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Benutzername: 
Xirxe
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Hannover
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 869 Bewertungen
Bewertung vom 07.03.2011
Mittwinternacht / Ein Merrily-Watkins-Mystery Bd.2
Rickman, Phil

Mittwinternacht / Ein Merrily-Watkins-Mystery Bd.2


gut

Merrily Watkins, Pfarrerin von Ledwardine, wird vom Bischof als erste Frau zur Exorzistin ernannt, mit dem neuen Titel 'Beraterin für spirituelle Grenzfragen'. Denn Michael Hunter, recht frisch in seinem Amt als Bischof und dazu ungewöhnlich jung, frei von jeglicher Spiritualität, sieht diese Aufgabe eher als Dienstleistung im beratenden Bereich an mit größtmöglicher Offenheit nach außen. Ganz im Gegensatz zu Merrilys Vorgänger, der, zwar krank, aber noch amtierende Dobbs, der seine Aufgaben möglichst im Verborgenen erfüllte. Merrily erkennt bald, dass sie sich zwischen zwei gegnerischen Auffassungen befindet: Der des Bischof, dem jegliche Form von Exorzismus völlig fremd und zuwider ist. Und der ihres Vorgängers, einem überzeugten Exorzisten, dessen Einstellung auch von vielen anderen Mitgliedern der Kirchenhierarchie geteilt wird. Noch nicht richtig im Amt wird Merrily mit Geschehnissen konfrontiert, die sie daran zweifeln lassen, ob die Auffassung ihres Vorgesetzten die richtige ist...

Mittwinternacht ist ganz klar ein Mystery-Krimi. Es geht um Visionen, Satanisten, das Böse an sich undundund. Doch Rickman behandelt all die aussergewöhnlichen Ereignisse erst intensiv unter rationalen Aspekten und Gesichtspunkten, sodass am Ende die übernatürlichen Erklärungen beinahe wie selbstverständlich als Einzige noch in Frage kommen und somit auch (Noch)Nicht-Mystery-Fans ihren Spass beim Lesen haben werden. Neber der eigentlichen Krimihandlung stellt Rickman auch ein stimmiges Bild der aktuellen Situation der Kirchen dar: die Konkurrenz durch Esoterik, der Zweifel insbesondere der jungen Leute am Sinn der Kirche und ihren Ritualen, die Sinnsuche der Menschen die die Kirche nicht unterstützt usw.

Das Ganze liest sich gut und flüssig weg, lediglich die Handlung bleibt recht vorhersehbar und stellenweise wenig überraschend, so dass es über einen, wenn auch soliden, Durchschnittskrimi nicht hinauskommt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.03.2011
Erinnerung an einen Mörder
Hammesfahr, Petra

Erinnerung an einen Mörder


weniger gut

Psychothriller, abgrundtief böse - so Untertitel und Überschrift der Rückseite. Doch nach meinem Geschmack trifft weder das Eine noch das Andere so richtig zu.

Natürlich ist es ein böses Spiel, was Richard mit Regine, der vermeintlichen Millionenerbin da treibt. Angetrieben von seiner Freundin Kerstin, der Friseurin von Regines Mutter, macht er sich an sie heran in Erwartung ihres baldigen Reichtums, zu dem sie durch den scheinbar unmittelbar bevorstehenden Tod ihres Vaters gelangen soll. Ihr eigener Tod wäre dann nur noch eine Frage der Zeit. Richard gelingt es, ihr Vertrauen und ihre Liebe zu gewinnen und bereits nach kurzem geben sie sich das Ja-Wort. Doch Regine hat Visionen, die ihr ihren baldigen Tod und den Anderer prophezeien. Sie beginnt misstrauisch zu werden...

