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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Xirxe
Wohnort: 
Hannover
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 869 Bewertungen
Bewertung vom 21.07.2010
Cleo
Brown, Helen

Cleo


ausgezeichnet

Katzen sind geheimnisvoll. In ihnen geht mehr vor als wir gewahr werden. Das wusste schon der ehrenwerte Sir Walter Scott vor mehr als 200 Jahren.
Auch Helen Brown, eigentlich eher ein Hundemensch, macht diese Erfahrung. Und nicht nur diese dank ihres widerstrebend aufgenommenen neuen Familienmitglieds: Cleo, eine kleine, schwarze aber dennoch sehr aristokratische Katze. Sam, ihr ältester Sohn, hatte sich das kleine struppige Fellbündel ausgesucht und starb kurz darauf mit neun Jahren bei einem Autounfall. Die Familie versinkt in bodenlosem Schwermut, nichts scheint die Finsternis erhellen zu können in der sie nun ihr trauriges Leben verbringt. Doch Cleo gelingt es bei ihrer Ankunft, Rob, dem kleinen Bruder von Sam, endlich wieder ein Lächeln in sein Gesicht zu zaubern. Im Sturm erobert sie die Herzen aller und lehrt die Familie das Leben wieder zu lieben, trotz (oder vielleicht gerade wegen) all der Schicksalsschläge die noch kommen.
Na super, noch so ein rührseliges Familienepos mit Katzenanhang, mag nun manche/r denken. Doch weit gefehlt, wenn auch Familie mit Katze durchaus zutreffend sein mag. Aber von rührselig keine Spur! Trotz der allüberwältigenden Trauer, die nach diesem Todesfall alle Angehörigen beherrscht, gelingt es der Autorin ihre Selbstironie zu bewahren und diese entsprechend schriftlich festzuhalten. So lesen sich die 379 Seiten ungeachtet der Schwere des Themas unerwartet leicht. Helen Brown gelingt ein wahrer Balanceakt: Den Tod eines Kindes und den damit verbundenen Schmerz ernsthaft, aber dennoch mit heiteren Aspekten zu erzählen, ohne jedoch damit etwas ins Lächerliche zu ziehen. Überzeugend schildert sie ihre Erkenntnis (dank Cleo!), dass die Trauer um einen geliebten Menschen nicht bedeuten muss, auf Freude im Leben zu verzichten. Und dass nichts wichtiger ist wie das Leben im Hier und Jetzt - es zu leben und zu genießen!
Ein wundervolles Buch, zum Lachen und Weinen.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.07.2010
Den Teufel im Leib
Radiguet, Raymond

Den Teufel im Leib


ausgezeichnet

Anfang des letzten Jahrhunderts ist dieses Buch erschienen – weshalb sollte man das jetzt noch lesen? Gibt es nicht genügend aktuelle Bücher mit vermutlich weniger altmodischer Sprache?
Weil es Ansichten und Darstellungen vermittelt wie es auch heute nur wenigen Büchern gelingt. Und nicht zu vergessen: geschrieben von einem 17jährigen!
Der 15jährige Ich-Erzähler verliebt sich in die 18jährige Marthe, die kurz darauf Jacques heiratet, der Soldat im ersten Weltkrieg ist. Dennoch beginnen die Beiden eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die eine Vielzahl unterschiedlichster Gefühle in dem jungen Mann hervorruft.
Radiguet beschreibt sehr gelungen die unsteten Empfindungen, wie sie für Pubertierende nicht unüblich sind. Es ist keine unschuldige, selbstlose Liebe, sondern von seiner Seite meist mehr von Egoismus und Narzissmus geprägt, was der junge Mann aber auch immer wieder selbst erkennt ohne dass er sein Verhalten jedoch langfristig ändert. Man möchte diesen Menschen schütteln für Sätze wie „Es beleidigte mich aber, dass Marthe in einem Trennungsbrief nicht von Selbstmord sprach. Ich fand sie kalt.“, aber kurz darauf in die Arme nehmen für Aussagen wie diese: „Wer wegen der Liebe nicht arbeitet, ist darum kein Faulenzer. Die Liebe spürt dunkel, dass einzig die Arbeit wirklich von ihr ablenken kann.. Daher sieht sie die Arbeit als Rivalin. Und Rivalen duldet sie nicht.“
Das Hörbuch ist mit Christian Erdmann wunderbar besetzt. Seine jugendliche Stimme verkörpert auf gelungene Art und Weise die Arroganz wie auch die Ratlosigkeit des jugendlichen Liebhabers – man kann sich kaum einen besseren Sprecher vorstellen. Dennoch ziehe ich das Buch vor: Es gibt so viele Sätze und Aussagen in diesem Roman die man zweimal lesen möchte (oder auch dreimal ;-)), sich anstreichen und herausschreiben möchte – bei einem Hörspiel ist das eher schwierig. Also werde ich nun noch das Buch lesen :-)

