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leseratte1310
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Niederrhein
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Bewertungen

Insgesamt 3726 Bewertungen
Bewertung vom 30.05.2025
Moriarty, Liane

Vorsehung


sehr gut

Es gibt Menschen, die zu gerne einen Blick in ihre Zukunft werfen würden. Doch ich glaube, dass die überwiegende Mehrheit gar nicht wissen will, was ihnen widerfahren könnte, und schon gar nicht wollen sie eine unerwünschte Vorsehung erhalten.

Doch die Menschen auf dem Drei-Uhr-zwanzig-Flug von Hobart nach Sydney können solch einer Vorsehung nicht entgehen, denn die unscheinbare alte Dame, die zuvor niemandem aufgefallen ist, weissagt allen Menschen Schreckliches. Weiß sie wirklich, was die Zukunft bringt? Oder ist sie verrückt? Die meisten Fluggäste tun das alles als Unfug ab, doch dann werden die ersten Vorhersagen wahr.

Die Autorin Liane Moriarty lässt uns teilhaben an den Gedanken und Handlungen verschiedener Menschen, die mit einer solchen Aussage konfrontiert wurden. Wird es Auswirkungen auf ihre Lebensentwürfe haben?

Der Roman beginnt recht gruselig. Da wird den Fluggästen etwas an den Kopf geworfen, das für sie erschreckend ist. Doch es macht auch neugierig darauf, welchen Einfluss dies auf das Leben der Menschen haben wird. Allerdings fand ich das Ganze durch die Vielzahl der Betroffenen etwas unübersichtlich und manchmal auch etwas langatmig. Der Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen.

Man stellt sich beim Lesen unweigerlich die Frage: Wie würde ich mit so einer Vorsehung umgehen? Würde es mein Leben verändern? Könnte ich meinem Schicksal überhaupt entgehen? Ich denke, dass jeder sein Leben so leben sollte, als hätte man nur noch diesen einen Tag.

Obwohl mich dieses Buch nicht so ganz packen konnte, hat es mich doch zumindest nachdenklich gestimmt.

Bewertung vom 27.05.2025
Leciejewski, Barbara

Am Meer ist es schön


ausgezeichnet

Nicht nur während der NS-Zeit gab es die Kinderlandverschickung, auch in den Jahren danach bis in die neunziger Jahre wurden Kindern Kuren verordnet, um sie aufzupäppeln. Was als schöner Urlaub angekündigt wurde, entpuppte sich dann aber oft als eine schlimme Zeit. Für viele blieb ein Trauma, das sie bis ins Erwachsenenleben verfolgt, über das aber nicht gesprochen wurde.
Dieser Roman der Autorin Barbara Leciejewski befasst sich mit dem Thema „Verschickungskinder“. Ich habe schon einige Romane der Autorin gelesen und auch dieses Mal konnte sie mich wieder berühren. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: 1969 und 2018.
Die achtjährige Susanne soll sechs Wochen an der Nordsee im Kinderkurheim „Morgentau" verbringen. Sie erlebt wie die anderen Kinder eine furchtbare Zeit. Gewalt, Bestrafungen und Erniedrigungen sind an der Tagessordnung. Der Kontakt zu den Eltern wird zensiert. Dann erlebt Susanne etwas, das ihr noch als Erwachsene Alpträume beschert. Erst als ihre Mutter im Sterben liegt, stellt sich Susanne ihrem Trauma und beginnt sich zu öffnen.
Die „Tanten“ in dem Kurheim verlangen Disziplin und verhalten sich hart und kalt gegenüber den Kindern. Wer nicht mitspielte wurde bald wieder entlassen.
Nicht in allen Kurheimen ging es so zu, leider aber in viel zu vielen. In Susanne und die anderen Kinder, die sich total hilflos und verlassen fühlen, konnte ich mich hineinversetzen. Was ich nur nicht verstehe ist: Haben die Eltern nach der Rückkehr ihrer Kinder nichts bemerkt? Warum wurde den Kindern, wenn sie erzählten, nicht geglaubt? Das Vertrauen zu Erwachsenen, ganz besonders zu den Eltern, wird erschüttert.
Es ist eine düstere, erschreckende Geschichte. Die einzigen Lichtblicke waren die kurzen frohen Momente, welche die Kinder sich selbst verschafften.
Dieser Roman lässt einen nicht so schnell los.

