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Benutzername: 
Aitutaki
Wohnort: 
Zürich

Bewertungen

Insgesamt 29 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2023
Schlangen im Garten
vor Schulte, Stefanie

Schlangen im Garten


ausgezeichnet

Trauerbewältigung, was ist richtig oder falsch?

Trauer und die Bewältigung derselben bilden das zentrale Thema des Romans von Stefanie vor Schulte. Johanne Mohn, Ehefrau und Mutter von drei Kindern ist verstorben. Irgendwie muss die Familie Mohn mit diesem Verlust klarkommen und das tut sie auf ganz eigene Art und Weise.

Zu Beginn geht jedes Familienmitglied eigene Wege, um mit der Trauer fertig zu werden. Micha, der Jüngste der Familie, besucht heimlich eine alte Dame im Seniorenheim und liest ihr vor. Steve, der Älteste der Kinder versucht krampfhaft, das Familienleben zusammenzuhalten. Und Johanne’s Mann Adam verfällt in Lethargie.
Durch ihre Trauer werden die Mohns zu Aussenseitern der Gesellschaft. Die Erwartungen der «andern», wie man richtig zu trauern hat, lassen die Kluft der Mohns zu ihrer Umwelt immer grösser werden. Sie versinken in ihren Erinnerungen an Johanne und beginnen ein Leben in einer Parallelwelt.

Doch die Autorin hat einen Ausweg bereit für die Trauernden: Sie lässt die Familie Geschichten über die Verstorbene erzählen. Es sind tröstliche Lügenmärchen, mit denen sie sich vor dem Zugriff der Aussenwelt entzieht. So wird der Mutter auf besondere Art und Weise gedacht.

Auch mir hat sich die Frage gestellt: Gibt es eine richtige oder falsche Art zu trauern? Ich glaube, in erster Linie ist es wichtig, dass man gemeinsam trauert, die Nähe der andern spürt und sich so niemand alleingelassen fühlt.

Keine leichte Lektüre, die einem gelegentlich einen Kloss in den Hals treibt. Aber trotzdem ist das Buch genussvoll! Die Sprache von vor Schulte trägt den Leser durch die Seiten und ist von betörender Schönheit. Ein tolles Buch, das lange nachhallt!

Bewertung vom 04.01.2023
Die Wolkenstürmerin
Zimmermann, Birgit

Die Wolkenstürmerin


sehr gut

Marlene Lilienthal, Tochter eines Flugzeugbauers, ist eine starke Persönlichkeit. Trotz des Verlustes ihrer Eltern, versucht sie die Firma Flugzeugbau Appen weiter am Leben zu erhalten. Mit einer innovativen Idee (die Firma soll sich als Flugtaxiunternehmen aus den roten Zahlen hieven und neue Mittel besorgen) möchte sie die Firma vor der Pleite und der Uebernahme durch die Konkurrenz retten. Gegenwind bekommt sie vor allem aus der Männerwelt und insbesondere von ihrem Cousin und ihrem Onkel. Um in Ruhe über alles nachzudenken, reist Marlene ins Ferienhaus an die Ostsee. Dort lernt sie Bernhard kennen lernt – ein junger Mann aus der DDR - und sie verliebt sich in ihn.

Die angenehm zu lesende Sprache von Birgit Zimmermann beleuchten den historischen Background der Jahr e1950/1960 gut und ist für den Leser nachvollziehbar. Allerdings hätte ich mir die Ausführungen zur Rettung des Familienunternehmens etwas ausführlicher und stattdessen etwas weniger Liebesgeschichte gewünscht. Der Roman war ein unterhaltsamer Schmöker und durchaus lesenswert. Passend gewählt auch das Buchcover.

Bewertung vom 18.10.2022
Die Passage nach Maskat
Rademacher, Cay

Die Passage nach Maskat


ausgezeichnet

In Cay Rademachers neuestem Kriminalroman „Die Passage nach Maskat“ leben die goldenen Zwanziger Jahre auf. Eine spannende, abenteuerliche Zeit, in welcher Reisen nicht mit dem Flugzeug sondern per Bahn und Schiff unternommen wurden. Die Geschäfte laufen gut, die Stimmung ist hervorragend und niemand ahnt etwas von der bevorstehenden Wirtschaftskrise.

