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Sago

Bewertungen

Insgesamt 566 Bewertungen
Bewertung vom 26.12.2024
Silent Secrets / Mondia-Dilogie Bd.1
Flint, Alexandra

Silent Secrets / Mondia-Dilogie Bd.1


sehr gut

Dass Bücher die Welt zusammenhalten, dürfte jedem Bibliophilen unmittelbar einleuchten. In dieser Romantasy tun sie das buchstäblich, denn ohne die Weltenbibliothek Mondia unterhalb von Paris drohen Katastrophen die Welt zu vernichten. Mondia wiederum braucht eine Ripari, die sie am Laufen hält. Als die letzte Ripari stirbt, scheint der Geheimorden rund um die Mondia ratlos. Doch dann begegnet der junge Kasimir Remy und die scheint über geheimnisvolle Fähigkeiten zu verfügen...

Weltenschreiber, Zeilenspringer und Ripari: So eine Bücherwelt macht einfach großen Spaß zu lesen. Zudem sind Kasimir und Remy herzige Protagonisten, die man einfach mögen muss, auch wenn das Konzept rund um die adoptierte Remy, die zunächst nichts von ihren Kräften ahnt, natürlich nicht neu ist. Die Geschichte hat sich unglaublich leicht weggelesen. Auch ohne den Cliffhanger würde ich den Abschluss der Dilogie auf jeden Fall lesen wollen. Hier darf dann gern die Welt der Mondia noch tiefgründiger ausgebaut werden.

Bewertung vom 25.12.2024
Immortal Longings
Gong, Chloe

Immortal Longings


sehr gut

"San-Er zeichnet sich vor allem durch Chaos aus, durch seine Wirren und das Durcheinander aus Beziehungsgeflechten, die sich ineinander verheddern."

Mit den verwahrlosenden Zwillingsstädten San-Er im Reich Talin schafft Chloe Gong ein überzeugend komplexes Worldbuilding. Vor allem die vielschichtig ausgearbeitete Idee des Körperspringens ist innovativ. In einer Welt, in der einige Menschen die Körper wechseln können wie Hemden, bleibt nichts je sicher.

Herrscherstochter Calla hat bereits ihre eigenen tyrannischen Eltern ermordet und lebt seitdem im Untergrund. Die kommenden tödlichen Spiele in San-Er liefern ihr nun die Chance, auch ihren Onkel König Kasa aus dem Weg zu räumen. Doch dazu muss sie gewinnen. Aber ebenso erfolgreich und brutal wie sie kämpft sich der notorische Körperspringer Anton durch die Spieler. Können aus Gegnern Vetbündete werden? Oder sogar viel mehr?

Diese neue Variante eines Wettkampfes um Leben und Tod ist äußerst fesselnd geschrieben. Schwierig fand ich allerdings die selbstverständliche Allgegenwart von Gewalt. Die Teilnehmenden benutzen Massaker als Abkürzung zum Wohlstand. Auch wenn Calla und Anton dabei teilweise altruistische Motive zugeschrieben werden, hat dies für mich eine Identifikation mit den Protagonisten erschwert, vor allem bei Calla. Dazu, die eigenen Eltern so brutal umzubringen, gehört schon einiges.

Trotzdem freue ich mich nach dem verblüffenden Ende dieses ersten Teils auf eine baldige Rückkehr in diese überraschende Welt.

Bewertung vom 22.12.2024
Spellshop
Durst, Sarah Beth

Spellshop


ausgezeichnet

"Es war nicht so, dass sie Menschen nicht mochte. Sie mochte Bücher einfach lieber. Bücher machten kein Theater, verurteilten oder verspotteten einen nicht und wiesen einen auch nicht zurück."

Sarah Beth Durst wollte ein Buch wie warme Schokolade oder eine wohlige Umarmung schaffen und das ist ihr sehr gelungen. Ich lese schon mein Leben lang Fantasy, aber Cozy Fantasy war bisher noch nicht darunter. Diese hat mich wirklich begeistert.

Die Bibliothekarin Kiela fleht, als die kaiserliche Hauptstadt von Rebellen eingenommen wird und die Bibliothek brennt. Begleitet wird sie nur von der verzauberten Pflanze Caz und einigen Truhen voller Zauberbücher. Obwohl Magie nur wenigen studierten Zauberern vorbehalten ist, kann Kiela die Bücher einfach nicht verbrennen lassen. Sie und Caz kehren zurück nach Coltray, die Heimatinsel ihrer verstorbenen Eltern. Dort findet sie nicht nur ein völlig überwuchertetes Cottage vor, sondern auch eine Schar von Inselbewohnern, vor, die man wirklich als divers bezeichnen kann. Schließlich haben sie Hörner, Hufe und Fell. Ihr neuer Nachbar, ein Seepferdhirte, scheint ein Interesse an der blauhaarigen, blauhäutigen Kiela zu entwickeln...

