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sleepwalker

Bewertungen

Insgesamt 499 Bewertungen
Bewertung vom 12.08.2019
Der Fall Marietta King 1 - Die vergessenen Akten / Ein MORDs-Team Bd.1-3
Suchanek, Andreas;Böhm, Nicole;Bareiss, Ute

Der Fall Marietta King 1 - Die vergessenen Akten / Ein MORDs-Team Bd.1-3


weniger gut

Ein MORDS-Team – Eher eine mords Enttäuschung
Das Buch „Ein MORDS-Team: Die vergessenen Akten – Der Fall Marietta King“ umfasst die ersten drei Teile einer Serie. Ich war mit den ersten drei Teilen vollauf bedient und verspürte danach keinerlei Lust, weiter zu lesen.
Vielleicht bin ich aus den Drei ???, TKKG, Fünf Freunde und so weiter rausgewachsen – auf jeden Fall konnte ich mit der Geschichte nicht viel anfangen. Wobei ich sagen muss, dass die Idee an sich sehr gut war und die Geschichte viel Potential gehabt hätte. Ein Mordfall von vor 40 Jahren, die Kinder der damaligen Beteiligten, undurchsichtige Gestalten, wohin man blickt und alles und jeder hängt irgendwie zusammen.
Aber an sich ist die Geschichte sehr konstruiert und weit hergeholt. Und dazu auch noch sprachlich zum Teil nicht mal Oberstufen-Niveau. Gewollt cool, bemüht hip und gezwungen amerikanisiert, dazu auch noch schlecht recherchiert. Das fängt beim „Table of Contents“ an, was statt eines schlichten „Inhaltsverzeichnis“ den Anfang überschreibt. Dann folgen holprige Formulierungen wie „Sportplatz mit seiner blutroten Gummibesohlung“ (ich vermute, es handelt sich um eine Tartanbahn, denn seit wann ist ein Sportplatz besohlt?); der „Anwalt der Staatsanwaltschaft“ ist entweder der Vertreter der Staatsanwaltschaft oder schlicht der Staatsanwalt; die Bezeichnung „alte Nikon-Scherbe“ für ein altes Objektiv kannte ich vorher nicht, da habe ich was dazu gelernt. Aber dass ein Objektiv mit 4.0 bei 200mm Festbrennweite ganz sicher nicht lichtstark und gut ist, weiß ich. Da sind nämlich selbst meine „alten Scherben“ besser. Eine weitere sprachliche Fehlleistung ist der „Ringelpilz mit Anfassen“, was eigentlich ja „Ringelpiez mit Anfassen“ heißen muss. Ringelpilz, oder Tinea corporis ist hingegen eine ansteckende Hautkrankheit.
Insgesamt ist das Buch also zwar teilweise sehr spannend, flott zu lesen, an anderen Stellen aber ein kompletter Reinfall. Es liest sich phasenweise wie ein Projekt einer „Kreatives Schreiben“- AG in der 8. Klasse mit mangelhafter Auto-Korrektur. Und/oder schlechtem Lektorat. Schade. 1,5 Sterne für die vorhandene Spannung, aufgerundet auf 2.

Bewertung vom 24.07.2019
Ein irischer Todesfall / Elli O´Shea ermittelt Bd.1
O'Connell, Pia