Bewertung vom 26.05.2025
Holm, Thorben

Spürt meinen Zorn (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Emelie Gutenberg ist zurück in Offenburg und bekommt es gleich mit grausamen Morden zu tun. Es scheint kein allzu schwieriger Fall zu werden, denn es gibt eine Spur, ein Motiv und Zeugen. Doch dann ergibt sich ein vollkommen anderes Bild, der Täter scheint mit ihnen zu spielen. Aber für ihn ist es kein Spiel, sondern vollkommen ernst, denn er sieht sich als zornigen Rächer. Emelie will ihn überführen und bringt sich damit in Gefahr.
Dieser Thriller des Autors Thorben Holm ist düster, grausam und spannend. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen.
Emilie ist nach ihrer Ausbildung als Fallanalytikerin zurück bei der Kripo in Offenburg. Sie ist ehrgeizig und will weiterkommen und betrachtet diese Stelle als Übergang. Da sie jünger aussieht als sie ist, wird sie von den Kollegen als „Küken“ gesehen. Sie glaubt den Täter zu durchschauen, aber er scheint ihr immer voraus zu sein, da er seine Vorgehensweisen verändert.
So nach und nach erfahren wir mehr über den Täter und was ihn antreibt. Er möchte für Gerechtigkeit sorgen, wo die Justiz seiner Meinung nach versagt.
Immer neue Wendungen sorgen dafür, dass es bis zum Ende sehr spannend bleibt. Mir hat dieser fesselnde Thriller gut gefallen und nachdenklich gestimmt.

Bewertung vom 24.05.2025
Deya, Claire

Eine Welt nur für uns


sehr gut

Kurz vor Ende des Krieges ist der Strand der Côte d’Azur voller Mienen, die weggeräumt werden müssen. Diese Arbeit wird von Freiwilligen und Kriegsgefangenen mit wenig geeigneten Mitteln übernommen. Die Arbeit ist lebensgefährlich. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Dazu muss aber erst das Misstrauen und der Hass überwunden werden.
Vincent, ein Überlebender aus deutscher Kriegsgefangenschaft, ist auf der Suche nach seiner großen Liebe Ariane, die verschollen ist. Der Résistance-Kämpfer Fabien hasst die Deutschen. Dann ist da noch die Jüdin Saskia, die aufgrund von Denunziation ihre gesamte Familie verloren hat und bei ihrer Rückkehr fremde Menschen in ihrem Elternhaus vorfindet.
Sie haben überlebt, aber sie haben noch die Bilder vom Krieg in ihren Köpfen und kämpfen mit den Erinnerungen, Verlusten und Schuldgefühlen. Es gelingt ihnen nicht, nach vorne zu schauen und an eine Zukunft zu denken. Die Protagonisten haben Ängste und trauen niemandem und vor allem wollen sie vergessen. Doch die Gefahr, in der sie ständig schweben, bringt sie mit der Zeit langsam näher zusammen.
Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist packend. Auch das Nachwort ist informativ und interessant.
Die Autorin Claire Deya erzählt glaubwürdig und eindringlich, über die schwierige Zeit und die Nöte und Verletzungen der traumatisierten Menschen, ganz gleich wo sie herkommen und was ihnen widerfahren ist. Es ist nicht leicht nach alldem sich dem anderen anzunähern.
Dieser berührende Roman ist interessant und macht einen nachdenklich

Bewertung vom 20.05.2025
Kribbeler, Natascha

Der kleine Häkelladen am Strand (eBook, ePUB)


