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yellowdog

Bewertungen

Insgesamt 2029 Bewertungen
Bewertung vom 16.07.2021
Sophies Café
Lowe, T. I.

Sophies Café


gut

Der Roman erzählt von einer Frau, die jahrelang durch die Ehehölle geht und dann einen Neuianfang wagt.

Zuerst muss hier eine Warnung ausgesprochen werden. Die ersten Seiten sind von erschreckender Brutalität. Die schwangere Gabriella wird von ihrem gewalttätigen Ehemann so schlimm verprügelt, dass sie sogar das Baby verliert. Das wird ausführlich und detalliert geschicldert und vielleicht kann das nicht jede Leserin oder Leser ertragen.

Erst dann kommen entspanntere Abschnitte. Gabriella nennet sich jetzt Leah. Sie ist nach Rivertown, South Carolina geflüchtet und kommt bei der warmherzigen Sophie unter. Und sie lernt Crowley kennen, der sich für sie interessiert.

Diesen Plotverlauf gab es schon in vielen Büchern und manchmal kommt mir der Verdacht, diese Elemente werden zu kalkuliert eingesetzt.
Es fehlt mir ein psychologischer Unterbau, der eine gewalttätige Situation erläutert.

Was bleibt ist ein routiniert gemachter Roman des Genres, der auf bewährten Kleinstadtcharme, Freundschaft und Liebe setzt. Bewährte Zutaten, die auch hier funktionieren.

Bewertung vom 14.07.2021
Auszeit
Lühmann, Hannah

Auszeit


sehr gut

Krise

Es beginnt mit dem Tag, am dem die Protagonistin Henrietta in die Klinik fuhr um abzutreiben. Man spürt sofort, wie diese junge Frau emotional angeschlagen ist. Aber auch ansonsten ist ihr Leben nicht in Ordnung. So sitzt sie zum Beispiel schon lange an ihrer Doktorarbeit, die ein obskures Thema hat und kommt nicht voran.
Ihre Freundin Paula ist im Leben, sie ist es nicht und das ist ihr bewusst.
Diese Zustandsbeschreibung ist äußerlich kühl geschildert,
In der äußeren Wahrnehmung ist es manchmal sehr detailliert.
Insgesamt ist es fast wie ein Bericht, in der Henrietta ihre Situation zusamenfasst.

Es gibt einige Rückblicke. Man sieht, wie sich Henriette in den verheirateten Tobias verliebt und von ihm schwanger wird.

Es ist ein moderner Stil im Klagenfurt-Wettbewerb-Sound. Das soll aber nicht negativ gemeint sein, denn damit geht ein sehr genaues Erzählen einher.

Bewertung vom 13.07.2021
Von hier bis zum Anfang
Whitaker, Chris

Von hier bis zum Anfang


ausgezeichnet

dicht und emotional, aber auch lakonisch erzählt

In diesem Roman über ein Familiendrama mit langjährigen Auswirkungen ist man als Leser sofort drin, denn die Handlung ist dicht und emotional.
Es gibt Motive eines Neo-Western.

Die Figuren mag ich auf Anhieb, besonders Walk, aber auch die dreizehnjährige Duchess, die sich immer betont abgebrüht gibt. Der Polizist Walk, ein Jugendfreund ihrer Mutter sieht öfter nach ihr und ihrem Bruder Robin, denn die Mutter Star ist eher lebensuntüchtig. Das ist nicht einfach für die Kinder, die bei den Alkoholexzessen der Mutter am meisten leiden müssen.

Dann wird auch noch der Mann aus dem Gefängnis entlassen, der vor 30 jahren als Jugendlicher den Tod von Stars Schwester verursacht hat.
Wald versucht, seinen alten Freund zu unterstützen.
Die ganze Situation ist spannnungsgeladen. Man spürt, wie das ganze bald eskalieren wird,

Mich beeindruckt an dem Roman die Lakonie, die manche Figuren und die Dialoge ausstrahlen. Es ist überhaupt ein sehr lesenswertes Buch.

Das Buch lebt auch von der unglaublich schönen Umgebung, Cape Haven in Kaliformien. Da kann ich nur empfehlen, mal nach Bildern zu googeln.

Bewertung vom 13.07.2021
Und immer wieder aufbrechen
Msimang, Sisonke

Und immer wieder aufbrechen


ausgezeichnet

Von Exil und Heimat

Sisonke Msimangs Buch ist kein Roman sondern ein bewegendes Memoir, in der sie die Stationen ihrer Kindheit und Jugend schildert. Das wird durch den Oriiginaltitel noch besser verdeutlicht: Always Another Country: A memoir of exile and home.

