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Janasbuecherliebe

Bewertungen

Insgesamt 100 Bewertungen
Bewertung vom 12.07.2023
Hirn gegen Hayley
Morris, Hayley

Hirn gegen Hayley


ausgezeichnet

In diesem Buch erzählt die Autorin und TikTokerin Hailey Morris von den verschiedensten Situationen aus ihrem Leben. Immer mit dabei: ihr Hirn, das ungefragt alle möglichen Kommentare abgibt und seinen Job oft etwas zu ernst nimmt.

Selten habe ich mich in einem Buch so verstanden gefühlt und musste gleichzeitig über mich schmunzeln. Ob man sich bei Kopfschmerzen Gedanken darüber macht, direkt einen Tumor zu haben, ob das Hirn bei Dates plötzlich ganz merkwürdige Kommentare abgibt oder man beim Zahnarzt plötzlich darüber nachdenkt, der medizinischen Fachangestellten in den Finger zu beißen… es war einfach nur köstlich und pure Unterhaltung! Dafür war es gar nicht nötig, jede Situation nachempfinden zu können. Es zählt viel mehr das System dahinter, dass man sich eben ungewollt über ALLES Gedanken macht und teilweise die schlimmsten Szenarios ausmalt. Auch die sehr zufällig zusammengewürfelten Geschichten haben dazu gepasst, denn genauso geht das Hirn ja auch oft vor und wirft alles mögliche zusammen. Es gab aber nicht nur lustige Geschichten, sondern auch nachdenkliche und traurige Anekdoten aus Haileys Leben. Genauso wie all das lustige und kuriose gehören die eben auch dazu.

Das Buch war Unterhaltung pur, auch wenn es der Alltag der Autorin und bestimmt von vielen anderen ist (mir eingeschlossen). Eine große Empfehlung für alle, die sich in dem Titel wiederfinden können und für alle, die einen Einblick in den Kopf von vielen Menschen bekommen wollen.

Bewertung vom 09.07.2023
Do The Hard Things First
Allan Bowes, Scott

Do The Hard Things First


ausgezeichnet

In diesem Buch dreht sich alles rund um Prokrastination und all die unliebsamen Aufgaben, die wir schon ewig vor uns her schieben. Dabei werden die Ängste erläutert, die dafür sorgen, dass die Aufgaben immer noch unerledigt sind und man bekommt Taktiken an die Hand, um das Aufschieben in Zukunft zu vermeiden.

Prokrastination ist mir (und bestimmt vielen anderen) bestens bekannt und so hätte das Buch zu keinem Zeitpunkt passender sein können als in meiner Klausurenphase, in der ich mal wieder viel zu spät mit dem lernen begonnen habe, weil ich es ständig vor mir hingeschoben habe. Dieses Buch hat mir dann den Spiegel vorgehalten. Natürlich war es mir klar, dass dem Aufschieben verschiedene Gründe beiliegen und darunter auch Ängste sind - dass es so vielfältige sind, hätte ich jedoch nicht gedacht. Das Buch war super augenöffnend in vielerlei Hinsicht. Neben den Ängsten, denen man hier auf den Grund gegangen ist, gab es wirklich eine zahlreiche Variation von hilfreichen Tipps. Gegen aufschieben kann dabei zum Beispiel helfen: eine Rechenschaftsperson suchen, eine Aufgabe erstmal nur 5 Minuten zu erledigen, Zeiträume blocken, offene Aufgaben immer beenden, auch wenn sie nur ein Teilschritt sind, realistische To Do Listen schreiben und diese priorisieren, jede Woche reflektieren und planen.
Reize, die das langfristige Ziel visualisieren, können dabei von besonderer Bedeutung sein, denn der Mensch ist meist auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung aus, die meisten Ziele werden jedoch erst in der längeren Zukunft erreicht.
Besonders gefallen hat mir auch, dass der Autor sein geschriebenes immer mit persönlichen Beispielen untermauert hat, sodass das ganze nicht nur anschaulich wurde, sondern ich auch gemerkt habe, dass er mit den gleichen Problemen gekämpft hat und das Buch nicht von oben herab geschrieben hat.

