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Benutzername: 
Igelmanu
Wohnort: 
Mülheim

Bewertungen

Insgesamt 997 Bewertungen
Bewertung vom 16.06.2017
Der totale Rausch
Ohler, Norman

Der totale Rausch


ausgezeichnet

Drogen im Dritten Reich – ein faszinierendes Thema! War es nicht so, dass Adolf Hitler sich als asketisch lebenden Vegetarier darstellte? Der größten Wert auf einen gesunden Körper legte? Und dessen Partei eine strikte Antidrogenpolitik fuhr, bei der Süchtige in geschlossene Anstalten zwangseingewiesen wurden, eine Einordnung als „kriminell geisteskrank“ möglich war und nicht selten Euthanasie die Folge?

Die Wahrheit sah wohl ganz anders aus. Norman Ohler hat sich auf Spurensuche begeben, hat fünf Jahre lang in Archiven in Deutschland und den USA recherchiert, zahlreiche Originaldokumente ausgewertet, darunter auch solche, die bislang gesperrt waren. Er hat Originalschauplätze besucht, mit Zeitzeugen, Militärhistorikern und Medizinern gesprochen. Das Ergebnis ist erschütternd. Und erklärt doch so einiges…

Das Buch widmet sich zunächst der Volksdroge Pervitin. Der Inhaltsstoff Methamphetamin ist heute als Crystal Meth bekannt. Entsprechend fassungslos liest man von methamphetaminhaltigen Pralinen für die Hausfrau („die Hausarbeit geht dann ganz leicht von der Hand“), betrachtet ein Werbeplakat der Temmler-Werke, das Pervitin als „Stimulans für Psyche und Kreislauf“ anpreist. In der Folge sollte sich die Aufgabe des Pervitins wandeln, es zum unverzichtbar erscheinenden Mittel werden, von dem bei Temmler pro Woche mehrere Millionen Pillen gepresst wurden. Ein Mittel, das Eltern ihren Söhnen zusammen mit Speck und Zigaretten an die Front schickten. Und dessen Einnahme im weiteren Verlauf des 2. Weltkriegs den Soldaten von ihren Vorgesetzten angeordnet wurde. Tatsächlich gelangen der Wehrmacht mit Pervitin zunächst erstaunliche Dinge – dies wird hier am Beispiel „Blitzkrieg“ deutlich dargestellt. Irgendwann jedoch half die Droge nur noch beim Durchhalten. Stärkerer Stoff musste her…
An dieser Stelle kann man schon den Kopf schütteln, doch es kommt noch viel härter. Mit deutscher und wissenschaftlicher Gründlichkeit wurden diverse Mittel getestet, unter anderem an KZ-Häftlingen. Das Buch bildet Originaldokumente ab, wie zum Beispiel den „Arzneimittelversuch zur Hebung der Leistungsfähigkeit und Wachhaltung“ aus dem KZ Sachsenhausen.
Dass man den Soldaten mit der verordneten Einnahme nicht gerade etwas Gutes tut, dass man damit erhebliche Nebenwirkungen und negative gesundheitliche Folgen billigt, war bekannt. Jedoch…
»Die militärische Führung steht auf dem Standpunkt, daß in diesem Krieg, wenn es erforderlich ist, auch Schädigungen durch stark wirkende Medikamente in Kauf genommen werden müssen.«

Dem Volk unter Drogen ist ein Schwerpunkt des Buchs gewidmet. Der andere befasst sich mit „Patient A“. Zu den Dokumenten, die der Autor studiert hat, zählen auch die Aufzeichnungen von Theo Morell. Danach präsentiert sich der größenwahnsinnige, massenmordende Psychopath Hitler nun außerdem als Junkie der schlimmsten Sorte. Natürlich handelt es sich hier um Rückschlüsse, die aus den genannten Aufzeichnungen resultieren. Aber diese wurden mit großer Akribie geführt und machen letztlich einen stimmigen Eindruck. Morell war über Jahre hinweg täglich an Hitlers Seite, ein Dealer in Dauerbereitschaft, der Tag und Nacht auf Abruf zur Stelle war, um die gewünschte „Führermischung“ zu spritzen. Was durch die Adern Hitlers floss, war ein bunter Mix aus über achtzig verschiedenen Mitteln, darunter Vitamine, härteste Drogen und teils sehr unkonventionelle Hormonpräparate.

Nach der Lektüre erscheint mein Bild von diesem dunklen Abschnitt Deutscher Geschichte erheblich runder. Die aufgestellten Thesen und Rückschlüsse belegt der Autor mit fast fünfzig Seiten Anmerkungen, Quellenangaben und Bildnachweisen. An der ein oder anderen Stelle hätte es der Sachbuchcharakter meiner Meinung nach verlangt, die Person Hitlers distanzierter und neutraler zu beschreiben, aber ich habe großes Verständnis für jeden, dem das in diesem speziellen Fall nicht immer möglich ist.