Bewertung vom 11.07.2010
Mädchenfänger / Bobby Dees Bd.1
Hoffman, Jilliane

Mädchenfänger / Bobby Dees Bd.1


weniger gut

Obwohl nicht spektakulär (keine Toten, Folterszenen oder ähnliches) ist der Auftakt des neuen Buches von Jiliane Hoffman gelungen: Ein Psychopath beobachtet die 13jährige Lainey und tritt über ein Pseudonym mittels Internet mit ihr in Kontakt. Ein heißer Flirt entfaltet sich, ein Treffen bahnt sich an - und die Lesenden zittern mit, weil sie ahnen was geschehen wird. Doch das war's dann für die nächsten 100 Seiten mit der Spannung. Ausführlich wird die Suche nach der verschwunden Lainey beschrieben, es folgen weitschweifende Erklärungen über vermisste Kinder und die Psyche der Beamten, die sich damit befassen. Über Laineys Schicksal liest man gerade mal fünf Seiten, die zudem eher vage formuliert sind.
Doch dann wird die erste Leiche gefunden, angekündigt durch ein grauenvolles Gemälde. Schon bald ahnen die Ermittler, dass dies nicht das einzige Opfer war/ist. Besondere Brisanz hat dieser Fall für Bobby, den in diesem Fall leitenden Special Agent, dessen Tochter ziemlich genau ein Jahr zuvor verschwunden ist. Der Psychopath scheint ein übles Spiel mit ihm zu treiben...
Das Buch liest sich gut und flüssig, schön ist der realistische Bezug zur heutigen Zeit (die Vorliebe der Teenager für Hannah Montana und Twilight, wie wenig Eltern von ihren Kindern wissen...). Allerdings hält sich für meinen Geschmack die Spannung in Grenzen. Der Aufbau zweier zeitgleicher Szenarien, die scheinbar auf einen gemeinsamen Punkt zulaufen, die allmähliche Annäherung des Psychopathen an Billy - alles Spannungsmomente, die man so oder so ähnlich schon dutzendfach anderweitig gelesen hat. Zudem tauchen immer wieder Ungereimtheiten auf, über die man nur den Kopf schütteln kann: Innerhalb kürzester Zeit wird anhand eines Gemäldes erkannt, wo es entstanden ist. Der Boss der Special Agents (recht weit oben also :-)) hat keine Ahnung was ein Trojaner ist, usw. Es gibt noch mehrere solche Fragwürdigkeiten, die einem die Freude an diesem Thriller doch etwas verdrießen. Auch die Hintergründe der Verbrechen bleiben nebulös: was den Täter antrieb, welche Grausamkeiten er den Mädchen tatsächlich antat - nichts wird wirklich aufgeklärt.
Somit bleibt nach dem Lesen der letzten Seite die Erkenntnis: Ganz ok, aber mehr auch nicht.

7 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.07.2010
Freddy. Ein wildes Hamsterleben
Reiche, Dietlof

Freddy. Ein wildes Hamsterleben


sehr gut

Nachdem ich den dritten Band als erstes gelesen hatte, wurde ich neugierig auf den Auftakt dieser Reihe. Und auch diese Ausgabe enttäuschte mich nicht.
Freddy, als Sechster eines Zehner-Wurfs in einer Zoohandlung zur Welt gekommen, ist ein außergewöhnliches Exemplar seiner Art. Statt sich ausschließlich dem Fressen und der körperlichen Ertüchtigung auf dem Laufrad zu widmen, denkt er nach: Wieso leben Goldhamster in Käfigen? Wie kann er ins Gelobte Land Assyria finden, dort 'wo ein jeglicher Goldhamster seinen Ursprung hat in der Goldenen Trinität'? Auf dem Weg dorthin gelangt er zu Sophie, einer außergewöhnlichen Sechsjährigen und ihrem Vater Georg. Zusammen mit ihr lernt er lesen (ohne dass sie davon weiß) und alles könnte so wundervoll sein, wenn, ja, wenn nicht Sophies Mami solch ein falsches Frettchen wäre.
Wie Freddy sich vor ihr rettet, sich dafür sogar auf zwei singende Meerschweine und einen adligen Riesenkater einlässt und ihm zuguterletzt ein Dasein als frei laufendes, kultiviertes Haustier beschieden ist mit Buddenbrooks als Lektüre, ist humorvoll und mit viel Sinn für Feinheiten beschrieben (auch die Biologielehrer werden bedacht :-)).
Ein richtig schönes Kinderbuch, das auch für Erwachsene lesenswert ist.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.07.2010
Mobbing
Pehnt, Annette

