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Juti
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Insgesamt 801 Bewertungen
Bewertung vom 04.01.2026
Ammerich, Hans

Speyer


gut

kleine Stadtgeschichte mit nur einem Haken ***

Zweifellos ist dies ein würdiges Buch für die Stadt Speyer. Hättest du etwa gedacht, dass der griechische König Otto als Bruder des bayerischen König dafür sorgte, dass die Stadt heute mit y geschrieben wird? ***

Ahnung hat der Autor schon, aber er hat eins vergessen: Bei einem Stadtführer ist es unbedingte Pflicht, die genannten Orte im Stadtplan zu verzeichnen. Das fehlt. Zu Beginn des Anhangs ist ein kleiner Stadtplan abgedruckt, auf dem außer fünf Kirchen, dem Judenhof und dem Altpörtl alles fehlt, was sehenswert ist. ***

Was auch fehlt ist ein Register. Nein, es fehlt nicht, nur steht die Politik im Mittelpunkt. Andere Themen sind verstreut. In der chronologischen Zeittafel fehlt, dass der Rhein 1929 zum letzten Mal so zufror, dass man gefahrlos zum badischen Ufer gehen konnte (Foto S.138). Die erste Rheinbrücke von 1938 mit einem Dampfzug nach Heidelberg ist dagegen auf S.108 zu sehen. Die Rheinbegradigung von Tulla findet sich auf S.111 und hat 2026 zweihundertjähriges Jubiläum. ***

Geschichtlich lässt das Buch keine Frage offen. Es beginnt bei den Römern, behandelt selbstverständlich den Bau des Domes von etwa 1030 bis 1061 und lässt auch die wichtigen Reichstage zu Speyer 1526 und 1529. Beim letzteren setzte sich der Kaiser durch, wogegen die evangelischen Landesfürsten von Hessen und Brandenburg protestierten, daher kommt der heute noch in der Pfalz gebräuchliche Name Protestanten.
In der Pfalz wurde auf evangelischer Seite bereits 1818 eine Vereinigung zwischen Lutheranern und Reformierten erreicht, in Baden erst drei Jahre später. ***

Nach 1689, nach der Zerstörung durch die Franzosen nahm die Bedeutung Speyers ab, das Reichsgericht zog nach Wetzlar und blieb da. Erst die Bayern im 19. Jahrhundert brachten der Stadt wieder einen Aufschwung, im 20. Jahrhundert muss man die Namen Edith Stein und Helmut Kohl mit Speyer nennen. ***

Nichts von allem fehlt. Heute gibt es 3 Sterne, in der nächsten Auflage mit besserem Stadtplan gibt es mehr.

Bewertung vom 04.01.2026
Austen, Jane

Northanger Abbey


weniger gut

alte englische Schnulze **

Vor Dreikönig ist es mir gelungen, das Jubiläumsjahr des 250. Geburtstags von Jane Austen im Jahre 2025 abzuschließen. Nach „Stolz und Vorurteil“ konnte ich nun ein zweites Werk lesen. **

Bath hatte ich im letzten Jahr besucht und gelesen, dass dieses Buch die Atmospäre in Bath am besten wiedergibt. Das mag auch sein, aber ansonsten ist es eine Schnulze aus dem 18. Jahrhundert. Es gebt nur um Catherine, die eine Beziehung zu Mr Thomson aufbauen will, dem sich aber Hindernisse in den Weg stellen. Es wird unendlich getanzt und unendlich viel geschnattert. **

2 Sterne, weil ich tapfer bis zum Ende durchgehalten habe. Von Jane Austen habe ich nun genug.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.01.2026
Reemtsma, Jan Philipp

Im Keller


ausgezeichnet

Die Doku eines Entführungsdramas *****

Am 25. März ist es 30 Jahre her, dass Jan Philipp Reemtsma entführt wurde. Sein Buch stammt von 1997. Und dass ich es endlich gelesen haben, liegt an dem Film „Wir sind dann mal die Angehörigen“, der die Entführung aus der Sicht seines Sohnes Johannes Scheerer schildert. *****