Es ist durchaus auch stellenweise spannend und unterhaltend zu lesen, wie Richard und seine Freundin trotz diverser Rückschläge systematisch auf ihr Ziel hinarbeiten. Aber ein Thriller? Denn Regines Naivität und die Leichtigkeit, mit der das Täuschungsmanöver durchgezogen wird, lassen nur mäßige Spannung entstehen. Zu unglaubwürdig wirkt das Ganze. Es ist kaum vorstellbar, dass eine 22jährige BWL-Studentin einen Mann heiratet, von dem sie so gut wie nichts weiß, egal wie groß ihr Zärtlichkeitsbedürfnis auch sein mag. Denn mit nur einigen wenigen Nachforschungen wäre das ganze perfide Spiel sofort aufgeflogen. So bleibt es bei einem ordentlichen Durchschnittskrimi mit kleinen Mystery-Anleihen, der trotz seines grausamen Prologs weitestgehend blutarm und gewaltfrei daherkommt.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.03.2011
Prophezeiung
Böttcher, Sven

Prophezeiung


sehr gut

Sind Bücher nicht geradezu prädestiniert dafür, sich an einem verregneten Wochenende die Zeit damit zu vertreiben? Normalerweise schon, aber bei diesem Buch könnte es sein, dass man ernsthaft zu überlegen beginnt, ob man den Koffer packen und spontan einen etwas länger andauernden Urlaub antreten soll.

Die Prophezeiung beginnt im März eines nicht allzu fernen Jahres in Hamburg. Das Klima ist bereits spürbar milder geworden: das Hamburger Hafenwasser (wie auch in anderen Städten) - mit Feuerquallen verseucht; die Winter - deutlich zu warm. Mavie Heller feiert ihren Abschied. Durch ihren früheren, von ihr verehrten Professor, hat sie eine Stelle am hoch geheimen Klimainstitut IICO bekommen, das enorme Datenmengen für ein Klima-Prognose-Programm erhebt. Mavie verschafft sich Zugang zu diesem Programm und erkennt, dass eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes bevorsteht: nicht endende Regenfälle im Norden, eine endlose Dürre in der Äquatorregion - mit insgesamt 400 bis 800 Millionen Toten. Als ihr 'Einbruch' entdeckt wird, fliegt Mavie. Und ihre beste Freundin Helen, der sie davon erzählte, kommt unter unglaubwürdigen Umständen ums Leben. Offenbar soll die Wahrheit unter allen Umständen nicht in die Öffentlichkeit gelangen, koste es auch Menschenleben. Doch Mavie lässt sich nicht einschüchtern...

'Die Prophezeiung' ist ein stellenweise erschreckend realistischer Klimathriller, der klar macht, wie wenig es doch braucht, um unser scheinbar so selbstverständliches, normales Leben um 180° zu drehen. Gigantische Regenwassermengen in kurzer Zeit, die Verkehrswege unpassierbar machen und Strom- und Kommunikationsnetze lahm legen - und schon nach kurzem gilt wieder das Recht des Stärkeren. Hunderte Millionen von Afrikanern, die in ihrem Land dem sicheren Tod entgegenblicken, stürmen die Festung Europa - alles wirklich völlig unwahrscheinlich? Auch wenn das Komplott und die Verschwörungsgeschichte, die den eigentlichen Roman ausmachen, eher unrealistisch wirken (aber nichtsdestotrotz glaubwürdig), hinterlassen die beschriebenen Szenen der Auswirkungen dieses Klimawandels in Europa wie auch in Afrika einen bitteren Beigeschmack. Es könnte so sein....

Vier Punkte gibt es nur, da Mavies Anhimmeln ihres Professors und die dazu geführten Selbstgespräche schlicht fehl am Platze wirkten. Aber sonst: spannendes Kopfkino!

Bewertung vom 24.02.2011
Schändung / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.2
Adler-Olsen, Jussi