Ein irischer Todesfall / Elli O´Shea ermittelt Bd.1


weniger gut

„Ein irischer Todesfall“ – rein vom Titel her könnte man einen Krimi erwarten oder einen Irland-Roman. In beiden Fällen wäre man vermutlich aber enttäuscht. Das Buch ist nicht spannend, nicht romantisch und nicht lustig. Es beschreibt die erste Zeit der dreiköpfigen Auswandererfamilie O’Shea nach Irland, im Rückblick, denn das Buch spielt 1994. Kaum auf der grünen Insel angekommen, stirbt Seáns Onkel, später wird gegen seine beiden Söhne wegen des Mordes an ihm ermittelt. Das ist das Haupt-Thema des Buchs, unterfüttert mit den ersten Eindrücken und Erlebnissen der Hauptfigur Elli, geborene Feuchtwanger.
Diese hat sich offensichtlich nicht sehr über ihre neue Heimat informiert und auch mit der Sprache, vor allem dem örtlichen Dialekt, hat sie Probleme, obwohl es sich um die Heimat ihres Mannes Seán handelt. So ist sie überrascht, dass das Haus, das ihr Mann angemietet hat, nur über Gas aus der Gasflasche verfügt und dass das Warmwasser über einen Boiler aufgeheizt wird. Und dann, ein Ärgernis für sie, das sich durch das komplette Buch zieht: in Irland trinkt man Instant-Kaffee mit (oh mein Gott!) Vollmilch statt Kaffeesahne. Oder man trinkt halt Tee.
Ich weiß nicht, inwieweit sich die Auswandererfahrungen mit denen der Autorin decken, aber für meinen Geschmack muss sie dem Leser viel zu deutlich zeigen, wie tief sie inzwischen in der Irischen Sprache und Kultur verwurzelt ist. Sie serviert dem Leser praktisch ständig englische Begriffe, ganze Sätze bleiben unübersetzt und sie setzt für meinen Geschmack auch viel zu viel Wissen voraus. Okay, ich spreche Englisch auf Muttersprachler-Niveau, ich bin nicht der durchschnittliche Leser. Und selbst ich fand es zum Teil störend, denn wenn ich einen englischen Roman lesen möchte, lese ich einen in der Originalfassung.
Co. ist die Abkürzung für County (die irischen Grafschaften), die Männer tragen „jerseys“ statt eines Oberteils (für das es im Deutschen nicht wirklich einen Namen gibt, da es weder Hemd, noch T-Shirt, noch Polohemd ist, sondern eine Mischung aus allem), Ellis Klamotten sind „casual“. Sie weiß, dass „schlackernde Oberarmlappen“ im Englischen „bingo wings“ heißen, der deutsche Begriff „Winkeärmchen“ ist ihr offensichtlich nicht geläufig. Da geht es zum „house hunting“ statt auf Haus- oder Wohnungssuche und es gibt einen Toten bei einem „hit and run accident“ statt bei einem Unfall mit Fahrerflucht. Dazwischen dann bayerische Ausdrücke, die vermutlich auch nicht jedem geläufig sind. So „benzt“ der kleine Patrick, muss „bisi“ (statt vielleicht noch verständlicher „pieseln“ oder „pipi“) und hat eine „Zwistel“ (landläufig auch als Zwille oder Steinschleuder bekannt) und ihr Mann hat einen „Fetzenrausch im Gesicht“.
Dazu Fehler: Rechtschreibfehler, Sinnfehler und mal fehlt ein Verb. Außerdem ist „clotted cream“ keine Sahne im herkömmlichen Sinne.
Auch die Personen konnten mich nicht begeistern. Außer der Hauptfigur Elli und dem Sohn Patrick sind alle eher oberflächlich beschrieben. Patrick scheint ein pflegeleichtes Kind zu sein, das mit Lego und seinem Müllauto-Buch zufrieden ist. Elli macht dagegen einen eher unzufriedenen, ziemlich gehässigen und arroganten Eindruck. Sie hält ein bisschen zu viel von sich selbst, vor allem, da sie wohl im ganzen Ort die beste Figur hat. Alle anderen werden in „dicklich“, „fettleibig“ oder „Arsch wie ein Brauereipferd“ eingeteilt. Auf der anderen Seite ist sie beleidigt, als der Metzger sich hinter ihrem Rücken über sie lustig macht, da sie die örtlichen Gepflogenheiten nicht kennt.
Bei mir sprang auf jeden Fall der Funke zu keinem Zeitpunkt über, mir fehlt für einen Krimi die Spannung, für einen Auswanderer-Roman der Lokalkolorit und die charmanten irischen Eigenheiten. Auf Elli wirkt alles heruntergekommen, altmodisch und provinziell, sie kann es kaum erwarten, in ein eigenes Haus zu ziehen, das kein grün gefliestes, „psychedelisch getuntes Bad“ hat und mancher Leser wird wohl froh sein, wenn der Mord nach 231 Seiten aufgeklärt ist.

