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yellowdog

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Insgesamt 2029 Bewertungen
Bewertung vom 02.12.2021
Sisi - Kaiserin wider Willen / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.8
Pataki, Allison

Sisi - Kaiserin wider Willen / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.8


gut

Erstaunlich, dass eine amerikanischer Autorin einen Roman über Sisi schreibt. Es interessierte mich auch, ob die Journalistin Allison Pataki anderes recherchiert hat als in den bekannten Filmen mit Romy Schneider vorkommt.

Der Roman liest sich flüssig und führt den Leser mit einer kleinen Einleitung ins Habsburger Kaiserreich in die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts.
Man trifft die bekannten Orte: Schloss Possenhoffen, Ishl, Schönbrunn etc.

Sisi unterscheidet sich als handelnde Figur wenig von den anderer Romane dieses Genre und dadurch wirkt sie ein wenig schablonenhaft.

Der biografische Aspekt wagt sich nie so weit vor, dass es sachbuchartig wirkt. Es bleibt immer erzählerisch und ehrlich gesagt ist es ein wenig zu weichzugepült. Doch wer das Genre und Sisis Welt mag, wird sicher viel mit diesem Roman anfangen können.

Bewertung vom 28.11.2021
Dummheit
Kastner, Heidi

Dummheit


ausgezeichnet

In heutigen Zeiten der Coronaverharmloser, Impfgegner und Verschwörungsteoretiker ist ein Buch über Dummheit von großer Relevanz. Es steckt viel drin in diesen 128 Seiten.
Die österreichische Psychiaterin Heidi Kastner ist eine eloquente Autorin, die viele Aspekte dieses Themas für ihr Essay mit untersucht.e Schnell wird klar, dass Dummheit keine Frage der Intelligenz ist. Wie Forrest Gump schon sagte „Dumm ist wer dummes tut“. Ein innerer moralischer Kompass kann einen Menschen mit verminderter Intelligenz vor Dummheit bewahren.

Schwerer wiegen Eigenschaften wie Ignoranz, nicht aus Fakten und Fehlern lernen zu wollen, die Querulanten, es gibt die Denkfaulen etc.

Ein weiteres interessantes und vielleicht das beste Kapitel heißt Gefühlsdummheit. Wer nur einmal einen Blick in das Buch werfen sollte, könnte hier beginnen.

Was hängen bleibt, ist die Erkenntnisse, dass Dumme nicht erkennen, wie dumm sie sind. Das tröstet doch, wenn man sich selber manchmal für dumm hält.

Heidi Kastner arbeitet das Thema gut heraus und vermittelt ihre Erkenntnisse mit Bezug auf viele Persönlichkeiten der Gegenwart und Vergangenheit und auf manchmal sogar amüsante Art.

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.11.2021
Janowitz
Schneider, Rolf

Janowitz


ausgezeichnet

Nach mehr als 10 Jahren kehrt Rolf Schneider erfreulicherweise mit einem neuen Roman zurück.Mit Janowitz, dem Schloß in der Tschechei, dass vor und nach dem ersten Weltkrieg viele bekannte Künstler und Schriftsteller beherbergte, hat Rolf Schneider sein Thema gefunden. Er taucht mit seinen bemerkenswerten literarischen Mitteln tief darin ab und als Leser kann man ihn begleiten. Der Text hat Tiefe und Dichte.
Handelnde Figuren sind der Schriftsteller Rainer Maria Rilke und Karl Kraus.
Gastgeberin im Schloß Janowitz ist die adelige Sidonie Nádherný von Borutin, die mit Rilke befreundet ist und Karl Kraus liebt. Die beiden Männer sind sehr unterschiedlich. Ich glaube, der Autor zeichnet einen angemessenes Porträt von ihnen und auch Sidonie ist eine sehr beeindruckende Figur.

Rolf Schneider gelingt es meisterhaft, einen Ort und eine Zeit und deren Stimmungen zu zeigen.

