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Magda
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Köln

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Insgesamt 330 Bewertungen
Bewertung vom 13.03.2025
Kramer, Christoph

Das Leben fing im Sommer an


sehr gut

Das Leben fing im Sommer an ist ein autofiktionaler Roman des ehemaligen Fußballprofis und Fußballexperten Christoph Kramer. Das Cover mit einem Mann auf dem Zehn-Meter-Turm im Freibad mit lilafarbenem Hintergrund finde ich wunderschön.
Sicherlich möchten viele Fußballinteressierte, die Christoph Kramer kennen und mögen, das Buch lesen. Wie man jedoch bereits dem Klappentext entnehmen kann, geht es nur am Rande um Fußball, das Hauptthema des Buches ist die erste Liebe.
Die Handlung erstreckt sich über vier Tage im Jahr 2006, abgerundet durch den Tag des Abiturs und den Sommer 2014, in dem Kramer als deutscher Nationalspieler Weltmeister wurde.
Mit fünfzehn Jahren verliebt Chris sich in seine Mitschülerin Debbie. Obwohl er bereits in der U15-Jugend von Bayer 04 Leverkusen spielt, ist er bescheiden und eher unsicher, mit Mädchen hat er keine Erfahrungen. Wenn er nicht beim Training ist, verbringt er seine Freizeit mit seinen beiden besten Freunden Johnny und Salvo. Bereits einen Tag nach seinem ersten Date mit Debbie, sieht er sie in einer Umarmung mit einem anderen. Verzweifelt steigt er mit Johnny, der sich gerade von seiner Freundin getrennt hatte, ins Auto und fährt von Solingen nach Düsseldorf. Unterwegs erleben sie wilde Abenteuer und Kramer lernt in jener Nacht auch seine spätere Ehefrau kennen.
Ich habe das Buch mit seinen knapp 250 Seiten an einem Tag durchgelesen, Kramers Schreibstil ist angenehm und flüssig lesbar. Gern hätte ich mehr über Kramers Weg zum Fußballprofi erfahren und sein Erleben des deutschen Sommermärchens 2014. Insgesamt hat mir der Debütroman gut gefallen, wobei ich eine Leseempfehlung insbesondere für die 1990er Jahrgänge ausspreche, die sich mit dem damals fünfzehnjährigen Chris sicherlich gut identifizieren können und vieles wiedererkennen werden; es sind die letzten Jahrgänge, die keine Smartphones hatten und ihre Kindheit und Jugend ohne permanenten Internetzugang verbracht hatten.

Bewertung vom 12.03.2025
Jónasson, Jón Atli

Schmerz / Dora und Rado Bd.1 (eBook, ePUB)


gut

Ich habe bereits viele Krimis isländischer Autoren gelesen, sie katapultieren mich gedanklich nach Island, das ich unbedingt mal bereisen möchte. Das Cover ist typisch für isländische Krimis und gefällt mir sehr gut, toll finde ich auch den Farbschnitt mit den aufgedruckten Namen der Ermittler.
Mit Jón Atli Jónasson habe ich einen neuen isländischen Autor entdeckt, und leider auch den ersten, dessen Kriminalroman mich nicht begeistern konnte.
Dora und Rado ermitteln in zwei Fällen: Das Verschwinden von Morgan und der Tod von Jurek.
Dora ist bei einem Einsatz schwer verletzt worden und soll noch geschont werden, Rado ist mit Ewa, der Tochter des Anführers einer Verbrecherbande, verheiratet. Dieser wird nach einer Razzia festgenommen und stirbt unter mysteriösen Umständen in der Untersuchungshaft.
Die beiden Fälle spielen sich im Hintergrund ab, der Fokus liegt auf dem Privatleben der beiden Ermittler. Wir erfahren sehr viel über Rado und seine Familie. Seine Frau Ewa stammt aus Polen, die beiden haben einen Sohn, der den gleichen Namen wie sein Großvater hat: Jurek. Dann gibt es da noch Ewas Bruder Artur und Rados Bruder Zeljko, die beide ebenfalls kriminell sind.
Dora wird brutal zusammengeschlagen und kommt knapp mit dem Leben davon, es dauert Monate, bis sie wiederhergestellt und einsatzbereit ist. Währenddessen bleibt Morgan verschwunden. Morgan wäre gern ein Junge, was ihr Umfeld nur bedingt akzeptiert, vor allem nicht ihr Vater.
Zwischendurch gibt es Kapitel über zwei weitere Verbrecher: Morra und Hector. Ich habe lange erfolglos nach einer Verbindung zwischen diesen beiden und Dora, Rado, Jurek oder Morgan gesucht.
Leider konnte der Krimi meine Erwartungen nicht erfüllen. Es waren unheimlich viele Protagonisten involviert, und ich fand es mühsam, mir die vielen isländischen Namen zu merken. Ich habe keinen Zugang zu den Ermittlern gefunden, und war mehrmals kurz davor, das Buch abzubrechen. Ab der Hälfte habe ich das Buch schließlich überflogen, um zu erfahren, was mit Morgan passiert ist. Für diesen isländischen Krimi kann ich leider keine Empfehlung aussprechen.