Bewertung vom 16.06.2017
Das vergessene Mädchen / Kripochef Alexander Gerlach Bd.9
Burger, Wolfgang

Das vergessene Mädchen / Kripochef Alexander Gerlach Bd.9


sehr gut

»Am Tag ihres Verschwindens, dem zweiten Dezember, war Lea Lasalle siebzehn Jahre, elf Monate und drei Tage alt. Sie war ein hübsches, schlankes Mädchen mit sehr eigenwilligem Charakter. Und hätte ich geahnt, wie sehr ihr Schicksal in den folgenden Wochen mein Leben durcheinanderwürfeln würde, so hätte ich schleunigst Urlaub beantragt und den nächsten Zug in Richtung Süden bestiegen.«

Bei einem Ausflug der Schulklasse seiner Töchter verschwindet eine Mitschülerin, die 17jährige Lea, spurlos. Betroffen macht sich Alexander Gerlach, Kriminaloberrat aus Heidelberg, auf die Suche. Und hat schon nach kurzer Zeit das Gefühl, in ein Wespennest gestoßen zu haben…

Eins gleich zu Beginn: Ein klassischer Krimi ist das hier nicht. Auf mich wirkte er aber sehr realistisch – und das mag ich nun mal sehr. Das reale Leben ist doch oft geprägt von einer Vielzahl von Dingen (hier Fällen), die alle sehr arbeitsintensiv aber nicht zwingend auch spektakulär sind. In Heidelberg sind bald schon sehr viele Bälle im Spiel, gibt es immer neue Spuren und Ermittlungsansätze.
Gut, dass Alexander auf sein bewährtes Team voller interessanter Charaktere zurückgreifen kann! Er selbst kommt wieder angenehm menschlich rüber, macht durchaus auch Fehler - zum Beispiel im Bereich Mitarbeiterführung. Und privat hat er mit seinen 16jährigen Zwillingstöchtern ohnehin stets zu kämpfen. Man darf raten, wer häufiger gewinnt ;-)

Die überraschende Auflösung erschien mir schlüssig und ich fand es klasse, dass ich bis zum Ende zigmal in die Irre geführt wurde. Das war sehr unterhaltsam! Allerdings hätte ich mir zu einigen Punkten noch ein wenig mehr Infos gewünscht. Es wurden schließlich sehr viele Themen aufgemacht – da bleiben leicht Fragen über. Obwohl man im realen Leben sicher auch akzeptieren muss, dass nicht auf Alles eine Antwort gefunden wird.

Fazit: Spannend, aber kein klassischer Krimi. Trotzdem wieder gelungene Unterhaltung aus Heidelberg – ich lese gerne weiter.

»Sie macht nämlich Führerschein mit siebzehn … Dürfen wir das auch, Paps?«
Ach herrje. Zweimal Führerschein, zweimal mindestens zweitausend Euro. Und als kostenlose Dreingabe die doppelte Chance, sich seinen Wagen von einer Fahranfängerin zu Schrott fahren zu lassen. Wie gut, dass ich ein altes und praktisch wertloses Auto besaß.

Bewertung vom 16.06.2017
Marie Curie
Goldsmith, Barbara

Marie Curie


sehr gut

»Marie Curie war in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Sie stammte aus einer verarmten polnischen Familie, arbeitete acht Jahre lang, um Geld für das Studium an der Sorbonne zu verdienen, und litt unglaubliche Entbehrungen. 1893 machte sie als erste Frau an der Sorbonne einen Abschluss in Physik, im nächsten Jahr folgte ein zweiter in Mathematik. Ebenfalls als erste Frau wurde sie an der Sorbonne Professorin und erhielt nicht nur einen, sondern zwei Nobelpreise: den ersten in Physik mit ihrem Mann Pierre und Henri Becquerel (für die Entdeckung der Radioaktivität); den zweiten, acht Jahre später, in Chemie (für das Isolieren der Elemente Polonium und Radium).«

Den Namen Marie Curie kennt im Grunde jeder. Vermutlich kann sie auch noch jeder mit den Begriffen Physik und Chemie in Verbindung bringen. Aber was genau ihr zu diesem Bekanntheitsgrad verholfen hat, wird nicht mehr jeder beantworten können.
Dieses Buch erklärt in für den Laien verständlichen Worten, in welchen wissenschaftlichen Bereichen Marie Curie sich verdient gemacht hat und gibt einen guten Überblick über das Leben dieser bemerkenswerten Frau.