Bewertung vom 16.07.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1


ausgezeichnet

Spannend bis zum Schluss, ein Serien-Auftakt nach Maß
„Jeder Mensch hat seine Passion. Manche stehen auf Fliegenfischen. Ich töte lieber“. Das ist die Attitüde des Massenmörders, der in „Dark Call – du wirst mich nicht finden“ von Mark Griffin.
Angesichts der Tatsache, dass Holly Wakefield sich der Polizei (in diesem Fall der MET) als Profilerin angeboten hat, erwartet man eigentlich jemanden mit Erfahrung. Aber wir haben ja alle mal klein angefangen. So auch die junge Psychologin – dies ist der erste Fall mit einem tatsächlichen „Fall“, den sie bearbeiten darf. Alles Vorherige war graue Theorie. Und ja, damit kennt sie sich aus, sie kann unzählige Mörder samt Vorgehensweise und Namen der Opfer aus dem Gedächtnis „herunterbeten“.
Und so lernt der Leser praktisch gemeinsam mit ihr etwas über Tatortarbeit, Polizeiarbeit und dafür bringt sie dem Leser Massenmörder der Vergangenheit und Gegenwart nahe.
Insgesamt finde ich das Buch sehr spannend, sprachlich gut geschrieben (und gut übersetzt) und daher sehr flüssig zu lesen. Allerdings sind manche Dinge entweder halt schlecht recherchiert oder schlecht geschrieben. Das fängt schon beim Titel an. Denn das Original heißt „When Darkness Calls“ und das ist wesentlich stimmiger als „Dark Call“! Außerdem hat eine der Leichen eine Kordel um die Achillesferse – nun ja, anatomisch gesehen gibt es die gar nicht, höchstens eine Achillessehne oder eine Ferse. Auch einige Aspekte der Tatortarbeit sind nicht wirklich stimmig (das Durchsuchen eines Tatortes, bevor die Spurensicherung dort war oder die Tatsache, dass nach zwei Tagen noch Blut von einer Leiche tropft), es wird wieder nicht zwischen „in Rente“ und „pensioniert“ unterschieden, Flyer werden statt zu „Flugblättern“ zu „Flugzetteln“. Dafür sind Londons Straßen, Stadtbezirke, die psychiatrischen Anstalten und die Gefängnisse sehr exakt mit HM Prison (also Her Majesty’s Prison) benannt.
Ja, es sind vielleicht zu viele Handlungsstränge (die Vergangenheit von Holly und DI Bishop, das Säure-Attentat auf die Frau eines Polizisten, die Geburt des ersten Kindes eines Polizisten, die vielen Morde, die vielen Verdächtigen, zwei psychiatrische Anstalten) – da hatte der Autor eine Menge zu tun, das am Schluss alles wieder aufzudröseln und zu einem stimmigen Schluss zu verarbeiten und dadurch verkommt der Schluss vielleicht auch ein bisschen zum Par-force-Ritt zu einem (für mich) dann doch sehr überraschenden Ende.
Insgesamt finde ich die Haupt-Personen sehr gut beschrieben und ich konnte einige Sympathie für Holly und DI Bishop entwickeln, beide haben einen sehr speziellen Charakter, sind etwa schrullig – aber sehr liebenswert, dadurch wurde das Buch neben der exzellenten Spannungskurve auch kurzweilig zu lesen.
Dennoch, ich habe das Buch sehr gerne gelesen, konnte mein Wissen über Massenmörder und deren Fetische erweitern (man weiß ja nie, wann man das brauchen kann) und daher vergebe ich gerne 5 Punkte und hoffe auf eine Fortsetzung.