Wer denkt, dass hier nur Marmelade eingekocht wird, irrt gewaltig. Die Handlung ist wirklich vielschichtig und voller zauberhafter Wesen. Es macht einfach Spaß zu lesen, wie die sympathische Kiela immer mehr ihr Schneckenhaus verlässt. Und natürlich kann sie die Zauberbücher nicht ungenutzt in den Truhen lassen, was nicht ohne Folgen bleiben kann.

Was für eine zauberhafte, fantasievolle Story voller Protagonisten, die man gern haben muss. Ich habe mich damit so wohlgefühlt, dass ich trotz des runden Endes auf eine Fortsetzung hoffe!

Bewertung vom 21.12.2024
Die 13 Tode der Lulabelle Rock
Woolf, Maud

Die 13 Tode der Lulabelle Rock


sehr gut

Die Porträts sind leicht zu erkennen, nicht nur wegen ihrer Schönheit. Sie haben etwas Gekünsteltes an sich, eine seltsame Stille umgibt sie, selbst wenn sie umherlaufen und reden. Sie wirken, als seien alle ihre Bewegungen aus einer endlos langen Fotoserie zusammengestellt."



Die Schauspielerin Lulabelle Rock hat von sich 13 Porträts erschaffen lassen. Porträts sind eine Art Klone, die ihren Originalen unangenehme Aufgaben abnehmen. Doch nun soll Schluss damit sein, denn Nr. 13 wurde einzig erschaffen, um ihre zwölf Vorgängerinnen zu "entsorgen"....



Wir folgen der bewaffneten 13, die durch die Stadt Bubble City irrt. Für 13 ist diese Welt genauso neu wie für die Lesenden, wodurch ein ganz eigener Reiz entsteht. Schade nur, dass kaum Zeit für ein Worldbuilding aufgewendet wird, was Bubble City etwas kulissenhaft Skizzenartiges gibt. Während 13 allmählich Bewusstsein und Identität ausbildet, spielt die Story mit existentiellen Fragen, ohne ihnen wirklich Tiefe zu verleihen, was angesichts des rasenden Tempos, mit dem sich 13 durch die Porträts arbeitet, auch kaum möglich wäre. Trotzdem bleibt die Story bis zum Schluss fesselnd, auch wenn viele Fragen offen bleiben. Mit Blade Runner bzw. der berühmten Klassiker-Buchvorlage "Träumen Roboter von elektrischen Schafen" kann das Buch leider nicht mithalten und wirkt im.Vergleich dann eher selbst wie ein Porträt.

Bewertung vom 19.12.2024
Die blaue Stunde
Hawkins, Paula

Die blaue Stunde


ausgezeichnet

"Vanessa Chapman war keine Bildhauerin, sie war Malerin und Keramikkünstlerin. Doch da war das Werk, schön und sonderbar, ein zartes Mysterium, das perfekte Rätsel."

Vanessa Chapmans Werke stehen nach ihrem Tod hoch im Kurs. Als bei einer Ausstellung ein Anthropologe behauptet, seine Meinung nach enthalte eine ihrer Skulpturen eine menschliche Rippe, entsteht der Verdacht, ihr Leben könnte so geheimnisvoll gewesen sein wie ihre Werke. James Becker, der Kurator der Stiftung, die Vanessas Kunst geerbt hat, reist auf die abgelegene Insel Eris, in der Hoffnung, in Vanessas Nachlass Hinweise zu finden, dass Vanessa von der Herkunft des Knochens nichts wusste.

Die Story wimmelt nur so von Geheimnissen, so dass man rätselt, wer hier alles Leichen im Keller haben könnte. Mit gutem Grund ist das Buch nach der blauen Stunde der Dämmerung benannt, in der die Dinge häufig nicht so sind wie sie scheinen.

Wunderbar atmosphärisch erschafft Paula Hawkins die Kulisse einer isolierten Insel und nimmt bewusst Bezug auf die düstere Erzählkunst von Daphne duMaurier. Die Handlung wird aufgelockert von Erinnerungen, Zeitungsausschnitten und Tagebucheintragungen. Aber welcher Erzählperspektive kann man trauen? Paula Hawkins gewährt psychologisch versiert Einblicke in gequälte Seelen, formuliert brillant und erzählt unvergleichlich spannend.

Bewertung vom 15.12.2024
Von dir verraten / Dynasty of Hunters Bd.1
Ried, P. J.

Von dir verraten / Dynasty of Hunters Bd.1


ausgezeichnet

Das Wort Pageturner habe ich lange nicht verwendet und verbinde es sonst eher mit Thrillern. Dieses Buch hat sich für mich aber tatsächlich als Pageturner entpuppt. Die Autorin hat hier einfach alles richtig gemacht und hat mich durchweg begeistert.