Deutlich wird dabei herausgearbeitet, gegen welche Schwierigkeiten sie zeitlebens kämpfen musste. Schwierigkeiten, die aus der schlichten Tatsache resultierten, dass sie eine Frau war, die sich in einem von Männern dominierten Bereich behauptete. Ich bin manches Mal beim Lesen richtig wütend geworden! Man muss sich das mal vorstellen: Sie war eine Frau, die schon als Studentin „das Wissen aufsaugte wie ausgedörrte Erde das Wasser“. Eine Frau, die geradezu besessen von ihrer Arbeit war, eine Fanatikerin, die sich selbst ständig vernachlässigte – und der doch immer wieder Steine in den Weg gelegt und die Anerkennung verweigert wurde. Bei ihrem ersten Nobelpreis durfte sie lediglich im Publikum sitzen. Und hätte ihr Mann auf der Bühne nicht mit Worten ausgedrückt, wie maßgeblich sie an der Entdeckung beteiligt war, hätte dies ansonsten keine Würdigung gefunden.

Folglich hat sie nicht nur für ihre Leistungen als Wissenschaftlerin große Anerkennung verdient, sondern auch für ihre Vorkämpferrolle in Sachen Stellung der Frau in der Gesellschaft. Schon das Buch nennt einige Frauen, die durch Marie Curies Beispiel ermutigt wurden, sehr viele weitere werden gefolgt sein.

Nebenbei war sie auch noch Mutter zweier Töchter, nach dem frühen Tod Pierre Curies zudem alleinerziehend. In verstärktem Maße hatte sie also mit der auch heute noch bekannten Problematik der Doppelbelastung zu kämpfen. Mann und Kinder liebte sie, das wird schon deutlich. Aber ihre Arbeit liebte sie ebenfalls sehr – da ist ein Gefühl der Zerrissenheit eigentlich unausweichlich. Das hätte hier meines Erachtens nach noch deutlicher herausgearbeitet werden können.

Übrigens war Marie Curie nicht nur die erste Frau, die den Nobelpreis erhielt, lange Zeit blieb sie auch die einzige. Erst 32 Jahre später wurde erneut eine Frau ausgezeichnet – und das war ausgerechnet ihre Tochter Irène Joliot-Curie.

Fazit: Hochinteressantes Portrait einer bemerkenswerten Frau. Sehr empfehlenswert, auch für naturwissenschaftliche Laien.

Bewertung vom 16.06.2017
Maria Theresia
Stollberg-Rilinger, Barbara

Maria Theresia


ausgezeichnet

Was wusste ich bislang über Maria Theresia? Nicht viel, offen gestanden. Das hat sich nach der Lektüre dieses Buchs zum Glück geändert. Die Autorin lehrt als Professorin Geschichte der Frühen Neuzeit, wurde für ihre wissenschaftlichen Verdienste vielfach ausgezeichnet und bringt in dieses Werk reichlich Akribie und Fachwissen ein.
Auf über 1.000 Seiten finden sich enorm viele Infos, alle wirken großartig recherchiert und gründlich belegt. Dafür sprechen zum Beispiel sehr viele in den Text eingeflochtene Zitate. Dazu gibt es diverse Abbildungen und Farbtafeln und einen sehr umfangreichen Anhang mit Anmerkungen, Quellen und Angaben zu weiterführender Literatur, mit einem Glossar, genealogischen Tabellen und Karten.

Im Einzelnen erfährt der Leser neben praktisch allem, was die Person Maria Theresias betrifft, enorm viel über das zeitgeschichtliche Umfeld. Wenn ich noch mal so durch das Inhaltsverzeichnis schaue, fehlt eigentlich kein Themenbereich. Da werden Kriege geführt, da werden Ehen arrangiert, Pockenepidemien durchlitten, es gibt Aufstände, Reformen, moralische Höhen und Tiefen werden ausgelebt.
Der Leser erhält einen sehr umfassenden Blick nicht nur auf die politische Lage dieser Zeit, sondern auch auf ihr Moral- und Religionsverständnis.

Wie lebte es sich bei Hofe, was gehörte zu den Privilegien der Herrschaften und welche Pflichten standen diesen gegenüber? Themen wie Bildung, Gleichberechtigung, Körperpflege und -gesundheit werden erörtert. Hier habe ich mit großem Interesse von den ersten Pockenimpfungen gelesen und verfolgt, wie das körperliche Befinden im zentralen Interesse der Allgemeinheit stand.