Schändung / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.2


ausgezeichnet

Spannung, obwohl man die Täter bereits zu Beginn kennt? Mitgefühl für eine brutale Gewalttäterin? Witz und Ironie in einem Thriller, dessen Hauptthema das abgrundtief Böse zu sein scheint? Für das neue Buch von Jussi Adler-Olsen kein Widerspruch.
Wieder nimmt sich Carl Morck eines alten Falles an, obwohl dieser aufgeklärt scheint. Ein Mann wurde für den Tod eines Geschwisterpaares verurteilt und sitzt nach vielen Jahren noch immer hinter Gittern. Doch jemand scheint Zweifel an dieser Lösung zu haben, denn die Akte wurde auf unbekannte Weise auf Morcks Schreibtisch deponiert. Als man bereits zu Beginn versucht, seine Ermittlungen zu unterbinden, erwacht sein Widerspruchsgeist und er intensiviert seine Nachforschungen erst recht und landet bald in den höchsten Kreisen der Gesellschaft.
Man weiß bereits zu Beginn, wer für die Morde verantwortlich ist, ohne jedoch die Hintergründe zu kennen, die dazu führten. Nach und nach erfährt man die Einzelheiten und voller Entsetzen verfolgt man, wie Kimmie, die einzige Frau in einer Clique mit fünf krankhaft gewalttätigen Männern zu der wurde, die sie heute ist. Obwohl sie selbst nicht weniger brutal und grausam ist als ihre Freunde, ist man doch voller Mitgefühl für diesen Menschen, der ein Ausmaß an Kälte und Lieblosigkeit erleiden musste, das man seinem ärgsten Feind nicht wünscht.
Wie in seinem ersten Fall ermittelt Morck gemeinsam mit seinem Assistenten Assad, der zusammen mit Rose, der neuen und von Morck verabscheuten Sekretärin, wieder für manch witzige Einlage sorgt. Auch die Beziehung zu Mona Ibsen, der Polizeipsychologin macht Fortschritte: Sie geht mit ihm essen, was bei Morck nicht nur für Freude sorgt...
Spannend, witzig, brutal, kritisch - eine wirklich gelungener Thriller!

12 von 14 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.02.2011
Die Woll-Lust der Maria Dolors
Busquets, Blanca

Die Woll-Lust der Maria Dolors


gut

Maria Dolors, nach einem Schlaganfall geschwächt und nicht mehr in der Lage zu sprechen, lebt aus diesem Grund nun zusammen mit der Familie ihrer jüngsten Tochter. Wegen ihrer Einschränkungen glauben alle bis auf Marti, Marias Enkel, dass sie von ihrer Außenwelt nur noch wenig bis nichts mitbekommt. Doch Maria ist ganz Ohr: So erfährt sie nach und nach die Geheimnisse der Familie - und nicht nur erfreuliche. Diese lösen Erinnerungen in ihr aus: ihre erste verbotene Liebe zu Antoni, der eher unglücklichen Ehe mit Edward, ihre Studien - und natürlich an ihre eigenen Geheimnisse, neben denen sich die ihrer ,Pflegefamilie` beinahe als Belanglosigkeiten darstellen.

Das Buch wird fast vollständig aus der Sicht der 85jährigen Maria Dolors geschildert und wie es für ältere Leute wohl typisch ist, verläuft der Erzählfluss recht sprunghaft. Ereignisse in ihrem Tagesablauf rufen Begebenheiten aus längst vergangenen Zeiten hervor, die wiederum Geschehnisse aus der jüngeren Vergangenheit ins Bewusstsein zurückrufen. So springt die Geschichte vor und zurück und hin und her, und als ,roter Faden` zieht sich das Stricken eines Pullovers für die Enkelin von Maria Dolors durch das Buch.

Dies Alles ist in einem netten Plauderton geschrieben, der den Tonfall einer älteren, aber dennoch aufgeweckten Dame vermutlich ganz gut trifft. Eine schöne Ergänzung fand ich den Epilog, in dem die gesamte Familie nacheinander noch mehr oder weniger kurz zu Wort kommt und ihre Sicht der jüngsten Vergangenheit darstellt. Alles in allem eine leichte, amüsant zu lesende Lektüre ohne allzu großen Anspruch.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.01.2011
Und das Meer gab seine Toten wieder, 3 Audio-CDs
Brack, Robert