Bewertung vom 26.11.2021
Rendezvous mit Tieren. Was sie uns erzählen können
Camilleri, Andrea

Rendezvous mit Tieren. Was sie uns erzählen können


sehr gut

Andrea Camilleri, der große sizilianische Autor, war ein großer Tierfreund. In diesem Hörbuch versammeln sich eine Reihe quasi autobiografische Texte, die seine erstaunlichen Erlebnisse mit Tieren beschreiben. Es sind kurze Texte und entfalten sich deshalb episodisch und oft mit Pointe.
Ich mochte besonders die Geschichte über die beiden Vögel, ein Distelfink und ein sprechender Papagei sowie die Geschichte um den Kater Baron.
2 Begegnungen in Zoos zeugen davon, dass Camilleri Zoos nicht besonders mag.
Eine Episode dreht sich um das Verhältnis von Hunden und Katzen. Eine andere erzählt von Vipern und Igeln.
Die Geschichten sind abwechslungsreich.

Die Texte werden von dem Schauspieler Hans Löw gesprochen und das passt ganz gut.

Bewertung vom 11.11.2021
Azadi heißt Freiheit
Roy, Arundhati

Azadi heißt Freiheit


sehr gut

Arundhati Roy ist die Autorin des Erfolgsroman Der Gott der kleinen Dinge. Sie ist auch eine wichtige Essayistin
und durch die Essays dieses Bandes lernt man viel über Indien kennen,
insbesondere durch den Blick von innen, wobei viele Beiträge international erschienen sind (Guardian, Financial Times, New York Times ...)
und somit auch ein westliches Lesepublikum ansprechen.
Roys Themen sind politisch, plädieren für Demokratie und wenden sich häufig gegen den nationalistischen Premierminister Narenda Roy.
Nicht selten sind Roys Äußerungen ironisch, aber man spürt geraee bei den Covid 19-Essays eine Spur Verzweiflung.
Stets aber wird sie klar in ihren Aussagen und benennt mutig die Ungerechtigkeiten.

Bewertung vom 01.11.2021
Weihnachtsglück in Ivy Hill (eBook, ePUB)
Klassen, Julie

Weihnachtsglück in Ivy Hill (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der Roman ist Teil der Ivy Hill-Reihe von Juli Klassen. Eine Reihe, die man als Trilogie eigentlich abgeschlossen ansah.

Die Handlung ist1822 in London angesiedelt.
Bei der leicht zynischen Hauptfigur musste ich zwangsläufig ein wenig an den Schauspieler Rupert Everett denken. Richard ist ein Dandy und ein eingefleischter Junggeselle, von sich eingenommen, aber nicht sehr arbeitsam und nicht selten spöttisch. Die Dialoge sind daher sehr pointiert. Und er ist kein schlechter Kerl. Als Leser mag man ihn trotz seiner schlechten Eigenschaften. Die stolze Miss Arabella Awdry hingegen hat nicht viel für den Unverbesserlichen übrig, bis sie feststellt, wie er sich hingebungsvoll um einen Waisenjungen und um eine verwitwete Bekannte kümmert. Dabei sind seine Gefühle echt und ehrlich.
Es ist auch ein Buch über Veränderungen.
Es macht Spaß, einen Roman zu lesen, der mit Figuren arbeitet, die zwar nicht perfekt, aber umso echter wirken. Es ist außerdem beeindruckend, wie die Autorin es schafft, die Handlung im Verlaufe der Geschichte immer mehr zu verdichten und sogar ein paar Jane Austen-Verweise einzubauen.

9 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.10.2021
Die Enkelin
Schlink, Bernhard

Die Enkelin


ausgezeichnet

ruhig und nachdenklich

Bernhard Schlinks Roman Die Enkelin ist ruhig und nachdenklich gehalten. Das liegt größtenteils an der Erzählform, die aus einem autobiografischen Bericht einer Frau besteht und deren Leben abbildet. Das beinhaltet eine Jugend in der DDR, jung bekommt sie ein Baby, das sie aber nicht behält. Später wird sie erst Goldschmiedin, Köchin, dann Autorin.
Dann steht für Birgit die Suche nach Paula, der Tochter, im Mittelpunkt.
Der ganze Bericht wird von Kaspar, ihrem Mann nach ihrem Tod gelesen. Das prägt den Text deutlich mit.
Im zweiten Teil übernimmt der Mann die Erzählstimme. Er reflektiert sein Leben mit der verstorbenen und macht sich jetzt selbst auf die Suche nach Birgits Tochter und findet dabei auf die Enkelin. Schockierenderweise trifft er dabei aber auch auf rechte Kreise. Einmal mehr thematisiert Bernhard Schlink politische Themen, die sich aus der deutschen Vergangenheit ergeben.

