Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
yellowdog

Bewertungen

Insgesamt 2024 Bewertungen
Bewertung vom 27.07.2022
Im Feuer / Lilly Hed Bd.1
Ericson, Pernilla

Im Feuer / Lilly Hed Bd.1


ausgezeichnet

Die Frau im Leuchtturm

Der Untertitel Ein Fall für Lilly hed deutet an, dass hier eine Reihe entstehen wird. Zum Glück ist die Protagonistin wirklich interessant und der
Schreibstil von Pernilla Ericson gut und flüssig lesbar, zugleich sehr ansprechend.

Die Polizstin Lilly Hed kommt aus Stockholm und nimmt in einer Kleinstadt eine neue Stellung an. es wird angedeutet, dass etwas in ihrer Vergangenheit passiert ist, aber was, weiß der Leser zunächst nicht.
Sie wird von ihrem neuen Chef Bertil Strömberg und ihrer Kollegin Katja Bromeder willkommen geheißen.
Es gibt Tote bei Brand.
Originellerweise ist der Feuerwehrmann Jesper für Lilly dann der wichtigste Partner bei der Ermittlung.
Er ist es auch, der sie darauf aufmerksam macht, dass es zwischen den Toten Parallelen gibt.

Sie bilden von Anfang an ein gutes Team. Spannend die Passage, wie sie im Waldbrand ein verschollenes 3jähriges Mädchen suchen.
Überhaupt sind die Passagen bei der Brandbekämpfung packend und glaubwürdig beschrieben.

Der Plot wird zusätzlich angehizt, als ein Brandstifter aus dem Gefängnis entkommt.
Für mich ist der Roman kein typischer Skandinavien-Krmi, vielmerh hat er Elemente des armerikanischen Thrillers.

Permilla Ericson überzeugt durch gute Figuren und einen unverkrampften Schreibstil.

Bewertung vom 27.07.2022
Die Welt
Camenisch, Arno

Die Welt


ausgezeichnet

Der Drang zum Reisen

Arno Camenisch neuer Roman ist anders als seine früheren.
Der Icherzähler ist ein Getriebener mit Freiheitsdrang, der viel auf Reisen ist.
Hongkong, Australien, Südamrrika, Spanien
Ich hatte den Autor bisher nicht als Reiseschriftsteller wahrgenommen, aber hier ist er es bis zu gewissen Grad. Doch dann kehrt er schliesslich in die Schweiz zurück. Den Alltag in Chur hält er aber nur schwer aus. Dann trifft er Amelie. Eine vorübergehende Liebesgeschichte. Und die Unrast bleibt. Camenisch gelingt es gut, dieses schwer zu definierende Gefühl deutlich zu machen.
Er ist ein Autor, der mich schon in vielen Büchern überzeugen konnte. Man bekommt leicht eine Draht zu ihm und seine Weltsicht finde ich menschlich wie sympathisch und kann ihr folgen.

Arno Camenisch schafft es auch in diesem Buch, den Leser ohne viel Spektakuläres gefangen zu nehmen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.07.2022
Snowflake
Nealon, Louise

Snowflake


gut

Zwischen Bauernhof und Uni den eigenen Weg finden

Debbie wächst auf einem Bauernhof in Irland mit ihrer Mutter Maeve und dem Onkel Billy auf. Als sie in Dublin aufs College geht, verändert sich ihr Leben.
Louise Nealon schreibt nicht schlecht, beackert jedoch ein schon oft verwendetes Genre.
Der Plot folgt den Coming-of-Age-Genre-Regeln.
Als Leser ist man dicht bei Debbie und ihren Gedanken und Emotionen.
Neben den neuen Erfahrungen am College beschäftigt Debbie ihre Mutter, die möglicherweise eine bipolare Störung hat.
Maeve hat zeitweiise selbstzerstörrerische Tendenzen und auch ihr Bruder Billy macht eine Selbstmordversuch.
Keine leichte Situation für Debbie in der Familie.

Die irische Autorin Louise Nealon wird mit ihrem Debüt gerne mit einer anderen, sehr bekannten irischen Autorin verglichen, aber mir leuchtet nicht ein warum.
Sie haben ganz verschiedene Stile.
Louise Nealon schreibt mitfühlend. Ich mag besonders die Kleinigkeiten in den Beschreibungen.
Snowflake ist kein besonders spannendes oder dramatisches Buch, die Gefühle der Hauptfigur stehen im Mittelpunkt.

