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seschat
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 908 Bewertungen
Bewertung vom 29.05.2018
Unfuck your Feet
Montanez, Marco

Unfuck your Feet


gut

Marco Montanez ist überzeugter Barfußläufer und Barefoot Coach und möchte in seinem Buch nun auch den Rest der Nation dazu verführen, einfach mal die Schuhe wegzulassen und barfuß zu gehen.

Anfangs hatte mich der plakative wie billige Titel so gar nicht angesprochen, aber den Inhalt fand ich spannend und habe deshalb meine Vorbehalte über Bord geworfen.

"Unfuck your Feet!" ist ein schnell zu lesendes, weil allgemein verständlich abgefasstes Buch, das allerdings über eine Menge Wiederholungen verfügt. Inhaltlich schneidet Montanez zwar mehrere Bereiche, Medizin, Alltag und Evolution, an, geht aber nicht in die Tiefe. Der Übungsteil am Ende des Buchs hätte gestrafft werden können.

Obschon der Autor in seinem Buch kräftig gegen Jogger im Speziellen und die bekannten Sportschuhhersteller im Allgemeinen austeilt, alle Gel-, Air- oder Free-Innovationen für Humbug erklärt, und seinen eigenen "Fußgeschichten" in die Waagschale wirft, konnte er mich nicht 100-prozentig von seinem Barfußkonzept überzeugen. Ausprobieren werde ich es auf jeden Fall, aber im Alltag gänzlich auf festes Schuhwerk zu verzichten, stelle ich mir schwierig vor.

Interessant fand ich hingegen die kleinen Kapitel, in denen er sich bestimmten Fußmythen, wie z. B. der Entstehung des Hallux Valgus' oder der unter Läufern krassierenden Asphalt-vs.-Waldweg-Diskussion, gewidmet hat.

FAZIT
Unterhaltsames Sachbuch, das viele "Fuß-Themen" miteinander verbindet, aber keinen roten Faden erkennen lässt.

Bewertung vom 28.05.2018
Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen
Woodward, Kay

Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen


ausgezeichnet

Andreas Jägers Porträtsammlung starker Frauen von gestern bis heute ist die perfekte Lektüre für heranwachsende Mädchen.

Auf insgesamt 112 Seiten werden die oftmals steinigen Lebenswege von 25 verschiedenen berühmten Frauen, angefangen von Kleopatra über Jeanne D'Arc bis zu Michelle Obama, in leicht verständlicher Weise betrachtet und deren vielfältige Verdienste herausgestrichen. Damit widerlegt Jäger bewusst die Vorurteile gegenüber dem sog. schwachen Geschlecht und regt die noch unsicheren, jungen Leserinnen zum Nachdenken und zur Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins an. Denn egal, ob Raumfahrt, Fliegerei, Literatur oder Naturwissenschaften, Frauen stehen den Männern in nichts nach. Sie müssen sich nur trauen und mutig ihren Platz einfordern.

Abgesehen von den kurzen, prägnanten Texten wurde Jägers Buch sehr stilvoll und herrlich bunt illustriert und ist damit auch ein optischer Hingucker.

FAZIT
Mithilfe dieses Buchs können jugendliche Mädchen einiges über starke Frauen im Wandel der Zeit lernen und sich vielleicht ein Beispiel an der ein oder anderen nehmen.

Bewertung vom 27.05.2018
Der Schatzsucher
Kahl, Fabian

Der Schatzsucher


ausgezeichnet

Fabian Kahl ist das sympathische optische Aushängeschild der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares". Doch der gebürtige Thüringer lässt sich nicht nur auf Sidecut, Piercings und Tunnel reduzieren. Aufgewachsen in einer Antiquitätenhändlerfamilie verfügt er trotz seines jungen Alters (26) über reiche Erfahrung im Trödel- und Antiquitätenhandel.