Der Blick auf Maria Theresia war faszinierend, gefühlsmäßig war ich aber ständig hin- und hergerissen. War sie mir an ein paar Stellen sympathisch, so überwog doch meistens ein Gefühl der Ablehnung. Wenn ich ihr auch zugutehalten muss, dass sie mit ihrem Verhalten und ihrer Einstellung im Wesentlichen dem Zeitgeist entsprach.
Interessant war auf jeden Fall ihr weiblich-männlicher Status, wie sie ihre Rolle übernahm und selbstbewusst ausfüllte. Ihre Aufgabe empfand sie gleichsam als Berufung und heilige Pflicht. Um den Akt ihrer Krönung zum König von Ungarn (nicht Königin!) angemessen vollziehen zu können, lernte sie eigens reiten. Höchst engagiert und diszipliniert lebte sie nach einem täglichen Stundenplan, der ihr vorgab, wann sie wem Audienzen zu geben hatte, wann sie die Post bewältigte, wann sie Hofbeamte und Minister empfing, um immer einen Überblick über die laufenden Geschäfte zu haben. Auch Zeiten für Gebet und Gottesdienst und für die Familie waren nach der Uhr zu erfüllen. Sie stellte ausgesprochen hohe Ansprüche an sich – und ebenso an ihr Umfeld.
Meist erschien sie als strenge Moralverfechterin, häufig blockierte sie Reformen. Gelegentlich überraschte sie mich aber auch, zum Beispiel mit für die Zeit sehr fortschrittlichen Maßnahmen zum Schutz Neugeborener.
Ihr Verhältnis zu ihrem Ehemann war im Zeitalter arrangierter Ehen sicher ein Besonderes. In hohem Maße negativ empfand ich ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern, das von Dominanz und einem ausgeprägten Kontrollwahn bestimmt wurde. Auch ihre erwachsenen Kinder versuchte sie stetig zu manipulieren und in ihrem Interesse handeln zu lassen, sparte nie mit scharfer Kritik. Nachdem ihr Sohn Joseph Kaiser geworden war, gab es reichlich Punkte, bei denen er und seine Mutter gegensätzliche Auffassungen vertraten. Das Buch zeigt diverse Probleme auf, die durch diese Doppelregentschaft entstanden. Ein Beispiel war der Umgang mit den „irrgläubigen“ Protestanten. Ich stelle mir vor, dass diese Zeit auch für die Bevölkerung eine ungeheuer komplizierte und unsichere gewesen sein muss.

Fazit: Umfassender Blick auf das Leben einer außergewöhnlichen Frau.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.05.2017
Der fünfte Mörder / Kripochef Alexander Gerlach Bd.7
Burger, Wolfgang

Der fünfte Mörder / Kripochef Alexander Gerlach Bd.7


sehr gut

»Terror!, war mein erster Gedanke in der Stille nach der Explosion. Der Dschihad hat Heidelberg erreicht!
Ich stand keine zwanzig Schritte vor dem soeben in die Luft geflogenen Wagen entfernt und hatte das Atmen vergessen. Noch bevor die letzten Trümmer zu Boden geprasselt waren, ging irgendwo eine Alarmsirene los. In meinen Ohren hallte die Detonation nach.«

In diesem Krimi ist es mit der Ruhe in Heidelberg endgültig vorbei. Ein Auto fliegt in die Luft, eine Wasserleiche mit Kopfschuss wird geborgen und scheinbar ist ein Bandenkrieg inmitten mafiöser Strukturen im Gange. Als wenn das noch nicht reichen würde, wird Kriminaloberrat Alexander Gerlach mitten in seinen Ermittlungen von oberster Stelle zurückgepfiffen. Wer ihn kennt, der weiß, dass er nun erst recht keine Ruhe geben wird…

Hier ist Tempo angesagt, das merkt man schon auf der ersten Seite. Die Spannung bleibt durchgehend hoch und der Leser kann sich auf einige überraschende Wendungen und Ereignisse freuen. Ohnehin ist die Thematik sehr interessant und wird hier – wie gewohnt bei den Krimis aus dieser Reihe – gut umgesetzt.

Wieso Alexander bei seinen Ermittlungen ausgebremst werden soll, macht natürlich neugierig. Und ich hatte regelmäßig großen Spaß, wenn er mal wieder einen Weg gefunden hatte, diese Anweisung zu umgehen. Natürlich wie immer unterstützt von seinem großartigen Team voller interessanter und grundverschiedener Charaktere.

Privat ist er mal wieder im emotionalen Dauerstress, verursacht durch seine 15jährigen Zwillingstöchter und eine überraschende Entwicklung in der Beziehung zu seiner Geliebten.

Fazit: Sehr temporeich, spannend und wie immer gut umgesetzt. Ich nehme mir gleich den nächsten Band vor.

Bewertung vom 19.05.2017
Die falsche Frau / Kripochef Alexander Gerlach Bd.8
Burger, Wolfgang

Die falsche Frau / Kripochef Alexander Gerlach Bd.8


ausgezeichnet

»Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Sie die Lage im Griff behalten wollen, wenn hier ein paar Tausend Anarchos aufkreuzen – und sie werden kommen, darauf können Sie Gift nehmen. Angenommen, die ziehen vors Tagungshotel, um es in Brand zu stecken?«
Ich hielt es für eine ausgemachte Schnapsidee, diese Wirtschaftsgespräche ausgerechnet mitten in Heidelberg abzuhalten.