Bewertung vom 05.07.2023
Let's be bold / Be Wild Bd.2
Böhm, Nicole;Stehl, Anabelle

Let's be bold / Be Wild Bd.2


sehr gut

Um nicht zu Spoilern, fasse ich mich kurz: Band zwei beginnt da, wo Band eins aufhört. Während wir die Charaktere und ihre Hintergründe in Band eins ausführlich kennengelernt haben, begleiten wir sie nun dabei, richtig Fuß in New York zu fassen - sowohl privat als auch beruflich. Bereits im ersten Band wurden einige Probleme angerissen, diese werden hier vertieft und wir begleiten die Freundesgruppe auf ihrem weiteren Weg.

Nachdem der erste Band ein absolutes Highlight von mir war, habe ich mich natürlich umso mehr auf den zweiten gefreut. Die Arbeit rund um die Agentur wurde hier etwas zurückgestellt, auch wenn es natürlich immer noch Einblicke gab. Der Fokus lag vielmehr auf der persönlichen Entwicklung der Charaktere sowie auf der Bewältigung ihrer psychischen Probleme. Obwohl jeweils die Sicht aller vier Protagonist*innen dargestellt wurde, wurden jegliche Probleme mit der nötigen Tiefe behandelt. Besonders gefallen hat mir dabei, dass die Themen realistisch und ausführlich waren, ich persönlich aber nicht schon in x Bücher davon gelesen hatte. Die Hektik, das Arbeitsleben, die vielen Möglichkeiten und die Menschen sowie die damit verbundene Atmosphäre in New York hat mir wieder total zugesagt und wurde sehr passend eingefangen.
Etwas gestört hat mich zu Beginn Taylor und sein Fokus auf ein bestimmtes Thema, was mir mit der Zeit auf die Nerven ging. Dies ist jedoch nur eine persönliche Präferenz. Außerdem konnte mich das Buch im allgemeinen nicht ganz so mitreißen wie Band 2, da es einfach viel tiefgründiger war und man gemerkt hat, dass die anfängliche Euphorie etwas nachgelassen hat, jeder in der Realität angekommen ist und sich nun eine Basis aufbaut. Dieses Buch war auch sehr gelungen - jedoch einfach auf eine andere Art und Weise.
Zum Ende hin hat jeder sein persönliches, soweit zu diesem Zeitpunkt mögliches, Happy End bekommen. Das war einerseits schön, denn Happy Ends sind natürlich immer willkommen, andererseits waren mir die Konflikte zu schnell aufgelöst und das Ende kam mir teils etwas erzwungen vor. Das kann aber auch daran liegen, dass die Autorinnen sich die Option auf einen weiteren Band offen halten wollten und das Ende dementsprechend formuliert haben, sodass man möglicherweise daran anknüpfen kann, es aber nicht müsste.

Bewertung vom 30.06.2023
EQUAL PAY NOW!
Meier, Birte

EQUAL PAY NOW!


ausgezeichnet

Im Grundgesetz ist festgehalten: Niemand darf wegen seines Geschlechts (…) benachteiligt werden. Leider interessiert das im Berufsleben längst noch nicht jeden und es gibt eine große Diskrepanz zwischen den Gehältern von Männern und Frauen. Wenn der Grundsatz aber im Gesetz steht, kann man ja klagen und bekommt dann das gleiche Geld. Oder? Schön wärs, aber leider: Nein. Und darum geht es in diesem Buch.

