Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Aischa

Bewertungen

Insgesamt 517 Bewertungen
Bewertung vom 20.07.2023
Blue Skies (deutschsprachige Ausgabe)
Boyle, T. C.

Blue Skies (deutschsprachige Ausgabe)


sehr gut

"Wir sind als Spezies erledigt, meiner Meinung nach", so pessimistisch äußerte sich Bestsellerautor T. C. Boyle unlängst im Hinblick auf die Zukunft der Menschheit in einem Interview.

Und folglich sieht es für die Figuren in seinem jüngsten Roman auch nicht gerade rosig aus: Wir folgen den Mitgliedern einer US-amerikanischen Familie durch den alltäglichen Wahnsinn. Die menschengemachte Klimakatastrophe ist dabei Kulisse für einen Cliffhanger nach dem anderen - Gefahren durch Zecken- oder Schlangenbisse, Brände im völlig ausgedorrten Kalifornien, wo sogar der Wein nach Asche schmeckt, während in Florida Überschwemmungen an der Tagesordnung sind und man vielerorts nicht mehr mit dem Auto, sondern mit dem Motorboot zum Einkaufen fährt.

Dabei sollte der Roman meines Erachtens nicht als Cli-Fi gelesen werden. Denn zu wenig Fiktion ist dafür im Plot, zu sehr sind viele der beschriebenen negativen Klimaveränderungen bereits Realität. Und genau daraus bezieht "Blue Skies" auch sein Spannungspotenzial; die Geschichte klingt erschreckend real, alles ist sehr gut vorstellbar. Ebenso wie - leider - auch die Verhaltensweisen der Menschen. In alten Gewohnheiten verhaftet, zaudernd, nur sehr zögerlich stellt man sich um und ist dabei auch noch inkonsequent. Ein wenig insektenbasierte Lebensmittel verzehren, o.k, aber nicht mehr zu fliegen ist dann doch zu unbequem.

Boyle erzählt seine Familien- und Gesellschaftskritik gewohnt unterhaltsam-satirisch, die Figuren sind allesamt etwas überzeichnet, was meinen Lesegenuss jedoch keineswegs geschmälert hat.

Abstriche mache ich aufgrund der Übersetzung von Dirk van Gunsteren. Denn einige Anspielungen und Witze versteht man erst, wenn man die entsprechenden Passagen wieder ins Englische zurück übersetzt. Schade.

Bewertung vom 17.07.2023
Schönwald
Oehmke, Philipp

Schönwald


ausgezeichnet

Philipp Oehmke hat es einfach drauf: Der studierte Germanist und Journalist hat vor Jahren mit seiner Biografie über die Punkband Die Toten Hosen einen Verkaufsschlager hingelegt, und es würde mich nicht wundern, wenn auch sein erstes belletristisches Werk ein Bestseller wird.
Mich jedenfalls hat die Geschichte der fiktiven Familie Schönwald durchweg gefesselt, was bei über 500 Seiten schon eine Leistung an sich ist. Oehmke erzählt spannend, unterhaltsam, kurzweilig und informativ. Die Kapitel nehmen unterschiedliche Erzählperspektiven der Familienmitglieder ein: Harry, der als Staatsanwalt und Vater dreier erwachsener Kinder scheinbar ein erfülltes Leben hatte, nun aber im Rückblick den ein oder anderen Zweifel verspürt und (heimlich) eine Therapie beginnt. Seine Frau Ruth hingegen, die der Familie zuliebe auf ihre Karriere als Germanistin verzichtet hatte, wischt seit jeher alle Probleme beiseite, in der Hoffnung, dass das, worüber man nicht spricht, auch keine große Bedeutung erlangt; überdies möchte sie ihre Lieben nicht unnötig belasten. Und so ist es nicht wirklich überraschend, dass auch die drei erwachsenen Kinder wichtige Teile ihrer Leben verheimlichen, vor den Eltern oder vor ihren Partner*innen.
Dem Autor gelingt es hervorragend, durch die Perspektivwechsel zu zeigen, dass es oft nicht die eine Wahrheit gibt, und das innerfamiliäre Geflecht wird bei der Lektüre so geschickt aufgebaut, dass man das Gefühl hat, einer Familienaufstellung zusehen zu dürfen.
Der Plot steckt voller überraschender Wendungen, die sehr überzeugend aufgebaut sind. Besonders gelungen fand ich die Wandlung des ältesten Sohns, der in die U.S.A. ausgewandert ist, vom linksliberalen Linguistikprofessor zum Wahlkampfhelfer in Donald Trumps Make-America-Great-Again-Maschinerie. Oehmke erweist sich hier als ausgewiesener Kenner der U.S.-amerikanischen Gesellschaft, wozu sicher beigetragen hat, dass er fünf Jahre lang das New Yorker Büro des Magazins "Der Spiegel" leitete.
Ein paar Wiederholungen hätte das Lektorat kürzen können, aber ich gebe dennoch eine uneingeschränkte Leseempfehlung für diesen hervorragenden Familien- und Gesellschaftsroman.