sehr gut

Ida lebt seit einigen Jahren in einer Beziehung mit Oscar. Sie fühlt sich eigentlich zufrieden, wenn da nicht ihr bisher unerfüllter Kinderwunsch wäre. Während sie sich sehnlichst ein Baby wünscht, ist das für Oscar kein Thema. Er fühlt sich eher genervt. Ein gemeinsamer Urlaub an der Westküste von Dänemark ist geplant, doch kurz vor der Abreise sagt Oscar ab, weil er arbeiten muss. Ida ist enttäuscht und entscheidet sich dann, alleine zu fahren. Ihre beste Freundin Hanna und deren Bruder Erik muntern sie auf. Ida fühlt sich in ihrer alten Heimat wohl. Als sie ein verlassenes Haus entdeckt, möchte sie gerne dort mit Oscar leben, ihr Hobby zum Beruf und sich mit einem kleinen Häkelladen selbständig machen. Doch Oscar lehnt rigoros ab. Etwas später muss Ida feststellen, dass Oscar etwas vor ihr verbirgt. Ida beschließt, das Haus alleine zu kaufen und sich ihren Traum zu erfüllen.
Dieser Roman liest sich angenehm flüssig.
Die Charaktere sind gut dargestellt. Ida glaubt lange an ihr Glück mit Oscar, um dann bitter enttäuscht zu werden. Eigentlich hätte sie die Anzeichen schon früher erkennen müssen. Sie hat ihm zuliebe ihre Heimat verlassen. Als sie sich wünscht mit Oscar dorthin zurückzukehren und eine Familie zu gründen, muss sie feststellen, wie unterschiedlich ihre Lebensentwürfe sind. Doch dann gibt es eine weitere unangenehme Überraschung. Ida nimmt ihr Leben wieder selbst in die Hand und wird stark genug, mit allem was da kommt fertigzuwerden. Obwohl Ida Erik schon ewig kennt, kommen sich die beiden bei der Renovierung des Hauses langsam näher.
Auch wenn ziemlich vorhersehbar ist, wie die gefühlvolle Geschichte endet, so habe ich sie doch gerne gelesen.

Bewertung vom 20.05.2025
Winter, Claire

Die Erbin


ausgezeichnet

Köln in den fünfziger Jahren: Cosima Liefenstein stammt aus einer angesehenen Industriellenfamilie. Der Zufall brachte sie mit einer jungen Mutter zusammen, die es in jener Zeit sehr schwer hatte. Daher will Cosima ihr und anderen bedürftigen Frauen helfen und gründet eine Stiftung. Cosima möchte mehr über ihre Familie erfahren, trifft aber nur auf Schweigen. Leo Marktgraf, ein junger Journalist, will wissen, warum sein Freund gestorben ist, der Vorwürfe gegen die Familie Liefenstein erhoben hatte. Als Cosima und Leo recherchieren, stechen sie damit in ein Wespennest und bringen sich und andere in Gefahr, denn die Netzwerke aus der NS-Zeit funktionieren immer noch perfekt und wollen, dass das auch so bleibt.

Dieser Roman von Claire Winter ist spannend und erschreckend. Von Anfang an hat mich diese Geschichte gepackt, die so viel mehr ist als eine Familiengeschichte. Wir erfahren, wie sich Industriellenfamilien mit den Nazis gemein gemacht haben und deren Gräueltaten nicht nur toleriert, sondern auch aktiv mitgestaltet haben. Nur dank der Zwangsarbeiter konnten sie ihre Geschäfte weiterführen, wobei Kontakte zur Regierung äußerst hilfreich waren. Die fiktive Familie Liefenstein steht für viele andere Industrie-Dynastien, die ihre Historie gerne im Dunkeln gelassen hätten, um auch in der jungen Bundesrepublik weiterführen zu können.

Immer wieder gibt es zwischendurch Rückblicke, die das Leben der Familie, der Freunde und der Angestellten in der schrecklichen Zeit des Nationalsozialismus zeigen. Für die einen gab es gute Geschäfte, für andere Not und Tod.

Nachdem ihr Vater Edmund durch einen Unfall ums Leben kam, ist Cosima bei ihrem Onkel Theodor aufgewachsen. Die beiden haben eine enge Beziehung, aber Fragen nach der Vergangenheit bleiben unbeantwortet. Cosima ist eine starke mitfühlende Person. Als sie mehr über ihre Familie wissen will, bringt sie nicht nur Unruhe in die Familie, sie schreckt auch andere auf. Leo hat andere Gründe für seine Nachforschungen, doch auch die hängen mit der Familie Liefenstein zusammen. Cosimas Onkel Theodor ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Er verhält sich ganz im Sinne seines Vaters Wilhelm, für den Geschäft und Ansehen das Wichtigste ist. Doch dann passiert etwas, das in ihm etwas auslöst, was zu einer Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit führt.

Elisa Kopper kommt siebzehnjährig als Hausmädchen in die Familie Liefenstein und wird später dann Kindermädchen für Cosima. Wie ungeschützt Angestellte waren, zeigt sich, als sie Hals über Kopf die Villa verlassen muss. Aber auch das Schicksal von David, Edmunds Freund, hat mich sehr berührt.

Dieser grandiose Roman erzählt eine Geschichte, die berührt und einen lange nicht loslässt. Meine absolute Empfehlung!