Neben Mythen, die aufgeräumt und entkräftet werden und allgemeinen Infos, die zeigen, welche Faktoren zu der Diskriminierung von Frauen bei der Bezahlung führen und wie diese zusammenhängen, werden hier vor allem die Geschichten von Frauen erzählt, die wegen ungleicher Bezahlung vor Gericht gezogen sind. Dabei wird von den verschiedensten Fällen berichtet. Es ist einfach unfassbar, wie Frauen dabei vor allem vor Gericht behandelt wurden und werden. Viele Schilderungen von Betrieben, Kollegen, aber auch von Gerichtsverhandlungen sind einfach nur massiv kurios und doch leider immer noch Realität.
Man merkt, dass die Autorin persönlich sehr involviert ist und welch große Bedeutung das Thema für sie hat. Ihr Empfinden der Wut über diese Ungerechtigkeit konnte sich voll auf mich übertragen und ich war mehr als einmal sprachlos und erschüttert. Leider ist es der einzige Weg, immer wieder vor Gericht zu ziehen, auch wenn es teilweise frustrierend ist und man nicht gewinnt, damit das Problem immer publiker wird und die unfairen Maschen und Ausreden der Firmen irgendwann ein Ende haben.

Dieses Buch ist ein harter Brocken, da es so unglaublich wütend und fassungslos macht und genau deshalb ist es so wichtig. Ganz am Ende folgen noch einige Tipps, um selbst zu handeln, sodass man einen Schlachtplan hat, wenn man die Sache nun selbst angehen möchte. Außerdem können die bisherigen Urteile als Referenzen genutzt werden, sodass man das Buch auch mit ein bisschen Hoffnung beendet.

Bewertung vom 28.06.2023
Dancing on Sunshine / Love Songs in London Bd.3
Krüger, Tonia

Dancing on Sunshine / Love Songs in London Bd.3


ausgezeichnet

Seit Maggies Freund, bzw viel eher Exfreund, sang- und klanglos abgehauen ist, hat sie der Liebe abgeschworen. Sie ist immer noch zu verletzt und wartet bis heute auf eine Erklärung. Daher schreibt sie Briefe an ihren Exfreund: darüber, wie sie sich kennen und lieben gelernt haben und wie schließlich alles den Bach herunter ging. Sie erhofft sich dadurch Antworten und eine Reaktion von ihm. Briefe schreibt sie aber nicht nur privat, sondern auch beruflich - nämlich im Namen anderer. So lernt sie auch Jaden kennen, für dessen Freundin sie einen Liebesbrief geschrieben hat, um Jaden dazu zu bringen, mit ihr zusammenzuziehen - doch die Sache ging gewaltig nach hinten los und Jaden versucht seitdem, Maggie zu einem Gespräch zu überreden. Er möchte so gerne herausfinden, was Maggie alles über ihn weiß. Während er ziemlich penetrant versucht sein Anliegen zu klären, haben beide eine super Zeit zu zweit und beginnen, Gefühle füreinander zu entwickeln. Aber kann das gut gehen, wenn Jaden erst frisch aus einer Beziehung kommt und Maggie mit ihrer vergangenen Beziehung noch nicht abschließen konnte?

Auch der dritte Teil der Lovesongs in London-Reihe konnte mich wieder für mich gewinnen! Die Atmosphäre im sonnigen London und all die Eiscreme haben mich wünschen lassen, selbst in London zu sein und Maggie und Jaden Gesellschaft zu leisten.
Zunächst fiel es mir etwas schwer, Sympathie für Jaden aufzubauen, denn er ist wirklich penetrant und versucht um jeden Preis, mit Maggie zu sprechen, obwohl diese das ganz sichtlich nicht möchte. Als er seinen Antrieb jedoch offenbart, hat alles Sinnn gemacht! Maggie fand ich von Beginn an faszinierend und habe sie und ihre chaotische, bunte und witzige Familie direkt gern gehabt. Vor allem ihr Job ist sehr besonders, interessant und die Idee einfach klasse. Ebenso mochte ich es, dass die Kapitel oft mit Briefen an Luke beginnen, sodass man als Leser nach und nach mehr über die Beziehung der beiden erfährt. Noch viel schöner war jedoch die Gegenwart, in der Jaden und Maggie in London unterwegs sind und sich daten. Neben ganz viel Eis-Konsum gibt es viele Schlagabtausche, urkomische, witzige Situationen und auch den ein oder anderen Herzschmerz.