Kein Wunder, dass Kriminaloberrat Alexander Gerlach so erbost ist. Sein schönes Heidelberg soll also der Austragungsort der in Kürze anstehenden Deutsch-Amerikanischen Wirtschaftsgespräche werden. Vor allem der erwartete amerikanische Wirtschaftsminister ist für nicht wenige Menschen wie das berühmte rote Tuch! Neben den befürchteten Ausschreitungen und Demonstrationen gilt die Sorge der in großer Zahl angerückten Sicherheitskräfte der Vermeidung eines Terroranschlags. Und dann ist da noch eine Zielfahnderin vom BKA, die seit Jahren hinter einer abgetauchten RAF-Terroristin her ist, deren Spur ebenfalls nach Heidelberg führt.
Schon nach kurzer Zeit weiß Alexander nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Wie soll man sich dabei noch um „normale“ Fälle kümmern, wie die beiden völlig verkohlten Leichen, die in einem abgebrannten Haus gefunden wurden? Und wie mit der Entdeckung umgehen, dass seine 16jährigen Zwillingstöchter offenbar die Pille nehmen?

Die Krimireihe rund um Alexander Gerlach mag ich ja ohnehin, aber dieser Band gefiel mir besonders. Vermutlich, weil er auf mich so überaus realistisch wirkte.
Es ist alles drin, was ständig die Medien beherrscht. Skrupellose Politiker, umstrittene Staatsbesuche, Terrorangst, Demonstrationen, Geheimdienste… Das Szenario, das hier in Heidelberg dargestellt wird, könnte genauso passieren. Diesmal wird der Leser aber zudem mit einem Thema konfrontiert, über das sich womöglich so mancher noch nie Gedanken gemacht hat.
Alexander hat nämlich – abgesehen von der Sicherheitslage und der Aufklärung des Doppelmordes – noch ein weiteres Problem. Ständig muss er sich seinen Töchtern und seiner Geliebten gegenüber dafür rechtfertigen, dass er seine Arbeit macht, die hier unter anderem darin besteht, für den Schutz des amerikanischen Politikers zu sorgen. Dieser hat vermutlich reichlich Dreck am Stecken, weshalb auch viele Polizisten eigentlich selber gerne mitdemonstrieren würden. Nur können sie es sich leider nicht aussuchen, müssen ihre Pflicht tun, selbst wenn es der eigenen Auffassung widerspricht. Alexander jedenfalls befindet sich wochenlang im Dauerkonflikt und leidet sehr darunter, auf so viel Unverständnis zu stoßen. Mir gefiel sehr, dass diese Position hier mal deutlich herausgearbeitet wurde.
Darüber hinaus bleibt es durchgehend spannend, immer wieder tauchen neue Spuren oder Erkenntnisse auf, laufen Fäden zusammen. Das Ganze wird recht umfangreich, trotzdem passt alles zusammen und wirkt logisch und nachvollziehbar.

Alexander ist ein interessanter Charakter, den ich sehr mag. Genau wie die übrigen Mitglieder seines Teams, die alle grundverschieden, aber jeder einzelne unverzichtbar sind. Und ohne Sekretärin Sönnchen geht ohnehin gar nichts!
Für Erheiterung sorgen auch in diesem Band die stetigen größeren und kleinen Probleme, die Alexander mit seinen mittlerweile 16jährigen, im Grunde herrlich normalen, Zwillingstöchtern hat. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn er auf verlorenem Posten kämpft – und das auch sehr genau weiß ;-)

Fazit: Hier stimmte alles. Spannung, Realismus, ein bisschen was zum Nachdenken und wie immer ein guter Schuss Humor. Klasse!

Bewertung vom 19.05.2017
Der Zoo der Anderen
Mohnhaupt, Jan

Der Zoo der Anderen


ausgezeichnet

Wer hätte gedacht, dass ein Zoo zum politischen Ort werden kann? Genau das geschah ab 1955 in Berlin, als „auf der anderen Seite“ des traditionsreichen Zoos der Tierpark gegründet wurde. Von da an waren Fragen wie „Wer hat mehr Elefanten?“ von größter Wichtigkeit. Auf der West-Seite wurde jeder Staatsgast durch den Zoo geführt, im Osten spendete die Stasi Brillenbären für den Tierpark.

Jan Mohnhaupt hat jahrelang für den Tagesspiegel über den Berliner Zoo und den Tierpark berichtet. Für dieses Buch über die Geschichte der beiden Konkurrenten hat er umfangreich recherchiert und Gespräche mit den Söhnen der Zoodirektoren geführt, die die große Zeit des tierischen Wettrüstens prägten. Das Ergebnis zeigt auf unterhaltsame und informative Weise ein Musterbeispiel für den kalten Krieg, bei dem Elefant & Co. problemlos zum Politikum werden konnten.

