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Benutzername: 
maggiepearl

Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 26.08.2023
Nincshof
Sebauer, Johanna

Nincshof


ausgezeichnet

Ich fand das Buch herrlich! Sofort habe ich die Protagonistin Erna ins Herz geschlossen, und auch alle anderen Charaktere waren liebenswert, mit ihren Eigenheiten und Marotten.
Nincshof ist etwas, auf das man sich einlassen oder, um aus dem Buch zu zitieren, mit Neugierde ohne Ziel begegnen muss.
Kurioses spielt sich eines Sommers in dem Dorf ab. Die sogenannten Oblivisten verfolgen das Ziel, dass ihr Nincshof vergessen werden soll. Der Plot an sich ist nicht besonders herausragend, doch macht es einfach Spaß, Nincshof Stück für Stück zu entdecken und sich in ulkige Situationen zu stürzen. Nicht selten regt das Buch aber auch zum Nachdenken an und wirft größere Fragen auf.
Johanna Sebauer schafft es auf überzeugende Art und Weise, Realität und Fantastisches zu vermischen. Die Grenzen verschwimmen und man fragt sich: Könnte so ein Dorf wirklich existieren?
Sprachlich auch wunderschön geschrieben, der Stil passt meiner Meinung nach ganz wunderbar zu Nincshof.
Eine grandiose Sommerlektüre, die ich allen empfehlen kann, die Lust auf einen Ausflug in dieses schrullige österreichische Dorf haben.

Bewertung vom 15.07.2023
Schönwald
Oehmke, Philipp

Schönwald


sehr gut

Unter den Teppich kehren kann Familie Schönwald ganz gut. Eine Geschichte über komplizierte Familienverhältnisse, Geheimnisse und pathologisches Totschweigen von Problemen.
Was mich begeistert hat, ist die Nüchternheit und Realitätsnähe, mit der Philipp Oehmke seine Charaktere ausgearbeitet hat. Das Familiendrama hat einiges zu bieten und wirkt aber zu keinem Zeitpunkt unglaubwürig oder überzogen. Ich glaube, solche Familien gibt es genau so da draußen. Ein bisschen traurig, denn keiner der Charaktere kommt in dieser Geschichte gut weg. Was keine Kritik sein soll - das war sicherlich der gewünschte Effekt.

Einen Stern Abzug verteile ich allerdings für die Länge und das etwas zu kurz gekommene Ende. Die tatsächliche Handlung spielt sich innerhalb weniger Tage ab. Das wird dann mit reichlich Rückblicken, Perspektivenwechseln und inneren Monologen aufgefüllt. So fügt sich langsam der Flickenteppich Schönwald. Mir gefällt dieser Erzählstil an sich gut, doch ich glaube, das Buch hätte von 50-100 Seiten weniger profitiert. Oder man hätte mehr Zeit für das Finale einräumen können, das wurde nämlich innerhalb weniger Seiten abgearbeitet und hat mich etwas unzufrieden zurückgelassen.

Alles in allem ein intelligentes Buch, das mich zum Nachdenken, Ärgern und Reflektieren gebracht hat. Sehr schön und empfehlenswert!

Bewertung vom 14.06.2023
Die Wölfe von Pompeji
Harper, Elodie

Die Wölfe von Pompeji


gut

Meine Bewertung: 3,5/5 Sterne

"Die Wölfe von Pompeji" hat mich sofort mit dem Setting gepackt. Anschaulich begleitet man Prostituierte - die Wölfinnen - in der Antike, ohne dass das Buch sich in Obszönitäten verliert oder nur auf Schockfaktor aus ist.
Was mich am meisten abgeholt hat, waren die Charaktere selbst. Allein Amara ist eine tolle, starke, clevere Protagonistin, die mit allen Mitteln gegen das System kämpft. Und die Beziehungen unter den Wölfinnen waren schön zu lesen, mit ihren Höhen und Tiefen. Alle Frauen hatten ihre eigene Geschichte.
Besonders spannend war Amaras Beziehung zu ihrem Herr Felix. Wie tief sitzt der Hass zwischen den beiden, oder sind sie sich vielleicht doch ähnlicher, als Amara es zugeben möchte?
Abzug gibt es leider für den Plot. Oft hatte ich das Gefühl, dass Amara von einem beliebigen Szenario ins nächste stürzt, ohne dass die Geschichte wesentlich vorangetrieben wird. Dadurch zog sich für mich das Buch im Mittelteil. Ich hätte mir einen klareren roten Faden gewünscht. Vielleicht hätten ein paar weniger Nebencharaktere oder Subplots geholfen.
Gegen Ende nimmt das Buch aber noch mal Fahrt auf. Ich habe erst während des Lesens gesehen, dass das der erste Teil einer Reihe ist. Also macht euch bereit für ein eher offenes Ende.
Mich hat es auf jeden Fall gecatcht. Trotz meiner Kritikpunkte will ich wissen, wie es mit Amara weitergeht.

Bewertung vom 15.05.2023
Idol in Flammen
Usami, Rin

Idol in Flammen


sehr gut

In Rin Usamis "Idol in Flammen" begleiten wir Akari, eine Schülerin, die besessen ist von ihrem Idol Masaki. Sie führt einen Blog über ihn, ihr gesamtes Zimmer ist voller Poster, das Geld aus ihrem Nebenjob steckt sie nur in Merchandise und Konzerttickets. Als Masaki in einen Skandal verwickelt wird und einen Fan geschlagen haben soll, brechen schwere Zeiten für Akari an.

Dieses Buch stellt zur Schau, was geschieht, wenn Stars der gesamte Lebensinhalt einer jungen Person werden. Akari beschreibt ihr Idol sogar als ihre Wirbelsäule. Dabei fand ich die Perspektive spannend, dass der Protagonistin das bloße Fan-Dasein genügt. Sie erwartet nichts im Gegenzug von ihrem Idol, sie möchte einfach in der Masse der Fans abtauchen.
Schnell wird klar, warum sich Akari so in den Fanatismus stürzt - sie leidet unter Depressionen und anderen mentalen Erkrankungen. Schule und Job belasten sie, nichts möchte ihr so recht gelingen. Masaki ist ihr Ausweg aus ihrem Alltag und ihren trüben Gedanken.
Natürlich wird die Fankultur kritisiert und wie diese obsessives Verhalten befeuern und angreifbare Menschen ausbeuten kann. Dennoch ist für mich das zentrale Thema der Geschichte: mentale Gesundheit. Der Fanatismus ist letztlich nur Akaris Ventil, um sich selbst zu entfliehen.
Dahingehend hatte ich durch den Klappentext eine etwas andere Erwartungshaltung. Ich dachte, es würde noch mehr Richtung Kritik der Unterhaltungsindustrie gehen. Auch Masakis Skandal war meines Empfindens eher nebensächlich.
Sprachlich fand ich das Buch toll. Die Autorin schafft durch Metaphern und Vergleiche klare Bilder und Gefühle. Das Wort "Depression" z.B. fällt kein einziges Mal, doch es wird sofort klar, wovon die Rede ist.
Das Buch hat man superschnell gelesen, da es nur 120 Seiten sind. Ich wäre gern auch noch länger in Akaris Welt verblieben, trotzdem funktioniert die Geschichte auch in dieser kurzen Form.
Zusammengefasst kann ich "Idol in Flammen" empfehlen, wenn euch die Themen Fanatismus, soziale Medien und insbesondere die Psyche junger Menschen reizen.