Bewertung vom 12.07.2019
Lass sie nicht in dein Haus
Parks, Adele

Lass sie nicht in dein Haus


gut

Vermutlich haben wir das alle doch schon erlebt: in der Schule/im Studium die besten Freunde und dann trennt einen das Leben und man verliert sich schneller aus den Augen, als man es je für möglich gehalten hätte. Das passierte vor 17 Jahren auch Melanie und ihrer besten Freundin Abigail. Und in beider Leben ist inzwischen viel passiert. Melanie musste das Studium abbrechen, weil sie mit ihrem ersten Sohn Liam schwanger wurde, inzwischen ist sie mit Ben verheiratet und hat mit ihm zwei Töchter (Ben ist nicht der Vater von Liam, wer das ist, kristallisiert sich im Laufe des Buchs erst heraus). Abigail ist nach abgeschlossenem Studium mit ihrem Mann in die USA gezogen und erst durch die sozialen Medien finden die beiden einander wieder.
Abigail hat sich inzwischen von ihrem Mann getrennt und kommt zurück nach England.
Die Autorin schildert sehr gekonnt, wie rücksichtslos sich Abigail in Melanies beschauliches Leben drängt. Ein Leben, das sie eigentlich viel zu spießig findet und verachtet. Eigentlich ist ihr alles zu langweilig und zu bieder, vom Haus über Melanies Frisur bis hin zu ihren Klamotten. Und dennoch – Melanie und ihre Familie werden Abigail einfach nicht mehr los.
Psychologisch ist das Buch sehr interessant und gekonnt geschrieben, sprachlich ist es sehr angenehm zu lesen. Interessant finde ich auch die Verwandlung von Melanie, die verzweifelt versucht, ihre alte Freundschaft (die aus Sicht von Abigail allerdings nie so eng war, wie Melanie das zu glauben scheint) wieder aufleben zu lassen. Da wird aus der soliden Hausfrau kurzzeitig jemand, der Job, Familie und Haushalt vernachlässigt, um einen Teil der (durch die frühe Schwangerschaft) verlorenen „Jugend“ nachzuholen.
Allerdings ist „Lass sie nicht in dein Haus“ beileibe kein Thriller, sondern vielmehr ein Roman, der aber schon sehr früh erahnen lässt, was Abigail im Schilde führt. Bis auf ein paar Überraschungen plätschert die Geschichte daher über einige Längen hinweg, unterhaltsam auf jeden Fall, ab und an sogar spannend, aber sonst eher so farblos und bieder, wie die Autorin Melanie darstellt.
Wirkliche Sympathie konnte ich in der Geschichte für die beiden am besten beschriebenen Figuren nicht empfinden. Weder Melanie noch Abigail konnten bei mir punkten. Umso sympathischer fand ich Ben und Liam, den einen wegen seiner steten Bemühungen um Familienfrieden und den anderen wegen seiner Naivität.
Abzug ganz klar für die durch die Langatmigkeit ausgebremste Spannung und die Vorhersehbarkeit des Endes. Aber für die psychologische Raffinesse und die Tatsache, dass in der Geschichte kaum etwas wirklich so ist, wie es aussieht, von mir dennoch solide 3,5 Sterne.

Bewertung vom 12.07.2019
In letzter Sekunde / Elena - Ein Leben für Pferde Bd.7
Neuhaus, Nele

In letzter Sekunde / Elena - Ein Leben für Pferde Bd.7


sehr gut

Zugegeben, ich gehöre nicht wirklich zur Zielgruppe für dieses Buch. Nichts desto trotz habe ich es sehr gerne gelesen und kann es jedem, der Pferde mag, empfehlen. Ich habe vieles über Pferde erfahren, zum Beispiel weiß ich jetzt, wieso sie nicht lange liegen dürfen. Etwas fachspezifisches Vokabular konnte ich auch aus dem Buch mitnehmen.
Die Geschichte an sich ist relativ leicht durchschaubar, ein bisschen Krimi und Korruption, gepaart mit der Liebesgeschichte um Elena und ihren Freund, dazwischen ihr Ex-Freund und das etwas klischeehafte Aufeinandertreffen der hart arbeitenden Elena (und ihrer Familie) und der „besseren Gesellschaft“, oder halt denen, die sich dafür halten.
Wer, wie ich, mit Fury und Black Beauty aufgewachsen ist, wird dieses Buch lieben, Mädchen um die 12, die gerne reiten, ebenfalls. Daher von mir für diese Zielgruppe eine klare Lese-Empfehlung.
Schade für mich: es ist bereits der 7. Band einer Serie und es wird einiges an Wissen aus den vorherigen Bänden vorausgesetzt. Zwar wird vieles noch einmal aufgegriffen, für mich aber zu knapp, um mir ein komplettes Bild machen zu können. Und die (Schleich-) Werbung im Buch für Fernsehsender oder Modemarken hätte ich nicht gebraucht.
Solide 4 Punkte.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.06.2019
Nie wieder ohne dich
Bombarde, Sabrina

Nie wieder ohne dich


weniger gut

Nie wieder ohne dich – das Buch lässt den Leser fassungslos zurück.
Es zeigt die Erfahrungen, die ein sehr junges Elternpaar mit der französischen Justiz, der Polizei, dem Jugendamt und anderen Institutionen machen musste. Bei ihrer gerade mal dreimonatigen Tochter Luona wurden Ödeme und Hämatome festgestellt, woraufhin Sabrina und Yuan einen Alptraum erleben. Ihnen wird Misshandlung und später Missbrauch vorgeworfen – nur die Untersuchung auf einen in Sabrinas Familie vorkommenden Genfehler, der eben diese Ödeme verursacht, wird jahrelang verweigert.
Das Buch ist in sehr einfacher Sprache geschrieben, ein paar holprig übersetzte Stellen bremsen den Lesefluss etwas.
Die Geschichte an sich schockiert und lässt einen fassungslos zurück – und man stellt wieder einmal fest, wie schwierig es ist, den Mühlsteinen der Justiz (und des Jugendamtes) zu entkommen, wenn man erst einmal darin gefangen ist. Und auch das Verhalten der Pflegemutter, die Eltern und Kind systematisch zu trennen versucht, ist unfassbar.
Allerdings mutet es seltsam an, dass der Vater des Babys angibt, mit seiner Tochter dahingehend „gespielt“ zu haben, dass er sie in die Luft warf und auffing. Ein Baby mit drei (!) Monaten? Babys in diesem Alter können kaum den Kopf heben, die wirft man nicht in die Luft. Da kann was nicht stimmen. Schade. Schlecht recherchiert oder schlecht aufgeschrieben, mangelhaft, setzen. Zwei Sterne.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.06.2019
Ungerechtigkeit im Namen des Volkes
Lenßen, Ingo