Mobbing


sehr gut

Ein irreführender Titel. Bei einem Buch mit dieser Überschrift erwartet man eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Doch behandelt wird es 'nur' aus der Sicht der Ehefrau des Betroffenen. Die Leserinnen und Leser wissen so viel, wie sie von ihrem Mann erfährt, man lernt ihre Gefühls- und Gedankenwelt kennen. Und so entsteht ein recht bruchstückhaftes Bild wie es zu diesem 'Kriegszustand' (lt. ihrem Mann) in seinem Büro kommen konnte, aber im Gegensatz dazu ein umso vollständigeres über eine Beziehung, die díeser Belastung (und vermutlich auch anderen) wohl nicht standhalten wird.
In Rückblenden und Momentaufnahmen beschreibt die namenlose Ich-Erzählerin das gemeinsame Leben mit ihren beiden kleinen Kindern, ihrem Mann Jo und die immer stärker werdende Zerrüttung an seinem Arbeitsplatz. Seine neue Chefin ist die Ursache des Ganzen, sie mag ihn nicht, versucht ihn kaltzustellen ebenso wie seinen Kollegen und Freund. Doch ganz so einfach ist es nicht mit der Schuldzuweisung: Immer wieder klingt durch, dass auch Jo kein einfacher Charakter ist. Er wirkt rechthaberisch, unnachgiebig, geht direkt auf Konfrontationskurs. Von seiner Frau erwartet er von Beginn an dass sie uneingeschränkt auf seiner Seite steht. Kommen kritische Fragen blockt er ab und redet nicht weiter, sein eigenes Verhalten scheint er nicht zu reflektieren . Doch auch als die Sache eskaliert, er seine Kündigung erhält, steht sie noch immer nicht völlig hinter ihm, sie kann sein Verhalten nicht nachvollziehen (Ein häufig wiederkehrender Satz ist: '...obwohl er doch jetzt Zeit hätte.') Doch auch sie ist nun ohne Rückhalt: Das wofür sie ihn geliebt hat, existiert nicht mehr (ihr Kraft und Rückhalt zu geben, seine Entschlossenheit usw.).
Dass eine Liebe nicht nur im Alltag sondern gerade auch unter besonderen Belastungen zerbricht, zeigt dieses kleine Büchlein mehr als deutlich. Beiden Seiten gelingt es nicht, sich in die Position des jeweils Anderen zu versetzen, ohne das eigene Ich in den Vordergrund zu stellen. Jeder sieht sein eigenes Leid als das jeweils Schwerste an, die Unverstandenheit der eigenen Bürde wächst und das Verständnis für die Last des Anderen sinkt. So währt es nicht lange und die Schuldzuweisungen beginnen.
Alles in allem ein ausgesprochen bedrückendes Buch - aber gerade deshalb sehr lehrreich.

Bewertung vom 02.07.2010
Der Gott aus der Maschine
Harig, Ludwig

Der Gott aus der Maschine


sehr gut

Es ist Weihnachten, nicht nur das Fest der Liebe sondern auch das des Glaubens. Doch Ludwig und sein Bruder sind in einem Alter, in dem sie beginnen zu zweifeln: an der Existenz des Nikolaus, des Christkinds, des Klapperstorchs undundund. Ihr Vater, der mehr einer mechanistischen Erklärung der Welt anhängt, plant dennoch die Rettung des Glaubens seiner Söhne. Ganz im Sinne seiner Überzeugung, des mechanistischen Materialismus, schmiedet er einen Plan um das baufällige Glaubensbild seiner Kinder wieder herzustellen. Und siehe da...
Ludwig Harig beschreibt in seinem ihm ganz eigenen Stil, manchmal vielleicht etwas manieriert klingend, diese humorvolle Weihnachtsgeschichte. Mit viel Sinn für's Detail ('Gütermanns Nähseide Extra stark' spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle) schildert er liebevoll dieses wohl unvergeßliche Fest. Daniela Bunge, deren Zeichnungen die Erzählungen begleiten, ergänzt das Ganze in gelungener Form. Wie Harigs Text sind auch ihre Bilder voller kleiner und feiner Details, dennoch nie überladen. Mal bunt, mal eher im Sepiaton, erstrecken sie sich über jede Doppelseite.
Auch wenn der Text nicht wirklich kindertauglich ist (zu viel 'Unbekanntes' kommt vor wie: Descartes' Zirbeldrüsenautomat, Goethes Sonnensystematik usw.), die Bilder sind es allemal. So ist es ein Buch an dem sich wirklich die ganze Familie freuen kann.

