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yellowdog

Bewertungen

Insgesamt 2022 Bewertungen
Bewertung vom 20.09.2022
Die Dringlichkeit der Dinge
Grundtner, Markus

Die Dringlichkeit der Dinge


sehr gut

Ein Roman in 14 Paragraphen


Unter den für dieses Jahr nominierten Titel des Österreichischen Buchpreis ist dies ein Lichtgewicht.
Aber das ist kein Vorwurf, im Gegenteil, der intelligent gemachte Roman liest sich wunderbar leicht.
Es geht um die Beziehung eines Paares, Mathias und Klaudia, dessen Verlauf man detailliert mit verfolgt.
Die Dialoge sind aufgrund ihres Sprachwitzes wirklich amüsant und gehören zum Stärksten des Buches.
Man muss es wirklich nicht bereuen, diesen Roman gelesen zu haben.

Bewertung vom 15.09.2022
Dagegen die Elefanten!
Leupold, Dagmar

Dagegen die Elefanten!


sehr gut

Herr Harald

Dagegen die Elefanten ist ein Roman mit einem Porträt eines Mannes: Herr Harald
Er ist nicht mehr ganz jung, arbeitet in der Garderobe einer Oper und ruht ziemlich in sich. Er ist ein Beobachter. Er braucht für sich aber auch klare Strukturen und Regeln.
Im Buch werden die Monate als Kapitel gefüllt und so zeigt die Schriftstellerin Dagmar Leupold ein Jahr im Leben des Herrn Harald.
Das macht sie geschickt und findet einen entsprechenden Ausdruck. Hinzu kommen gute Beschreibungen der Umgebung, die auch Herr Harald so genau betrachtet.
Es ist erstaunlich, wie packend dass eigentlich so unspektakuläre Buch ist.
Das beim Verlag Jung und Jung erschienene Buch könnte ein Kandidat für die Short List des deutschen Buchpreises 2022 sein.

Bewertung vom 14.09.2022
People Person
Carty-Williams, Candice

People Person


sehr gut

Good vibes

People Person ist ein interessanter Roman über eine ungewöhnliche Familie. Ein Mann, Cyrill, hat 5 Kinder von 4 verschiedenen Frauen: Es sind Nikisha, Danny, Dimple, Elizabteh und Prynce.
Ich mag eigentlich alle, nur bei Cyrill habe ich Vorbehalte. Er ist ein zu lockerer Vogel!
Erzählt wird in verschiedenen Zeitebenen. Da gibt es am Anfang das treffen der Geschwister als sie noch fast Kinder waren und sich da teilweise erst kennen lernten.
15 Jahre später sind sie schon erwachsen und Dimple hat ein Problem, bei dem sie Hilfe ihrer Geschwister benötigt.

Es ist ein Familienroman uind beim Lesen verspürte ich einen Hauch von This is us, der bekannten Fernsehserie.

Candice Carty-Williams hatte mit Quennie schon einen umwerfenden Roman geschrieben. People Person ist schon anders gemacht und doch erkennt man einen Stil und das deutet auf einen gute Schriftstellerin hin.

Bewertung vom 14.09.2022
Bullauge
Ani, Friedrich

Bullauge


sehr gut

Bullauge

Bei Bullauge spielt zwar ein Polizist die Hauptrolle, aber es ist kein Krimi. Der Protagonist Kay Oleander wurde auf einer Demonstration durch einen Flaschenwurf verletzt und verlor ein Auge. Das nimmt ihn mehr mit, als er nach Außen zeigt. Friedrich Ani hat schon oft psychologische Momente herausgearbeitet, bei denen die Protagonisten dennoch ihren Stoizismus bewahrten. So auch hier.
Und das fasziniert mich am, Buch.
Er trifft dann eine Frau, die ebenfalls versehrt ist und die auf der Demo war. Der Verdacht, das sie die Flasche warf ist da, ohne dass es wirklich begründbar ist.
Die beiden finden einen Draht zueinander und die Dialoge des Romans sind wirklich gut, obwohl letztlich die inneren Gedanken bestimmend sind und das prägt das Buch.
Dann im zweiten teil des Romans nimmt die Handlung an Drive auf, es gibt ein paar Szenen voller Action und Überraschungen.

Bewertung vom 12.09.2022
Die Kuratorin (eBook, ePUB)
Kröll, Norbert Maria

Die Kuratorin (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der Roman lebt von der krassen Hauptfigur, die auch gänzlich die Perspektive einnimmt. Die Österreichische Kuratorin Regina ist meistens zynisch und rabiat, Das kann manchmal amüsant sein, obwohl ich ihr im wahren Leben nicht gerne begegnen würde. Es gibt aber auch verzweifelte Momente mit Selbstmordphantasien. Doch Reginas provokantes Auftreten dominiert.

Versehentlich wird Regina schwanger und sie beschließt einem mit ihr befreundeten lesbischen Paar das Baby zu überlassen.
Allmählich merkt sie aber, wie das Ereignis beginnt, auch sie zu verändern.

Es ist Norbert Maria Krölls dritter Roman.
Das Buch wird vom Sujet, von der Sprache, die durch Wortwitz hervorsticht und von einer starken Energie geprägt.