Bewertung vom 24.07.2022
Beifang (eBook, ePUB)
Simons, Martin

Beifang (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Suche nach der Herkunft

Aus Anlaß des Verkaufes seines eigentlich ungeliebten Elternhauses beginnt der Protagonist Frank Zimmermann über seine Familiengeschichte nachzuforschen.
Sein Vater Otto hat nie viel erzählt und bleibt weiterhin schweigsam. Otto wuch mit vielen Geschwistern in Armut, manchmal Gewalt durch den Vater Wilfried und harter Arbeit im Ruhrgebiet auf.
Diese Situation prägte die ganze Familei.Die Hauptfigur sucht seine weit verstreuten Verwandten auf, um mehr zu erfahren. Manche kennt er aber kaum oder gar nicht und einfach ist die Recherche nicht.

Bei dem Buch klingt eine Bitterkeit mit, die den Ton prägt.
Aber ich kann das verstehen, auch warum es der Hauptfigur so wichtig ist, mehr zu erfahren.

Eine Rolle im Roman spielt auch Franks Beziehung zu seinem eigenen Sohn Vincent. Zwischen ihnen ist ein Gefühl der Entfremdung entstanden, da Vincent bei der von Frank lange getrennten Mutter aufwuchs.
Dazu kommt noch Franks schwierige Beziehung zu Marfie, verheiratet ist.

Mit Beifang ist Martin Simons ein interessanter Roman um eine probleatische Familiengeschichte gelungen.

Bewertung vom 23.07.2022
Unter Strom
Kummer, Tom

Unter Strom


sehr gut

Tom Kummer setzt auch mit seinen neuen Roman seinen versteckt (auto)biografischen Ansatz fort.
Der Stil ist also ähnlich wie in seinem letzten Buch "Von schlechten Eltern", das sehr überzeugt hatte.

Nina, so hieß Tom Kummers 2014 verstorbene Frau. In diesem Buch lebt Nina.

Zur Handlung: 1997 lässt Nina Tom zurück in den USA und reist zurück in die alte Heimat Schweiz, zu Besuch zu ihrer besten Freundin Sarah.
Sarah ist eine Aktivistin ohne Furcht und seit langer Zeit in Nina verliebt.
Ninas Gemütszustand ist verdüstert, sie steht unter Strom.

Die stilistischen Mittel des Romans funktionieren weil man beim Lesen spürt, wei wichtig dem Autor seine Geschichte und seine Figuren sind.
Tom Kummer erzeugt viel Atmosphäre und einen Sound, den man sich als Leser nicht entziehen kann.

Bewertung vom 22.07.2022
Findelmädchen
Bernstein, Lilly

Findelmädchen


ausgezeichnet

Das Nachkriegsdeutschland im Blickpunkt

Findelmädchen ist ein sehr emotionaler Roman, den man sich als Leser kaum entziehen kann. Und auch nicht will, denn die Geschichte ist packend.
Erzählt wird von der 15jährigen Helga und ihren Bruder Jürgen, die in Kriegszeiten von den Eltern getrennt wurden. Nach Jahren in Frankreich nimmt sie der Vater wieder auf, nachdem er kurz zuvor aus russischer Gefangenschaft entlassen wurde.
Es ist dann durchgehend Helgas Blick auf das Nachkriegsdeutschland 1955. Nur einige bewegende Tagebucheintragungen werden beigemengt. Schauplatz ist Köln.
Noch gibt es viele zerstörte Gebäude, aber auch viel Aufbruchstimmung. Es ist ein realistisches Bild der Zeit, so empfinde ich es wenigstens. Es ist auch durchaus nicht unkritisch.

Verherrend aber sind die Zustände in einem Waisenhaus, geführt von Nonnen. Hier werden Kinder noch mit Zuch und Ordnung erzogen bzw. gequält. Das gilt besonders für die kleine Bärbel, da sie schwarz ist.
Hier macht Helga ein Praktikum und fasst Zuneigung zu dem Mädchen. Aber letztlich ist sie auch hilflos.
Interessanterwesie bekommt Helga später eine Stelle beim WDR, die ihr sehr liegt.

Helga funktioniert als sympathische mitleidende Figur, die man ebenso begleitet. Und einige Überraschungen warten noch im Buch!

Bewertung vom 20.07.2022
Some Mistakes Were Made
Dwyer, Kristin

Some Mistakes Were Made


sehr gut

Some mistakes were made ist die Geschichte von Ellis, die in instabilen Verhältnissen aufgewachsen ist und den Albreys einer befreundeten Nachbarsfamilie in Indiana.
Ellis ist 10 Jahre alt, als sie sich mit dem gleichaltrigen Easton anfreundet und da ihre Mutter oft abwesend ist und der Vater sogar gelegentlich im Gefängnis, schließt sie sich immer mehr Eastons Familie an.
Die Handlung wechselt dann zwischen der Gegenwart und den Vergangenheitsteilen, in denen sie langsam älter wird.
Fast jedes Jahr ihres Alters wird beschrieben und wird zur Orientierung des Lesers vor den Kapiteln angegeben. Dadurch wird eine Entwicklung gezeigt.
Ellis emotionale Lage wird durch ihre Gedanken deutlich und für den Leser gut nachvollziehbar.
Einerseits ist da die Scham der Armut ihrer Familie und der Zuneigung, die sie zu Easton gefasst hat. Es ist auch eine Frage der Zugehörigkeit.
Der Roman hat neben der sozialkritischen und romantische Komponente auch viel Wortwitz, insbesondere zwischen Ellis und Eastons Brüder, die sich oft frotzeln und kappeln.