Bewertung vom 07.03.2025
Engelmann, Gabriella

Der Gesang der Seeschwalben / Die Bücherfrauen von Listland Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Das Cover mit dem Leuchtturm und den wunderschönen Pastellfarben gefällt mir sehr, der Klappentext klingt vielversprechend, und das Buch hält, was der Klappentext verspricht.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen – 1937 und in der Gegenwart.
1937: Die 16jährige Lene Iwersen lebt mit ihren Eltern Konrad und Beeke in Listland auf Sylt. Konrad ist Miteigentümer einer Austernzucht und Krabbenfischer, Beeke verkauft von ihr hergestellte Kleidungsstücke, die sie mit Wolle der Lister Schafe gestrickt hatte. Im Sommer vermietet die Familie Fremdenzimmer an Feriengäste. Der junge Buchhändler Marten Behlau aus Friedrichstadt möchte in der Abgeschiedenheit Listlands einen Roman schreiben und mietet ein Zimmer bei den Iwersens.
Lene und Marten verlieben sich ineinander und wollen mit dem Einverständnis von Lenes Eltern möglichst bald heiraten, doch plötzlich muss Marten zurück nach Friedrichstadt. Schon bald stellt Lene fest, dass sie ein Kind erwartet. Ihre Briefe an Marten kommen ungeöffnet zurück. Verzweifelt lässt sie sich auf eine Heirat mit Friso Pauls aus Niebüll ein, der ihre Tochter als die seine anerkennt. Lene nennt ihre Tochter Martje in Erinnerung an ihre große Liebe Marten. Als sie von Friso schwanger wird, nennt sie ihre zweite Tochter Fenja.
Heute: Anna ist erfolgreiche Journalistin und Podcasterin. Sie möchte eine Reihe über die „Bücherfrauen von Listland“ schreiben, im Mittelpunkt des ersten Buches soll die 85jährige Fenja Lorenzen stehen. Fenja lädt Anna in ihr Haus am Lister Ellenbogen ein. Als Anna eintrifft, ist Fenja nicht da, dafür trifft sie deren Tochter Elisa. Elisa hat ein distanziertes Verhältnis zu ihrer Mutter. Gemeinsam mit Elisa und deren Bruder Eric erforscht Anna die Geschichte von Lenes Töchtern Fenja und Martje, die getrennt voneinander aufgewachsen sind. Im Auftrag von Fenja macht sie sich auf die Suche nach Marten Behlau, von dem seit 1937 jede Spur fehlt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die wunderbaren Naturbeschreibungen wecken die Lust und das Interesse an Listland und Sylt. Es ist ein Buch für Literaturbegeisterte, da fast alle Charaktere die Liebe zu Büchern verbindet. Eine große Rolle spielen Mutter-Tochter-Beziehungen, die zwischen Lene und ihren Töchtern, zwischen Anna und ihrer Tochter Kathrin und schließlich Fenja und Elisa.
Ich freue mich schon auf Band 2, in dem Anna nach Fenjas verschollener Schwester Martje sucht. Sehr gern empfehle ich das Buch an alle, die gern Familienromane lesen und sich dabei nach Sylt träumen möchten.