In seinem Buch "Der Schatzsucher" berichtet Fabian Kahl ausführlich über sein bisheriges Leben und seine Leidenschaft für alte Dinge. Ehrlich, passioniert und bildreich geht es dabei nicht nur um Kuriositäten und gefundene Schätze, sondern auch um Fehlkäufe (z. B. Gemälde). Letzteres zeigt, dass auch der versierteste Kenner nicht vor Fälschungen gefeit ist. Doch diese Rückschläge wie das Scheitern seines ersten eigenen Ladens in Berlin brachten den künstlerisch vielseitig interessierten Händler Kahl nicht von seinem Traumberuf ab. Im Gegenteil. Er hat seine Leidenschaft bzw. sein Hobby zum Beruf gemacht und anfangs viel Unterstützung von seinen Eltern bekommen. Durch seine Teilnahme an der beliebten Sendung "Bares für Rares" wurde der bodenständige Thüringer über Nacht berühmt. Wie er heute mit seiner Bekanntheit und den täglichen E-Mail-Anfragen umgeht, wird ebenfalls geschildert. Neben Kahls poetischen Antiquitäten- wie Architekturbeschreibungen haben mich vor allem dessen persönliche Ratschläge und Tipps in puncto Antiquitätenverkauf- und erwerb (so u. a. zu den Bereichen Porzellan, Uhren oder Antikmärkte) angesprochen.

FAZIT
Eine interessante Lektüre mit viel Passion und Persönlichkeit, die zeigt, dass vieles Altes zu schade für die Resterampe ist und wir in der heutigen schnelllebigen Zeit mehr Antikes bewahren bzw. aufarbeiten sollten als es achtlos wegzuwerfen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.05.2018
Wie heiß ist das denn?
Berg, Ellen

Wie heiß ist das denn?


ausgezeichnet

INHALT

Bea Lindemann steuert auf die 44 zu und ist eine geniale Wohndesignerin. Doch privat ist sie bisher immer an die falschen Männer geraten. Daher beschließt sie eine Männerauszeit zu nehmen und sich mehr auf sich und ihre unerklärlichen Hitzewellen zu konzentrieren. Sind es vielleicht erste Anzeichen des Klimakteriums? Als dann anlässlich ihres Geburtstages Tochter Mona (18) und Mutter Rosie (64) mit neuen, altersmäßig unpassenden Partnern auftauchen, gerät Beas Weltbild gehörig aus den Fugen und sie beschließt, vor allem Mona vor einer Enttäuschung zu bewahren...

MEINUNG
Ellen Bergs neuester Frauenroman ist ein rundum heiteres Personenstück der Generationen, aus dem besonders die Ich-Erzählerin und Hauptprotagonistin Bea Lindemann hervorsticht. Sie ist ein ausnahmslos authentischer Charakter mit Vorliebe für Fettnäpfen. Ihr selbst gewähltes Männermoratorium wird für die Mittvierzigerin im Lauf der Handlung zum Problem, da hormonelle Schwankungen und eine wachsende Verehrerschar sie plagen. Als einziger Anker dient ihr in dieser Zeit ihr feines Gespür für Farbe und Gestaltung. D. h., beruflich könnte es nicht besser laufen, gäbe es nicht Töchterchen Mona, deren Partnerwahl sie missbilligt. Muss es denn ausgerechnet der 20 Jahre ältere Literaturprofessor sein? Ellen Berg betrachtet Beas turbulentes 44. Lebensjahr nicht nur mit einer gehörigen Portion Humor, sondern auch aus einem realistischen Blickwinkel. Eingebaute Klischees verfehlen ihre Wirkung nicht. Mich konnte vor allem das überraschende Ende mit Beas traumhafter Auszeit in Neapel überzeugen. Mit Letzterem hat die Autorin selbst den versiertesten Frauenromanleser hinters Licht geführt. Ein romantisches Happyend, von denen es im echten Leben einfach mehr geben sollte. Darüber hinaus werden sowohl Fans von Puccini als auch von Pablo Neruda wegen der häufigen Zitate auf ihre Kosten kommen.

FAZIT
Ein unterhaltsamer Frauenroman, der mit plottechnischen Überraschungen sowie sympathischen Protagonisten aufwartet. Einfach ein locker-leichter Pageturner zum Gernhaben, Mitfiebern und Totlachen.

Bewertung vom 22.05.2018
Die Muse von Wien / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.6
Bernard, Caroline

Die Muse von Wien / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.6


ausgezeichnet

Der vorliegende Historienroman von Caroline Bernard erzählt auf berührende Weise die Lebensgeschichte von Alma Schindler (1879-1964, später Alma Mahler-Werfel) - einer verkannten Künstlerin, die ihr Talent und ihre Träume für ihre große Liebe, den Komponisten Gustav Mahler, aufgegeben hat.