Theodor Jung arbeitet als Fotograf bei der Berliner Illustrierten. Er ist verheiratet mit Dora, der wohlhabenden Tochter des Hamburger Kaufmanns Rosterg, der mit Gewürzen handelt. Die Beziehung ist schwierig und so hofft Jung, dass sie sich während dieser Reise wieder etwas näher kommen. Doch leider sind auch Dora’s herrische Eltern mit von der Partie, ebenso wie ihr gewalttätiger und dem Alkohol erlegenen Bruder Ernst sowie der intrigante Prokurist Lüttgen, der ebenfalls ein Auge auf Dora (und die Firma) geworfen hat.

Die Reise beginnt in Marseille, doch schon wenige Tage später verschwindet Dora spurlos vom Luxusdampfer Champollion. Das Katz und Maus-Spiel beginnt und bald wird die Reise für Theodor Jung zum Albtraum! Denn plötzlich behaupten alle (sowohl die Eltern von Dora, als auch andere Passagiere des Schiffes) Dora nie an Bord gesehen zu haben.

Rademacher versteht es meisterlich, den Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken, Vermutungen anzustellen, nur um am Ende zu erfahren, dass die Spur falsch war. Wie kann man spurlos von einem Schiff verschwinden (ausser man geht über Bord…)? Wir begegnen seltsamen Figuren, erfahren von den Sitten und Gebräuchen der mit dem Schiff angefahrenen Länder und werden so immer wieder von der eigentlichen Spurensuche abgelenkt. Ein genialer Schachzug Rademachers und zudem auch spannend zu lernen. Doch keine Angst, auch als Leser findet man des Rätsels Lösung…

Für mich ein toller Krimi, für einmal in einer ganz anderen Umgebung und nebst einer spannenden Geschichte war es auch einfach toll, in jene Zeit der 1920-er Jahre einzutauchen! Von mir gibt’s 5 Sterne dafür!

Bewertung vom 23.08.2022
Sanfte Einführung ins Chaos
Orriols, Marta

Sanfte Einführung ins Chaos


ausgezeichnet

Achterbahn der Gefühle
Inhalt:
Barcelona. Marta und Daniel seit wenigen Jahren ein Paar, leben zusammen mit ihrem Hund in einer kleinen Wohnung. Beide sind um die 30 Jahre alt, aber irgendwie scheinen sie noch nicht richtig im Erwachsenenleben angekommen zu sein. Er arbeitet als Drehbuchautor, sie ist Fotografin. Der grosse berufliche Durchbruch ist beiden noch nicht gelungen. Doch während Marta Pläne und Ziele für ihre Zukunft hat, lebt Daniel eher in den Alltag hinein und schätzt das Gewohnte, die Routine. Ein ganz «normales» junges Paar bis Marta realisiert, dass sie schwanger ist.
Beide stürzt diese Nachricht in einen Schwebezustand von Zweifeln und Fragen und regt das Paar zum Nachdenken an über die eigene Person, ihre berufliche Situation, ihre Beziehung und das Elternwerden ganz allgemein. Während Dani früh seinen Vater verloren hat, erwacht in ihm plötzlich der Wunsch, sein Kind niemals vaterlos aufwachsen zu lassen. Er möchte das Kind lieber behalten. Doch Marta hat andere Pläne und für sie ist schnell klar, dass sie das Kind nicht will. Zum einen bekommt sie ein Jobangebot in Berlin, das sie beruflich weiterbringen könnte und zum anderen fühlt sie sich nicht zum Muttersein berufen. Doch auch sie hinterfragt ihre Entscheidung. Ihrer beider Leben gerät in den 6 verbleibenden Tagen komplett durcheinander.
Meinung:
An dieser Geschichte hat mir besonders gut gefallen, dass kein Vorzeigepaar beschrieben wurde, sondern Menschen wie Du und ich. Menschen mit Schwächen und Stärken, die Streitereien untereinander austragen und Selbstzweifel hegen. Man kann sich so schnell in beiden Protagonisten hineinversetzen. Beide Seiten legen offen und authentisch ihre Gefühle dar. Schnell wird auch klar, dass es nicht nur schwarz oder weiss gibt und die Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigt werden müssen. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Autorin wertend wird oder für eine Seite Stellung bezieht. Im Gegenteil: Sie schafft es hervorragend, das Bild einer jungen Frauen zu beschreiben, die selbstbestimmt ist, sich nach Freiheit sehnt und für die es nicht so einfach ist, alles unter einen Hut zu bringen. Doch auch die Ängste und Gefühlswelt des Mannes kommen ausgiebig zu Wort.