Bewertung vom 05.03.2025
Anders, Florentine

Die Allee


gut

Das wunderschöne von Kat Menschik gestaltete Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. Auch der Klappentext hat mein Interesse geweckt, da ich gern Bücher über die Zeit der deutschen Teilung lese.
Im Mittelpunkt des Romans steht der Stararchitekt der DDR Hermann Henselmann und seine Familie, vor allem Tochter Isi und Enkelin Isa. Das Buch wurde von Henselmanns Enkelin Florentine Anders geschrieben.
Henselmanns erstes großes Projekt war die Villa Kenwin in der Schweiz, ein Wahrzeichen der Bauhaus-Bewegung.
1931 lernte Hermann die zehn Jahre jüngere Isi kennen, die damals sechzehn Jahre alt war.
Wir erfahren viel über Henselmanns Bauprojekte wie die Stalinallee und den Berliner Fernsehturm, aber auch über seine Ehe und das Familienleben. Isi und Hermann bekommen acht Kinder, trotz der Kinderschar ist Isi berufstätig und arbeitet als Architektin. Die Kinder erziehen sich gegenseitig, die Älteren kümmern sich um die Kleinen. Schon bei kleineren Vergehen werden sie vom Vater hart bestraft. Besonders die kleine Isa leidet sehr unter dem Jähzorn des Vaters. Als sie ihren späteren Mann Hermann kennenlernt, nennt sie ihn Hermi, um nicht ständig an den ungeliebten Vater erinnert zu werden.
Hermann ist notorischer Fremdgeher, Isi findet sich irgendwann wohl oder übel damit ab, sie konzentriert sich auf ihre Karriere.
Isa ist das fünfte der acht Henselmann-Kinder. Die Familie ist privilegiert, pflegt Umgang mit der Politprominenz und bekannten Künstlern wie Bertold Brecht, Manfred Krug und Brigitte Reimann.
Es ist ein sehr persönliches Buch, wir erfahren von einer Vergewaltigung und von Abtreibungen.
Es war das erste Buch, das ich über regimetreue Prominente in der DDR gelesen habe. Neben der Geschichte der Henselmanns lernen wir die Geschichte der DDR kennen – über den Tod Stalins, den Aufstand vom 17. Juni 1953, dem Mauerbau bis hin in die 1980er Jahre und den Fall des kommunistischen Regimes.
Das Buch liest sich wie ein Sachbuch, der Schreibstil ist nüchtern und sachlich, weswegen mich die teils schlimmen Erlebnisse und Erfahrungen nicht berühren konnten. Es passiert sehr viel in vielen kurzen Kapiteln. Die Kapitel sind mit den Ereignissen überschrieben, die erzählt werden. Das Buch empfehle ich vor allem Leser*innen, die einen Bezug zur DDR und/oder zur Architektur haben.