Ungerechtigkeit im Namen des Volkes


sehr gut

Da ich Ingo Lenßen noch aus nachmittäglichen Gerichtssendungen kannte, hatte mich das Buch sehr interessiert. Außerdem habe ich mehrere Jahre in der Gerichtsberichterstattung gearbeitet – Juristerei ist mir also nicht völlig fremd und dadurch ist mir auch das Gefühl, Urteile absolut nicht nachvollziehen zu können, bestens bekannt. Über den Inhalt des Buchs ist nicht viel zu sagen: zig aneinandergereihte Fälle, deren Urteile Ingo Lenßen für den Leser, also in der Hauptsache wohl juristische Laien, erläutert. Die meisten Urteile sind nicht leicht nachzuvollziehen, viele davon nicht einmal für ihn selbst. Entweder sind sie zu hart oder zu mild, vor allem, wenn es sich um Urteile nach Jugendstrafrecht handelt.

Der Stil, in dem das Buch geschrieben ist, ist sehr nüchtern, praktisch „Juristendeutsch“, das, was der Jurist unter „Urteilsform“ versteht: Fall – Erläuterung – Schlussfolgerung. Genauso ist das Buch aufgebaut, und das ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich mag es gerne, daher las sich für mich das Buch auch sehr flüssig. Aber in sich ist das Buch nichts Ganzes und nichts Halbes: es ist kein Ratgeber, kein Sachbuch, kein Roman und kein Fachbuch. Es ist eine Aneinanderreihung juristischer Fälle samt (Fehl-) Urteilen und die dazugehörige Einschätzung eines Volljuristen mit jahrzehntelanger Erfahrung. Nicht mehr und nicht weniger.

Für mich war es sehr interessant und es ließ mich mit einem sehr unbehaglichen Gefühl zurück: Recht haben – Recht bekommen und Rechtsprechung haben nicht unbedingt viel miteinander zu tun.

Bewertung vom 27.06.2019
Verloren in Eis und Schnee
Morosinotto, Davide

Verloren in Eis und Schnee


ausgezeichnet

Der 13-jährige Viktor Danilow und seine Zwillingsschwester Nadja müssen 1941 ihre Heimat Leningrad verlassen. Schon zu Beginn ihrer Flucht werden sie getrennt und jeder muss für sich alleine ums Überleben im russischen Weltkriegswinter kämpfen. Während Viktors Zug in Richtung Sibirien fährt, strandet Nadja bereits einige Kilometer von Zuhause weg. Beide Kinder haben Schreibhefte dabei, die ihnen die Eltern zum Tagebuchschreiben mitgegeben haben. Während Nadja mit blauem Kugelschreiber schreibt, bevorzugt Viktor einen roten Bleistift.
Dadurch ist das Buch schon formal sehr ungewöhnlich. Es ist aus der Perspektive beider Kinder getrennt beschrieben, kommentiert von einem Beamten, der die Schreibhefte später sichtet. Der Leser wird aus Kindersicht auf die Flucht mitgenommen, erlebt praktisch hautnah Hunger, Angst und Gewalt mit, begleitet die beiden auf ihrem (nicht immer legalen) Weg. Spannend wie ein Abenteuerroman, informativ wie eine Reportage (nicht zuletzt durch abgebildete Karten und die historische Korrektheit), intim wie ein Tagebuch und leicht zu lesen wie ein Jugendbuch. Obwohl fiktiv könnte diese Geschichte jederzeit so passiert sein – vermutlich ist sie es auch hundertfach.
Für junge Leser ab ca. 12 Jahren, die sich damit beschäftigen wollen, was im Weltkriegs-Russland passiert ist, ist es ein perfektes Buch. Aber auch für Erwachsene sehr zu empfehlen.
Einziger Wehrmutstropfen für mich war, dass mein Tolino das Buch nur schlecht darstellen konnte. Vor allem bei den Karten fehlte oft der Kontrast, ebenso bei vielen Randbemerkungen, die der Beamte macht. Schade, aber dennoch für den hervorragend aufgearbeiteten Inhalt und die sprachliche Umsetzung selbstverständlich 5 Sterne.