Das Buch kommt ohne unnötiges Drama aus, dafür aber mit ganz viel ehrlicher und tiefer Kommunikation, was ich allgemein an den Büchern von Tonia Krüger sehr schätze! Nun freue ich mich, gepaart mit etwas Wehmut, schon sehr auf den vierten und letzten Teil der Reihe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.06.2023
Morgen mach ich bessere Fehler
Hülsmann, Petra

Morgen mach ich bessere Fehler


ausgezeichnet

Endlich wieder ein Buch von Petra Hülsmann - meine Freude war entsprechen groß! Roadtrip-Bücher sind eigentlich nicht mein Fall, doch die Autorin hat es dennoch geschafft, mich voll und ganz zu überzeugen:
Elli hat eine weite, nicht ganz unfreiwillige Reise vor sich: aus dem hohen Norden macht sie sich auf den Weg zu einer Familienfeier in den Allgäu. Mit ihrer Familie ist das so eine Sache, denn ein wirklich gutes Verhältnis haben sie nicht - dennoch kommt Elli ihren Pflichten nach. Dazu gehört kurzerhand auch, ihren ungeliebten Onkel Heinz in ihrem Auto mitzunehmen, der aufgrund eines Unwetters nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann. Als wäre das Chaos nicht schon groß genug, mit Onkel und Kind im Auto, ergibt sich zusätzlich noch, dass sie dem schwer beschäftigen Anwalt Cano den letzen Platz im klapperigen Auto anbieten, da dieser ganz unbedingt am nächsten Tag in Bayern sein muss. Als wäre es nicht genug, dass verbal die Fetzen fliegen und das Auto an Altersschwäche leidet, entwickelt Elli auch noch Gefühle für Cano, dabei hatte sich ihr Verstand schon für jemand anderen entschieden…

Bereits zu Beginn war klar, dass dieses Buch nicht so locker leicht ist wie die anderen Bücher der Autorin, sondern einen ernsteren, gesellschaftskritischeren Ton anschlägt. Durch Ellis zauberhafte kleine Tochter (Prinzessin) Paula, die jedes Wort hinterfragt und schon viel mehr versteht, als man vielleicht denkt, werden diese Themen auf eine grandiose Weise aufgearbeitet. Paula hakt immer nach und genau deshalb kommen die Erwachsenen ins Grübeln und reflektieren ihre Denkmuster und ihr Verhalten. Die Reisegruppe Allgäu ist ein bunter heterogener Haufen, der sich freiwillig so nicht gefunden hätte und mit der Zeit doch wunderbar zusammenpasst.
Es geht nicht nur um Themen wie Rassismus, Umweltschutz, Vorurteile, Familie, Elternschaft und Word-Life-Balance - das Buch beinhaltet mindestens genauso viel Komik, Humor und Spaß! Die Fahrt war kein typischer Roadtrip, sondern hält auf Etappen noch einige Abenteuer außerhalb des Autos bereit, die einfach nur zum schreien komisch waren. Mit der Zeit tauen die Mitfahrer, vor allem Cano und Heinz, immer mehr auf - auf ihre eigene Art und Weise. Sie werden sogar ein richtiges Team, auch wenn Onkel Heinz das wohl nicht zugeben würde. Paula aber umso mehr.
Eine Liebesgeschichte gibt es natürlich auch, diese war sehr angenehm, eher am Rand eingebaut und war trotzdem authentische. Vor allem das realistische Ende hat mir hier sehr zugesagt!
Die Autorin hat es wieder geschafft, dass die Charaktere einen gelungenen Querschnitt der Gesellschaft bieten und ihre Eigenschaften den Leser mitfühlen, ärgern und freuen lassen. Die ein oder andere Eigenschaft bringt einen dabei wirklich innerlich zum ausflippen, doch am Ende kann man mit den Figuren immer Frieden schließen, ohne dass deren Entwicklung realitätsfern ist und sie sich plötzlich um 180 Grad gedreht haben. So, wie sie sind, passen sie trotz aller Eigenarten, einfach wunderbar zusammen.