Anfangs, und das ist schon packend, beschreibt der Autor den Ablauf der Entführung, die Arbeit der Polizei, wie die Geldübergabe scheitert und wie man ohne Polizei die Geldübergabe hinbekommt. 33 Tage nach der Entführung wird er in einem einsamen Wald freigelassen. *****

Doch das Hauptanliegen des Buches ist die Sicht des Gefangenen, der in einem fensterlosen Keller angekettet 33 Tage verbringen muss und nur morgens und abends mit Essen versorgt wird. *****

Reemtsma schildert, wie er sich freute, als er nach den gescheiterten Übergaben mitüberlegen musste, welche Personen noch für die Geldübergabe in Frage kommen. Letztlich machte es ein Pastor, den er noch von der Hafenstraße kannte. *****

Selbst nach seiner Freilassung ist sein Leben massiv beeinträchtigt. Er verträgt kein Klopfen an der Tür mehr und auch in einem Hotel haben ihn Schritte im Flur bereits geweckt. *****

5 Sterne für ein Buch, das einem Einblicke in eine Welt bietet, die du nie erleben willst.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.12.2025
Irving, Washington

The Legend of Sleepy Hollow / Die Sage von Sleepy Hollow (Zweisprachig Englisch-Deutsch)


ausgezeichnet

Gruselige Kurzgeschichte *****

Dank Arte habe ich von dieser Geschichte gehört, die Ursprung des amerikanischen Halloweens ist. *****

Zunächst wird ausführlich, vielleicht zu ausführlich, die Landschaft beschrieben, dann der Schuldirektor, der das Psalmensingen mit den Dorfbewohnern üben will. Schließlich reitet der Junggeselle auf Brautschau einem Pferd hinterher, dessen Reiter keinen Kopf hat. Wo der Dorfbach überquert wird, findet man seinen Hut im Schlamm und anstelle seines Kopfes einen zermatschten Kürbis. Der Schuldirektor bleibt aber verschwunden. *****

Was in Amerika jeder kennt, könnte auch hierzulande populärer werden. 5 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.12.2025
Austen, Jane

Stolz und Vorurteil


sehr gut

Das Jane Austen-Jubiläum hat mich dazu bewogen, mich mit diesem Klassiker zu beschäftigen. Es fällt sehr stark auf, dass die Frauen hier die Hauptrollen übernehmen, insofern ist er modern. ****

Klassisch ist jedoch das Verhalten der Darsteller, dass eine Frau nur zum Heiraten gut ist. ****

So könnte der Kritiker behaupten, es ist nur eine romantische Schnulze. Ja, das stimmt, aber eine gute Schnulze und deswegen gibt es 4 Sterne.

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Bewertung vom 28.12.2025
Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth

Memoiren der königlich preussischen Prinzessin Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Grossen ( 1709-1742 )


sehr gut

Dichtung und Wahrheit ****

Was würden wir gerne wissen, was an diesen Memoiren wahr ist! Kann es sein, dass eine Prinzessin weder vom Vater noch von der Mutter geliebt wird? Die Königin will sie unbedingt nach England verheiraten, aber der Prinz of Wales zögert. Oder besser die Diplomaten. ****

Bei Königs wird nicht der Liebe wegen geheiratet. Der König will sie nachher nur noch loswerden und freut sich, dass sie sein letztes Angebot, den Prinzen des Markgrafen von Bayreuth annimmt, die Königin ist entsetzt. Eigentlich müssten wir hier von einer Ehekrise sprechen, aber schaut Euch an, wie viele Kinder dieses Paar hatte. ****

Wilhelmine ist die älteste, der älteste Bruder – ihr Liebling – heißt Friedrich und hat Zoff, richtigen Zoff mit dem Diktator. Er will fliehen, ganz in der Nähe von Heidelberg, scheitert aber. ****

