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vo.nicole

Bewertungen

Insgesamt 43 Bewertungen
Bewertung vom 02.12.2025
Izquierdo, Andreas

Über die Toten nur Gutes / Ein Trauerredner ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Andres Izquierdo erzählt in seinem Roman „Über die Toten nur Gutes“ die Geschichte von Mads Madsen, der als Trauerredner arbeitet. Nach dem Tod seines alten Freundes Patrick soll er eine Rede halten – eine Aufgabe, die ihn auf eine Reise in die Vergangenheit führt und nicht nur sich selbst damit in Gefahr bringt.

Die Handlung spielt in Glücksburg an der Ostsee. Neben Mads lernt man auch sein direktes Umfeld gut kennen: Dazu gehört sein Vater Fridtjof, sein bester Freund Fiete, aber auch die zunächst unsympathische Kommissarin Luisa Mills.

Der Schreibstil von Andres Izquierdo ist die gesamte Geschichte hinweg sehr flüssig und durch die kurzen Kapitel entsteht ein hohes Tempo, das die Spannung laufend aufrecht erhält. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus Humor und ernsteren Momenten: Während Mads vieles flapsig und fast naiv kommentiert, gewinnen die Ereignisse im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe. Gerade das letzte Drittel nimmt nicht nur erzählerisch Fahrt auf, sondern berührt auch emotional. Besonders die Geschichte rund um Mads Mutter fand ich sehr eindrucksvoll.

Sehr gefallen hat mir darüber hinaus auch die bildhafte Sprache, mit der Andres Izquierdo schreibt. Auch die Figuren sind facettenreich und bleiben im Gedächtnis: Mads als Hauptfigur mit seinem Humor und seiner Eigenart, aber auch Mills, die sich im Verlauf deutlich wandelt und Sympathiepunkte sammelt.

Alles in allem ein kurzweiliger, spannender und zugleich berührender Roman, der Lust auf mehr Geschichten mit Mads Madsen macht. Eine Empfehlung für alle, die Krimi, Humor und Tiefgang in einem Buch vereint sehen wollen.

Bewertung vom 02.12.2025
Puchner, Eric

Weißes Licht


gut

Eric Puchner erzählt in seinem Mehrgenerationenroman „Weißes Licht“ die Geschichte von Garret und Cece. Garrets Alltag besteht aus der Arbeit als Gepäckabfertiger am Flughafen und der Pflege seines kranken Vaters. Erst durch die Begegnung mit Cece kommt wieder Bewegung in sein Leben – doch sie ist die Verlobte seines besten Freundes Charlie. Bald stehen sie vor einer schwierigen Entscheidung, die das Leben aller Beteiligten maßgeblich verändert.

Der Roman greift große Themen auf: Freundschaft, Loyalität, Familie und die Frage, wie sehr unsere Wurzeln unser Leben prägen. Für mich persönlich konnte die Umsetzung jedoch nicht überzeugen. Der Schreibstil ist zwar flüssig, wirkt über weite Strecken aber langatmig. Inhaltlich fehlte mir Struktur und klare Botschaften, sodass ich kaum etwas für mich mitgenommen habe. Teilweise gab es auch Szenen, die nicht meinem Lesegeschmack entsprochen haben (z. B. die Geschichte rund um Lana und Jasper). Auch das Ende empfand ich als wenig befriedigend.

Insgesamt bleibt „Weißes Licht“ für mich daher ein Roman, der zwar einige interessante Ansätze hat, mich aber weder inhaltlich noch atmosphärisch nachhaltig erreichen konnte.