Das Buch setzt während der Zeit des 2. Weltkriegs ein. Damals gab es zwar den Tierpark noch nicht, aber bei den Schilderungen von Kriegsjahren, Nachkriegszeit und Wiederaufbau wird schon das besondere Verhältnis deutlich, dass die Berliner zu ihrem bzw. ihren Zoo(s) haben. Wenn selber notleidende Menschen Kohlköpfe für Flusspferd Knautschke spenden, ist das schon bezeichnend. Kein Wunder, dass bei der großen Bedeutung der tierischen Großstadtbewohner sich im Osten sehr schnell die Erkenntnis durchsetzte, dass unbedingt ein eigener Tierpark hermusste!

Im Verlauf des Buchs erlebt der Leser auch Aufbau und Niedergang der DDR mit. Triumphiert anfangs noch der Tierpark Ost aufgrund seiner enormen räumlichen Möglichkeiten (vor allem im Vergleich zum sehr beengten Zoo West), so dominiert später immer mehr der extreme Mangel an Materialien für Bauten und notwendige Reparaturen. Und wenn Tierpfleger Fluchtversuche in Tiertransportboxen unternehmen, sagt das ebenfalls sehr viel aus.

Einige menschliche Charaktere prägten diese Zeit besonders. Auf der West-Seite wäre da zunächst einmal Direktorin Katharina Heinroth, die maßgeblich am Wiederaufbau des Zoos beteiligt war, aber trotz hoher fachlicher Qualifikation in einer von Männern geprägten Welt ständig kämpfen musste. Ihr Durchhaltevermögen hat mich schwer beeindruckt!
Und dann geht es natürlich um die Geschichte der Direktoren Heinz-Georg Klös, den Nachfolger Heinroths und Heinrich Dathe, den man auch den „Grzimek des Ostens“ nannte. Zwei gegensätzliche Charaktere in zwei gegensätzlichen Systemen, im ständigen Wettstreit miteinander. Und dabei hätten sie sich an einem anderen Platz zu einer anderen Zeit womöglich fabelhaft verstanden, denn letztlich waren beide „Tiermenschen“, bei beiden hatten ihr Zoo und ihre Tiere oberste Priorität, weit vor Familie, Privatleben und Politik.

Natürlich kann man kein Buch über die Geschichte eines Zoos (oder zweien) schreiben, ohne auf das Thema Tierhaltung einzugehen. Auch in diesem Bereich hat es schließlich in den letzten Jahrzehnten eine enorme Entwicklung gegeben, die von stetigen Verbesserungen im Sinne des Tierwohls geprägt ist. Der Zoo-Standard des mittleren zwanzigsten Jahrhunderts ist in keiner Weise mit dem heutigen zu vergleichen. Zum Glück für die Tiere, aber manchmal zum Leidwesen des Besuchers, der mit der Möglichkeit leben muss, dass ein Tier in einem großen, natürlich gestalteten Freigehege mit Rückzugsmöglichkeiten nicht zuverlässig betrachtet werden kann.
Im Buch kann man noch mal den damaligen Standard betrachten, bei dem Tiere aus der Wildnis gefangen wurden, Inzucht akzeptiert wurde und es schlicht darum ging, auf dem vorhandenen Platz möglichst viele verschiedene Tiere zeigen zu können. (»Det is doch’n bisschen eng hier, wa?«) In der Folgezeit entwickelten sich die Haltungsrichtlinien manchmal mit einem solchen Tempo, dass ein geplanter Neubau eines Tierhauses - nach jahrelanger Bauzeit endlich fertiggestellt - bereits veraltet war.

Bewertung vom 05.05.2017
Eiskaltes Schweigen / Kripochef Alexander Gerlach Bd.6
Burger, Wolfgang

Eiskaltes Schweigen / Kripochef Alexander Gerlach Bd.6


sehr gut

»Evalina Krauss ging ihm entgegen und beantwortete seine Fragen, wobei sie heftig gestikulierte und sich ständig das aschblonde Haar hinters Ohr schob. Der Bewohner des Hauses, vor dem ich stand, lag tot im Wohnzimmer, … und zwar schon seit Tagen, denn der ausgehungerte Hund hatte in seiner Not irgendwann begonnen, sein Herrchen aufzufressen.
»Gut möglich, dass er ihn auch umgebracht hat«, hörte ich die Oberkommissarin sagen und trat einen Schritt zur Seite, weil ein junger, hagerer Notarzt, gefolgt von einem übergewichtigen und aus irgendeinem Grund heftig keuchenden Sanitäter, das Haus verließ. Beiden standen Schweißperlen auf der Stirn.«

Eigentlich sollte Kriminaloberrat Alexander Gerlach sich ja ohnehin nicht mehr an den Tatorten „herumtreiben“, aber als alter Freund der praktischen Polizeiarbeit nutzt er jede Gelegenheit, sein Büro zu verlassen und sich unter seine Kommissare zu mischen. Zu tun gibt es auch wieder genug im eigentlich friedlichen Heidelberg. Die ausgesprochen unappetitliche Leiche ist schon die zweite innerhalb kurzer Zeit, zuvor war schon eine Frau erstochen in ihrer Wohnung aufgefunden worden. Zusammenhänge sind zunächst nicht erkennbar und schon gar nicht kann Alexander ahnen, was noch auf ihn und sein Team zukommen wird…