Bewertung vom 13.06.2023
Lightseekers
Kayode, Femi

Lightseekers


ausgezeichnet

Femi Kayode legt ein äußerst rasantes Debüt vor. Sein Protagonist Dr. Philip Taiwo - wie der Autor selbst seines Zeichens studierter Psychologe - soll als Privatermittler den Lynchmord an drei Studenten aufklären.

Die anspruchsvolle Geschichte fordert volle Aufmerksamkeit, belohnt dafür aber mit atemberaubender Action und faszinierenden Einblicken in Gesellschaft, Geschichte und Kultur Nigerias. Kayode thematisiert die Rivalitäten der verschiedenen Ethnien des Vielvölkerstaates, ein konfliktreiches Erbe, unter dem viele der von Kolonialmächten definierten Staaten Afrikas leiden. Die allgegenwärtige Korruption zeigt sich drastisch an willkürlichen Straßensperren von Polizeibeamten, die dadurch ihr mageres Gehalt aufbessern. Drogenhandel und Geheimbünde an Universitäten werfen dunkle Schatten auf die Studentenszene. Und nicht zuletzt entladen sich Spannungen zwischen Muslimen und Christen immer wieder in gewaltsamen Auseinandersetzungen. Wem dies zu übertrieben erscheint, der war wahrscheinlich noch nie in Nigeria, all dies ist pure Realität. (Da die Familie meines Mannes von dort stammt, kann ich "leider" auf direkte Quellen zurück greifen.)

Besonders gut haben mir die vielen kleinen Besonderheiten gefallen, die der Autor wie nebenbei einstreut. Etwa die zahlreichen Zwillingsgeburten bei den Yoruba. Diese Ethnie hat weltweit mit Abstand die höchste Rate an zweieiigen Zwillingen, und auch in der Kultur der Yoruba spielen diese eine große Rolle. Schon am Namen kann man erkennen, ob es sich um einen erst- oder zweitgeborenen Zwilling handelt. Hier wäre allerdings für die europäische Leserschaft ein entsprechendes Glossar hilfreich gewesen, viele Sachverhalte erschließen sich sonst vermutlich nur nach eigener Recherche.

Noch einmal anders hat sich mir der Roman erschlossen, nachdem ich das Nachwort des Autors gelesen hatte. Denn dort erfährt man nicht nur, dass die - in sarkastischer Weise "Necklacing" also Halsketten-Morde genannte - Lynchjustiz auf einem realen Fall beruht, bei dem ein wütender Mob Studenten Autoreifen quasi als Ketten um den Hals hängte, sie mit Benzin übergoss und anzündete. Sondern Kayode erklärt auch, dass er durch die Arbeit am Roman verstehen wollte, wie seine Landsleute zu derartiger Grausamkeit fähig sein konnten. Insofern ist die Figur Dr. Philip Taiwo sein Alter Ego, auch er ist nach langem Aufenthalt in den U.S.A. einerseits von den Zuständen in seinem Heimatland schockiert, andererseits treibt ihn die Suche nach Erklärungen für die Missstände an. Eine Ambivalenz, die er mit vielen teilt, die in der Diaspora leben. Man besucht sein Ursprungsland, möchte "nach Hause" kommen und doch fühlt sich Vieles so fremd an.

Für November 2023 ist der zweite Fall Taiwos angekündigt, den ich schon jetzt voller Spannung erwarte.

Bewertung vom 13.06.2023
Dalee
Gastmann, Dennis

Dalee


gut

Als Reiseautor und (Gonzo-)Journalist schätze ich Dennis Gastmann sehr, sein Debütroman hat mich leider nicht überzeugt. Vielleicht war ich vom Klappentext irritiert, der "Dalee" als Abenteuerroman ankündigt. Mag sein, dass Gastmann seine Recherchereise auf die Andamanen als abenteuerlich erlebt hat - Spannung habe ich im Roman über weite Strecken vermisst.