Bewertung vom 02.12.2025
Mustard, Jenny

Beste Zeiten


gut

In ihrem Roman „Beste Zeiten" erzählt Jenny Mustard die Geschichte von Sickan. Die 21-Jährige, will nach Jahren des Mobbings und der Enge in der schwedischen Provinz ein neues Leben in der Großstadt beginnen: Freundschaften schließen, sich verlieben und herausfinden, wer sie eigentlich ist. Doch das, was man sich unter einem „richtigen Leben“ vorstellt, ist komplizierter, als sie denkt.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, wodurch man gut in die Geschichte hineinkommt. Inhaltlich hat mich der Roman jedoch nicht ganz überzeugt. Es fehlt an einem klaren Spannungsbogen, und viele, auch sehr emotionale und gesellschaftlich relevante Themen werden zwar angeschnitten, aber bleiben an der Oberfläche. Dadurch wirkt die Handlung stellenweise etwas sprunghaft, ohne klare Linie und mit wenig Tiefgang. Die Hauptfigur bleibt für mich eher blass und bietet wenig Identifikationspotenzial. Auch das Ende konnte mich nicht wirklich erreichen. Insgesamt fehlt für mich eine klare Botschaft, die ich mitnehmen kann.

Insgesamt ein Roman, der sprachlich solide ist, aber inhaltlich zu wenig Tiefe und Struktur bietet, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

Bewertung vom 02.12.2025
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


sehr gut

Stephan Schäfer erzählt in „Jetzt ist gerade alles gut“ von einem Mann, dessen Leben sich nach einer lebensbedrohlichen Sepsis grundlegend verändert. Der Roman zeigt, wie nah Leben und Vergänglichkeit beieinanderliegen und wie schnell sich alles von einer Sekunde auf die andere wandeln kann.

Wie schon in „25 letzte Sommer“ überzeugt Schäfer auch hier mit seinem klaren, einfühlsamen Schreibstil. Die Sprache ist schlicht, aber voller Bedeutung. Es geht weniger um eine durchgehende Handlung, sondern um viele kleine Episoden, die uns daran erinnern, im Alltag innezuhalten und die kleinen Augenblicke bewusst wahrzunehmen.

Das Buch vermittelt eine leise, aber nachhaltige Botschaft über Dankbarkeit, Achtsamkeit und das Leben im Moment. Man kann es in einem Zug lesen, aber es wirkt auch noch nach dem Zuklappen weiter. Besonders schön gelungen finde ich zudem die Gestaltung des Covers und Einbands, das perfekt zur ruhigen Stimmung des Buches passt.

Insgesamt ein stilles, aber sehr berührendes Buch - große Empfehlung!

Bewertung vom 01.12.2025
Gilbert, Elizabeth

All the Way to the River


gut

Elizabeth Gilbert erzählt in „All the Way to the River“ von ihrer tiefen Verbindung zu Rayya, die im Jahr 2000 beginnt. Aus einer Freundschaft entsteht eine außergewöhnliche Liebe: intensiv, kompromisslos und geprägt von zwei Menschen, die einander Halt geben und gleichzeitig an eigenen Abgründen ringen. Als eine schwere Diagnose alles verändert, wird ihre Beziehung zu einem Weg des Loslassens, der Nähe, aber auch des unausweichlichen Abschieds.

Die Stärke des Buches liegt in seiner Ehrlichkeit. Gilbert beschreibt ungeschönt, was Sucht, Liebe, Abhängigkeit und Verlust bedeuten können. Diese Authentizität macht das Lesen eindrücklich, aber für mich auch fordernd. Ich habe wenig Identifikationspotenzial, und das war vermutlich der Grund, weshalb ich nicht richtig warm geworden bin mit dem Buch. Manche Szenen wirkten auf mich überladen, einige Passagen wiederholten sich, was mir an manchen Stellen „zu viel“ wurde. Gelungen fand ich hingegen die eingestreuten Gedichte und Zeichnungen.

Insgesamt ist „All the Way to the River“ ein schonungslos offener Bericht über eine außergewöhnliche Liebe. Für mich persönlich blieb jedoch eine gewisse Distanz und zu wenig Identifikation.

Bewertung vom 06.09.2024
Jónsdóttir, Anna

Der abenteuerlichste Island Reiseführer Spektakuläre Orte, magische Gegenden und außergewöhnliche Erlebnisse Das Beste aus Natur und Kultur für deinen Urlaub


sehr gut

„Der abenteuerlichste Island-Reiseführer“ von Anna Jónsdóttir verspricht spektakuläre Orte, magische Gegenden und außergewöhnliche Erlebnisse.