Bernhard Schlink ermöglicht es den Lesern, an den Gedanken und Emotionen der Figuren teilzunehmen und dadurch dicht an sie heranzukommen.

Bewertung vom 25.10.2021
Mädchenmeuterei
Fuchs, Kirsten

Mädchenmeuterei


gut

Auf große Fahrt

Man sollte sich bewusst sein, dass es einen Vorgängerroman namens Mädchenmeute gibt, der sogar den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen hatte. Aber es ist doch so, dass es beim neuen Roman einige Lücken geben kann, wenn man den ersten nicht gelesen hat. So ging es mir und einige Fragezeichen bleiben.

Der Roman beschreibt eine Clique von Mädchen, die aufgrund vorheriger gemeinsamer Erlebnisse eng miteinander verbunden sind. Schon das gut gestaltete Covermotiv strahlt diese Verbundenheit aus.
Aktuell sind sie aber erst einmal getrennt und sogar weit voneinander entfernt. Eine von ihnen, Bea, ist immer noch verschwunden und die Polizei sucht nach ihr.
Erzählt wird konsequent aus Sicht von Charlotte Nowak und sie ist eher zurückhaltend, überlegend und sensibel. Diese zögerliche Haltung kennzeichnet den Roman, aber nicht die Handlung, die mit der Zeit spektakulär wird und sie auf große Fahrt führt.
Für meinen Lesegeschmack hätte es durchaus etwas schneller gehen dürfen, womit ich nicht sagen will, dass der Roman tempolos sei, aber bis sich entscheidende Dinge entwickeln, das dauert. Die überlange Schiffsreise hätte man vielleicht etwas kürzen können. Manche Passagen sind kaum nachvollziehbar, vieles wirkt zu konstruiert.

Kirsten Fuchs hat einen Roman geschrieben, der Jugendliche vielleicht sehr viel bedeuten wird, aber auch erwachsene Leser ansprechen kann.
Von mir gibt es wegen oben erwähnten Einwänden 3,5 von 5 Sterne, aber das soll nicht unbedingt als schlechte Bewertung verstanden werden.

Bewertung vom 19.10.2021
Hast du uns endlich gefunden
Selge, Edgar

Hast du uns endlich gefunden


ausgezeichnet

Die Erinnerungen des Schauspielers Edgar Selge beginnen1958, als er 10 Jahre alt war.
Er erzählt von seiner Kindheit. Ganz zentral im Blickpunkt stehen dabei seine Eltern, vor allen sein charismatischer Vater, ein Direktor eines Jugendgefängnisses, der sich sehr um seine jugendlichen Insassen kümmert.

Edgar Selge liest den Text selber ein und dadurch wird umso mehr die Sympathie spürbar, die er für seine Familie empfand, aber auch für das nicht immer brave Kind, das er war.

Klassische Musik ist in der Familie wichtig, auch für Edgar, aber mehr noch lebt er für das Schauspiel und er schildert viele Passagen als kleine Dramen und fast immer voller Witz.
Manchmal sind aber auch ernste Themen dabei, z.B. Edgars schwierige Beziehung zum Vater. Er wurde als Kind häufig vom Vater geschlagen wurde oder immer wieder die schwierige Vergangenheitsbewältigung.
Die sechziger Jahre werden spürbar.

Als Zuhörer ist man stark von den Episoden gefangengenommen.
Es sind Erinnerungen von Ausmaßen eines Marcel Proust, aber mit Tempo und sehr unterhaltsam. Die 8,5 Stunden Spieldauer des Hörbuchs vergehen wie im Flug.

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.10.2021
Welten auseinander
Franck, Julia

Welten auseinander


gut

Julia Franck konnte mich mit ihrem ausgezeichneten Roman Die Mittagsfrau sher überzeugen. Danach wurde es etwas ruhiger um sie. Umso gespannter war ich auf das neue Buch. Allerdings ist Welten auseinander in meinen Augen kein Roman. Es sind mehr Erinnerungen, also vermutlich sehr autobiografisch und teilweise sehr detailliert.
Mich konnte das Leben der Julia sehr interessieren, insbesondere wenn ihre Gefühlswelt spürbar wurde. Literarisch war es etwas flach und konnte mich nicht so richtig begeistern. Trotzdem lesenswert!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.