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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Barbara
Wohnort: 
Remscheid

Bewertungen

Insgesamt 187 Bewertungen
Bewertung vom 26.09.2021
Wenn ich wiederkomme
Balzano, Marco

Wenn ich wiederkomme


ausgezeichnet

Daniela lässt ihre zwei Kinder in Rumänien beim Vater und den Großeltern zurück, um in Italien als private Pflegekraft zu arbeiten. Doch wie kommen die Kinder zurecht, die zurück bleiben müssen, ihre Mutter vermissen und bald darauf auch vom Vater verlassen werden? Was bedeutet es für die Mutter selber, die zerrissen wird zwischen der Liebe zu ihren Kindern, dem Wunsch, ihnen mit ihrem sauer verdienten Geld ein besseres Leben zu ermöglichen und einer bis zur Depression zermürbenden Arbeit?
Diesen Fragen geht Marco Balzano in seinem Roman so eindrücklich nach, dass er den Lesern die Augen öffnet über das Leben der auch in unserem Land so beliebten 24Stunden-Pflegekräfte aus Osteuropa. Dabei kommt nicht nur Daniela mit ihrer Sicht auf dieses Leben zu Wort, sondern ebenfalls Tochter Angelica und Sohn Manuel, die beide sehr unterschiedlich mit der Situation umgehen. Der jüngere Manuel tut sich besonders schwer, er rebelliert auf seine Art und mit schrecklichen Folgen. Die ältere und angepasste Angelica versucht ihr bestes, um alle Familienmitglieder trotz der Umstände zusammen zu halten und trotzdem ihren eigenen Weg zu gehen.
Cover und Titel passen hervorragend zu diesem Roman, der mich betroffen von einem Thema zurück lässt, das ich aus diesem Blickwinkel noch nie hinterfragt habe. Toll geschrieben, intensiv und dabei nicht zu emotional, gelingt es dem Autor, mich gleichzeitig gut zu unterhalten und tief zu berühren.
Eine unbedingte Leseempfehlung, die neugierig auf weiter Bücher von Marco Balzano macht.

Bewertung vom 18.09.2021
Der Sucher
French, Tana

Der Sucher


sehr gut

Cal Hooper war Cop in Chicago und zieht nach einer gescheiterten Ehe auf der Suche nach innerem Frieden in ein idyllisches Dorf nach Irland. Doch der vermeintlich friedliche Ort mit seinen freundlichen Nachbarn birgt einige Geheimnisse und Cal kann seine Polizisten-Vergangenheit nicht so einfach abstreifen wie gedacht.
Es ist kein typischer Tana French Thriller, sondern ein Roman den die Autorin diesmal geschrieben hat. Geblieben sind die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen und Charakterstudien der einzelnen Personen, zudem ein eher gemächlicher Handlungsverlauf. Was mir bei den Thrillern immer gut gefallen hat geht in diesem Roman leider ein bisschen zu Lasten der Spannung, erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Die Protagonisten und ihre Konflikte sind sehr interessant und authentisch.
Das Cover und der Titel, der zum Glück einfach aus dem Englischen übersetzt wurde, passen sehr gut zum Inhalt des Buches.
Sicher nicht Tana Frenchs bestes Buch bisher aber der Roman ist unterhaltsam und kurzweilig.