Das Buch konnte mich mal wieder voll und ganz von sich überzeugen und ich habe es innerhalb kürzester Zeit verschlugen. Eine große Empfehlung!

Bewertung vom 14.06.2023
Mika im echten Leben
Jean, Emiko

Mika im echten Leben


sehr gut

Mika wurde vor 16 Jahren sehr früh, ungewollt und auf unschöne Weise schwanger und hat daher beschlossen, ihr Kind Penny zur Adoption freizugeben. Lediglich einmal im Jahr bekommt sie einen Brief, geschrieben von den Adoptiv-Eltern, in dem die wichtigsten Entwicklungen ihrer Tochter festgehalten sind. Natürlich vermisst Mika ihre Tochter immer, doch mit der Zeit hat sie gelernt, damit zu leben. Zumindest bis sich Penny plötzlich bei ihr meldet und sie kennenlernen will. Um ihr zu diesem Zeitpunkt recht armseliges und chaotisches Leben nicht offenlegen zu müssen und besser vor ihrem Kind dazustehen, erfindet Mika kurzerhand ein paar alternative Wahrheiten über sich und ihre Umstände. Als Penny sie jedoch besuchen kommen möchte, stellt es sie vor ein große Herausforderung, den Schein zu wahren.

Was eine grandiose und berührende Idee, denn in dem Thema Adoption steckte so viel Potenzial! Und tatsächlich fand ich die innere Zerrissenheit und die Sorgen, Gefühle, Wünsche und Gedanken von Mika sehr gut dargestellt. Ansonsten hat mir ihr Verhalten leider so einige Rätsel aufgeworfen: Mika, und besonders ihre Denkmuster und Glaubenssätze sind sehr geprägt von ihrer gefühlskalten Mutter, die immer nur nach Perfektion gestrebt hat und für die Mika nie genug sein konnte. Als sie jedoch die Chance bekommt, es bei ihrer eigenen Tochter besser zumachen, verstrickt sie sich bewusst in einem Meer voller Lügen, was ich sehr schade fand. Natürlich muss das ganze auffliegen und Penny ist sehr geschockt, allerdings gar nicht so sehr, wie ich es erwartet hätte. Für das, was Mika angerichtet hat, ist sie sogar noch echt gut davongekommen. Erst danach, circa bei der Hälfte des Buches, nimmt die Geschichte endlich an Fahrt auf. Bis dahin musste ich mich teils ziemlich quälen weiterzulesen - leider. Danach hat mir das Buch jedoch umso mehr zugesagt und ich habe es fast in einem Rutsch beendet. Es war so schön mitanzusehen, wie Mika und Penny sich näher kommen, die jeweils andere richtig kennenzulernen und einen Platz im Leben der anderen zu finden. Nicht zu vergessen natürlich die Struggles, die es in einer Mutter-Tochter-Beziehung gibt und die vielen Selbstzweifel, die Mika plagen. Dazu gab es noch eine Liebesgeschichte, für die ich zwar nicht Spoilern möchte, aber so viel kann ich sagen: die Dialoge zwischen Mika und dem Mann waren sehr amüsant. Es sind vor allem zu Beginn die Fetzen geflogen und trotzdem spürt man das Kribbeln zwischen den Zeilen. Die Auflösung zum Ende hin hätte ich mir jedoch etwas anders gewünscht.