Auf mehr als 130 Seiten werden die 70 schönsten Plätze Islands aufgezeigt. Neben beeindruckendem Bildmaterial werden die Orte auch textlich erläutert sowie Tipps hinsichtlich bester Reisezeit, Preisen sowie Zeitumfang gegeben. Eine nummerierte Landkarte zu Beginn des Buches gibt einen geografischen Überblick zu den Orten und möglichen Routen für Touristinnen und Touristen. Darüber hinaus ist positiv hervorzuheben, dass mit QR-Codes gearbeitet wurde und man so auch interaktiv noch weitere Informationen zu Island erhält. Außerdem gibt es auch Tipps für einzigartige Übernachtungsmöglichkeiten, wie der Glass Lodge in Borgarnes oder das Torfhaus in Selfoss. Auch die isländische Kultur wird durch Nationalgerichte nähergebracht.

Ich hätte mir gewünscht, dass – gerade wenn man noch in den Anfängen der Planung steckt – auch explizite Reiserouten mit Angabe von Tagen und Kilometer/Fahrtzeiten angegeben werden. Damit könnte der Reiseführer noch reisefreundlicher gestaltet werden.

Ansonsten aber alles in allem ein sehr wertvoller Ratgeber, der Lust auf eine Reise nach Island macht.

Bewertung vom 30.08.2024
Bronsky, Alina

Pi mal Daumen


sehr gut

Der Roman „Pi mal Daumen“ von Alina Bronsky erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, die gegensätzlicher nicht sein könnten – und die am Ende durch ein enges Band der Freundschaft verbunden sind.

Oscar ist hochbegabt, 16 Jahre alt und studiert Mathematik. Moni Kosinsky ist über 50, hat mehrere Jobs, ist schon mehrfache Großmutter und möchte sich nun den Traum des Mathematik-Studiums erfüllen. Gleich zu Beginn lernen sich die beiden kennen. Während Oscar die resolute Moni zu Beginn noch belächelt, erkennt er bald ihre Kompetenzen – und wie wichtig auch ihre Freundschaft für ihn wird.

Alina Bronsky brilliert in diesem Buch mit einem Schreibstil, der seinesgleichen sucht. Unglaublich charmant, kurzweilig und spritzig erzählt sie die Geschichte der beiden ungewöhnlichen Helden. Die Figuren sind auf ihre eigene Art sehr sympathisch und bieten Identifikationspotenzial. Der Spannungsbogen war für mich durchgehend hoch und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Ich hätte mich gefreut, neben Oscar auch noch die Perspektive von Moni kennenzulernen – und hoffe daher auf einen zweiten Teil. Eine Fortführung würde mich auch reizen, da ich das Ende leider nicht ganz zufriedengestellt und abgeholt hat.

Alles in allem aber auf jeden Fall eine Empfehlung für diesen raffinierten und tragikomischen Roman.

Bewertung vom 31.07.2023
Daverley, Claire

Vom Ende der Nacht


sehr gut

Claire Daverley erzählt in ihrem Roman "Vom Ende der Nacht" die tiefsinnige Liebesgeschichte von Will und Rosie.

Will und Rosi könnten nicht gegensätzlicher sein und doch verlieben sich die beiden und spüren eine große Verbundenheit zueinander. Diese wird allerdings erschüttert durch das Leben. Die Welten der beiden zerbrechen und führen dazu, dass sie sich loslassen. Aber niemals ganz - über all die Jahre finden sie irgendwie immer wieder zueinander.