Bewertung vom 18.09.2021
Die andere Tochter
Golch, Dinah Marte

Die andere Tochter


sehr gut

Antonia Petzold bekommt nach einem Unfall die Hornhaut einer Verstorbenen implantiert. Doch nach dieser Operation fühlt sie sich verändert, nicht mehr wohl mit ihrem Beruf, ihrem Freund und ihrer Familie. Als sie die Chance bekommt, die wohlhabende Familie der Spenderin kennen zu lernen und von deren Mutter sehr herzlich aufgenommen wird, lernt sie ein völlig andere Welt kennen. Und plötzlich muss sie vieles aus ihrer Vergangenheit hinterfragen und begibt sich auf die schmerzhafte Suche nach der eigenen Identität.
Es ist eine sehr spannende Geschichte, die Dinah Marte Golch hier erzählt. Viele verschiedenen Themen sind miteinander verknüpft, hier geht es um Organspende und deren psychologische Folgen, um Beutekunst aus der Nazizeit und um jeden Preis gewahrte Familiengeheimnisse. Doch zugleich ist das mein Kritikpunkt, vielleicht ist das alles ein bisschen zu viel für einen Roman. Jedes dieser Themen hätte vertieft schon für eine eigenen Geschichte gereicht - obwohl dieser Mix zugegebener Maßen sehr spannend und kurzweilig ist. Der Schreibstil liest sich angenehm und fesselnd, in der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte mit immer neuen Wendungen viel Fahrt auf. Ich habe meist mit der Figur der Toni Petzold gefühlt, allerdings kommt mir einiges doch eher unrealistisch und übertrieben vor. Hier gibt es ein paar zu viele Zufälle und zu übertriebene Reaktionen.
Das Cover passt hervorragend zu diesem Roman, in dem Antonia mühsam die Puzzle-Steinchen aus ihrer Vergangenheit zusammen setzt.
Ein spannender und unterhaltsamer Roman mit vielen Facetten und ein paar Abstrichen an die Realität.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.09.2021
Reise durch ein fremdes Land
Park, David

Reise durch ein fremdes Land


ausgezeichnet

Der Fotograf Tom macht sich mit dem Auto von Irland aus auf die Reise nach England, um seinen kranken Sohn Luke zu Weihnachten nach Hause zu holen. Schwere Schneefälle verhindern eine Flugreise, auch die Straßen sind gefährlich glatt und schlecht zu befahren. Doch für die Familie ist es ganz wichtig, dass Luke nach Hause kommt und Tom nutzt die Stunden alleine im Auto, um sein Verhältnis zu seinem ältesten Sohn Daniel aufzuarbeiten und sich seinem Verhalten in der Vergangenheit zu stellen.
Erst nach und nach lernt der Leser Tom kennen, aus der zunächst etwas übertriebenen Fürsorge für Luke wird zunehmend Verständnis. Nur begleitet von der Stimme des Navis lässt er die Gedanken an Daniel zu, seine Kindheit, die unbeschwerten Zeiten als glückliche Familie. Er, der sich als Fotograf immer ein bisschen hinter dem Objektiv versteckt, setzt sich gedanklich mit seiner Sprachlosigkeit, mit Liebe, Verlust und Schuld auseinander.
Sprachgewaltig und intensiv beschreibt David Park diese Reise durch ein fremdes Land, das sich sowohl auf die Landschaft als auch auf Toms schonungslose Selbstreflexion bezieht. Hier ist der Titel hervorragend gewählt und das Cover ist wunderschön. Der Schreibstil vermittelt einem fast das Gefühl, mit Tom im Auto zu sitzen und durch die verschneite Landschaft zu fahren.
Diese Buch hat mich zutiefst berührt und ist einerseits sehr traurig, hinterlässt jedoch zum Ende trotz allem einen Hoffnungsschimmer. Die Qual des Vaters ist so authentisch beschrieben, dass ich kaum glauben konnte, dass David Park nicht selber so eine Erfahrung gemacht hat.
Eine unbedingte Leseempfehlung für dieses ganz besondere Buch, das noch lange im Gedächtnis bleibt.

Bewertung vom 30.08.2021
Wo das Licht herkommt
Skorpil, Clementine

Wo das Licht herkommt


gut

Im 18. Jahrhundert flieht die junge und wissbegierige Philippine als Mann verkleidet nach Wien, um der Hochzeit mit einem ungeliebten und brutalen Mann zu entfliehen. Als Philipp lebt sie fortan immer mit der Angst vor Entdeckung, studiert in Rom Medizin und in Coimbra Kartografie und verliebt sich, flieht schließlich nach China.
Das wunderschöne Cover und der passende Titel machen sofort neugierig, der Inhalt dieses Romans von Clementine Skorpil überrascht vor allem durch den anspruchsvollen Schreibstil: teils blumige, teils äußerst brutale Beschreibungen, immer wieder altmodische umgangssprachliche Ausdrücke und häufige Zeitsprünge. Sehr interessant zu lesen ist diese Geschichte über den abenteuerlichen Lebensweg einer jungen Frau im 18. Jahrhundert, dabei kein leichtes Lesevergnügen.
Man hat das Gefühl, dass die Autorin ihre Liebe zur Sinologie und Geschichte in diesem Buch perfekt vereint hat.
Eine Empfehlung für Liebhaber*innen von anspruchsvollen Büchern und ungewöhnlichem Schreibstil.