Die Autorin hat die Memoiren 1744 geschrieben, 1760 ist sie erst gestorben. Sie litt, weil ihr Mann sich eine Mätresse leistete und schrieb in der Eremitage, die sie ausführlich beschreibt. ****

Manche Bälle sind langatmig beschrieben, manche Städtebeschimpfungen dagegen herzhaft. Und eigentlich alle Handelnde bekommen irgend wann ihr Fett weg! Der zweiten mit vielen Reise­bemerkungen ist interessanter. Selbst der Bischof von Bamberg und Würzburg lädt sie nach Pom­mersfelden ein und das im November ohne Heizung. Die Markgräfin friert sich also den Arsch ab. ****

In diesem Stil, aber in anderen Worten geht es hier zu Sache. 4 Sterne für alle, die es mögen. Wir wissen leider nicht, ob das alles so stimmt. Dichtung oder Wahrheit ist hier wieder die Frage.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 24.12.2025
Post, Rudolf

Pfälzisch. Sprachkultur in der Pfalz und der Kurpfalz


sehr gut

Es wäre gemein zu behaupten, die Kurpfalzachse sei die Hauptstraße von Schwetzingen. Ganz falsch ist das nicht, die Achse ist nur länger. ***

Sie geht vom Königstuhl im Osten zur Kalmit im Westen. Auf dieser Achse liegt genau der Hauptweg und die Symmetrieachse des Schwetzinger Schlosses und dessen Garten. Christian Mayer im 18. Jahrhundert hat die Achsen vermessen und auf seiner berühmten Karte als Teil des Regierungsdreieck eingezeichnet (25). Heute beginnt sie als Franz-Knauf Str., wird dann zur Heinrich-Lanz Str. und Baumschulenweg. Hinter der Autobahn heißt sie „Kurfürstenstraße“ und in der Stadt Schwetzingen Carl-Theodor-Straße. ***

Bedeutend wurde das Schwetzinger Schloss erst unter Kurfürst Ludwig V., doch die Achsen entstand erst, als Carl Theodor die Orangerie abgerissen hat. Seltsam, dass dieses Buch mit der Kunstgeschichte des Schwetzinger Schlosses beginnt. ***

Erbauer der Alle durfte Carl Ludwig gewesen sein, der die Kurpfalz nach dem Dreißigjährigem Krieg regierte. Er hatte mit Charlotte von Hessen-Kassel eine schlechte Ehefrau gewählt. Als ihr drittes Kind starb, starb auch ihre Ehe. Der Kurfürst liebte fortan Louise von Degerfeld, die aber von Charlotte angegriffen wurde. Deshalb residierte sie in Schwetzingen und die Allee dorthin diente dem Kurfürst für seine Besuche, aber nur ihm. Der Weg war streng bewacht. (35) ***

Aber schon der Schwiegervater Carl Theodors plante die Maulbeerallee. 1872 folgte eine Eisenbahnlinie.(49), die aber 1967 stillgelegt wurde. ***

Nach 1 Joh 2,16 und Augustinus waren Landschaften gar nicht so beliebt. Erst im 18. Jahrhundert taucht das Wort „Ausblick“ im heutigen Sinn auf (20). ***

Im der zweiten Hälfte des Buches wird der erste Teil im Grunde nur noch wiederholt: Die Maulbeerbaumallee und ihre Reste heute, ein ausführlicher Text über die Bahnlinie sind ja noch halbwegs interessant, doch was der Bürgermeister über den Radschnellweg schreibt, ist Sonntagsgeschwätz. Der Gin-Artikel ist Lokalpatriotismus pur. ***

4 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.12.2025
Krasznahorkai, László

Satanstango


schlecht

unerwartetes Problem *
Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass die Bücher des diesjährigen Nobelpreisträgers unlesbar sind, weil die Punkte fehlen. Nun stellte ich in diesem älteren Roman aber fest, dass er in jungen Jahren noch normale Sätze schreiben konnte. *