Bewertung vom 11.06.2023
Über Leben in der Klimakrise
Glimbovski, Milena

Über Leben in der Klimakrise


ausgezeichnet

In diesem Buch geht es um die Folgen des Klimawandels und wie wir uns an diese anpassen können. Beleuchtet werden dabei unter anderem folgende Themen: wie müssen Wasserversorgung und Landwirtschaft angepasst werden, wie ist auf den steigenden Meeresspiegel zu reagieren, wie kann man sich auf Katastrophen vorbereiten und welche Herausforderungen bringen Klimaflüchtlinge mit sich?

Dieses Buch war gleichzeitig hoch informativ, aktuell und sehr beängstigend. Es geht hier nicht mehr darum, Jutebeutel statt Plastiktüten zu verwenden und möglichst keinen Coffee To go zu kaufen, sondern um die großen Maßnahmen und Veränderungen: was können wir tun, um uns an den bereits bestehenden Klimawandel anzupassen und den Temperaturanstieg in Zukunft möglichst gering zu halten? Dabei wird durch Interviews, Fallbeispiele und Statistiken erläutert, was (vermutlich) auf uns alle zukommt. Das macht wirklich Angst und das sollte es auch, denn die Zukunft sieht aufgrund des Klimawandels und des damit verbundenen Temperaturanstiegs wirklich nicht rosig aus. Es wird nicht nur aufgeklärt, sondern auch viele Lösungsansätze geliefert, die man teils als Einzelperson umsetzen kann (zb. Immer einen Versorgungsvorrat für 3 Tage vorrätig zu haben und alle wichtigen Dokumente wasserdicht verpackt zu haben), aber auch einiges, was nur von oben angegangen werden muss (Wirtschaftswachstum begrenzen, Städte umsiedeln und klimafreundlich bauen). Ich mochte den Tenor, der sehr ernst war und wachgerüttelt hat, denn nur so kann noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt werden.

Es ist so wichtig, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und die Situation endlich ernst nehmen und entsprechend handeln!

Bewertung vom 09.06.2023
When the Stars Align
Schmölzl, Lydia

When the Stars Align


ausgezeichnet

Eine Zwangsstörung fesselt Lola gewissermaßen an ihre Wohnung: jegliche soziale Interaktion fällt ihr schwer und so flüchtet sie sich in ihr Lieblingsvideospiel und verdient ihr Geld als freie Texterin. Hauptsache, sie muss niemandem was erklären. Umso schwerer wird es für sie, als sie sich eine neue Wohnung suchen muss, weil sie ihren vertrauten Rückzugsort wegen von Eigenbedarf zurücklassen muss. Aufgrund der schlechten Situation auf dem Wohnungsmarkt landet sie in einer WG, quasi dem schlimmsten ihrer Albträume. Nicht nur, dass sie zu einem Minimum an menschlicher Interaktion gezwungen wird, sondern ihre Mitbewohnerin aka Medizinstudentin organisiert ihr auch noch einen Termin bei einem Physiotherapeuten, wo Lola nun regelmäßig hinmuss. Als wäre das noch nicht anstrengend genug, ist sie mit jedem mal faszinierter von Felix, dessen verschiedene Gesichter sie zwar nicht ganz durchschauen kann, der aber trotzdem immer mehr in ihr auslöst…