Fazit:
Eine unglaublich faszinierende, sprachlich herausragende und kluge Geschichte, die eigentlich in unser aller Alltag vorkommen könnte. Eine sehr beeindruckende Lektüre, die einem stark anregt, über das eigene Leben nachzudenken, seine Wünsche und Ziele zu hinterfragen und die noch lange nachhallt!

Bewertung vom 16.08.2022
Beifang
Simons, Martin

Beifang


ausgezeichnet

Frank Zimmermann, Anfang Vierzig, der Ich-Erzähler des neuesten Buches „Beifang“ von Martin Simons. Aufgewachsen in einer Zechensiedlung am Rande des Ruhrgebietes, in beengten, ärmlichen Verhältnissen. Und obwohl Frank als erster seines Familienclans das Abitur und studieren konnte, gelang es ihm nicht, seinen Plan als Drehbuchautor und Journalist zu verwirklichen. Mehr schlecht als recht mogelt er sich durchs Leben als freier Texter. Auch in der Beziehung läuft es nicht rund. Er hat einen 12-jährigen Sohn, den er zwar liebt, aber nur wenige Male im Jahr sieht. Marie, die Mutter des Sohnes ist von ihm geschieden und er pflegt lediglich eine lose Beziehung. Er fasst sein Leben mit dem Satz zusammen: „Wenn lebendig zu sein bedeutet, von Emotionen und Sensationen durchströmt zu werden, dann war ich eher tot.“

Als seine Eltern beschliessen, das elterliche Haus zu verkaufen und danach in eine Seniorenanlage zu ziehen, kehrt Frank zurück ins Ruhrgebiet, um bei der Auflösung des Haushaltes zu helfen. Dabei findet er eine alte Holzkiste, die sein Vater vom Grossvater geerbt hat. Gerne hätte Frank mehr erfahren über diesen Mann, doch sein Vater schweigt und lässt sich kaum etwas entlocken. Daher beschliesst Frank, sich selber auf die Suche zu machen und mit einigen der 11 Geschwister seines Vaters Kontakt aufzunehmen. Aus Gesprächen mit Onkeln und Tanten erfährt er mehr über dessen Leben in bitterster Armut. Eine Jugend voller Gewalt und Aussichtslosigkeit. Die Grosseltern waren kaum in der Lage, die Grossfamilie zu ernähren und für das Allernötigste zu sorgen. An eine gute schulische Ausbildung der Kinder war nicht zu denken. Früh hiess es für sie: Arbeit suchen und zum Unterhalt der Familie beizutragen.

Frank erfährt viel auf seiner Verwandtentour. Trotzdem schein es, dass diese nicht in Selbstmitleid zerfliessen, nicht ständig darüber jammern oder verbittert sind. Im Gegenteil, ein gute Portion Stolz schwingt in den Erzählungen mit. Stolz, es trotzdem geschafft zu haben, auch wenn das Aufwachsen im Elend Spuren in deren Leben hinterlassen hat. Einige davon, findet Frank auch in seinem eigenen Leben wieder…

Fazit: Aus meiner Sicht ist Martin Simons ein grossartiges Buch gelungen. Eines, das sich allerdings nicht leicht liesst und einen manchmal auch ziemlich bedrückt. Meine Erkenntnis daraus: Die eigenen Wurzeln lassen sich nicht verleugnen, doch es liegt an uns, sich nicht von ihnen beeinflussen zu lassen. Bestimmt nicht ein Buch nach jedermanns Geschmack, aber ich fand es absolut lesenswert.