Und dabei klingt die Story, die auf wahren Begebenheiten beruht, wirklich spektakulär: Anfang der 1950er Jahre transportierte ein indischer Dampfer angeworbene Glückssucher, ganze Familien und Mahuts samt ihren Elefanten, um auf den Inseln der Andamanen Tropenholz zu roden. Aber gut die erste Hälfte des Romans wollte sich einfach kaum Lesegenuss bei mir einstellen, zu zäh und langatmig ist die Erzählung, sie verliert sich in Details, die Handlung schreitet nur mühsam voran. Vielleicht hatte ich bereits zu viel Vorwissen über Arbeitselefanten als dass mich hier Einzelheiten noch hätten fesseln können. Einige Passagen sind durchaus stimmungsvoll, gerade Landschaft, Flora und Fauna beschreibt Gastmann geradezu zauberhaft. Oder sollte ich sagen: märchenhaft? Wenn ich es mir länger überlege, dann hat "Dalee" wirklich etwas von einem indischen Märchen. Man kann es vielleicht auch als Parabel auf das Leben lesen, denn - ohne zu viel verraten zu wollen - am Ende ist alles in Auflösung begriffen, verschwindet einfach.

Als Abenteuerroman ist mir jedoch Vieles zu kitschig, das Verhältnis zwischen Mahut und Elefant zu verklärt, und wenn Tiere vermenschlicht dargestellt werden, stellen sich mir sowieso die Nackenhaare auf. Dagegen tritt leider das durchaus komplexe historische Geschehen sehr in den Hintergrund; es klingt zwar an, dass die Andamanen als Strafkolonie dienten, und auch ein Bombenkrater als Erbe aus dem Zweiten Weltkrieg ist kurz Schauplatz. Aber über die wirklich vielschichtige Historie der Inselgruppe habe ich durch den Roman kaum dazu gelernt. Bisweilen erinnert "Dalee" an die fantasievoll-philosophische Sprachwelt in "Life of Pi / Schiffbruch mit Tiger", aber ohne dessen Konsequenz. Gastmann mäandert sich so durch die Kapitel, probiert mal dies, mal das, um erst gegen Schluss wieder darauf zu kommen, dass er ja einen Roman schreiben wollte.

Überrascht hat mich ein Interview mit Dennis Gastmann, das ich erst nach der Lektüre von "Dalee" gelesen habe: Dort gibt er nämlich an, dass ihn ein Foto von Rajan, dem letzten tauchenden Elefanten in der Andamanensee zu seinem Roman inspiriert hat. Und genau eines dieser Fotos hatte ich schon nach den ersten Absätzen der Geschichte im Kopf. Ein wunderschönes, geradezu traumhaftes Bild - vermutlich hätte es meiner Lektüre gut getan, wenn ich das Buch als Traumsequenz gelesen hätte, so waren meine Erwartungen wohl die falschen.

Bewertung vom 12.06.2023
Das Café ohne Namen
Seethaler, Robert

Das Café ohne Namen


sehr gut

Der Plot von Robert Seethalers jüngstem Roman ist schnell erzählt: Der junge Gelegenheitsarbeiter Simon greift zu, als sich ihm die Chance bietet, ein Café unweit des Wiener Karmelitermarkts zu eröffnen. Schnell wird es zum beliebten Treffpunkt der sogenannten kleinen Leute, darunter Arbeiter, Trinker, verkrachte Existenzen und verlorene Seelen.

"Simon dachte an seine Gäste. Es war merkwürdig, wie wenig er von ihnen wusste und wie gut er sie doch kannte." Ein derartiges Gefühl begleitete auch mich während der Lektüre. Seethaler lässt eine Vielzahl an Figuren auftreten, man erfährt als Leserin oft nur Eckdaten ihres Lebens, und doch meint man, sie zu kennen. Dabei widersteht er der Versuchung, die Charaktere zu überzeichnen, es bleibt bei gelungenen Persönlichkeitsskizzen, die im Gedächtnis bleiben. Nur schade, dass (aufgrund der schieren Anzahl der Personen?) kaum Entwicklungen erkennbar sind, und auch gesellschaftspolitische Einordnungen sind nur angedeutet, der Fokus liegt eher auf Momentaufnahmen.

Die Geschichte wird durch den ungemein liebevollen, bisweilen sogar zärtlichen Blick des Autors auf seine Figuren getragen; hier schreibt einer, der die Menschen liebt, mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten.