Bewertung vom 01.03.2025
Glattauer, Daniel

In einem Zug


gut

In einem Zug von Daniel Glattauer habe ich als Hörbuch gehört, ganz wunderbar eingelesen von Christian Berkel. Ich muss zugeben, dass mich nur Christian Berkels ausdrucksstarke Stimme bei der Stange gehalten hat, ich das Hörbuch gern gehört, das Buch jedoch abgebrochen hätte. Der Dialog auf der Zugfahrt von Wien nach München hat mich leider nicht für sich einnehmen können.
Eduard Brünhofer ist Autor, dessen letztes Buch jedoch bereits vor dreizehn Jahren erschienen ist. Die Frau „frühen mittleren Alters“ (seltsamer Ausdruck…) hält er für eine typische Leserin seiner Romane. Als sie mit ihm ein Gespräch beginnt, glaubt er, dass sie ihn erkannt habe, doch sie hält ihn für ihren ehemaligen Englischlehrer und hat keines seiner Bücher gelesen.
Eduard würde die Zugfahrt gern allein und schweigend genießen, doch die Frau stellt ihm eine Frage nach der anderen. Am meisten interessiert sie sich für seinen Beruf: Autor von Liebesromanen.
Sie stellt ihm eine der fünf Fragen, die die er zu den „Grausamen Fünf“ zählt: Wie wird man ein erfolgreicher Schriftsteller? Mit ihrer nächsten Frage stockt sie die grausamen Fünf um eine weitere Frage auf: Was befähigt ihn, über die Liebe zu schreiben?
Ihre Fragen werden immer persönlicher, sie fragt ihn nach seiner Beziehung und amüsiert sich über seine Antwort, dass er „schon eine Ewigkeit glücklich verheiratet“ sei, insbesondere über das Wort „glücklich“.
Eduard greift immer öfter zum Wein, der seine Zunge lockert, er beantwortet alle persönlichen Fragen.
Gegen Ende der Zugfahrt klärt sich die Identität der Frau – ein Twist, der mich nicht wirklich umhauen konnte. Am liebsten hätte ich wie der kurzzeitig zugestiegene Italiener, den ich im übrigen als einzigen Charakter amüsant fand, das Abteil verlassen und mich in einem anderen Abteil in ein gutes Buch vertieft, vielleicht von Christian Berkel, dessen Bücher ich genauso gerne lese wie seiner Stimme zu lauschen.

Bewertung vom 28.02.2025
Lohmann, Eva

Wie du mich ansiehst


ausgezeichnet

Wie du mich ansiehst ist das zweite Buch der Autorin, das ich gelesen habe. In ihren Romanen spricht sie uns Frauen aus der Seele, Eva Lohmann versteht es meisterhaft, unsere Empfindungen in Worte zu fassen. Wie schon „Das leise Platzen unserer Träume“ ist auch dieses Buch für mich ein Highlight.
Johanna, 40, ist Inhaberin eines Blumenladens. Ihr Mann Hendrik ist Kapitän und oft wochenlang auf See unterwegs. Die beiden haben eine 15jährige Tochter namens Rosa. Jo ist mit ihrem Leben zufrieden, auch der Laden läuft gut. Doch dann stirbt ihr Vater Karl, zu dem sie ein inniges Verhältnis hatte. Karl hinterlässt ihr seinen Garten mit einem Schäferwagen, in dem er oft übernachtet hatte. Die Arbeit im Garten hilft Jo bei der Trauerbewältigung. Mit Ruby, Rosa und Lone erschaffen sie ein Blumenparadies, das sie zum einen Karl näherbringt, und zum anderen ihre physischen Kräfte bis zum Äußersten fordert.
Die Trauer um ihren Vater hinterlässt Spuren in ihrem Gesicht, so zumindest Johannas persönlicher Eindruck. Als Ruby, ihre 30jährige Mitarbeiterin, ihr versichert, dass nichts dabei sei „was machen zu lassen“, auch sie habe sich schon Botox spritzen lassen, kommt sie ins Grübeln. Sie beobachtet die Blicke der vorbeigehenden Männer und glaubt, für diese unsichtbar geworden zu sein. Kurz entschlossen sucht sie Rubys Schönheitschirurgen auf und lässt sich von ihm die Zornesfalte entfernen. Als weder Hendrik noch Rosa das Verschwinden der Falte bemerken, ist sie sehr enttäuscht.
Ich habe mir sehr viele Stellen im Buch markiert, da ich mich wie wohl jede Frau, die das Buch liest und nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend steht, sehr oft wiedererkannt habe. Warum ist das Aussehen für uns Frauen so wichtig? Johannas beste Freundin fragt, ob Jo etwa „fuckable“ bleiben will und ihr Hendrik nicht mehr genüge.
Als Jo sich die Lippen aufspritzen lässt, kommt es zum Eklat. Rosa ist entsetzt, und Hendrik versteht nicht, warum Johanna „wie ein Entchen“ aussehen will.
Doch dann kommt Rosa mit einem Problem nach Hause, und Johannas Besuche beim Schönheitschirurgen verlieren an Bedeutung. Sie muss feststellen, dass sich Mutter und Tochter in verschiedenen Lebensphasen befinden: Rosa wäre gern für Männerblicke unsichtbar, während Johanna sich Hyaluron spritzen lässt, um sichtbar (fuckable?) zu bleiben.
Ein wunderbarer Roman, der zum Nachdenken über die Sicht auf die Frau in unserer Gesellschaft anregt. Von mir eine große Leseempfehlung.