Passend gewählt auch das düstere Cover!

Bewertung vom 13.06.2022
Morgen kann kommen
Kürthy, Ildikó von

Morgen kann kommen


sehr gut

Die Geschwister Ruth und Maria (bzw. Gloria), stehen im Mittelpunkt des neuen Buches von Ildikó von Kürthy. Vor 15 Jahren, anlässlich der Hochzeit von Ruth mit Karl, kam es zum Zerwürfnis der beiden Schwestern und seither haben sie sich nicht mehr gesehen oder gesprochen. Das sollte nach Meinung von Ruth auch so bleiben. Doch dann findet sie beim Einkaufen im Drogeriemarkt ein vergessenes Foto – darauf ihr Ehemann auf frischer Tat ertappt beim Seitensprung. Für die unsichere Ruth bricht eine Welt zusammen und sie verlässt Hals über Kopf ihr zu Hause in München und fährt zur einzigen Zufluchtsstelle, die sie kennt – ihre Schwester Gloria in Hamburg. Ruth kämpft während der Fahrt und auch danach mit der ganzen Gefühlspalette von Zorn, Traurigkeit, bis hin zu grossen Selbstzweifeln.

Aber auch ihre Schwester Gloria hat den Grund ihres Zerwürfnisses nicht vergessen. Obwohl ihr Haus für alle offen steht, insbesondere für ihren alten Freund Rudi, der hier seine letzten Lebenstage im Haus Ohnsorg verbringt, ist ihr persönlicher Konflikt mit der Schwester noch immer ungelöst. Stets war sie diejenige in der Familie, die um freie Meinungsäusserung und Respekt gekämpft hat, sehr zum Missfallen der anderen Familienangehörigen.

Doch dann wird alles noch viel schlimmer im Haus Ohnsorg. Glorias guter Freund Erdal – exzentrisch, selbstironisch und warmherzig, bringt seine Cousine Fatma und dessen pubertierende Tochter mit ins Haus Ohnsorg und das Desaster ist komplett.

Wie immer ist der Schreibstil von Ildikó von Kürthy sehr beschwingt und humorvoll, aber es werden auch ernstere, nachdenklichere Seiten aufgezeigt und beleuchtet. Für meinen Geschmack war der Komplott der Story etwas gar weit herzogen und das Mass an Zufällen zu arg strapaziert. Bezaubernd fand ich zudem die wunderschönen Illustrationen von Peter Pichler.
Alles in allem hat mich das Buch trotzdem bestens unterhalten.

Bewertung vom 27.04.2022
Das Land, von dem wir träumen / Die Südtirol Saga Bd.1
Thaler, Anna

Das Land, von dem wir träumen / Die Südtirol Saga Bd.1


sehr gut

Heimatgefühle

Das Cover finde ich passend zur Geschichte wählt und stimmig.

Die Geschichte spielt im Südtirol in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges. Südtirol gehört fortan nicht mehr zu Österreich, sondern neu zu Italien. Und die Amtssprache ist neu Italienisch und nicht mehr Deutsch. Die Wunden, die der Krieg hinterlassen hat, sind zahlreich: Söhne, die nicht aus dem Krieg zurückgekehrt sind, Fehden unter Nachbarn, etc. Auch Familie Bruggmoser – die sich fortan «Ponte» nennen muss, ist davon betroffen. Zwei ihrer Söhne sind im Krieg umgekommen und auch Franziska, die 20-jährige Tochter der Familie, darf nicht mehr als Lehrerin arbeiten, da sie des Italischen nicht mächtig ist. Für Franziska eine Tragödie, denn sie liebt ihren Beruf über alles. Sie beschliesst deshalb, heimlich zu unterrichten und begeht somit einen gefährlichen Weg. Denn Widerstand gegen die Staatsgewalt wird streng bestraft. Sie tut dies jedoch nicht nur aus Eigennutz, sondern auch um den Niedergang des elterlichen Hofs abzuwenden.

Die Geschichte ist unterhaltsam geschrieben und Anna Thaler versteht es, den Leser für die Story zu begeistern. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Spannung gewünscht, vermochte mich die Lektüre nicht immer ganz zu fesseln. Die geschichtlichen Details sind sehr interessant und informativ, mit Sicherheit gut recherchiert. Allerdings erinnert mich das Buch stark an das Buch von Marco Balzano «Ich bleibe hier».