Bewertung vom 30.08.2021
Wellenflug
Neumann, Constanze

Wellenflug


sehr gut

Zwei starke Frauen beschreibt Constanze Neumann in ihrem Roman, in dem sie geschickt ihre eigene Familiengeschichte mit Fiktion verbindet.
Da ist zunächst die Geschichte von Anna, erzählt zwischen 1864 und 1905. Geboren in einer großbürgerlichen jüdischen Familie erfüllt sie ihre Pflicht, heiratet standesgemäß und bekommt 5 Kinder, an die sie große Ansprüche stellt. Ausgerechnet ihr ältester Sohn Heinrich jedoch geht eigene Wege, kümmert sich nicht um Konventionen und heiratet die aus einfachen Verhältnissen stammende Marie.
Der zweite Teil handelt von der Schwiegertochter Marie, erzählt ihren Lebensweg von einer einfachen Garderobenhilfe zur Ehefrau von Heinrich, das Auf und Ab ihrer Ehe und der Beginn des 2. Weltkrieges in Deutschland.
Beide Frauenleben sind Beispiele ihrer Zeit: für Anna zählt vor allem, selber eine gute Partei gemacht zu haben und ihre Kinder so gut wie möglich zu verheiraten. Der in ihren Augen missratene Sohn Heinrich passt nicht in ihr Weltbild, beschädigt den guten Ruf und wird mitsamt der ungeliebten Schwiegertochter verstoßen. Darunter leidet Marie zeitlebens, sie bemüht sich sehr um ihren Mann und dessen Familie, ist jedoch gegenüber dem Standesdünkel der Schwiegermutter machtlos.
Beide Frauenschicksale lesen sich spannend und authentisch, beschreiben zugleich ein Sittengemälde ihrer Zeit.
Cover und Titel des Buches sind sehr gut gewählt und passen hervorragend zum Inhalt. Der Schreibstil von Constanze Neumann ist angenehm zu lesen, ein Familienstammbaum auf den ersten Seiten wäre eine angenehme Ergänzung gewesen.
Ein sehr empfehlenswerter Roman über zwei starke Frauen, deren Leben zwar gänzlich unterschiedlichen sind, deren Lebenswege aber schicksalhaft miteinander verknüpft sind.

Bewertung vom 19.08.2021
Wir für uns (eBook, ePUB)
Kunrath, Barbara

Wir für uns (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Josie ist schwanger von ihrem verheirateten Freund, der auf keinen Fall mehr Kinder möchte. Da sie Anfang 40 ist weiß sie jedoch, dass diese Schwangerschaft ihre einzige Chance auf ein Kind sein wird. Hin und her gerissen zwischen ihren Gefühlen lernt sie durch Zufall Kathi kennen, die gerade Witwe geworden ist. Sie reflektiert über ihre Ehe mit Werner und dem Verhältnis zu ihrem erwachsenen Sohn, das nicht das besonders gut ist.
Hier werden zwei völlig unterschiedliche Liebesgeschichten erzählt, beide sind problematisch und dabei zutiefst menschlich. Die Probleme von Kathi und von Josie sind beide typische Beispiele für die jeweilige Generation, das Treffen der zwei unterschiedlichen Frauen spielt dabei gar keine große Rolle.
Barbara Kunrath schreibt sehr fesselnd, man kann das Buch gar nicht aus der Hand legen. Beide Charaktere sind gut getroffen und berühren nicht zuletzt in ihrer Unvollkommenheit. Auch das ernst Thema von Kindern mit Behinderungen ist gefühlvoll und wertfrei umgesetzt.
Ein etwas anderer Liebesroman, sehr unterhaltsam und mit ernsten Seiten, unbedingt empfehlenswert.