Bewertung vom 12.09.2022
Die Optimistinnen
Tank, Gün

Die Optimistinnen


sehr gut

Blick auf türkische Einwanderung

Denkt man an Gastarbeiter in den siebziger Jahren in Deutschland, denkr man meistens an Männer. Aber es gab auch Frauen.
Nour kam 1972 aus Istanbul in die Oberpfalz. Dort arbeitet sie in einer Fabrik. Später geht sie nach Berlin und wird einen Deutschen heiraten. Ihre Geschichte wird in zeitlicher Distanz von ihrer Tochter erzählt.

Nour ist engagiert und setzt sich für die Rechte der Arbeiterinnen ein. Sie fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit, und Bildung.
Ereignisse in der Türkei bewegen Nour aber auch in der Ferne.

Die Optimistinnen ist ein Stück deutsch-türkischer Literatur und ein Werk, das wirklich einen Eindruck vermittelt.

Bewertung vom 09.09.2022
Luftpolster
Biertimpel, Lena-Marie

Luftpolster


sehr gut

Luftpolster ist ein beeindruckender Debütroman, da die Autorin ein schwieriges Thema sensibel behandelt.
Die Protagonistin des Romans hat 2 Schwester, die eine und die andere, wie sie sagt. Als die eine einen Selbstmordversuch unternimmt und in einer psychiatrischen Klinik landet, merkt auch die Erzählerin, dass sie Probleme hat. In Rückblenden erfährt man z.B. von ihrer Bulimie.
Sie geht in eine psychiatrische Tagesklinik und beginnt eine Therapie. In Momenten, die sie mit anderen Patienten verbringt und in Rückblenden erfährt man von ihrem Bewusstseinszustand und wie es sich langsam verändert.
Das ist gut und nachvollziehbar beschrieben. Gewundert hatte ich mich ein wenig über die überwiegende Kleinschreibung aller Wörter, aber gestört hat mich das nicht.
Das Buch ist sprachlich interessant und lesenswert.

Bewertung vom 08.09.2022
Blutrodeo
Buchholz, Frauke

Blutrodeo


gut

Thriller mit kanadischem Setting

Blutrodeo ist ein unterhaltsamer Kriminalroman vor reizvoller Kulisse in Kanada.

Das Buch lebt von den 2 Protagonisten, der Polizistin Sam Stern und den Profiler Ted Garner. Zwischen ihnen ist von Beginn eine Spannung, die sich in ironischen Wortgefechten löst. Ted Garner ist eine Figur mit Ausstrahlung.

Es gibt zahlreiche Einschübe mit Kapiteln in die Vergangenheit. Die Art wie diese zeitlich versetzten Kapitel gesetzt werden, erinnert mich latent an die Romane von Karin Slaughter.

Überhaupt ist der Roman für mich am Ende mehr Thriller als Krimi.

Bewertung vom 08.09.2022
Das leichte Leben
Melle, Thomas

Das leichte Leben


sehr gut

Thomas Melle, der zuletzt durch ein Buch über die Beastie Boys aufgefallen war, hat mit Das leichte Leben wieder einen mächtigen Roman vorgelegt.
Es ist ein Buch über ein Paar, dass versucht, dem langweiligen Ehealltag zu entgehen. Kathrin und Jan. er ein Journalist, der zum Boulevard tangiert, sie eine einst ambitionierte Schriftstellerin, die jetzt Aushilfslehrerin ist. Ihre Lebensläufe sind nicht so geworden, wie einst gedacht.
Und dann gibt es noch den jungen Keanu, Freund der Tochter.

Es ist ein provokantes Buch geworden. Nicht unbedingt ein Vergnügen den Eskapaden der Beteiligten zu folgen. Beim ersten Lesegang war ich teilweise abgestoßen. Erst beim zweiten lesen merkte ich, wie gut Thomas Melle die Handlung komponiert hat.

Es werden einige gesellschaftsrelevante heiße Themen angepackt, z.B. auch lange zurückliegender Missbrauch von Jungen in einem Internat.

Melles Schreibe hat Niveau. So einige Passagen haben große Visualität und sind gut in Szene gesetzt. Auch das Ende ist in aller Konsequenz gut gelungen. Was den Roman außerdem in hohem Maße ausmacht, ist seine Energie.

Bewertung vom 07.09.2022
Rombo
Kinsky, Esther

Rombo


sehr gut

Rombo von Esther Kinsky ist ein fein und genau geschriebenes Buch über zwei Erdbeben im Jahr 1978 in Italien.
Kinsky entwickelt eine sprachliche Poetik, die sich in einem prägenden Sound entlädt. Einerseits lässt sie sieben Figuren wie Zeitzeugen zu Wort kommen, andererseits bindet sie dazwischen Passagen ein, die die ländliche Umgebung, die Fauna und Flora betrachten. Aber auch die Stimmen der berichtenden Menschen, die zum Zeitpunkt der Beben überwiegend noch Kinder waren, werden melodiös und zu einem eigenständigen Motiv.

Mit der Zeit wiederholt sich aber viel und das Buch ist auch viel zu lang. Das nahm dem Buch für mich ein wenig an Stärke, doch als Leseerlebnis bleibt es bestehen. Was auch bleibt, ist die Bewunderung für die sprachliche Eleganz der Autorin.