Bewertung vom 19.04.2022
Zurück nach Übertreibling / Vikki Victoria Bd.1
Gray, Gloria;Felder, Robin

Zurück nach Übertreibling / Vikki Victoria Bd.1


gut

Too much...

Das Buchcover fand ich ein echter Eyecatcher und total witzig. Passend zur Geschichte, originell und kreativ. Wirklich gut gewählt für meinen Geschmack.

Vikki, in ihrer Jugend ein Mann aus einem kleinen Provinzkaff namens Uebertreibling im bayerischen Wald stammend, lebt nun in München und ist eine Diva, wie man sie sich vorstellt. Natürlich ist sie absoluter Mittelpunkt des Buches und die Ich-Erzählerin mit all ihren gedanklichen Seitensprüngen. Toni, eine ehemaliger Schulkollege und Erzfeid von Vikki, ist überraschend aus dem Knast ausgebrochen und schwört auf Rache. Er ist nämlich der Meinung, dass es Vikki‘s Verschulden ist, dass er überhaupt erst dort gelandet ist. Zeit für Vikki das Weite zu suchen. Als sicherer Hafen bietet sich ihre alte Heimat Uebertreibling an. Dorthin flieht sie mit ihrem Freund Wolf und dessen Bikergang. Vikki läuft zu Hochform auf, während die Polizei in München im Dunkeln tappt. Doch dann stellt sich plötzlich heraus, dass Toni ihr geringstes Problem ist.

Und zu Beginn fand ich auch den übertriebenen Schreibstil (wohl in Anlehnung an den Ort Uebertreibling) unterhaltsam und an manchen Stellen zum herzhaft lachen. Doch nach einigen Kapiteln wirkt das Ganze auf mich eher mühsam und oftmals auch etwas erzwungen, langatmig und wenig spannungsgeladen. Insgesamt ist der Humor dieses Buches für mich etwas überdosiert und die Protagonistin fällt oft ins Schwadronieren und verliert darob den Kern der eigentlichen Handlung – nämlich den eigentlichen Mordfall – etwas aus den Augen. Interessant hingegen, wie die Autoren mit dem Thema Transgender und Homosexualität umgehen. Aus meiner Sicht profiliert sich das Buch diesbezüglich mehr, als mit dem zwanghaften Humor der Autorin. Natürlich ist das Geschmacksache und jeder sieht es anders. Doch für mich ist er in diesem Krimi zu stereotyp und zu platt.

Bewertung vom 11.04.2022
Der große Fehler
Lee, Jonathan

Der große Fehler


ausgezeichnet

New York 1903

Ich gebe es zu, bis zur Lektüre von «Der grosse Fehler» von Jonathan Lee, habe ich noch nie von Andrew Green gehört. Er ist die verstorbene Legende New Yorks. Und auch wenn man seinen Namen nicht kennt, seine Gebäude und Schöpfungen sind uns allen ein Begriff: Insbesondere der Central Park, die New York Public Library, etc. Er ist der Schöpfer von Greater New York! So erging es wohl auch Jonathan Lee als er im Central Park auf eine alte Steinbank traf mit dem Namen «Andrew Haswell Green». Seine Nachforschungen und intensiven Recherchen haben zu diesem grossartigen Buch geführt, das ich nur wärmstens empfehlen kann!