Sisonkes Vater war aktiv im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika, Sisonke wird im Exil geboren und die Familie zieht oft um, z.B. nach Sambia, Kenia, Kanada, Äthiopien.

Viele Szenen sind intensiv geschildert. Der Vater ist ein starke Persönlichkeit und verlangt auch von seiner Tochter Mut und Widerstand, wenn sie rassistisch angegangen wird. Eine eindrucksvolle Passage zeigt, wie Sisonke auf dem Spielplatz von einem anderen Kind Affe genannt wird.

Schließlich wird Nelson Mandela befreit und die Familie kann wieder nach Südafrika, für Sisonke ist es die erste Begegnung mit dem Land.
Schließlich geht sie für das College in die USA. Als Leser teilt man ihre Erfahrungen.
Auch ihre Erwachsenenjahre sind sehr interessant.

Das Buch hat Kraft durch Sisonkes gute Beobachtungsgabe und dem gelungenen, passenden Erzählton. Sisonke Msimang hat hohe erzählerisch Qualitäten.

Bewertung vom 07.07.2021
Vertraute Welt
Sok-Yong, Hwang

Vertraute Welt


ausgezeichnet

Koreanisches Sozialdrama

Vertraute Welt von Hwang Sok-Yong ist im Original schon von 2011 und weniger opulent gestaltet als sein historischer Roman Die Lotusblüte.
Aber auch hier gibt es viel Atmosphäre und intensive Sprachbilder.

Wer in dem Vorort von Seoul nahe der großen Müllhalde lebt, befindet sich im sozialen Abseits. Die Kinder und Jugendliche, die hier aufwachsen, haben wenig Perspektiven.

Manche versuchen, von den Funden auf der Blumeninsel, wie die giftige Müllhalde genannt, zu leben. Eine ganz eigene Hierarchie bestimmt hier das Leben. Das Leben als Müllsammler ist hart.
Die Stärke des Romans ist, dass die Jugendlichen Glubschaug und Glatzfleck im Mittelpunkt stehen. Das gemeinsame Schicksal macht sie zu Brüder.

Hwang Sok-Yong hat ein packendes Sozialdrama geschrieben.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.07.2021
Die Beichte einer Nacht
Philips, Marianne

Die Beichte einer Nacht


ausgezeichnet

Heleens Monolog

Die Beichte einer Nacht ist ein Buch aus den Niederlanden, dass schon älter ist.
Der Roman ist als Monolog gestaltet. Die in einer Nervenanstalt sitzende Patientin Heleen spricht zur Nachtschwester aber eigentlich mehr zu sich selbst. Sie ist aufgewühlt und erzählt ihre ganze Lebensgeschichte schon ab Kindheit. Das war eine schwierige Kindheit und Jugend in einer kinderreichen Familie. Auch als sie von zu Hause wegging war es nicht einfach, aber sie kann sich durchsetzen und steigt beruflich auf. Als sie heiratet nimmt sie nach dem Tod ihrer Mutter ihre kleine Schwester zu sich.

Durch die Form entsteht ein eigenständiger Ton und man ist als Leser dicht an der Figur. Das ist aif die Dauer aber auch nicht einfach.

Man spürt eigentlich kaum, dass das Buch schon von 1930 stammt.
Den Roman gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Anna-Lena Zühlke. Das ist eine gute Alternative, da die Erzählstimme durch eine Sprecherin hervorragend übertragen werden kann.

Marianne Philips war mir bisher unbekannt, aber sie ist eine Entdeckung wert.

Bewertung vom 29.06.2021
In Aufruhr
Vesper, Inga

In Aufruhr


sehr gut

Krimi in Kalifornien der fünfziger Jahre

Inga Vesper hat mit „In Aufruhr“ einen intelligenten, lesenswerten Roman geschrieben.

Es gibt einen Krimiplot, aber der dient in erster Linie dazu ein Gesellschafts- und Zeitporträt Kaliforniens, USA in den fünfziger Jahren zu zeigen.

Die Ehefrau und junge Mutter Joyce ist verschwunden, nur ein großer Blutfleck im Haus ist verblieben. Ihre schwarze Putzfrau Ruby findet ihn und wird zu Anfang erst einmal verhaftet, doch der ermittelnde Police-Detective Mick setzt sich für sie ein.