Die junge Adlige Laelia gehört einer Dynastie an, in der die Herrschenden die Bürgerlichen mit ihrer Familienfarbe auf magische Weise zeichnen. Es gehört quasi zum Ritual des Erwachsenwerdens, einen Bürgerlichen so in einer Jagd zu unterwerfen und zum Diener zu machen. Doch als Laelia das Los ihres Gejagten ziehen will, geschieht das noch nie Dagewesene: Sie zieht selbst das Los einer Gejagten. Und ihr Jäger ist ausgerechnet ihr Freund Laurent.

Mit der Ankunft auf der Insel Arc-en-Ciel, auf der die Jagd traditionell stattfindet, nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf. Die Schilderung, wie Laelia sich in ihrer neuen Rolle zurechtfinden und erkennen muss, dass kaum etwas ist, wie es schien, ist rundum gelungen. Und auch das Worldbuilding, das nun um die farbenprächtige Insel erweitert wird, punktet auf ganzer Linie.

Laelia ist eine ebenso sympathische wie starke Protagonistin. Auch die Nebencharaktere sind plastisch ausgearbeitet, so dass man je nach ihrer Rolle schnell entsprechende Gefühle entwickelt.

Bis zum packenden Ende habe ich mitgefiebert und natürlich gibt es einen Cliffhanger, der noch ungeduldiger auf den zweiten Teil warten lässt. Wie ich gesehen habe, wird dieser vom Verlag erneut wunderschön gestaltet.

Bewertung vom 15.12.2024
We hunt the Flame / Die Reiche von Arawiya Bd.1
Faizal, Hafsah

We hunt the Flame / Die Reiche von Arawiya Bd.1


ausgezeichnet

"Die Stimme des Herrschers von Arawiya war für ihn wie eine Schlange, die sich leise in seine Adern schlich, um sein Herz mit ihrem Gift zu durchsetzen."

Nasir ist nicht nur der Kronprinz von Arawiya, sondern auch Mörder im Auftrag seines Vaters, der ihn zu diesen Taten erpresst.
Zafira lebt in einem Kalifat, in dem Frauen sehr wenig gelten. Insgeheim versorgt sie, als Jäger in Männerkleidung, ihre Landsleute mit Wild aus dem tückischen Wald Arz, aus dem niemand sonst je den Rückweg findet und der allmählich alles zu verschlingen droht. Von einer mächtigen Zauberin erhält sie den Auftrag, auf der geheimnisvollen Insel Sharr ein Buch zu finden. Dieses Buch soll die Kraft besitzen, Magie in die unter Schnee und den Bäumen des Arz versinkende Welt zurückzubringen. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Deen macht sich Zafira auf die Reise, ohne zu ahnen, dass Nasir beauftragt ist, ihr das mächtige Buch abzujagen....

Ich hoffe so sehr, dass es noch lange Bücher wie dieses geben wird. Die sich Zeit nehmen, ihre Protagonisten einzuführen und ihnen Leben einzuhauchen. In denen sich Nebenfiguren tummeln, die man so lieb gewinnt, dass man sich wünscht, sie mögen zur Hauptfigur werden. In denen man auf ein wunderbar komplexes Worlbuilding trifft, dass wohl die kurze Aufmerksamkeitsspanne mancher Lesenden überfordern könnte. Ich habe den äußerst geschliffenen, bildreichen Stil mit seiner atmosphärischen Dichte sehr genossen. Die Idee einer Welt, die unter einer Magiedürre leidet, fand ich faszinierend. Wie wunderbar, dass man der Geschichte nach den überraschenden Wendungen im letzten Teil des Buches in "We free the Stars" weiter folgen kann.

Bewertung vom 09.12.2024
The Hollow Places
Kingfisher, T.

The Hollow Places


ausgezeichnet

Nach ihrer Scheidung sucht Kara Zuflucht im Museum der Wunder ihres Onkels. Das Museum ist voller kurioser Sammlungsstücke und vermutlich eher gefälschter Artefakte, war für Kara aber immer eine Heimat. Als sich plötzlich ein Loch in der Wand auftut, hätte sie niemals damit gerechnet, dass es in eine fremde Welt führen könnte. Gemeinsam mit dem Barista Simon von nebenan kann sie nicht widerstehen, hindurchzugehen. Woher stammt das Loch? Was verbirgt sich darin? Und wird es einen Weg zurück geben?