Bewertung vom 30.06.2010
Die Schachspielerin
Henrichs, Bertina

Die Schachspielerin


ausgezeichnet

Welch liebenswerte und bezaubernde Lektüre für diejenigen, die bereit sind sich auf dieses Buch einzulassen. Wer dagegen Unterhaltung sucht, die sich ggf. auch quer lesen lässt, wird dieses Buch sicherlich schnell gelangweilt zur Seite legen. Alle Anderen aber...
Eleni, Anfang 40, verheiratet, zwei Kinder, Zimmermädchen, lebt in der Gemeinschaft der Insel Naxos ein Leben voller Gewohnheit und Vertrautheit, man begnügt sich mit dem was man kennt und hat. Durch Zufall entdeckt sie ihre Begeisterung für das Schachspiel und beginnt heimlich mit ihrem ehemaligen Lehrer regelmäßig Schach zu spielen. Diese Entscheidung bringt nicht nur in Elenis Leben große Veränderungen, sondern auch in das vieler anderer.
Für Eleni ist Schach ein ganzer Kosmos, in den sie beim Spiel völlig versinkt. Es ist eine eigene Welt, aus der sie aber immer wieder Bezüge zum echten Leben herstellt: 'Die Esel...sind wie die Bauern beim Schachspiel...Sie gingen Schritt für Schritt, langsam, geduldig, ohne andere Bestimmung als zu dienen...', 'Die einzig weibliche Figur hatte also die meiste Macht. Diese subversive Vorstellung gefiel Eleni.' Das Spiel verleiht ihr Selbstbewusstsein und als ihre Leidenschaft im Dorf bekannt und sie von allen verspottet und misstrauisch beäugt wird, stärkt dies ihren Willen eher. Sie erkennt ihre Einsamkeit inmitten der Gemeinschaft und findet Kraft beim Schach, diese zu ertragen.
Ein schönes Plädoyer für den Mut Veränderungen zu wagen, notfalls auch gegen den Widerstand der Andern - und natürlich auch für 'Das königliche Spiel'.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.06.2010
Der Fledermausmann / Harry Hole Bd.1
Nesbø, Jo

Der Fledermausmann / Harry Hole Bd.1


sehr gut

Harry Hole, Hauptfigur einer Krimireihe von Jo Nesbø, untersucht in diesem ersten Fall den Mord an einer jungen Norwegerin in Australien. Dort ist Hole Andrew zugeordnet, einem Aboriginie-Kollegen, mit dem ihm bald ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Was zu Beginn wie ein Routineverbrechen aussieht, scheint sich jedoch zusehends als das Werk eines Serienmörders und -vergewaltigers zu entpuppen. Und Andrews Verhalten wird immer merkwürdiger...
Die neue Hauptfigur ist bemerkenswert untypisch für einen ,Kriminaler'. Zwar auch geplagt von schweren Problemen in der Vergangenheit (wie viele seiner nordischen Kollegen), verliert Hole sich dennoch nicht in Depressionen und tiefer Schwermut. Lieber versäuft er seinen Verstand :-)
Ebenfalls untypisch sind die ausgesprochen langen Exkurse zu Themen wie Geschichte der Aboriginies, deren Mythen und Sagen, der Vergangenheit der Ermittler usw. So werden einem nicht nur die handelnden Personen des Buches sehr nahe gebracht, sondern man erfährt zusätzlich viel Neues und Unbekanntes über das Land und dessen Vergangenheit (zumindest mir ging das so).
Die Story selbst ist verzwickt und mit viel psychologischer Raffinesse aufgebaut, die Spannung bleibt wirklich bis zur letzten Seite erhalten (Wäre am Schluß des Buches keine Leseprobe einer späteren Folge enthalten, wüsste man nicht ob Hole nun die Reißleine seines Fallschirms zieht oder nicht...).
Ein spannender und interessanter Erstling einer Krimireihe, die Lust auf mehr macht.