Aufgewachsen inmitten der Wiener Bohème-Szene, der sog. Wiener Secession, ist es nicht verwunderlich, dass Alma schon früh künstlerisch tätig wird. So übt sie nicht nur täglich am Klavier und komponiert eigene Lieder, sondern dichtet auch über ihre wechselnden Seelenzustände. Denn Almas großes Ziel ist eine eigene Musikkarriere. Doch die Männer dominierte Gesellschaft um die Jahrhundertwende sieht in ihr nur eine junge, naive und hübsche Frau, die Künstlerempfänge und Vernissagen etc. liebt. Die wenigsten erkennen und fördern Almas Talent. Als sie dann eines Tages auf das eigenbrötlerische wie unnahbare Musikgenie der Zeit, Gustav Mahler, trifft, kennt ihre Faszination keine Grenzen und schnell entspinnt sich trotz des hohen Altersunterschieds eine Liaison zwischen beiden. Anfangs liebt Alma es mit Gustav Klavier zu spielen und zu fachsimpeln. Doch die lange Einsamkeit während Gustavs Tourneen, seine Besessenheit von der Musik und seine Forderung, für ihn auf ihre eigene Karriere zu verzichten, setzen Alma stetig zu und gipfeln gemeinsamer trotz Kinder in einer tragischen, einseitigen Ehe, bei der ausschließlich Alma gibt.

Eindringlich, emotional packend beschreibt die Autorin diese Selbstaufopferung von Alma für Gustavs Kunst. Als Leser leidet man regelrecht mit der jungen, quirligen Alma mit, die sich im Laufe der Beziehung mit Gustav immer mehr zurückzieht und -nimmt, bis sie sich gar nicht mehr erkennt. Depressionen, Fehlgeburten und ständige Kuraufenthalte kennzeichnen diese Periode, in der Gustav fröhlich weiterspielt und den schönen Schein nach außen wahrt, währenddessen Alma innerlich stirbt. Hoffnung wird einzig durch die letzten Buchseiten erzeugt, die kurz von Almas Leben nach Gustavs Tod handeln. Kurzum, die insgesamt 496 Buchseiten transportieren viel persönliches Leid, dies aber auf eine frappierend realistische, weil bestens recherchierte Weise. Infolge lassen sich Fiktion und Wahrheit nur schwer auseinanderhalten.

Zu guter Letzt sei noch das ausgesprochen stilvoll gestaltete und in Sepia gehaltene Cover erwähnt, das vom ersten Moment an Lust auf eine literarische Zeitreise macht.

FAZIT
Tragisches Frauenschicksal, das tief in die Wiener Gesellschaft wie Kultur um die Jahrhundertwende blicken lässt und das einmal angefangen, nicht mehr loslässt.

Bewertung vom 22.05.2018
Schirrmacher
Angele, Michael

Schirrmacher


sehr gut

Frank Schirrmacher (1959-2014) war ein streitbarer, visionärer wie technikaffiner Journalist und Autor, dessen Stimme heute fehlt.

Mit gerade einmal 34 Jahren wurde er zum Redakteur des Feuilletons der FAZ ernannt und trat damit in die großen Fußstapfen des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Doch Schirrmacher machte vieles anders, wollte revolutionieren, eckte an und trat, wenn es sein musste, auch verbal heftig aus. Er war, so Michael Angele, weiß Gott kein einfacher Zeitgenosse und später als Herausgeber der FAZ mehr "Kindkaiser" und Schelm als nüchterner Berichterstatter. Einerseits provozierte und veröffentlichte er Skandale von Literaten (Martin Walser und Günter Grass) und Politikern (Christian Wulff), andererseits reagierte er auf Kritik an der eigenen Person allergisch. Durch seinen sprunghaften und atemlosen Arbeitsstil konnten ihn Zeitgenossen und Freunde nie wirklich durchschauen. Schirrmacher überraschte und enttäuschte zur gleichen Zeit, war für fast alles begeisterungsfähig und legte stets ein schnelles Tempo vor.