Das Buch beginnt am 13. November 1903 mit der Ermordung von Andrew Green direkt vor seiner Haustür. Der Mörder steht schnell fest und doch gibt es viele Rätsel über das Warum und Weshalb. Sollte Andrew Green im betagten Alter von 83 Jahren tatsächlich noch ermordet werden oder wurde er das Opfer einer Verwechslung? Schritt für Schritt erfahren wir in kurzen Kapiteln und Rückblicken einiges über das Leben von Andrew Green. Die Geschichte ist aufgeteilt in zwei Erzählungen. Zuerst werden die Höhepunkte aus Greens Leben beleuchtet. Seine bescheidenen Anfänge als er auf der kärglichen Familienfarm arbeitete. Später wird er als Teenager nach New York geschickt, um in einem Gemischtwarenladen eine Lehre zu absolvieren. Seine Familie hoffte, ihm damit den Weg zu einem respektablen Leben zu ebnen. Dort gerät er in den Bann der beiden wahren Lieben seines ansonsten sehr einsamen Lebens: Bücher und sein einziger Freund Samuel Tilden. - Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit den Ermittlungen zu Greens Tod, die von Inspektor Mc Clusky geleitet werden und der sein Bestes tut, um das Motiv für den Mord zu verstehen.

«Der grosse Fehler» wird als literarischer Krimi bezeichnet, beruht er doch auf Tatsachen und Fakten aus dem Leben von Andrew Green. Viel spannender aus das eigentliche Motiv fand ich seine unglaubliche Lebensgeschichte, wie er vom einfachen Ladengehilfen zu einem der einflussreichsten Männer New York’s wurde. Aber auch seine Fehler, verpassten Chancen und Missverständnisse schildern dieses unglaubliche Lebenswerk. Und wenn man etwas Persönliches daraus ziehen kann, dann dass man an seinen Idealen immer festhalten und den Optimismus nicht verlieren soll.

Johnathan Lee hat meiner Meinung nach einen tollen historischen Roma geschrieben, wie ich es schon lange nicht mehr gelesen habe.

Bewertung vom 31.03.2022
Sehnsucht nach Rose Cottage (Herzklopfen in Schottland)
Holmgren, Hanna

Sehnsucht nach Rose Cottage (Herzklopfen in Schottland)


ausgezeichnet

Sehnsuchtsort Fallbury

Seit ihrem 8. Lebensjahr kommt Ellie jedes Jahr im Sommer für einige Zeit ins Rose Cottage, dem Bed & Breakfast Haus ihrer Grosstange Rose im kleinen Fischerdorf Fallbury. Sie geniesst jedes Jahr auf’s Neue eine fabelhafte Zeit, insbesondere auch mit Graham, dem Nachbarsjungen.

Doch ihre Eltern ziehen von Schottland nach Berlin, als Ellie 13 Jahre alt ist. Eine Welt bricht für sie zusammen. – Jahre später – Ellie ist inzwischen 31 Jahre alt und lebt, nachdem sie sich kürzlich von ihrem langjährigen Freund getrennt hat – auf der Couch ihrer besten Freundin in Berlin. Und obwohl sie eigentlich mit ihrem Leben recht zufrieden ist, scheint doch etwas Bestimmtes zu fehlen. Genau in jenem Lebensabschnitt erreicht sie ein Brief aus Schottland. Darin wird sie informiert, dass es um das „Rose Cottage“ nicht besonders gut geht und auch ihre betagte Tante schlecht auf den Beinen ist. Sie zögert nicht lange und reist kurz entschloss nach Schottland um ihre Tante zu unterstützen. Doch sie landet nicht nur in einem baufälligen Cottage, sondern auch in ihrem eigenen Gefühlswirren, die sie zurück in ihre Kindertage führen. Was ist Ellie bereits, für die Liebe zu tun und was in ihrem eigenen Leben zu ändern?

Tolle, sympathische Figuren, die Hanna Holmgren zu ihren Protagonisten gewählt hat. Sowohl Ellie als auch Graham sind sehr gewinnende Figuren, die mitten im Leben stehen mit allen Unwägbarkeiten, die es mit sich bringt. Und selbst Tante Rose geht einem schnell ans Herzen, auch wenn sie als „harte Schale mit rauem Kern“ bezeichnet wird. Die gewählten Charaktere passen vorzüglich zueinander und geben der Geschichte einen Touche.

Fazit:
Mir hat das Buch „Sehnsucht nach Rose Cottage“ unterhaltsame, berührende Lesestunden geboten. Man fühlt sich direkt in das malerische Fallbury hineinversetzt und ist irgendwann mitten drin – ein Teil der Geschichte. 5 Sterne für einige tolle Lesestunden mit allem, was eine berührende Liebesgeschichte ausmacht!