Bewertung vom 09.06.2023
Als mir die Welt gehörte
Kresser, Bastian

Als mir die Welt gehörte


ausgezeichnet

"Die Geschichten sind da, und ich muss sie erzählen" erklärt Bastian Kresser seine Motivation fürs Schreiben. Sein neuester Roman erzählt die Geschichte des böhmischen Trickbetrügers Victor Lustig, dessen Vita fraglos fasziniert: Vom kleinen Taschendieb und Glücksspieler erklimmt er schnell und überaus gewitzt die kriminelle Karriereleiter, entwickelt als selbsternannter Graf mit der "Rumänischen Schachtel" eine vermeintliche Gelddruckmaschine, veruntreut Wettgelder und Investitionen in Musicals, die nie aufgeführt werden und geht mit einem seiner größten Coups als "Mann, der den Eiffelturm verkaufte" in die Geschichte ein.

Kresser legt seine Geschichte als eine Art Vexierbild an, kaum glaubt man etwas, kippt das Bild und die Wahrheit scheint ganz anders zu sein. Der Autor lässt seinen Protagonisten immer mal wieder die vierte Wand durchbrechen und spielt bewusst mit Unwahrheiten, so dass sich seine Leserschaft nie so ganz klar darüber sein kann, was auf Fakten beruht, oder was hinzugedichtet wurde, um einfach eine gute Story zu erzählen. Letzteres ist definitiv gelungen, wie gebannt habe ich Kapitel um Kapitel verschlungen. Die Liebe des Autors zur Sprache ist auf jeder Seite spürbar, viele fremdsprachliche Ausdrücke und Zitate ergeben ein schönes Lokalkolorit, wenn man Victor Lustig nach Paris und über den Atlantik folgt. Zudem ist der Roman ein psychologisches Meisterstück, indem er nicht nur nachvollziehbar macht, wie derart viele Menschen auf den Hochstapler Lustig reinfallen konnten, sondern man auch Einblicke in das mögliche Bild bekommt, dass dieser Betrüger von seinen Opfern, aber auch von sich selbst hatte.

Ein großartiger Roman, ich sage von Herzen Danke, dass Bastian Kresser diese Geschichte auf unvergleichliche Weise erzählt hat.

Bewertung vom 06.06.2023
Young Mungo
Stuart, Douglas

Young Mungo


sehr gut

Bestsellerautor und Preisträger des britischen Booker Prize Douglas Stuart hat mich mit seinem zweiten Roman mitten ins Herz getroffen. Selbst beim Verfassen dieser Rezension bekomme ich ein beklemmendes Gefühl, wenn ich mir den Plot vergegenwärtige: Der Jugendliche Mungo wächst bei seiner alkoholabhängigen Mutter und zwei älteren Geschwistern im Arbeitermilieu Glasgows in den 1990ern auf. Das Leben ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Vergewaltigungen, Gewalt und völlig kaputten Familien.

Mungo zeigt eine geradezu abgöttische Liebe für seine Mutter (oder ist "hündisch" der treffendere Ausdruck?), obwohl diese zwischen Saufdelirien und dem Versuch, mit wechselnden Sexualpartnern ihre eigene versäumte Jugend nachzuholen, praktisch kaum für ihre Kinder da ist. Mungo verliebt sich in einen Nachbarsjungen - schwer zu sagen, was diese Beziehung unmöglicher erscheinen lässt: die schier grenzenlose Homophobie der damaligen Gesellschaft oder die schlichte Tatsache, dass die beiden Jungs verfeindeten religiösen "Lagern" angehören; nicht nur in Irland sind sich damals Katholiken und Protestanten spinnefeind.

Stuarts Sprache ist derb, wenn er den brutalen Alltag schildert, und kippt ab und an ins Kitschige beim Versuch, Zärtlichkeiten zu beschreiben. Sehr gut gefallen hat mir die Übersetzung durch Sophie Zeitz, die aus dem Glaswegischen Slang des Originals einen eigenen norddeutsch geprägten Soziolekt macht.

Sowohl zeitlich wie auch räumlich ist das Schicksal Mungos nicht weit von meiner persönlichen deutschen Mittelstandsblase entfernt, und doch scheinen uns Welten zu trennen. Douglas Stuart hat mir gezeigt, wie nah das Unglück der anderen ist, oftmals von uns unbemerkt.