Bereits der Epilog des Buches verspricht Drama und Herzschmerz. Der Spannungsbogen hält über die Länge des Buches an. Mit einem sehr feinen und ansprechenden Schreibstil bindet Claire Daverley die Leserin bzw. den Lesern an ihr Buch. Die Charaktere werden dabei sehr schön und detailliert ausgearbeitet, bieten dadurch allerdings nur bedingt Identifikationspotenzial. Manche Verhaltensweisen können daher nicht immer nachvollzogen werden. Neben der durchweg aufwühlenden Liebesgeschichte der beiden Protagonisten werden darüber hinaus auch Aspekte wie Body Shaming, Zwangsstörungen, Homosexualität und Trauer werden ebenso thematisiert.

Alles in allem ein wunderbarer Herzschmerz-Roman, perfekt als Begleitung für den Sommerurlaub.

Bewertung vom 03.04.2023
Jebens, Franziska

Immer am Meer entlang


ausgezeichnet

Der Roman „Immer am Meer entlang“ von Franziska Jebens ist ein Buch über Fernweh, Fahrtwind und Liebe im Gepäck – zwei Ausreißer finden auf ihrem Weg die Liebe und die Freiheit.
Josi und Paul sind die Protagonisten des Buches. Josi hegt schon lange den Wunsch mit einem alten Bulli Europa zu erkundigen und hat die dazugehörige Route schon jahrelang geplant. Paul hingegen zieht es kurzfristig in die Ferne und spontan baut er alle Zelte in Deutschland ab und begibt sich auf ein Abenteuer. Durch Zufall treffen die beiden aufeinander – aus Zufall wird irgendwann Absicht und immer mehr Gefühle entwickeln sich.
Der Roman wird aus den zwei unterschiedlichen Perspektiven von Josi und Paul geschrieben – beide Protagonisten bergen dabei großes Identifikationspotenzial und sind herrlich sympathisch. Der Perspektivwechsel hält den Spannungsbogen durchweg hoch. Der Schreibstil ist dabei ebenfalls sehr flüssig und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Sehr authentisch beschreibt Franziska Jebens die Orte in Europa – selbst als Leserin fühlt sich das Buch wie Urlaub an. Geschickt sind die Handlungsstränge und Orte aufeinander abgestimmt und harmonisieren perfekt zueinander.
Alles in allem eine große Empfehlung für jeden, der eine sonnige Flucht aus dem Alltag sucht.

Bewertung vom 28.12.2022
Coccia, Emanuele

Das Zuhause


gut

Das Sachbuch „Das Zuhause. Philosophie eines scheinbar vertrauten Ortes.“ des italienischen Philosophen und Professors Emanuele Coccia ist ein literarisches Werk über den Begriff „Zuhause“.

Emanuele Coccia sinniert in seinem Buch über die Bedeutung des Zuhauses und macht deutlich, dass „Drei Zimmer, Küche, Bad“ keineswegs bereits eine ausreichende Erklärung dafür ist. Im Verlaufe des Buches setzt er sich dabei mit einer Vielzahl von Themen auseinander, die zu einem „Zuhause“ dazugehören: Von Badezimmern und Schränken über Umzüge bis hin zu Haustieren und Gärten. Dabei nimmt er auch immer wieder Bezug zu den Großen seines Fachs – neben Pythagoras, Platon und Aristoteles bezieht er sich auch auf Prometheus oder die erste große Abhandlung über die Ökologie „De Oeconomia Naturae“ von Isaac Biberg. Schlussendlich arbeitet Coccia heraus, dass es für unsere Gesellschaft unabdingbar ist, das Zuhause feiner und flexibler zu gestalten, um der Volatilität unserer Erde begegnen zu können.

Der Schreibstil des Buches ist gut zu lesen, besonders die persönlichen Anekdoten des Autors sind dabei besonders spannend und erfrischend. Teilweise verliert sich das Buch in philosophischen Gedanken, die nicht unbedingt greifbar sind. Das Buch bedarf definitiv Konzentration und der Wille, sich auf dieses – teilweise doch – abstrakte Thema einzulassen.

Alles in allem vor allem für Philosophie-Begeisterte eine interessierte Abhandlung über den Ort, an dem wir die meiste Zeit unseres Lebens verbringen – unser Zuhause.