Das Besondere an Angeles Porträt, das Schirrmachers Werdegang anekdotengleich wiedergibt, sind die Gespräche und Interviews mit ehemaligen Freunden und Kollegen des journalistischen Wunderkinds. Diese offenbaren einen Blick hinter den Machtmenschen, der Unsicherheiten gern laut überspielte und mehr großes Kind als Erwachsener gewesen zu sein scheint. Doch weder durch diese Aussagen Dritter noch durch die Überprüfung unzähliger E-Mails ist es möglich, ein klares Bild, sprich eine hundertprozentige Charakter- und Wesensstudie, Schirrmachers zu erstellen. Deshalb kann sich Angele seinem Protagonisten respektvoll annähern, mehr aber auch nicht. Das Mysterium Schirrmacher ist vielschichtig und noch lang nicht gelöst. Leider kann man ihn nicht mehr selbst dazu befragen.

Was bleibt?
Ein journalistisch manchmal sperriges Porträt eines unangepassten Zeitgenossen, der zu fast allem eine Meinung hatte und ständig unter Strom stand, für seine Arbeit lebte.

Bewertung vom 22.05.2018
Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit
Drakulic, Slavenka

Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit


sehr gut

Mileva Einstein stammte aus Serbien und war die erste Ehefrau des Physikgenies Albert Einstein. Bis zuletzt stand sie im Schatten ihres Nobelpreis gekrönten Mannes. Grund genug, dass Slavenka Drakulic nun eine Biografie über diese Frau geschrieben hat. Darin nähert sie sich in einfühlsamer Weise an Mileva und deren Schicksal an.

Mileva durfte als eine der ersten Frauen in Zürich Mathematik und Physik studieren und lernte dabei den Außenseiter Albert Einstein kennen. Eloquent und wissbegierig behauptete sie ihren Platz inmitten einer patriarchalischen Gesellschaft, träumte gar von einer Karriere als Wissenschaftlerin. Doch letzteres sollte nicht eintreffen, was vor allem an Albert Einstein und dessen Aufstieg lag. Die Beziehung und die folgende unglückliche Ehe mit ihm machten die einst so starke Serbin krank, depressiv und willenlos. Für die gemeinsamen Kinder stellte sie gar ihre eigenen Pläne und Bedürfnisse hintenan und akzeptierte Albert Einsteins spätere Beziehung zu dessen Cousine Elsa. Mehr noch, in den gemeinsam mit Albert Einstein verfassten Forschungsaufsätzen wird sie nie genannt werden, während er die Lorbeeren erntete.

Der Protagonistin beim Scheitern zuzuschauen, war nicht immer leicht. Drakulic hat Milevas Rückzug aus dem akademischen wie privaten Leben fesselnd umgesetzt und an passenden Stellen mit Originalzitaten ausgestattet. Das Schicksal dieser wissenschaftlich brillanten Frau, die an der Seite des "Genies" Einstein verkümmert, weil dieser sich ausschließlich der Wissenschaft und den eigenen Interessen widmet, ist ein durchweg tragischer Stoff, den die Autorin in all seiner Bitterkeit ausmalt. Kurzum, das vorliegende Buch ist keine leicht zu lesende Lektüre, weil diese viel Melancholie, Selbstzweifel und Trauer enthält. Ich habe die Biografie trotzdem gern gelesen, weil sie viel über den Privatmenschen Albert Einstein verrät, der zwar wissenschaftlich genial gewesen sein mag, aber im Privaten wenig Feingefühl besaß. Darüber hinaus konnte ich einige inhaltliche Parallelen zu dem ebenfalls 2018 erschienenen Roman "Frau Einstein" von Marie Benedict feststellen. Es reicht also aus, wenn man nur eines der beiden Bücher über Mileva Einstein gelesen hat.

FAZIT
Eine emotionale Biografie über eine gescheiterte Wissenschaftlerin wie Ehefrau, die interessante Einblicke in das Leben am Anfang des 20. Jahrhunderts liefert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.05.2018
Ramses - Beschützer der Beiden Länder -
Dietrich, Anke

Ramses - Beschützer der Beiden Länder -


ausgezeichnet

Anke Dietrichs Ramses-Romanreihe geht nunmehr in die vierte Runde. Darin ist Pharao Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) inzwischen über 40 und bezieht seinen Palast in der neuen Hauptstadt Piramesse. Die ältesten Kinder Bintanat und Chaemwaset werden erwachsen, eine unbekannte Räuberbande bedient sich aus dem königlichen Schatzhaus und der hethitische Thronfolger bittet Ramses II. um Asyl. Kurzum, inhaltlich wird in diesem Buch einiges geboten. Die Umsetzung ist Anke Dietrich wie immer fabelhaft gelungen. Versiert, weil quellenbasiert und kenntnisreich, entführt sie den Leser in die damalige Zeit, genauer ins 11. Regierungsjahr von Pharao Ramses II. Ihre bildreiche Erzählweise unterstützt das Ganze in angenehmer Weise. Mehr noch, spielerisch verbindet sie Fiktion und Wirklichkeit miteinander und vermittelt dabei allerhand historisches wie kulturelles Wissen, so dass Kenner wie Laien von dieser Lektüre profitieren können. Ich habe die Reise an der Seite des mächtigen Herren der Beiden Länder sehr genossen und freue mich schon jetzt unheimlich auf die beiden noch folgenden, spannungsgeladenen Teile.

