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Benutzername: 
Lyca

Bewertungen

Insgesamt 21 Bewertungen
Bewertung vom 04.02.2017
Sweetgirl
Mulhauser, Travis

Sweetgirl


ausgezeichnet

Meine Meinung:
Travis Mulhauser hat mir mit diesem originellen Debütroman das erste Highlight des Jahres beschert.
Das erste, das ich beim Lesen bemerkt habe ist wie schön der Roman geschrieben ist und wie die Wörter sowie auch die Handlung nur so vor meinen Augen dahin flogen. Es fühlte sich alles so natürlich, ungezwungen an, dass ich mich kaum dieser winterlichen Atmosphäre entziehen konnte. Ich habe das Buch innerhalb von Stunden beendet und es absolut ins Herz geschlossen.
In erster Linie handelt es sich natürlich um die Rettungsaktion der kleinen Jenna aber eben auch um so viel mehr. Um die Alkohol- und Drogensucht, die nicht nur einem selbst sondern auch den Menschen um sich herum Schaden zufügt. Es ist eine Geschichte mit dieser dunklen, tragischen Note, die einem deutlich vor Augen führt wie sehr der ganze Konsum die Menschen kaputt macht, wie sie sich nicht mal für ihre Kinder von den Drogen loseisen können und sich dem Drang high zu werden hingeben.
Und in all dieser trüben Hoffnungslosigkeit gibt es das 16jährige Mädchen Percy, das für ihr Alter viel zu früh erwachsen werden musste. Mit einer drogensüchtigen Mutter, die die Gewohnheit besitzt immer mal wieder zu verschwinden, hat Percy schnell gelernt für sich selbst und ihre Mutter Carletta zu sorgen. Und trotz des Alters ist sie viel erwachsener als so manch ein anderer Charakter. Sie ist zudem noch mutig und auf jeden Fall eine Person zu der man aufsehen kann. Es ist bemerkenswert wie sie sich um Jenna kümmert, wie es seit dem Moment in dem sie sie gefunden hat nichts Wichtigeres gibt als dieses kleine Mädchen in Sicherheit zu bringen. Diese Rettungsaktion besteht aus vielen Höhen aber vor allem Tiefen.
Die ganze Erzählung hat mich so unglaublich ergriffen, dass ich voller Spannung all die unvorhersehbaren Ereignisse verfolgt habe und einfach nur am mitfiebern war.
Ganz interessant fand ich es auch immer mal wieder aus der Sicht von Shelton Potter, dem Drogendealer, der gleichermaßen dumm und gefährlich ist, zu lesen wie er versucht das Baby aufzufinden und dafür auch noch andere anheuert. Hinzu kommt, dass er die meiste Zeit über absolut high war und mir auch gerade in manchen dieser skurrilen Szenen einen Lacher entlocken konnte, denn sonst drückt die gesamte Stimmung einen eher in die andere Richtung. Shelton hat in mir ganz viele verschiedene Gefühle ausgelöst, darunter auch Ratlosigkeit, Verblüffung und Mitgefühl.
Manchmal kann man die Personen nicht einfach in bestimmte Schubladen stecken, es gibt immer mehr zu sehen und genau das lernt man auch unter anderem in diesem Roman. Wenn das Leben einen in eine bestimmte Richtung drückt, kann sich dem nicht jeder wie Percy entziehen. Mit Percy bekommt man auf der einen Seite eine unglaubliche Protagonistin die man nur lieben kann während ihr gegenüber Shelton, sowie auch Portis, ihr Vateresatz und Alkoholiker, der ihr nichtsdestotrotz immer zur Hilfe kommt, stehen. Man lernt sie mit der Zeit etwas besser kennen. Dennoch ist es so schade, dass man diesen ganzen kaputten Seelen nicht helfen kann.
Meiner Meinung nach ist dieser Roman etwas für Jedermann, würde es nicht wagen ihn in eine bestimmte Nische einzuordnen.

Fazit:
Ein wundervoller Debütroman, der traurig, glaubhaft und hoffnungsvoll zugleich ist. Voller Hoffnung habe ich mitgelitten und die Daumen dafür gedrückt, dass diese zwei Mädchen es schaffen ihren Verfolgern zu entkommen und sich in Sicherheit zu bringen. Es war ein Genuss diese emotionale und intensive Geschichte mit den faszinierenden Charakteren zu lesen. Bin mal auf die weiteren Bücher des Autors gespannt.