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yellowdog

Bewertungen

Insgesamt 1947 Bewertungen
Bewertung vom 13.12.2022
Von Frauen und Salz
Garcia, Gabriela

Von Frauen und Salz


weniger gut

In Gabriela Garcias Debütroman „Von Frauen und Salz“ schreibt sie über mehrere Frauen in verschiedenen Zeiten. Es wird episodenhaft und kaleidoskopartig erzählt und es reicht von 1866 bis 2019.
Die Autorin ist in Miami aufgewachsen, hat aber kubanische und mexikanische Wurzeln.
Ihr zentrales Thema ist die Einwanderung in die USA
Im Gegenwartsplot ist Jeanette in Miami im Mittelpunkt. Es gibt auch starke Vergangenheitspassagen, zum Beispiel mit Maria Isabel, 1866 in Kuba.
Mit Gloria und Carmen, Maydelis und Dolores und zum Schluss Ana kommen weitere Frauen ins Spiel.

Man erfährt von Erfahrungen dieser Frauen und das kann so gut nur Literatur vermitteln.

Unbedingt erwähnenswert ist auch das atmosphärische Cover.

Bewertung vom 09.12.2022
Der längste, strahlendste Tag
Myers, Benjamin

Der längste, strahlendste Tag


ausgezeichnet

Eine starke poetische Stimme
 
Benjamin Myers, der Autor von Offene See, hat mit „“Der längste, strahlendste Tag“ ein beeindruckendes Erzählungsband vorgelegt.
Es enthält auch einige Kurzgeschichten, die nur 1-2 Seiten lang sind.
Hier ist die poetische Stimme ganz im Vordergrund, dennoch handelt der Autor einiges auch in diesem geringen Raum ab.
Weiterhin überzeugen gerade die etwas längeren Texte aufgrund der Themen und Originalität.
Das spürt man schon in der ersten Story Tausend Morgen englische Erde, die gleichermaßen Mensch und Maschine wie Tier und Natur betrachtet.
Auch die Titelgeschichte ist unbedingt erwähnenswert.
Oft sind die Erzählungen nicht sehr handlungsreich, aber sie entwickeln schnell ihren eigenen Zauber.
Auch in den anderen Geschichten werden immer wieder besondere Momente von Bedeutung herausgearbeitet.
Viele Sätze sind auch hier wie reinste Poesie.
Dazu passt auch, dass das Buch insgesamt schön und sauber gestaltet ist, z.B. mit dem malerischen Cover.

Bewertung vom 30.11.2022
Wir und die Flüchtlinge
Knaus, Gerald

Wir und die Flüchtlinge


ausgezeichnet

Klare Analyse

Wir und die Flüchtlinge ist in der Reihe Auf dem Punkt! erschienen und erfüllt dieses Aspekt voll und ganz.

Der russische Angriffskrieg könnte und wird wahrscheinlich zu einer steigenden Flüchtlingszahl diesen Winter führen. Damit muss Europa umgehen, eine Strategie finden und sich vorbereiten.

Das Buch ist informativ, spannend wie bedrückend. Es arbeitet mit klaren Fragestellungen und wendet Szenen wie in einem Film an.
Durch Interviewauszüge mit diversen Politikern zum Thema bringt der Autor Nachweise und stellt Bezüge her.

Diese Ansätze des Migrationsforschers Gerald Knaus halte ich für zwingend.

Bewertung vom 30.11.2022
Für die Sterne bestimmt / Lady Astronaut Bd.2
Kowal, Mary Robinette

Für die Sterne bestimmt / Lady Astronaut Bd.2


sehr gut

Lady Astronaut 2

Für die Sterne bestimmt ist der zweite Teil der sehr erfolgreichen Lady Astronaut-Reihe von Mary Robinette Kowal, aber man kann auch problemlos mit diesem Teil anfangen. Die Handlung ist im Jahr 1961 angekommen, aber es ist ein alternatives Universum, d.h. es gibt Abweichungen von der Realität wie wir sie kennen, zum Beispiel den anhaltenden Erfolg der US-Raumfahrt, andere Themen sind vergleichbar, wie der zu der Zeit noch zögerliche Feminismus.
Das zeigt sich daran, das weibliche Astronauten nicht von jedem akzeptiert sind und auch eine Bürgerrechtsbewegung gibt es.
Die Erde leidet noch unter dem Meteoriteneinschlag vor 10 Jahren.