T. Kingfishers Geschichten zeichnen sich nicht nur durch Einzigartigkeit aus. Es ist auch sehr wohltuend, dass man es nicht mit blutjungen Protagonisten zu tun bekommt, sondern mit Menschen, die bereits mitten im Leben stehen und alles andere als stromlinienförmig sind. Karas Gedanken und ihre Dialoge mit Simon sind zudem voller Wortwitz und trockenem Humor, was die Story immer wieder auflockert.

Die Beschreibung der fremden Welt ist ein kleines atmosphärisches Meisterstück. Das Grauen sichert fast unmerklich in die Handlung und weist Anklänge an klassische Horrorstories auf, die Fans des Genres erkennen werden.

Wieder einmal freue ich mich auf die Übersetzung weiter ungewöhnlicher Romane von T. Kingfisher.

Bewertung vom 24.11.2024
Das Haus der Bücher und Schatten
Meyer, Kai

Das Haus der Bücher und Schatten


ausgezeichnet

"Er war dort gewesen, während er all das aufgeschrieben hatte. Nicht körperlich, aber in Gedanken so nah an all den Gräueltaten, wie man es nur sein konnte. Für einen Schriftsteller mochte der Unterschied zwischen Vorstellung und Wirklichkeit maginal sein, weil er die Luft schmeckte, den Wind spürte, das Blut roch, das er vergoß."

Kai Meyer ist ein Schriftsteller, der es versteht, auch die Lesenden wie oben beschrieben in den Sog der Geschichte aufzunehmen. Mit diesem Roman kehrt er zum dritten Mal zurück ins Leipziger Viertel und verwebt die Figuren der drei Geschichten sehr fein und gleichzeitig so, dass sie völlig unabhängig voneinander sind.

Auf verschiedenen Zeitebenen so zu schreiben, dass beide tiefgründig und gleichermaßen interessant werden, gelingt nur wenigen. In diesem Fall fesseln sowohl die Ermittlungen von Kommissar Cornelius Frey im Jahr 1933 ebenso wie die Reise ins Baltikum von Lektorin Paula und ihrem Verlobten Jonathan zum Schriftsteller Aschenbrand 20 Jahre zuvor.

Die Handlung ist vielschichtig und verschlungen. Cornelius bekommt es mit Morden, Okkultismus und den aufstrebenden Nationalsozialisten zu tun, Paula mit literarischen Rätseln und Geheimnissen ihres eigenen Lebens. Vor allem das eingeschneite Herrenhaus Hundsheide im Baltikum ist ein Meisterwerk literarischer Dichte, das direkt einer Gothic Novel entsprungen zu sein scheint. Selbst Namen sind düster raunend wie etwa Rauhreif oder Aschenbrand und sein neues Werk Nachtgestirn.

"Die Schatten wirkten hier tiefer, als verpuppte sich etwas darin, was beim nächsten Vollmond schlüpfen würde."

Was für ein zauberhaftes, ungewöhnliches Lesevergnügen. Ich hoffe sehr auf eine weitere Rückkehr ins Graphische Viertel.

Bewertung vom 17.11.2024
So findest du innere Stabilität
Günther, Maja;Dr. Diegelmann, Christa;Dr. Wolf, Doris

So findest du innere Stabilität


sehr gut

Innere Stabilität finden und nie wieder verlieren - dieser Ratgeber legt die Messlatte wirklich sehr hoch.

Maja Günther und weitere psychologisch bewanderte Expertinnen bieten eine Fülle an Übungen und Themen, wie man seiner inneren Mitte wieder näherkommt. Besonders hilfreich war für mich persönlich die Erkenntnis, dass es für uns unvorstellbar geworden ist, sich trotz eigener Fehler und Schwächen gut zu fühlen.

Wieviel man aus diesem Buch mitnehmen kann, hängt meiner Meinung nach entscheidend davon ab, wie tief dieser Stachel durch die individuelle Biografie jeweils sitzt. Wenn es wirklich nur darum geht, wie im Buch beschrieben in einer Warteschlange umzuschalten von Zeitverschwendung und Druck auf Gelassenheit und Atempause, bietet das Buch wirklich gute Anregungen. Zu hochgegriffen erscheint mir aber, dass die Tipps wie angekündigt ausreichen, wenn Stress anhält, Lebensfreude geschwungen ist und ständige Erschöpfung vorherrscht oder gar keine akute Krisen. Mit den vorgestellten naheliegenden Klassikern wie Bewegung, Naturerlebnissen und gesünderen Gewohnheiten kann man sich eine Zeit lang über Wasser halten, aber nicht allein aus einem Sumpf ziehen. Das Buch eignet sich aus meiner Sicht vor allem für das bessere Bewältigen von Alltagsproblemen.

Die verschiedenen Expertinnen bieten vielfältige Anregungen. Dadurch entsteht eher eine Rezeptsammlung als ein aufeinander aufbauender Handlungsleitfaden.