Bewertung vom 23.02.2025
de Winter, Leon

Stadt der Hunde


ausgezeichnet

Die Stadt der Hunde ist das erste Buch, das ich von Leon de Winter gelesen habe. Es hat mir sehr gut gefallen.
Jaap Hollander ist pensionierter Neurochirurg, spezialisiert auf komplizierte Gehirnoperationen. Er ist Jude, aber Religion interessiert ihn nicht. Doch seine 18jährige Tochter Lea ist sehr an ihrer Abstammung interessiert und macht eine sogenannte Birthright-Reise nach Israel. Eine Reise, von der sie nie zurückkehrt. Zehn Jahre lang fährt Jaap am Jahrestag ihres Verschwindens in die Wüste Negev, von wo aus es das letzte Lebenszeichen von ihr gab.
Eines Tages wird er vom israelischen Ministerpräsidenten kontaktiert, der ein Anliegen hat, von dessen Gelingen der Frieden im Nahen Osten abhänge: Jaap soll die Tochter des saudischen Thronfolgers operieren. Die Aussichten, dass das Mädchen die Operation überlebt, liegen bei Eins zu einer Million. Trotzdem nimmt Jaap das Angebot an. Der Grund für seine Zusage sind nicht die Millionen, die er für die Operation erhält, sondern das Angebot der beiden Herrscher, ihm bei der Suche nach Lea zu helfen.
Nach der Operation hat Jaap einen Unfall und muss ebenfalls am Gehirn operiert werden. Während der Operation führt er ein Leben in einem Paralleluniversum und freundet sich mit dem Wüstenhund Avi an, der ihm verspricht, ihn zu seiner Tochter zu bringen.
Was für eine spannende, hochemotionale Geschichte! Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zuerst wollte ich wissen, ob Jaap die Operation durchführen wird, danach ob diese erfolgreich sein wird, aber vor allem wollte ich erfahren, ob Jaap seine Tochter finden wird.
Zu Beginn fand ich Jaap unsympathisch, doch je weiter ich las, desto sympathischer wurde er mir. „Er war bereit, sich auf jede Art von Wahnsinn einzulassen, wenn er dafür Lea umarmen, küssen und ihr sagen konnte, wie leid ihm alles tat: seine Gedankenlosigkeit, seine Besessenheit von seiner Arbeit, seine Respektlosigkeit gegenüber ihrer Mutter, dass er sich für so vieles entschuldigen müsse.“
Als Hundebesitzerin fand ich es schön, dass ein Hund zu seinem besten Freund wurde, obwohl er Hunde früher gar nicht mochte.
Das Buch liefert unheimlich viele Informationen über Israel und den jüdischen Glauben. Jaap ist zwar nicht religiös, doch in Tel Aviv wird er häufig mit jüdischen Feiertagen und Traditionen konfrontiert. Wir lernen Tel Aviv in all seiner Diversität kennen: Junge Mädchen in bauchfreien Tops neben orthodoxen Juden mit Vollbart und Pejots. Und überall Hunde: es ist die Stadt der Hunde. Ein Meisterwerk, das ich sehr gern weiterempfehle.