Bewertung vom 12.06.2019
Hamish Macbeth ist reif für die Insel / Hamish Macbeth Bd.6
Beaton, M. C.

Hamish Macbeth ist reif für die Insel / Hamish Macbeth Bd.6


weniger gut

Ich liebe Schottland, ich mag Krimis – aber das Buch hat nicht wirklich viel mit beidem zu tun.
Ich wusste nicht, dass es der 6. Band um Hamish Mcbeth ist, daher bin ich völlig unbedarft an den Roman rangegangen – vielleicht war das ein Fehler. Ich hatte einen „ernsthaften“ Krimi erwartet und bekam eine Mischung aus Klamauk, kruder Geschichte und seltsamen Charakteren.
Beginnend mit einem Polizisten, der an potentiell tödlicher Männergrippe leidet, seiner ex-Lebensgefährtin, die sich rührend um ihn kümmert, einer Gruppe von Freunden, die keine sind, die in einem Hotel auf einer Schottischen Insel Weihnachten verbringen, dazu verworrenen Geschichten um Verfolgungswahn (nicht nur die Hotelchefin Jane fühlt sich verfolgt, auch der LKW-Fahrer Geordi hat Angst, sein Truck wolle ihn töten). Alles in allem sehr abstrus und auch die so charmanten Eigenarten der Bewohner der Schottischen Highlands und Islands sind in dem Buch eher garstig, fies und engstirnig dargestellt. Schade. 2 Sterne.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.06.2019
Mitternachtsmädchen / Nathalie Svensson Bd.3
Moström, Jonas

Mitternachtsmädchen / Nathalie Svensson Bd.3


weniger gut

„Mitternachtsmädchen“ ist der dritte Krimi um die Psychiaterin Nathalie Svensson und vermutlich der einzige, den ich aus dieser Serie lesen werde. Sprachlich ist das Buch sehr angenehm zu lesen, da ich in den skandinavischen Sprachen etwas bewandert bin, hatte ich auch keine größeren Probleme mit den Begrifflichkeiten.
Viel größere Probleme hatte ich aber damit, dass das Buch lang, langweilig und langatmig ist. Hätte sich Jonas Moström auf 50 Prozent des Umfangs beschränkt, hätte er einen flotten und sehr spannenden Thriller geschaffen. So ist es aber ein aufgeblasenes, mit sinn- und nutzlosen Abschnitten künstlich in die Länge gezogenes Buch, das mich praktisch zum Querlesen eingeladen hat.
Das Hin- und Herspringen zwischen Gegenwart und der Vergangenheit des Täters ist ein netter literarischer Kniff, vor allem, da er über die Psyche des Täters einiges verrät, aber keinerlei Rückschlüsse auf seine Person zulässt.
Insgesamt konnte ich außer dem Polizisten Johan nicht wirklich Sympathie für irgendeinen der Charaktere aufbauen, eher im Gegenteil. Die Hauptfigur Nathalie fand ich sogar eher unsympatisch. Nicht nur, weil sich ein Teil des Buchs ausschließlich um sie als Person dreht (der Streit mit ihrem Ex ums Sorgerecht für die beiden Kinder, der Tod ihres Vaters und das Ringen mit ihrer Mutter um Traueranzeige und Beisetzung, und vor allem: IHRE Klamotten, die samt Hersteller und Passform für einen Krimi in meinen Augen viel zu detailliert beschrieben sind). Ihr Sexualleben da mal ganz außen vor.
Während ich mit dem Begriff „Studentennationen“ keine Probleme hatte, störe ich mich an holprigen Übersetzungen wie „Halbzeitstudium“ (vermutlich statt Teilzeitstudium?) und dass der Kommissar dem hackenden Kollegen mit einem „Point taken“ ins Wort fällt.
Mein Fazit: zu lang, zu langweilig, zu plakativ und der Schluss dann ziemlich hopplahopp, als wollte der Autor dann endlich abschließen.