Ich mag diese Reihe und auch dieser Band hat mich nicht enttäuscht. Alexander Gerlach ist ein sympathischer Charakter, dessen private Probleme mit seinen pubertierenden Zwillingstöchtern mich regelmäßig zum Schmunzeln bringen.
Auch unter den übrigen Charakteren finden sich einige interessante, die Kolleginnen und Kollegen aus Alexanders Team sind teils grundverschieden, wodurch sie sich einerseits ergänzen, andererseits aber auch Reibungspunkte liefern. Die beiden Töchter sind völlig „normale“ Fünfzehnjährige, mit anderen Worten liebenswert-schwierig. Und dann taucht in diesem Band erstmals ein tierischer, recht amüsanter, Charakter auf – ich hoffe, das war nicht nur ein einmaliger Auftritt.
Der Fall ist spannend, die Ermittlungsarbeiten erscheinen logisch und schlüssig, überhaupt wirkt das meiste recht realistisch, was ich an einem Krimi sehr schätze. Den Stil mag ich ebenfalls, das Buch liest sich leicht und man bleibt gerne dran.

Dies war der sechste Band aus der Reihe um Alexander Gerlach, ich nehme mir gleich mal den nächsten vor. Alle Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, Vorkenntnisse sind zum Verständnis nicht nötig.

Fazit: Solider Heidelberg-Krimi, spannend und unterhaltsam zugleich. In der Reihe lese ich gerne weiter.

Bewertung vom 05.05.2017
Zorn - Wie du mir / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.6
Ludwig, Stephan

Zorn - Wie du mir / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.6


ausgezeichnet

»Blätter raschelten unter den rosafarbenen, durch Schwimmhäute verbundenen Krallen, der Vogel watschelte heran, pickte, den Hals vorgereckt, zwischen den Füßen des Mannes im Laub. Offensichtlich erfolglos, das Gackern, mit dem sich die Ente wenige Sekunden später wieder zurückzog, klang frustriert. Mit wackelndem Hinterteil stolzierte sie davon, als wolle sie Gleiches mit Gleichem vergelten, Nichtbeachtung durch Nichtbeachtung. Als sie sich auf dem Asphaltweg noch einmal umwandte, waren die hellen, flaumigen Federn an Brust und Bauch verfärbt, bedeckt von einer dunklen, öligen Schicht.«

Einfach klassisch für Stephan Ludwig: Eine Ente „findet“ eine Leiche. Eine Situation, die gleichsam skurril und erschreckend wirkt, in der erst eine Idylle (mit Ente ;-) kreiert wird, um dann das offensichtlich begangene Verbrechen umso deutlicher und grausamer erscheinen zu lassen.

Zorn und Schröder sind zurück. Und auch in Band 6 haben sie nichts von ihrer Klasse verloren, im Gegenteil hat es dieser Band wieder geschafft, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Handlung ist durchgehend spannend, logisch aufgebaut und führt den Leser – zusammen mit den Ermittlern – Stückchen für Stückchen durch die Ermittlungen. Die zu Beginn gefundene Leiche wird nicht die letzte bleiben und unsere beiden Kommissare werden mal wieder ordentlich gefordert.
Wobei Zorn zu Beginn die Konzentration auf den Fall schwer fällt. Zu viel geschieht mal wieder in seinem Privatleben, schließlich ist er jetzt Vater und muss lernen, Verantwortung zu tragen. Wer ihn schon aus früheren Bänden kennt, weiß, dass er da einiges vor sich hat. Zudem ist er am Morgen seines fünfundvierzigsten Geburtstags neben Staatsanwältin Frieda Borck aufgewacht, was auch noch für Komplikationen sorgen wird. Zum Glück gibt es Schröder, meinen persönlichen Favoriten, der immer zuverlässig da ist und Zorn mit schöner Regelmäßigkeit sowohl beruflich als auch privat rettet. Um sich gleichzeitig bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein herrlich zu lesendes Wortgefecht mit ihm zu liefern. Ich liebe das! Bei anderen Krimis/Thrillern besteht schon mal leicht die Gefahr, dass mir die „Nebenhandlung“ zu umfangreich wird – ich glaube, bei Zorn und Schröder könnte mir das nie so gehen. Dafür sind die beiden einfach einerseits zu unterhaltsam und andererseits auch hochinteressant in ihrer persönlichen Entwicklung, sowohl einzeln, als auch im Miteinander.