Bewertung vom 21.02.2025
Renaud, Claire

Die Liebenden am Canal Saint-Martin


ausgezeichnet

Die Liebenden am Canal Saint-Martin von Claire Renaud spielt in einer kleinen Brasserie in Paris. An den Tischen sitzen Paare in verschiedenen Stadien ihrer Beziehung. Zwischen den Geschichten der Paare sind Kapitel über die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Cyril und Marion eingeschoben, den beiden Angestellten der Brasserie.
Die Kapitel über die Paare sind mit den von ihnen bestellten Gerichten betitelt, es geht los mit Amuse-guele über mehrere Hauptgerichte bis hin zu Profiteroles au chocolat zum Dessert.
Im ersten Kapitel wird Frédéric von seiner Frau verlassen, was von den anderen Gästen und den Angestellten mit großem Interesse beobachtet wird.
Wir beobachten ein Ehepaar, das schon lange verheiratet ist und lesen sowohl seine als auch ihre Gedanken. „All die Pärchen um sie herum befinden sich an unterschiedlichen Punkten ihrer Liebesgeschichte: Die einen umkreisen einander noch, andere lernen sich gerade besser kennen, wieder andere ringen anscheinend darum, sich einander anzupassen. Julien und sie verkörpern dabei das Endstadium: das Absterben der Gefühle, die Vereinsamung trotz Zweisamkeit.“ (S. 143)
Aurélie hat einen positiven Schwangerschaftstest in ihrer Handtasche und sucht nach dem passenden Moment, um ihrem Mann Franҫois die frohe Nachricht zu verkünden. Die beiden werden von Ariane beobachtet, die nach der Geburt ihres Sohnes zum ersten Mal wieder abends ausgeht. Sie denkt an ihre Freude zurück, als sie vor einigen Monaten von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte und daran, wie unglücklich und ausgelaugt sie jetzt ist, den ganzen Tag allein mit einem ständig schreienden Baby.
Mir hat die Geschichtensammlung der Liebesbeziehungen sehr gut gefallen, besonders schön fand ich die allmähliche Annäherung zwischen Cyril und Marion. Sehr berührt hat mich die Geschichte von Monsieur Fontaine, der in liebevoller Erinnerung an seine verstorbene Frau gleich zweimal Entrecôte-frites bestellt. Sehr amüsiert habe ich mich über den arroganten Gast, der von Cyril des Lokals verwiesen wird.
Ich empfehle, das Buch häppchenweise zu lesen und täglich ein bis zwei Geschichten zu genießen. Der Text auf der Rückseite fasst den Inhalt wunderbar zusammen: „Kommen Sie herein, nehmen Sie Platz und erleben Sie die Liebe in Paris, wie sie wirklich ist: lebensreich, lebensecht und voll bezaubernd französischem Charme.“

Bewertung vom 19.02.2025
Crouch, Sarah

Middletide - Was die Gezeiten verbergen


sehr gut

Middletide, Was die Gezeiten verbergen von Sarah Crouch - ein gelungener, poetisch geschriebener Debütroman.
Der Roman spielt in der kleinen Küstenstadt Point Orchards im Jahr 1994 mit vielen Rückblenden in die Vergangenheit.
Prolog, Januar 1994: Erin Laundry, die beliebte Ärztin von Point Orchards, wird an einem kleinen idyllischen See auf Elijah Leiths Grundstück erhängt aufgefunden. Es gibt einen Abschiedsbrief, in dem Erin schreibt, dass sie nach dem Tod ihrer kleinen Tochter nicht weiterleben will, doch einige Indizien weisen darauf hin, dass ein Mord als Selbstmord getarnt wurde.
1973-1988: Elijah verliebt sich in Nakita, doch trotz seiner Liebe zu dem jungen Mädchen aus dem Sacred Mountain Reservat verlässt er sie, um nach San Francisco zu gehen, und dort seinen Traum zu verwirklichen, einen Bestseller zu schreiben. Sein Buch mit dem Titel „Middletide“ wird von einem Kritiker verrissen, und Elijas Traum vom Bestseller platzt. Als ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters erreicht, kehrt Elijah nach Point Orchards zurück.
1988-1994: Elijah arbeitet zunächst in einer Autowerkstatt, die dem besten Freund seines Vaters Chitto gehört. Nach Chittos Tod wird er Reporter bei der Lokalzeitung. Nakita hatte inzwischen geheiratet, doch ihr Mann ist kürzlich bei einem Unfall verstorben. Elijah versucht, seine Jugendliebe zurückzuerobern, doch Nakita trauert um ihren Mann. Derweil lernt er Erin Laundry kennen. Sie war Chittos Ärztin und Kundin der Autowerkstatt. Alles deutet darauf hin, dass Erin an Elijah interessiert ist, sie bittet ihn um ein Date.
Das Buch hat mir aufgrund der wunderbaren Naturbeschreibungen und der poetisch erzählten Liebesgeschichte gut gefallen. Ich mochte Elijah und Nakita genauso wie die Nebencharaktere Chitto und den Reverend. Den Kriminalfall fand ich nur mäßig spannend, außer Elijah gab es keine weiteren Verdächtigen, und die Geschichte mit der Beschreibung des Mord-/Selbstmordes in einem Buch, das aufgrund einer schlechten Rezension nur achtundvierzig Mal verkauft wurde, fand ich unrealistisch. Die Liebesgeschichte und die Naturbeschreibungen haben das jedoch wieder wettgemacht. Gerne empfehle ich das Buch weiter an Leser*innen von atmosphärischen Liebesromanen.