1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.06.2010
Der Todesflüsterer
Carrisi, Donato

Der Todesflüsterer


schlecht

Heftiger Beginn: Im Wald werden sechs Arme gefunden, die offensichtlich kurz zuvor verschwundenen 9-13jährigen Mädchen gehören. Zu Hauptkommissar Roches Team, das mit dem Fall betraut wurde, stößt noch der Profiler Goran Gavila dazu und ihnen ist schnell klar, dass es sich hier um einen Serientäter handelt. Im zweiten Kapitel lernen wir Mila Vasquez kennen, eine junge Polizistin, die der Spur eines verschwundenen Jungen folgt. Verdächtig ist ein Musiklehrer und als sie in sein Haus eindringt, kann sie den kleinen Pablo tatsächlich befreien. Ungläubig entdeckt sie eine weitere Person, eine junge Frau die als kleines Mädchen verschwand und seitdem nicht mehr gesehen wurde.
Kein schlechter Plot für einen Thriller: Arme von verschwundenen Kindern werden gefunden, Kinder werden direkt aus ihrer Familie gekidnappt - hört sich vielversprechend an. Leider lässt die Logik und insbesondere die Sprache ziemlich zu wünschen übrig.
Erst mal die Logik: 'Hier wohnte der junge Musiklehrer' (Seite 17), der auf Seite 16 als 'dicken, käsig aussehenden Mannes um die vierzig' beschrieben wird. Wie jung definiert wird, mag ja Ansichtssache sein, aber trotzdem... Auf Seite 19 wird geschildert, wie sich Mila dem Haus nähert 'zu dem Palisadenzaun rannte, der das frei stehende Haus nur nach hinten begrenzte.' Laut Seite 16 beobachtet sie das Haus von der gegenüberliegenden Strassenseite, was bedeuten würde, dass der Hintereingang sich der Strasse zugewandt befinden müsste. Denn der Zaun begrenzt das Haus ja nur nach hinten. Man versuche sich dies mal konkret vorzustellen - es macht einfach keinen Sinn. Ein dritter Punkt wäre das Verhalten der jungen Frau: Nach jahrelanger Gefangenschaft reicht ein einziges Wort von Mila, dass sie ihr eigenes Selbst wieder wahrnimmt und ihr vertrauensvoll folgt. UAH!!
Die Sprache ist auch sehr gewöhnungsbedürftig, wobei unklar ist, ob es an der Übersetzung liegt oder tatsächlich dem Original entspricht. Auf Seite 17 'Fundstücke, an denen Mila auf der Suche nach einer Fährte geschnuppert hatte'. Ja ist sie denn ein Hund? Oder auf Seite 14 die 'Rede' des Profilers: Ob der Autor tatsächlich glaubt, dass ein Profiler solch ein Geschwafel von sich gibt? Immer wieder wirkt die Sprache zudem, als ob sie einem Horror-Dämonen-Roman entstamme: Seite 8 'Der große Nachtfalter flog ihn durch die Dunkelheit.', Seite 17 'von einem widerlichen Schatten verschluckt worden', Seite 18 'in dem widerliche Schatten sich ausbreiteten und alles Leben verfaulen ließen.', Seite 21 'in seinen Augen den Vorhof der Hölle zu erblicken.'. Dies ist nur eine Auswahl, aber ich denke es reicht :-)
Schade, denn der Fall ist durchaus spannend und packend. Aber so macht es keinen Spass, ihn zu lesen. Ich höre hier lieber auf...

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.06.2010
Bola und der Torhüter
Amado, Jorge

Bola und der Torhüter


sehr gut

In Brasilien ist der Fußball weiblich - Bola heißt es übersetzt. Hier im Buch ist ihr Name Fura-Redes, die Netzbrecherin. Leichtfüßig ist sie, unbeschwert und frech, gefürchtet von den Verteidigern, geliebt von allen Angriffsspielern. Aber sie ist auch gerecht, sie bevorzugt keine Mannschaft. Doch eines Tages verliebt sie sich, ausgerechnet in einen Torhüter. Den man Blümchensucher, fauler Handschuh oder Zitterarm nennt - na, ihr könnt euch schon vorstellen warum :-) Doch von einem Tag auf den andern fliegt ihm Fura-Redes in die Arme, bei jedem Spiel und immer wieder und plötzlich ist er der beste Torwart von allen. Ob das gutgeht???
Eine wunderschöne, verrückte aber auch poetische Fußballgeschichte aus Brasilien, der die Liebe und Leidenschaft der Brasilianer zu diesem Spiel mal ganz anders darstellt.