Die amerikanische Schriftstellerin Kristin Dwyer hat eine gut lesbaren, geschickten Stil. Dabei ist sie sprachlich ansprechend.

Bewertung vom 20.07.2022
Diese ganzen belanglosen Wunder
Stahlmann, Leona

Diese ganzen belanglosen Wunder


sehr gut

In den Marschen

Wer den Ingeborg Bachmannwettbewerb dieses Jahr gesehen hat, kennt schon einen Auszug aus dem Roman.

Der 12jährige Junge Zeno lebt mit seiner Mutter, die aber seit 30 Tagen verschwunden ist, in einer Saline in den Marschen. Es ist ein ungewöhmliches Setting im Marschland. Das ermöglicht kraftvolle Naturbeschreibungen, auch wenn das Ökosystem gestört ist und immer mehr Tierarten aussterben.

Im zweiten Teil des Buches gibt es einen erzählperspektischen Wandel und mit Katt gibt es eine neue Erzählstimme.

Kennzeichnend für den Roman ist eine glaklare, harte Sprache mit schillernen Sätzen.
Teilweise ist es überzogen, zu viele Vergleiche, die zu weit hergeholt sind.
Dann gibt es aber auch viele gute Sätze, die zu überraschen vermögen.
Es ist ein ungewöhnlicher Roman. Begrüssenswert, wenn AutorInnen etwas wagen und die Sprache zur eigentlichen Hauptfigur machen.

Bewertung vom 20.07.2022
Tonspuren
Greenlaw, Lavinia

Tonspuren


sehr gut

Kindheit in London, Jugend in Essex

Die britische Dichterin Lavinia Greenlaw schreibt in diesem Buch von ihren Erinnerungen an ihre Jugend.
Es ist eine Kindheit und Aufwachsen in den sechziger und siebziger Jahren in Londoin, später in Essex.
Leitmotiv dieses autobiografischen Textes sind Tanz und Musik. Daher hat auch der Text gro0e Musikalität.
Lavinia ist schon als Kind sehr aufnahmefähig und phantasiebegabt. Wenn die Autorin es schafft, das auszudrücken, entstehen die stärksten Passagen.
Manche autobiograisch geschilderte Abschnitte sind auch nicht so außergewöhnlich. Dann konnte mich das Buch weniger packen..

Führend ist die Musik dieser Zeit, besonders in den siebzigern. Lavinia Greenlaw verdeutlicht die Wirkung der Songs auf ihr Leben.
Der Originaltitle The Importance of Music to Girls ist vielleicht besser als der etwas banale deutsche.

Bewertung vom 19.07.2022
Die Ewigkeit ist ein guter Ort
Noort, Tamar

Die Ewigkeit ist ein guter Ort


ausgezeichnet

Elkes Sinnsuche


Die Ewigkeit ist ein guter Ort ist ein Roman im Umfeld von Kirche und Glauben, aber es ist an keiner Stelle Erbauungsliteratur sondern es ist ein ehrlicher Roman um den Weg einer Frau.


Die niederländisch-deutsche Schriftstellerin und Filmemacherin Tamar Noort hat ihren Roman gut verfasst und findet einige ausgezeichnete Formulierungen um den emotionalen Zustand der Hauptfigur darzustellen.

Elke ist in eine Lebenskrise geraten. Sie gerät als angehende Pastorin auch in eine Glaubenskrise, es fallen ihr sogar Worte von Gebeten nicht mehr ein.

Ihre Stelle als Seelsorgerin kann sie nicht mehr ausfüllen, mit ihrem Freund Jan versteht sie sich auch nicht mehr so gut und ob sie als Nachfolgerin ihres Herzkranken Vaters,,der Pastor ist, taugt, weiß sie nicht.

Diese Orientierungslosigkeit verdeutlicht die Autorin anhand zahlreichen Szenen, die Elke immer mehr zweifeln lassen.


Als Leser versucht man Elke und ihre Situation zu verstehen. Da ist zum Beispiel die Leerstelle in der Familie. Ihr Bruder ertrank vor langer Zeit.

Da der Roman Elkes Sinnsuche als Prozess zeigt, wird ein Verstehen auch möglich und das Buch konnte mich wirklich überzeugen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.