Bewertung vom 16.02.2025
Storks, Bettina

Die Schwestern von Krakau (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Schwestern von Krakau ist das erste Buch, das ich von Bettina Storks gelesen habe.
Der Roman spielt auf mehreren Zeitebenen und in mehreren Städten: Krakau, Fellbach bei Stuttgart und Paris.
1941-43: Rigobert, Käthe und Lilo Wagner leben als Volksdeutsche in Krakau. Rigobert Wagner ist Arzt, seine Tochter Lilo Apothekerin, sie arbeitet in der Apotheke unter dem Adler (Apteka pod Orłem). Die Apotheke liegt mitten im Krakauer Ghetto.
1943: Nachdem Käthe an Lungenentzündung gestorben ist, baut Rigobert geistig immer mehr ab, er wird vergesslich und redet unzusammenhängend und wirr. Stets fragt er nach Helene, seiner jüngsten Tochter. Helene ist 1936 ohne Zustimmung und Wissen ihrer Eltern nach Paris gegangen. Nur selten meldet sie sich bei Lilo. In Paris bekommt sie ein Kind von ihrem jüdischen Lebensgefährten Samuel Altmann.
2017: Tatjana, Lilos Enkelin, erfährt von Edith, dass Helenes Sohn Simon kürzlich mit 77 Jahren in Paris verstorben ist, dabei gingen die Wagners immer davon aus, dass Helene und ihr Sohn 1943 in Paris an Fleckfieber gestorben seien. Simon wuchs nach Helenes Tod in einer französischen Familie auf, und Edith ist seine Enkelin.
Tatjana fährt nach Krakau, die Stadt, in der ihre Großmutter und ihre Urgroßeltern bis zum Jahr 1943 gelebt hatten. In Krakau besichtigt sie die Apotheke, in der ihre Großmutter gearbeitet hatte. Der Inhaber der Apotheke, Tadeusz Pankiewicz, war im polnischen Widerstand aktiv. Sie lernt den Historiker Adam Nowak kennen. Dieser hatte zunächst einige Vorbehalte gegenüber Tatjana und ihrer Familie, legte diese jedoch ab, nachdem er erfahren hatte, dass Lilo mit Tadeusz Pankiewicz zusammengearbeitet hatte, den er sehr verehrt und bewundert.
Bettina Storks gelingt es, historische und fiktive Ereignisse und Personen zu einer spannenden Familiengeschichte zusammenzuführen. Einige Kapitel handeln von der jüdischen Widerstandskämpferin Gusta Davidson Dränger. Lilo hilft Gusta auf der Flucht vor den Nazis, dabei bezeichnet Gusta Lilo, Helene und sich als „Die Schwestern von Krakau“.
Neben den historischen und fiktiven Charakteren steht die Stadt Krakau im Mittelpunkt des Romans, es ist die Stadt Oskar Schindlers und die Geburtsstadt von Papst Johannes Paul II. Auschwitz ist nur fünfzig Kilometer entfernt.
Sehr gern habe ich mit Tatjana und Adam Krakau besichtigt und sie auf die Burg Wawel und in das jüdische Viertel Kazimierz begleitet. Von mir bekommt das Buch fünf Sterne und eine große Leseempfehlung.