Hochinteressant wird aber auch die gesamte Thematik des Falls. Die verübten Verbrechen sind wirklich alles andere als „Standard“, die Frage nach Motiv und Durchführung äußerst anspruchsvoll. Natürlich wird es auch wieder blutig, bei dem Autor muss der Leser mit Beschreibungen rechnen, die in ihrer Intensität empfindlichen Gemütern schon recht nahegehen können. Und im Rahmen der Ermittlungen wird Zorn zudem auf jemanden treffen, den er leider nur zu gut kennt…

Fazit: Großartig! Spannend, logisch, blutig, unterhaltsam – was will man mehr? In meinem Fall: Noch mehr Fälle für Zorn und Schröder!

Die Fälle können unabhängig voneinander gelesen werden. Wer ältere Bände nicht kennt, wird nicht weniger Spaß an dem Buch haben. Allerdings sind die Charaktere und ihre Entwicklung so interessant, dass es sich lohnt, vorne anzufangen.

Bewertung vom 28.04.2017
1517
Schilling, Heinz

1517


sehr gut

»Damit steht auch die These von der einmaligen universalgeschichtlichen Modernisierungswirkung der im Ablassprotest 1517 geborenen Reformation in Zweifel, die mit der Aufklärung in das allgemeine Geschichtsbild des »Westens« eingegangen ist. In diesem Buch soll das »Epochenjahr 1517« in einem weiten, »globalen« Verständnis von Weltgeschichte neu vermessen werden. Dabei ist die Lupe der Wittenberger Feldforschung zu ergänzen durch das Fernrohr, das die welthistorischen Entscheidungen im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit auch anderwärts in Europa und der weiteren Welt erkennen lässt.«

Dem Jahr 1517 wird in diesem Jahr besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich ist es das Reformationsjahr, das Jahr, in dem bedeutende Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Allerdings verbinden die meisten Menschen mit dem Jahr 1517 ausschließlich Luther und seinen Thesenanschlag. Dieses Buch gewährt einen umfassenden Blick auf das Epochenjahr und schildert, wie viele weitere, hochinteressante Ereignisse es prägten.
Was alles geschah 1517 bzw. in den Jahren davor und danach? Welche bedeutenden Persönlichkeiten und Reiche gab es, wie dachten die Menschen, wie war ihr Weltbild? Welche Folgen hatte ihr Handeln und welche Weichen wurden für die Zukunft gestellt?

Wenn man versucht, sich in die Menschen des frühen 16. Jahrhunderts hineinzuversetzen, muss man zunächst einmal die Bedeutung verstehen, die sie Gott (oder je nach Religion Göttern) beimaßen. Man glaubte fest an den alles beherrschenden Gott, der durchaus auch unmittelbar in das Weltgeschehen eingriff, der Zeichen sandte, strafte und zürnte. Und daran, dass das irdische Leben nur eine Station auf dem Weg zum eigentlichen, ewigen Leben ist. Dieses Weltbild ließ, trotz der Bedeutung des Glaubens, eine enorme Menge an Aberglauben zu - und das quer durch alle Stände und Kulturen. Das Buch analysiert dies, erläutert die Ursachen und die Auswirkungen, thematisiert Religionskriege und den Status von Papst und Kirche.
Aber auch abseits der Religion geschah unheimlich viel. So findet der Leser Infos zu Entdeckungen und Fürstenhäusern, zu Kunst und Kunstgeschichte, zur weltpolitischen Situation, zu Azteken, zum Reich der Mitte und zum Osmanischen Reich. Dabei staunte ich manches Mal über den enormen Detailreichtum, mit dem der Autor seine Ausführungen betreibt und über so einige faszinierende Infos, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. Beispielsweise war mir selbstverständlich Kopernikus ein Begriff - allerdings hatte ich keine Ahnung davon, dass er der erste war, der 1517 die Quantitätstheorie des Geldes formulierte. Auch die Ausführungen zum damaligen Frauenbild fesselten mich sehr und überraschten mich an mehr als einer Stelle.

Der Autor ist emeritierter Professor für Europäische Geschichte - das merkt man deutlich. Er schöpft bei den vielen Infos wirklich aus dem Vollen, bringt reichlich Zitate, sowohl in Latein als auch in altdeutscher Sprache. Das Ergebnis liest sich nicht immer sehr leicht und für einige Kapitel musste ich mir schon Zeit nehmen. Die Sprache ist dabei sehr sachlich, was dazu führte, dass mir einige Themengebiete, die mich nicht wie andere fesselten, etwas trocken erschienen und ein paar Ausführungen für mein Empfinden etwas zu theoretisch wurden.

Natürlich wird auch Luther Aufmerksamkeit geschenkt und sein Tun im geschichtlichen Kontext beleuchtet. Auch dies war ein sehr interessanter Abschnitt! Außerdem gefiel mir das Schlusskapitel, in dem es unter anderem um Fremdheit und Nähe geht und in dem neben den Unterschieden auch Gemeinsamkeiten zur Jetztzeit herausgearbeitet werden.

Fazit: Was passierte 1517 noch alles? Dieses Buch erzählt es. Umfassend, informativ und detailreich.