Das Buch ist aus der Perspektive von Lola geschrieben und so bekommt man dauerhaft mit, was in ihrem Kopf abgeht. Und das ist aufgrund der Zwangsstörung eine Menge - davon leider wenig positives. Durch den tiefen Einblick habe ich mich jedoch sehr verbunden mit ihr gefühlt, obwohl ich selbst noch keine Berührungen mit einer Zwangsstörung hatte. Daher kann ich die Darstellung natürlich nicht verifizieren, fand sie aber extrem ausführlich und realistisch dargestellt. Es scheint einfach nur anstrengend zu sein, in Lolas Kopf zu leben und immer darauf bedacht zu sein, dass man ja nicht merkwürdig auffällt und trotzdem die Pflichten des Lebens bewältigt. Lolas Humor, der an guten Tagen durchkam, hat mir sehr zugesagt - ebenso wie die Thematik rund um die Sterne, durch die es einige schöne Momente und viele Metaphern gab. Bezogen auf Lolas Leben waren die Begegnungen und Gespräche mit Felix sehr passend. Zwar hätte ich mir hier noch ein bisschen mehr Tiefe gewünscht und Felix noch besser kennengelernt, dennoch hat es so genau in die Geschichte gepasst, wie es eben war.
Aus dieser sehr detailreich geschilderten Geschichte konnte ich zudem einiges mitnehmen: umgib dich mit Menschen, die dir gut tun und dich in schweren Zeiten in eine richtige Richtung stupsen, ohne dich zu drängen. Menschen können helfen zu heilen, wenn du es zulässt, aber können keine professionelle Hilfe ersetzen. Und last but not least: den emotionalen Rucksack, den jemand anderes trägt, kannst du nicht sehen, darum handele entsprechend. Es ist nie schwach, um Hilfe zu fragen.
Zusammenfassend war es eine sehr einfühlsam erzählte Geschichte um ein Thema, das noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Man sollte sich bewusst sein, dass die Geschichte aufgrund der Thematik vielleicht nicht so locker leicht ist wie andere, aber wenn man sich darauf einlässt, kann man ganz viel mitnehmen!

Bewertung vom 02.06.2023
Nordseeglitzern und Küstenträume / Nordseeglitzern Bd.1
Martens, Tina

Nordseeglitzern und Küstenträume / Nordseeglitzern Bd.1


sehr gut

Aufgrund unterschiedlicher Zukunfts- und Familienvorstellungen gegenüber ihrem Partner nimmt Nina sich eine Auszeit am Meer. Diese verbringt sie bei ihrer geliebten Tante, wo sie auch als Kind schon viele wunderschöne Sommer verbracht hat. In dem kleinen Örtchen trifft sie unweigerlich auch auf ihre Jugendliebe und die Gefühle lassen nicht lange auf sich warten. Doch die Probleme von damals scheinen sich zu wiederholen und dann steht ihr aktueller Partner zum ungünstigsten Zeitpunkt wieder vor der Tür…

Was ein schönes Buch zum ans Meer träumen und abschalten! Die Beschreibungen der Landschaft waren sehr atmosphärisch und haben zum Wohlfühlen eingeladen, ohne dass sie ausschweifend wurden. Besonders gefallen hat mir die Darstellung des Hauses von Ninas Tante und die damit verbundenen Renovierungen, die den Raum gegeben haben, die Gedanken schweifen zu lassen und das Leben zu reflektieren. Die Szenen rund um den Pferdehof mochte ich auch total gerne.
Nina war eine Protagonistin, die ich einfach gerne haben musste. Sie war sehr realistisch dargestellt: als Mensch mit Ecken und Kanten, der vielleicht nicht immer nachvollziehbar oder moralisch handelt, aber genau deswegen so echt und liebenswert ist. Ihre Jugendliebe Tjark brennt für seinen Hof, seine Familie und die damit verbundene Heimat. Man hat richtig gemerkt, was ihm immer noch an Nina liegt. Alte Liebe rostet eben nicht und so waren die Gefühle der beiden füreinander definitiv greifbar.
Die Einblicke in das Tagebuch von der Mutter waren moralisch natürlich fragwürdig, doch ich konnte die Neugier von Nina gut verstehen. Ich hätte mir bloß gewünscht, dass sie teilweise etwas mehr in einen Kontext gebracht worden wären und Nina etwas früher den Kontakt gesucht hätte.

Dass teilweise die Tiefe gefehlt hat und der Roman für mich sehr vorhersehbar war, hat der Geschichte im Ganzen dennoch keinen Abbruch getan.