Und das Meer gab seine Toten wieder, 3 Audio-CDs


sehr gut

Hamburg, 1931. Die englische Kriminalbeamtin Jennifer Stevenson soll im Auftrag der 'International Association oft Policewomen' untersuchen, weshalb die über Deutschland hinaus bekannte und renommierte Leiterin der 'Weiblichen Kriminalpolizei' Josephine Erkens vom Dienst suspendiert und deren Abteilung aufgelöst wurde. Auslöser scheint der Selbstmord zweier Mitarbeiterinnen von Frau Erkens aufgrund von Machtkämpfen innerhalb dieses Bereiches gewesen zu sein. Doch Jennifer Stevens stellt bereits kurz nach ihrer Ankunft fest, dass mehr dahinter steckt. Ihre Arbeit wird massiv behindert und ihr wird klar, dass sie sich inmitten eines Geflechts von Intrigen befindet, die weit über diesen Bereich hinausreichen. Mithilfe von Klara Schindler, einer kommunistischen Reporterin der 'Hamburger Volkszeitung', versucht sie die Zusammenhänge zu erkennen und zu veröffentlichen, wogegen die Hintermänner mit allen Mitteln vorgehen.
Ein reales Geschehen (zwei tote Polizistinnen am Strand von Pellworm) mit einer fiktiven Lösung: Brack gelingt es, eine überzeugende Erklärung für das noch immer ungeklärte Drama zu liefern. Ganz nebenbei vermittelt er uns zudem einen Einblick in eine düstere Zeit, in der ein Funke genügte, das Pulverfass zur Explosion zu bringen: das allmähliche Unterwandern der Behörden durch die Nazis, der Kampf der Kommunisten gegen den immer stärker werdenden Faschismus. Und nicht zuletzt die ersten und schwierigen Versuche der Frauen, Fuß zu fassen in einem Bereich, der bisher ausschließlich Männern vorbehalten war. Selbst eine zarte, auch nur vorsichtig angedeutete Liebesgeschichte fehlt nicht in diesem sachlich und nüchtern erzählten, dennoch überaus spannenden Krimi.
Marlen Diekhoff gibt diesen Tonfall der erzählenden Jennifer Stevenson glaubwürdig wieder, so dass es schwer fällt, vor dem Ende dieses Romans die Stopp-Taste zu drücken.

Bewertung vom 18.01.2011
Die Hütte
Young, William P.

Die Hütte


sehr gut

Ein kleines Mädchen verschwindet und ist aller Wahrscheinlichkeit nach grausam ermordet worden - wie kann Gott so etwas zulassen? Mack (und vermutlich nicht nur er) versinkt über dieser Frage in immer tiefere Schwermut und seine Zweifel an Gott wachsen stetig. Bis er vier Jahre nach diesem entsetzlichem Ereignis eine Einladung von ihm erhält: ausgerechnet in die Hütte, in der man die letzten Spuren seiner kleinen Tochter gefunden hat. Ein schlechter Scherz? Doch Mack macht sich auf den Weg...
Wer hofft, auf die Frage nach der Rechtfertigung Gottes eine umfassende Antwort zu erhalten, wird von diesem Buch vermutlich enttäuscht sein. William P. Young gelingt es ebensowenig wie den großen Denkern Leibniz, Hegel, Kant u.v.a., diese Fragestellung umfassend und überzeugend zu erklären. Besser glückt ihm stattdesssen die Beschreibung am Beispiel der Trinität wie auch an der Beziehung Gottes zu den Menschen, wie die wahre Liebe zu leben ist. Keine Machtspiele, aufrichtige Beziehungen die durch Hingabe gekennzeichnet sind, gegenseitiger Respekt, Vertrauen ('Vertrauen ist die Frucht einer Beziehung, in der du weißt, dass du geliebt wirst.') und einiges mehr. All dies lässt sich ohne Schwierigkeiten auf die 'normalen' zwischenmenschlichen Verbindungen übertragen, so dass auch Zweifelnde und Nichtgläubige einige Anregungen für sich entdecken können.
Das Buch lässt sich größtenteils einfach und schnell lesen, wobei Youngs Sprache und Darstellung immer wieder schon fast ins Kitschige ('...plötzlich fiel ein Sonnenstrahl ins Zimmer, bohrte sich mitten in Macks Verzweiflung hinein.') oder Esoterische ('...eine einzigartige Kombination von Farbe und Licht wird von dir zu dem Menschen fließen...') abgleitet. Trotz dieser Schwächen kann man manches aus diesem Buch mitnehmen - ob man nun glaubt oder nicht.

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.