Die ersten drei Kapitel des aus zwei Teilen bestehenden Buches habe ich seit Sonntag gelesen. Wenn es kein Roman wäre, würde ich es für Kurzgeschichten halten. Der roten Faden fehlt.
Dennoch gefällt mir die Figur des Geologielehrers im dritten Kapitel. *

Mein Problem ist aber, dass dieses Buch noch heute zur Bibliothek zurückmuss und ich es nicht ganz schaffen werden, da ich in früheren Büchern des Autors die Lust verloren habe.
Nun habe ich die eiserne Regel, dass abgebrochene Bücher nur 1 Stern bekommen. Auch wenn heute die Lage etwas anders ist, weil nicht nur die Lust, sondern auch die Zeit fehlt, so bleibt es dabei. Es gibt viel bessere Bücher. Ich werde es nicht wieder ausleihen. Für 2026 wünsche ich mir ein besseres Literaturnobelpreistkomitee, ein langes Wort mit dem ich geschlossen hätte, wenn ich nicht auf dieses lange Wort noch hingewiesen hätte.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.12.2025
Krasznahorkai, László

Im Wahn der Anderen


weniger gut

Sein bestes Werk **

Was soll ich zum Literaturnobelpreisträger sagen? Er kann ja doch Sätze schreiben, die mit einem Punkt enden. Jedenfalls in Geschichte 1 und 3. In Geschichte 2 taucht sein altes Leiden wieder auf, dass er die Punkte vergisst. **

Soviel zur Form. In Geschichte 1 und 3 haben wir also erstmals die Gelegenheit, uns den Inhalt seiner Texte zu widmen. Die erste Geschichte handelt von einem großen Tier, einem Phantasietier, das Angst und Schrecken über die Welt bringt. Die dritte Geschichte lese ich als Fluchtgeschichte. Preiswürdig sind beide nicht. Dafür gibt es teilweise hübsche Bilder, ich danke den Malern. **

Selbst wenn wir großzügig Geschichte 1 und 3 drei Sterne geben, bleiben wegen des einen Sterns für Geschichte 2 nur 2 Sterne für das ganze Buch übrig. Und das auch nur, weil Weihnachten naht.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.12.2025
Elmiger, Dorothee

Die Holländerinnen


sehr gut

Im Konjunktiv zum Buchpreis ****

Letztes Jahr war ich tief enttäuscht vom Deutschen Buchpreis. Dieses Jahr habe ich die Preisträgerin als drittes Buch gelesen nach Thomas Melle und Christine Wunnicke. Wie die beiden anderen ist auch dieses Buch lesenswert, wenngleich nicht überragend. ****

Offenbar überzeugt man eine Jury, wenn man das ganze Buch im Konjunktiv schreibt. So erinnert es an Kehlmann „Die Vermessung der Welt“. Der Preis für die ständige indirekte Rede ist, dass der rote Faden verloren geht. ****

Eigentlich ist die Handlung auch schnell erzählt. Ein Theaterprojekt ist zwei Holländerinnen auf der Spur, die im mittelamerikanischen Urwald verloren gingen und vermutlich ums Leben kamen. Klar könnte man daraus einen Krimi machen, letzte Augenzeugen, Fundsachen und weitere Spuren – das geschieht auch, aber viel wichtiger erscheint das Gespräch der Mitglieder der Theatergruppe. ****

So wird viel zusammenhangslos erzählt, jedenfalls scheinbar zusammenhangslos, vielleicht müsste ich das Büchlein ein zweites Mal lesen. Viele Anekdoten, düstere Anekdoten habe ich bereits vergessen. Aber zuletzt wird von einem Wohnungsbrand in Leiden erzählt, wo die Holländerinnen herkamen. Bei dem Brand spielte ein Kühlschrank eine nicht unwesentliche Rolle. Reste eines Kühlschranks fand man auch im Urwald in Amerika. Ganz schön spooky! ****

Die Rezension zeigt klar und deutlich, dass 4 Sterne angebracht sind.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.