Elma Yorks Weg führt sie über den Mond hinaus Richtung Mars. Eine lange Reise, nicht ohne Gefahren.
Das bedeute aber ihren Ehemann für min. 3 Jahre zurückzulassen.
Interessant, wie Elma häufig innerlich und ihrem Verhalten schwankt, einerseits sehnt sie sich nach einem angepassten bürgerlichen Leben, andererseits ist sie auch ehrgeizig.

Am Anfang gibt es eine starke Episode, bei der Elma York sogar als Geisel genommen wird.
Aber ansonsten ist das Erzähltempo eher slow. Das trägt bei, dass sich eine ganz eigene Atmosphäre entfaltet.

Die Reise zum Mars nimmt den Großteil der Handlung ein und wirkt durchgehend glaubhaft. Das ist eine Stärke des Buches.

Bewertung vom 20.11.2022
Ein Abend mit Marilyn
Wildner, Maxine

Ein Abend mit Marilyn


sehr gut

Der Mythos Marilyn Monroe

Maxine Wildner ist spezialisiert darauf, das Leben von Berühmtheiten zu beschreiben, z.B. Hildegard Knef. Jetzt in Ein Abend mit Marilyn ist Marilyn Monroe dran.

Der Roman startet mit Marilyns 36 Geburtstag und ihren Freunden, die auf sie warten.
Es folgen Rückblicke, z.B. auf Filmarbeiten und Passagen der Kindheit.

Mich überzeugt am Buch die Darstellung der Zeit, also die fünfziger und früher sechziger Jahre im Umfeld Hollywoods. Da treten neben Marilyn Monroe auch ihr wichtigster Regisseur Billy Wilder auf sowie viel Schauspielerkollegen wie Glark Gable, Jack Lemmon, Tony Curtis, Laurence Oliver.
Ihr Exmann Joe DiMaggio, damals erfolgreicher Sportler ist auch dabei und die Kennedys. Und viele andere.
Am Stärksten sind die Passagen, die direkt von Filmarbeiten erzählen, z.B. Some like it hot und Misfits. Marilyns Schauspielerkollegen und Regisseure hatten es nicht leicht mit ihr, die so oft zu spät kam oder den Text vergaß. Aber sie war der große Star und stahl den anderen die Show. Ein Leben zwischen Ruhm und Tragik.

Ein gut geschriebener Roman, dessen Manko es ist, dass Marilyn Monroes Leben schon oft erzählt wurde. So ist es fraglich, ob gerade dieses Buch in Erinnerung bleiben wird.

Bewertung vom 20.11.2022
Die dunklen Sommer
Beverly-Whittemore, Miranda

Die dunklen Sommer


gut

Buch der Geheimnisse

Miranda Beverly Whittemore ist die Spezialistin für atmosphärische Romane mit Überbetonung des Geheimnisvollen. Der deutsch Titel Die dunklen Sommer ist gut gewählt, da ihr Buch eine leicht düstere, untergründige Spannung hat und die Erzählerin Saskia sich in einem Zustand der Trauer befindet. Jung hat sie viel verloren, z.B. den tödlich verunglückten jüngeren Bruder. Das führte zur Trennung der Familie, der Vater kommt sogar ins Gefängnis und Saskia landet schließlich in einer Art Sekte. Dort erlebt sie tiefe Freundschaft, dann dann passiert etwas.
Die Kapitel wechseln wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Die Autorin hat einen guten Stil, der manchmal auch etwas mühsam sein kann. Das wird durch kurze, präzise ausformulierte Kapitel abgemildert.
Streckenweise hatte ich meine Probleme mit dem Buch, insbesondere mit der leicht nervigen Protagonistin, aber im Prinzip ist das Buch auf dem Niveau wie Bittersweet und ich gebe 3,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 18.11.2022
Antillengeschichten
Domin, Hilde

Antillengeschichten


ausgezeichnet

Karibische Geschichten

Das Buch Antillengeschichten enthält 8 Erzählungen der Dichterin Hilde Domin, die auch Prosa geschrieben hat.
Die Erzählungen sind mehr oder weniger zusammenhängend und berichten von Hilde Domins Exilerfahrungen in der Dominikanischen Republik. Das dieses Exil natürlich nicht freiwillig war, liest man im Hintergrund mit. Doch auf der Oberfläche sind die Geschichten sehr amüsant und unbedingt lesenswert. Da ist z.B. die bauernschlaue Köchin Vitalia dabei.
Sie dominiert die ersten beiden Geschichten und ist auch später gelegentlich weiterhin dabei.
Großartig die Geschichte über den einohrigen Kater Gogh. Bewegend das Ende der letzten Geschichte.