Die Perspektiven wechseln in den Kapitel zwischen den Protagoniste Joyce, Ruby und Mick, der den Fall untersucht.

Das ist eine gute Konstellation und funktioniert erzählerisch ausgezeichnet.
Dadurch werden auch die unterschiedlichen Lebensumstände und -bedingungen deutlich gezeigt.

Mick und Ruby tasten sich an die Hintergründe des Falls heran, aber richtig dramatisch wird es nicht. Die Handlung ist nicht unbedingt reißerisch spannungsorientiert angeleg. Das sollte sich der Leser bewusst sein. Sehr wohl gibt es aber Rätsel und dunkle Geheimnisse von Relevanz.

Mich hat das Buch sehr angesprochen.

Bewertung vom 28.06.2021
Erwachsene Menschen
Aubert, Marie

Erwachsene Menschen


ausgezeichnet

Familientreffen in Norwegen

Der Roman ist aus dem Norwegischen übersetzt und strahlt schon vom Cover eine gewisse Ruhe aus. Doch bald merkt man, dass es gewisse Spannungen im Hintergrund gibt.

Die 40jährige Ida reist zu einem Familientreffen an und dort treten unterschiedliche Empfindlichkeiten zu Tage. Insbesondere mit ihrer Schwester Marthe kommt es zum Konflikt. Marthe und ihr Mann Kristoffer bekommen ein Kind und die alleinstehende Ida fühlt sich zurückgesetzt. So war es auch in ihrer gemeinsamen Kindheit und Jugend schon manchmal gewesen. Ida beschließt, Marhes Glück empfindlich zu stören.

Marie Auberts Stil und der Persönlichkeit ihrer zwiespältige Protagonistin Ida sprechen mich sofrot an. Auch die Art, wie sie die Figuren anlegt. Es wird genau gezeigt, wie Empfindungen und Wahrnehmungen entstehen.

Der Roman hat Witz und eine leicht ironische Schärfe, die ich schätze.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.06.2021
Still into you / Moonflower Bay Bd.1
Holiday, Jenny

Still into you / Moonflower Bay Bd.1


gut

Moonlight Bay Romanze
Der Plot hat eine gewisse Komik, obwohl er natürlich auch einem Genre-Schema folgt. Leider etwas zu starr.
Es gibt viel Kleinstadtcharme.Es gibt ein paar Beschreibungen der kanadischen Landschaft, aber das hätte für meinen Geschmack noch detaillierter sein können.

Eve Abbott erbt das Inn ihrer Tante Lucille und möchte es eigentlich schnell verkaufen, aber irgendwie erwarten alle Einwohner von Moonflower Bay, dass sie das Mermaid Inn wieder eröffnet.
Dann gibt es noch die Vergangenheit mit ihrem Jugendfreund Sawyer Collins, der jetzt Polizeichef ist. Vor 10 Jahren haben sie sich getrennt. Die Gefühle der beiden zueinander sind noch lebendig.
Tatsächlich reagieren sie so, als wäre alles erst kurz her. Dabei sollte man denken, dass sich in 10 Jahren viel verändert. In dem Punkt ist der Roman vielleicht nicht sehr realistisch.

Sie beginnen langsam wieder Freunde und vielleicht mehr zu werden. Zusammen mit Sawyers jüngerer Schwester Clare, die er praktisch alleine groß gezoen hat, werden sie fast eine kleine Familie. Doch da ist auch noch Eves geplante Abreise nach Toronto.
Jenny Holiday zeigt sowohl Eves als auch Sawyers Gefühlswelt.
Fazit: Es ist ein konventioneller, perfekt gestalteter Roman für Freunde des Genres.

Bewertung vom 25.06.2021
Die Hochzeit
West, Dorothy

Die Hochzeit


sehr gut

In letzter Zeit werden häufig ältere Romane neuentdeckt. Manche sind echte Perlen, andere eher überflüssig. Die Hochzeit von der Bostoner Autorin Dorothy West ist irgendwo dazwischen. Zu den Figuren blieb leider eine Distanz.
Thematisch ist der Roman relevant und auch mit einigen guten Passagen versehen, doch kommt es mir literarisch sehr zurückhaltend vor und konnte mich nicht begeistern. Es ist nicht unbedingt James Baldwin-Niveau.
Zu loben sind aber die Detalilliertheit und die präzisen Beschreibungen.