist dieses Buch immer um ihre körperliche und damit auch geistige Verfassung. Was ich am Anfang sehr interessiert verfolgt habe wird allerdings im Laufe des Romans zunehmend ein bisschen langweilig. Auch die Beziehung zwischen Ela und ihrer Mutter, die alles andere als normal ist, wird stark vom Thema Gesundheit geprägt. Und so ist mir dieses Buch nicht vielschichtig genug, ich hätte mir da etwas mehr Vertiefung auch in andere Aspekte gewünscht. Dazu bleibt mir die Protagonistin eher fremd. Ich fand sie bis zum Schluß nicht besonders sympathisch, obwohl bei diesem Thema Mitgefühl doch eine große Rolle spielt.
Ich habe den Vorgängerroman von Daniela Dröscher nicht gelesen, kenne aber die Thematik und die sehr guten Kritiken. Wahrscheinlich ist deshalb diese Geschichte ein wenig enttäuschend für mich, auch wenn am Ende neben allen Symptomen und Arztbesuchen dann doch noch etwas passiert.
Der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen, viele Beschreibungen sind bildlich gut dargestellt.
Ich würde den Roman hauptsächlich Menschen empfehlen, die sich mit ihrem Körper intensiv auseinander setzen oder viele Erfahrungen im Gesundheitsbereich gemacht haben.

Bewertung vom 07.11.2025
Lillegraven, Ruth

Düsteres Tal


sehr gut

Es ist der letzte Teil einer Trilogie um Clara Lofthus und ich kann empfehlen, die beiden Vorgänger vorher gelesen zu haben. Auch wenn man zunächst gut in die Handlung hinein kommt und immer wieder Rückblicke erzählt werden fehlen doch im Laufe der Handlung einige Vorkenntnisse, die die Geschichte erst richtig abrunden.
Clara ist eine intelligente, zielstrebige und ehrgeizige Politikerin, die jedoch Zeit ihres Lebens unter dem frühen Tod des Bruders und dem Suizid des Vaters leidet. Auf ihrem kompromisslosen Weg zum Kindeswohl in der Bevölkerung ist sie bereit, wie auch schon in der Vergangenheit weit über die Grenzen des Legalen zu gehen.
Von Beginn an bleibt Clara mir unsympathisch, sie ist egoistisch und berechnenden. Auch Claras Verhalten gegenüber ihrem Mann und ihren Zwillings-Söhnen empfinde ich als sehr lieblos. Es ist spannend zu verfolgen, wie ein Journalist auf der Suche nach einem interessanten Podcast-Thema fast nebenbei auf ihre Verfehlungen in der Vergangenheit stößt. Die Jagd auf die aufsteigende Politikerin scheint zunächst völlig aus der Luft gegriffen, bis sich dann die Schlinge immer enger zieht.
Gut gefällt mir, dass in diesem Thriller einmal die Rollen vertauscht sind: die Frau arbeitet in der Politik und macht Karriere während ihr Mann Axel sich wie selbstverständlich um den Haushalt und die Kinder kümmert. Gerade am Anfang des Buches, als die Familie noch in Nairobi lebt, ist es witzig zu lesen, wie sich Axel mit den anderen besseren Hälften - natürlich alles Frauen - zum Tennis und Kaffeetrinken trifft. Ansonsten ist seine Figur für meinen Geschmack zu passiv, zu konfliktscheu und manchmal auch zu naiv. Am meisten leid tun mir die Zwillinge, die viel mehr in der Vergangenheit miterlebt haben als Clara vermutet und mit dem großen Ballast mehr schlecht als recht leben müssen.
Auch das relativ offene Ende hat mir gut gefallen, obwohl Ruth Lillegraven sich damit eine weitere Fortsetzung offen hält, was ich nach einer Ankündigung für eine Trilogie nicht logisch finde.
Ein spannender und sehr düsterer Thriller über menschliche Abgründe, den man am Besten in der richtigen Reihenfolge als Abschluss zur Trilogie lesen sollte.