Hilde Domin war eine große Dichterin und ein großartige Person, die in Heidelberg sehr beliebt war. Auch ich habe sie da mehrfach gesehen.
Dieses Buch ist gewissermaßen ein Schatz, denn das mir noch unbekannte Prosa von ihr auftauchen würde, damit habe ich nicht gerechnet.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2022
Das Wenige und das Wesentliche
Düffel, John

Das Wenige und das Wesentliche


sehr gut

Der Asket der Zukunft

Ein Stundenbuch, sehr reflektierend. Es erzeugt mehr Fragen als Antworten.
John von Düffel spricht zunächst viel von moderner Askese und auch vom Asket der Zukunft.
De Schauplatz in Ligurien ist nicht unwichtig. Es wird sogar griechische Mythologie in den Betrachtungen einbezogen.
Der Autor durchdenkt einige Aspekte des Lebens, und das ganz ohne Esoterik.
Das ist schon gut gemacht.

0 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.11.2022
This (Last) Christmas (eBook, ePUB)
Pelzer, Julia

This (Last) Christmas (eBook, ePUB)


gut

I gave you my heart, but the very next day, you gave it away oder Der Weihnachtswettbewerb

This (last) Christmas erzählt von Finn und Romy und ihrer First Love in einer typisch amerikanischen Kleinstadt.
Romy ist begeisterte Musikerin, träumt von Nashville und Juilliard.
Doch dann kommt es zur Trennung. Finn verlässt die Stadt zum Studieren. Romy kann nicht verstehen, warum er sie so plötzlich verlassen hat und gemeinsame Pläne unerfüllt blieben.
Erst 3 Jahre später sehen sie sich wieder.
Aus Romys Träumen ist nichts geworden. Sie hat eine Wut auf Finn, aber ihre Gefühle sind lebendig geworden. Bei einem Weihnachtswettbewerb arbeiten sie zusammen und merken, dass sie sich nicht gleichgültig sind. Doch noch steht die Frage, warum ist Finn damals gegangen?

Die Motive Gitarren, Countrymusik und Kleinstadtleben verleihen dem Roman seinen Charakter.
Es gibt sogar eine Gilmore Girls-Anspielung.
Dazu kommen die weihnachtlichen Zutaten inklusive des berühmten Songs, der dem Buch den Titel gab. Obwohl die Autorin aus Hannover kommt, schafft sie damit ein amerikanisches Ambiente.
Mein Kritikpunkt am Buch wäre, dass die ganze Trennungsgeschichte doch etwas konstruiert wirkte.

Bewertung vom 03.11.2022
Elizabeth Finch
Barnes, Julian

Elizabeth Finch


ausgezeichnet

eine romantische Stoikerin

Ein neuer Roman von Julian Barnes ist schon etwas besonderes. Er ist einer der wichtigsten englischen Schriftsteller neben Ian McEwan.

Das Buch wird von seiner Erzählart geprägt. Der Erzähler Neil berichtet in bewundernder Art von seiner Dozentin Elizabeth Finch, mit der er sich viele Jahre lang trifft.
Elizabeth Finch, auch nur EF genannt, gibt geschichtliche Vorlesungen für einen Erwachsenen-Fortbildungskurs. Sie ist unkonventionell, originell und bewahrt immer Haltung.

Neil ist eine leicht gescheiterte Existenz. Er war früher Schauspieler, bis er kein Engagement mehr bekommen hatte.
Er sonnt sich ein wenig in Elizabeth Anwesenheit.
Anfangs war ich sehr begeistert, doch mich störte dann, dass man an EF als Leser einfach nicht herankommt. Sie bleibt stets beherrscht und distanziert.
Doch dann gibt es einen Bruch in der Geschichte. EF stirbt und erst durch ihren Nachlaß an Notizbüchern kommt man ihr etwas näher.

Der Mittelteil besteht dann aus einem langen Essay, ausgehend von dem römischen Kaiser Julian und den Äußerungen von Milton, Voltaire und Ibsen.

Im dritten Teil des Buches ist Neil wieder auf den Spuren Elizabeth und versucht ihre Biografie zu rekonstruieren. Aber sie bleibt ein Rätsel.
Man merkt schließlich, dass es in dem Buch auch viel um Neil geht, seine Hoffnungen, Sehnsüchte und Enttäuschungen.

Elizabeth Finch ist ein geschickt gemachter Roman, wie man es von Julian Barnes gewohnt ist.