Bewertung vom 11.05.2025
Ades, Audrey

Ich bin Nannerl Mozart - Das vergessene Wunderkind


ausgezeichnet

Nannerl Mozart wächst in einer musikalischen Familie auf. Seit sie dem Vater und seinen Freunden beim Musizieren zugehört hat, liebt sie die Musik. Sie und ihr Bruder Wolfgang lernen Cembalo zu spielen und treten sogar auf. Sie ist begabt und komponiert sogar. Doch als ihr Bruder eines ihrer Stücke spielt, schränkt der Vater sie sehr ein. Während Wolfgang mit dem Vater verreist, muss sie zu Hause bleiben. Doch immer hält sie Kontakt zu ihrem Bruder, der erst weniger wird, als sie heiratet. Als Wolfgang stirbt, ist sie erschüttert und kehrt zur Musik zurück.
Nannerl wächst in einer Zeit auf, als Mädchen noch nicht gefördert wurden, sondern sie sollten sich auf die Ehe vorbereiten. Es ist also schon außergewöhnlich, dass Nannerl Cembalo spielen darf. Doch als sie zeigt, was sie draufhat, wird ihr weitere Förderung vom Vater verwehrt. Er kümmert sich nur noch um seinen Sohn. Auch wenn Nannerl so eingeschränkt wird, geht ihre Liebe zur Musik nie verloren.
Die Autorin Audrey Ades erzählt von diesem begabten musikalischen Mädchen, das nicht tun darf, was es am meisten liebt. Aber Nannerl ist mutig und stark und geht ihren Weg. Die Sprache ist kindgerecht und gut verständlich. Dazu passen die wunderschönen Illustrationen.
Am Ende des Buches werden noch die Fakten zur Familie Mozart aufgeführt.
Ein wirklich empfehlenswertes Buch.

Bewertung vom 11.05.2025
Kaduji, Raahat

Die kleine Haselmaus ist gar nicht müde


ausgezeichnet

Der Winter ist vorbei, der Frühling da und die kleine Haselmaus Flora ist hellwach, da sie den ganzen Winter geschlafen hat. In ihrem Kopf schwirren jede Menge Fragen herum. Flora möchte die Welt entdecken und so macht sie sich auf den Weg, während die anderen Haselmäuse noch schlafen. Flora findet neue Freunde und entdeckt wirklich ganz viel Tolles. Doch dann naht der Winter und sie wird müde. Sie kuschelt sich in einem Bau ein und ist prompt im Schanz eines Fuchses gelandet. Doch wenn der wach wird, dann wird es für Flora lebensgefährlich. Hoffentlich können ihre Freunde ihr helfen.
Flora ist eine herzallerliebste Figur. Sie ist neugierig und will die Welt entdecken. Da sie freundlich ist, findet sie auch überall Freunde. Sie erfährt viel über die Natur und wie andere Tiere so leben.
Die Sprache ist kindgerecht und die bunten Illustrationen wirklich schön. Dort gibt es einiges zu entdecken. Die Geschichte zeigt aber auch, dass es gut ist Freunde zu haben, die füreinander da sind.
Ein schönes Buch für die lieben Kleinen.

Bewertung vom 09.05.2025
Groß, Maria

Natürlich Maria (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ich muss sagen, dass mir weder das Restaurant „Bachstelze“ noch der Name „Maria Groß“ etwas sagten, aber an Kochbüchern komme ich nur schwer vorbei und entsprechend groß ist meine Sammlung. Häufig aber bin ich nachher enttäuscht, weil ich sie dann nicht so recht nutze.
Dieses Kochbuch von Maria Groß aber werde ich ganz bestimmt noch häufiger nutzen, denn die Rezepte sind ansprechend, unkompliziert und daher gut nach zu kochen. Dabei sind auch Rezepte, die für Vegetarier geeignet sind. Maria bevorzugt regionale und nachhaltige Produkte.
Neben den Rezepten gibt es aber auch Geschichten von Maria und ihrem Restaurant, Informationen zur Vorratshaltung und Grundrezepte, die man einfach nutzen kann, dazu noch eine Menge Tipps. Auch die Register am Ende sind hilfreich.
Untermalt wird das ganze durch farbenfrohe Fotos, die Appetit auf die Gerichte machen.
Ich kann dieses Kochbuch nur empfehlen.