FAZIT
Ein lesenswerter Roman, der die ägyptische Geschichte spannend und leicht verständlich darbietet und damit an Christian Jacq erinnert.

Bewertung vom 20.05.2018
Die Amerikafalle
Amanshauser, Martin

Die Amerikafalle


sehr gut

Der österreichische Autor und Übersetzer Martin Amanshauser hat als „writer in residence“ mit seiner Familie vier Monate in der Universitätsstadt Bowling Green (Ohio) verbracht und dabei genauestens die amerikanische Gesellschaft und deren Lebensart studiert. Seine kurzweilige wie subjektive Abhandlung las sich ausgesprochen leicht und hielt für den Amerika-Laien sowohl allerhand Wissenswertes, z. B. zum Autoverkehr, zur Esskultur oder zu Spracheigenheiten, als auch Skurriles, wie z. B. ständig laufende Wohnungslüfter oder den „in-sink-erator“, bereit. Amanshauser, der vor seinem Lehr- und Studienaufenthalt (Januar bis Mai 2017) die USA eher skeptisch betrachtet hat, ändert seine Einstellung aufgrund vielfältiger freundlicher Begegnungen um 180 Grad und wird zum Amerika-Fan, ohne jedoch den Leser ebenso missionieren zu wollen. Mir hat es besonders gefallen, dass der Leser den Autor auf seiner Reise durch die bekanntesten amerikanischen Staaten (New York, New Orleans, Kalifornien usw.) begleiten konnte und dieser dadurch einen groben Überblick über diese bunte Nation und ihre Eigenheiten erhalten hat.

FAZIT
Persönliche Amerikastudie, die den Leser unterhaltsam und facettenreich zugleich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Bewertung vom 20.05.2018
Parker
Göritz, Matthias

Parker


weniger gut

Der spannende Klappentext zu Matthias Göritz' Roman "Parker" hat mich auf der Stelle neugierig gemacht und zur Lektüre verleidet. Doch auf die Begeisterung folgte bald Ernüchterung.

INHALT
Der Redenschreiber und Rhetorikprofi Matthew Parker soll dem schleswig-holsteinischem Politiker Mahler als Berater und Redenschreiber zum Wahlsieg verhelfen. Doch ehe sich der ambitionierte Karrierist um die 30 versieht, findet er sich in einem perfiden Spiel um Macht und Ansehen wieder.

MEINUNG
Was wie ein Politthriller angepriesen wurde, kam schlussendlich als laues Lüftchen daher. Mich hat Göritz' Geschichte um den Senkrechtstarter Matthew Parker, der ganz oben in den Zentren der Macht gewesen ist und dann tief fiel, leider nicht wirklich erreichen können. Denn zu häufig wurde innerhalb des Plots auf sein unstetes Leben, seine Rhetoriktipps und zu wenig auf die Politik abgehoben. Infolge schleppte sich die Story nur so dahin, was durch häufige Rückblenden in Matthews Vergangenheit nicht besser wurde. Im Gegenteil, mehr als einmal musste ich mit mir kämpfen, das Buch nicht abzubrechen. Obgleich die Abgründe der Politik angeschnitten wurden und sich eine Intrige um und mit Matthew entspann, konnte mich die Handlung nicht mitreißen, geschweige denn von sich überzeugen. Daran konnte auch der durchaus geistreiche Sprachstil nichts ändern. Einzig der Schlussteil mit der teils überraschenden Auflösung und der unausweichlichen Läuterung vom Saulus zum Paulus vermochte mich ein wenig für die insgesamt doch recht dröge Inszenierung mit einer blassen Hauptfigur zu entschädigen.

FAZIT
Viel heiße Luft um wenig Inhalt. Hier wurde viel Potenzial verschenkt.