Bewertung vom 30.05.2023
Provence
Roig, Catherine

Provence


sehr gut

Diese Rezeptsammlung als Kochbuch zu bezeichnen wäre zwar sachlich korrekt, aber gleichzeitig enorm untertrieben und würde diesem beeindruckenden Werk nur bedingt gerecht. Denn Catherine Roig hat gemeinsam mit der Fotografin Emanuela Cino eine wahre Liebeserklärung an die Provence verfasst.

Die beiden nehmen ihre Leser*innen mit auf eine aufregende Reise durch die Provence, neben den Gerichten gibt es so viel mehr zu entdecken. In kurzen Steckbriefen werden Landstriche und die dort ansässigen Landwirte und Köchinnen vorgestellt, so dass "Provence" als edles, großformatiges Coffee Table Book auch einfach zum Durchblättern und Träumen vom nächsten Frankreichurlaub einlädt.

Das Herz des hochwertigen Hardcovers stellen dennoch 100 abwechslungsreiche Rezepte dar, die nach den fünf geografischen Regionen der Provence gegliedert sind, von den gebirgigen Alpilles bis an die Strände der Côte Bleue. Unter den Gerichten finden sich Klassiker wie Dorade vom Grill, aber auch moderne Neukreationen sind dabei, die Bandbreite geht von rustikal bis raffiniert. Die Rezepte sind übersichtlich, teils etwas knapp formuliert und nicht alle für Anfänger geeignet. Wie zu erwarten gibt es reichlich Lamm und noch mehr Fisch und Meeresfrüchte, darunter auch solche, die in küstenfernen Regionen nicht gerade leicht erhältlich sind (Drachenkopf, Girelle, Lippfisch). Für sehr spezielle Zutaten wie Stierfilet oder Poutargue (getrocknete Rogen der Meeräsche) wäre die Angabe von Bezugsquellen hilfreich gewesen. Und wieso "Eau-de-Sureau-Sirup" für die deutschsprachigen Leser*innen nicht zu Hollunderblüten-Sirup übersetzt wurde, bleibt wohl das Geheimnis des Verlags. Die Handhabung des 2,3 Kilogramm schweren Wälzers ist beim Kochen ein wenig unpraktisch.

Diese kleinen Kritikpunkte werden aber durch die äußerst liebevolle Aufmachung (das Layout ist fantastisch!) wieder wett gemacht. Eine klare Empfehlung für Fans der französischen Küche sowie für alle, die es noch werden wollen!

Bewertung vom 22.05.2023
Asiatisch vegan
Gill, Sasha

Asiatisch vegan


ausgezeichnet

Food-Bloggerin Sasha Gill tritt den Beweis an, dass Kochen ohne tierische Produkte kein Verzicht sein muss, sondern vielmehr eine Bereicherung des täglichen Speiseplans sein kann. Gerne bin ich mit ihr auf kulinarische Entdeckungstour durch Asien gegangen und dabei von höchst unterschiedlichen Aromen und Zubereitungen überrascht und überzeugt worden.

Die rund 100 Rezepte sind nach Ländern geordnet, von Indien, Thailand, Singapur und Malaysia geht die Reise bis nach China und Japan. (Ein klitzekleiner Nachteil: Wer gezielt nach Vorspeisen oder Desserts sucht, muss sich folglich durchs Buch blättern.) Die Rezepte sind gut strukturiert, Zubereitungs- und Garzeiten sowie Zutaten sind auf einen Blick erkennbar, ebenso der Schärfegrad oder ob ein Gericht glutenfrei ist. Anspruchsvolle Handgriffe wie etwa das Teigfalten für Samosas sind anschaulich Schritt für Schritt illustriert. Eine sympathische persönliche Note bekommt das Buch durch kurze individuelle Anmerkungen der Autorin zu jedem Rezept. Die großformatigen Farbfotos sowie das bunte, moderne Layout laden zum Schmökern ein.

Neulinge in der Asia-Küche dürften sich über eine Liste an sinnvollen Basic-Gewürzen freuen, um sich gut ausgestattet ans Kochen wagen zu können. Praktische Tipps zu Vorratshaltung und Küchengeräten sowie Vorschläge zu Resteverwertung und passender Kombination verschiedener Gerichte runden dieses hochwertige Hardcover ab.

Ein rundum gelungenes Kochbuch, das jeden Cent wert ist - mein aktueller Liebling unter meinen zahlreichen Rezeptsammlungen!