Bewertung vom 07.11.2025
Luka, Saskia

Lass uns noch bleiben


sehr gut

Anna liebt Pflanzern mehr als Menschen, denn mit denen hat sie schlechtere Erfahrungen gemacht. Zurückgezogen lebt sie in Berlin, kümmert sich um ihren Pflanzenladen und hat nur Kontakt zu Henning, dem nerdigen Antiquariats-Besitzer nebenan. Bis Alex in Annas Leben tritt und langsam und leise ihr bisheriges Leben durcheinander bringt.
Saskia Luka beschreibt eine junge Frau, die von ihrer Liebe verlassen wurde und sich ganz zurückzieht aus dem geselligen Leben. Mitten in Berlin, der Hochburg der Party- und Kneipenszene, erlebt man Anna als zutiefst einsamen Menschen. Denn anders als es auf Social Media meist dargestellt wird gibt es in der Realität nicht nur die jungen Menschen, die immer schön, immer erfolgreich, immer in Partylaune sind. Interessant ist die Geschichte von Annas verflossener Liebe. Hier sieht man, was Fluchtmodus anstatt Kommunikation und Ehrlichkeit bei Menschen bewirken kann.
Wunderbar ist die Beschreibung von Henning, der als Eigenbrötler noch zurückgezogenen lebt als Anna, sich aber doch unterschwellig sorgt und kümmert. Und dann kommt Alex, der zwar auch sein Päckchen zu tragen hat, aber lebensbejahend und positiv ist. Und so bekommt dieser Roman, der recht schwermütig, fast schon depressiv beginnt, nach und nach einen immer leichteren Beiklang. Zu erleben, wie Henning aus seinem Schneckenhaus kommt, wie Anna ins gesellige Leben zurück findet und wie Alex mit seiner Umwelt kommuniziert ist nicht hektisch und klischeehaft, sondern einfühlsam und leise erzählt.
Dieser mit 190 Seiten relativ kurzer Roman kommt recht unspektakuläre daher, liest sich aber entspannt und locker. Der Schreibstil ist nicht unbedingt besonders anspruchsvoll, passt aber gut zum Erzähltempo und zur Geschichte.
Eine Empfehlung für alle, die beim Lesen eines Buches ein bisschen Hektik aus dem Alltag nehmen wollen und Liebesgeschichten auch mögen, wenn sie zurückgenommen und nicht übertrieben romantisch sind.

Bewertung vom 26.10.2025
Hausmann, Romy

Himmelerdenblau


ausgezeichnet

Romy Hausmann hat mal wieder einen Thriller geschrieben, der nicht nur sehr spannend ist, sondern auch menschliche Schicksale beleuchtet.
Die 16jährige Julie verschwindet aus dem Elternhaus, man befürchtet eine Entführung doch der Fall wurde nie aufgeklärt. Durch einen True-Crime-Podcast befassen sich zwei Journalisten mit allen Personen, die in der Vergangenheit betroffen und beschuldigt wurden.
Hausmann legt den Fokus vor allem auf die menschliche Seite der involvierten Personen. Einfühlsam beschreibt sie die Demenz von Julies Vater Theo aus seiner Sicht, seine kurzen klaren Momente aber vor allem die Aussetzer, die Gedächtnislücken und die gemischten Gefühle mitsamt seinen Ausbrüchen. So bekommt man als Leser den Blick auf die Gedankenwelt einer dementen Person und kann manche Reaktionen dadurch nachvollziehen. Auch das Leben von Julies Schwester Sophie nach dem Verschwinden ihrer Schwester ist interessant, die Abgründe, die sich für eine 14jährige auftun. Spannend bleibt bis zum Schluß, was mit Julie passiert ist und auch das Ende lässt einen berührt zurück.
Ein sehr empfehlenswerter Thriller, der auch ohne brutales Blutvergießen einen ungemeinen Sog ausübt und eine große Spannung aufrecht erhält.

Bewertung vom 20.10.2025
Fagan, Kate

Die drei Leben der Cate Kay


gut

Es ist zunächst die Geschichte der jungen Anne Marie (Annie) Callahan, die in einer Kleinstadt aufwächst und vom Leben als berühmte Schauspielerin träumt. Nach einer folgenschweren Entscheidung verlässt sie ihr altes Leben und wird zu Cass Ford, wobei sie es schafft, eineerfolgreiche Bestseller-Autorin zu werden. Dieses Buch veröffentlicht sie unter dem Pseudonym Cate Kay, um in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben.
Kate Fagan lässt in ihrem Debütroman ihre Protagonistin gleich in drei verschiedene Figuren schlüpfen und diese in kurzen Kapiteln selber zu Wort kommen.
Am besten gefällt mir die Geschichte von Annie, ihr Heranwachsen, die Beziehung zu ihrer besten Freundin und der Erlebnisse, die zu ihrer Flucht als Cass Ford geführt haben. Es geht um viele Themen, um Freundschaft und Liebe, um Vertrauen und Verrat, um Ruhm und Schuld. Dabei bleibt mir Annie/Cass/Cate jedoch immer ein wenig fremd und ich kann mich nicht wirklich in sie hinein versetzen. Auch ist sie kein sehr sympathischer Mensch, vor allem nicht als Cass oder Cate. Ab der Mitte fand ich den Schreibstil mit dem raschen Wechsel der Perspektiven manchmal etwas verwirrend und zunehmend ermüdend. Ich hätte mir gewünscht, der Protagonistin näher zu kommen und mich besser mit ihr zu identifizieren, habe aber keinen wirklichen Zugang zu dieser Person gefunden.
Es baut sich zwischenzeitlich auch ein bisschen Spannung auf, denn natürlich ist es nicht immer leicht, mit drei verschiedenen Identitäten zu leben. Hier wird das Thema Vertrauen zu einem elementaren Element, doch wem kann man in Annies Situation wirklich trauen?
So bleibt es ein Buch, dass für mich ein gutes Thema mit großem Potenzial hat, mich aber nicht ganz überzeugen konnte. Die Themen sind vielfältig und durchaus interessant. Der Roman liefert eine gute Unterhaltung vor allem für junge Leute, bleibt mir aber nicht lange im Gedächtnis erhalten.