Bewertung vom 19.08.2021
Die letzten Romantiker
Conklin, Tara

Die letzten Romantiker


ausgezeichnet

Der frühe Tod des Vaters und die darauf folgende schwere Depression der Mutter schweißt die vier Kinder Renee, Caroline, Joe und Fiona fest zusammen. Doch als sie erwachsen werden geht jeder seinen eigenen Weg und ein Unfall verändert ihr Verhältnis untereinander zusätzlich.
Es ist eine Geschichte über Liebe und Verantwortung, die Tara Conklin in ihrem Buch erzählt. Anders als der Titel suggeriert beschreibt sie keine romantische Liebesgeschichte sondern viele verschiedene Facetten: Mutterliebe, Geschwisterliebe, Elternliebe und partnerschaftliche Liebe. Die Lebensgeschichten der vier Geschwister sind jede für sich interessant und faszinierend, die Charaktere sind überzeugend dargestellt. Auch das Thema Verantwortung zieht sich durch diese Familiengeschichte, wie sie die Leben aller beeinflusst und unterschiedlich prägt.
Ein schönes Cover und ein gelungener Titel, der sich im Laufe der Erzählung erklärt, runden dieses Buch wunderbar ab. Eine absolute Leseempfehlung für Freunde von etwas anspruchsvolleren Familiengeschichten.

Bewertung vom 17.08.2021
Greta und Jannis
Kuratle, Sarah

Greta und Jannis


sehr gut

Es besteht eine tiefe Verbundenheit zwischen Greta und Jannis, die als Nachbarskinder aufwachsen. Aus Freundschaft wird mit zunehmendem Alter Liebe, und obwohl Jannis wegzieht und heiratet bleibt die Verbindung der beiden bestehen.
Ein wunderschönes Cover und der schlichte Titel machen neugierig auf dieses Buch, der Untertitel "Vor acht oder in einhundert Jahren" macht die Zeitlosigkeit dieser Geschichte deutlich. Das harte Leben im letzten Dorf im Gebirge, die ausgesetzten Kinder, die Gretas Tante Severin aufnimmt oder die hindernisreiche Liebesbeziehung könnten eine traurige Geschichte ergeben, Sarah Kuratle hat daraus jedoch eine etwas mystische und fast schon märchenhafte Erzählung gemacht. Ihr Schreibstil ist ungewöhnlich, die wörtliche Rede wird kursiv gedruckt und ist mitten in die Sätze eingestreut. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, aber man liest sich schnell ein. Ihre Beschreibungen sind oft sehr bildgewaltig und poetisch, hier merkt man, dass die Autorin auch Gedichte schreibt.
Eine anspruchsvolle und ungewöhnliche Liebesgeschichte in ausgefallenem Schreibstil.

Bewertung vom 29.07.2021
Der Panzer des Hummers
Minor, Caroline Albertine

Der Panzer des Hummers


sehr gut

Es sind drei völlig unterschiedliche Charaktere, die Caroline Albertine Minor in ihrem Roman beschreibt. Die alleinerziehende Sidsel managed ihr Leben als Kuratorin, braucht dabei jedoch manchmal die Hilfe ihres Bruders Niels, dessen Lebensweise sie aber nicht wirklich versteht. Er arbeitet als Plakatierer und legt mehr Wert auf seine Freiheit als auf Geld und Ruhm. Die älteste Schwester Ea lebt seit vielen Jahren in den USA, sie vermisst die tote Mutter so sehr, dass sie über eine Seherin versucht, Kontakt mit ihr im jenseits aufzunehmen.
Das zugegeben schöne Cover irritiert mich, weil es nur zwei Menschen zeigt, obwohl es um drei Geschwister geht. Der Titel erschließt sich im Text und passt sehr gut zum Inhalt. Hilfreich ist auf jeden Fall die Auflistung der wichtigsten Personen dieses Romans zu Beginn des Buches.
Die Figuren werden überwiegend einzeln in ihrem Leben und ihren Ansichten dargestellt, hier hätte ich mir tatsächlich etwas mehr einen gemeinsamen Nenner unter den Geschwistern gewünscht, vor allem gegen Ende. Sehr interessant liest sich die Geschichte der Seherin Beatrice, die neben den drei Geschwistern intensiv beschrieben wird. Eher unnötig für mich die Passagen über die tote Mutter Charlotte, die sich aus dem Jenseits meldet.
Ein durchaus interessantes Buch über Familienbande mit interessanten Charakteren, das mir jedoch in seiner Gesamtheit ein bisschen zu unrund ist.