Redaktionstipp: Krimi des Monats

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Krimi des Monats Juni

If Books Could Kill

Kate Eberle

Kiss, kiss, bang, bang: Diese Thriller-RomCom lässt Herzen höher schlagen! 



Roxie Mitchell liebt Liebesromane – als sicheren Ort für Herzklopfen ohne Risiko. Als sie sich im Scherz wünscht, die Heldin im nächsten Roman ihrer Lieblingsautorin zu sein, ahnt sie nicht, dass ihr Wunsch wahr wird. Mit dem charmanten Jack hat sie ein echtes Traumdate. Doch Jack ist nicht, wer er vorgibt zu sein – und Roxie muss feststellen, dass ihr unbedachter Wunsch sie in einen Thriller katapultiert hat und sie plötzlich völlig planlos um ihr Überleben kämpft. Gemeinsam mit Grant, dem schüchternen Literaturdozenten, den sie auf der Flucht trifft, muss sie irgendwie bis zum Ende des Romans überleben. Und während die Killer ihnen dicht auf der Spur sind, kommen auch Roxie und Grant sich immer näher … Ist Roxie am Ende vielleicht doch in einer Romance gelandet?

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Krimi des Monats Juni

Krimitipp: Kate Eberle, „If Books Could Kill“

 

TEXT

„Thromance“ – das ist einer der großen BookTok- und Lesetrends. „Romance“ trifft hier „Thriller“ –wie in Kate Eberles „If Books Could Kill“. Ein Riesenspaß mit verrückten Einfällen, einer Loserin als Hauptfigur und einer guten Prise Mystery. Roxie Mitchell ist 30, lebt in Boston in einer Einzimmerwohnung und schlägt sich mit miesen Jobs durch. Beziehungsstatus: Single – „ein strikt fiktionales Liebesleben“. Und das schon gefühlt seit Ewigkeiten. Sie flüchtet sich in Romance-Bücher ihrer Lieblingsautorin Anna Matthews. Die Lektüre und ihr Selbstverteidigungsunterricht bringen ihr Blut in Wallung. Das war‘s.

 

Doch dann begegnet Roxie dem „Hutmann“. Ein Moment, in dem sie ahnt: Irgendetwas ist hier seltsam. Der Mann scheint Geld zu sammeln, und vor dem Spendenhut steht nur ein Pappschild mit „Wünsch dir was“ drauf. Tja, das hätte Roxie besser gelassen. Sie wirft einen Dollar in den Hut und wünscht sich irgendwie, die Hauptfigur in dem neuen Romance-Buch von Anna Matthews zu sein. Wir ahnen es: Der Hutmann – mit Augen, als „schaute ich von oben direkt in einen Wirbelsturm“ – erfüllt Roxie ihren Wunsch. Es dauert ein wenig, bis Roxie das merkt. Aber als Jack an einem ihrer Lieblingsorte, der Boston Public Library, auftaucht, kann sie es kaum fassen. Er ist zu gut, um wahr zu sein: charmant, gutaussehend, angenehme Stimme, Humor. Er liebt Bücher, verteidigt Jugendliche und arbeitet auch noch ehrenamtlich im Tierheim. So etwas gibt es eigentlich nicht in der Realität. Doch Jack flirtet heftig mit Roxie, und die lässt sich auf ein Treffen mit dem „Book-Boyfriend-Fremden“ ein. Schließlich wünscht sie sich nichts mehr als eine RomCom.

 

Gefangen in einem sehr realen Thriller

 

Das Problem Nummer eins: Roxie merkt, dass ihr Wunsch tatsächlich in Erfüllung gegangen ist und sie zur Heldin im neuen Buch von Anna Matthews wird. Dem Buch, das die Autorin gerade schreibt. Problem Nummer zwei: Es ist diesmal keine RomCom, sondern ein Thriller. Jack ist unfassbar romantisch, bis zu dem nächtlichen Treffen in der Bücherei, bei dem Jack sie küsst. Wie gut, dass Roxie das alles zu viel wird und sie nicht nur im übertragenen Sinn weiche Knie bekommt. Sie sinkt nach unten, und genau das rettet ihr das Leben. Denn Jack will ab sofort nur noch eines: Sie umbringen. Das Messer steckt erstmal nicht in Roxies Brust, sondern in einem Buchrücken. Aber von nun an ist klar: Roxie erlebt alles, was Anna Matthews gerade schreibt. Was sie herausfindet: Irgendwann endet die Geschichte, und sie kann wieder in ihr normales Leben zurück. Es sei denn, sie stirbt im Buch. Denn auch wenn der Rest wie ein Traum wirkt – wer im Buch stirbt, ist dann wirklich tot. Auch im echten Leben.

 

Roxie muss also am Leben bleiben, was immer Autorin Anna Matthews gerade mit ihr vorhat. Und das ist nicht ohne. Jack ist nach wie vor hinter ihr her. Knapp nur entkommt Roxie dem Killer und rettet sich, indem sie ein Auto entführt. Leider hat sie einen Uber erwischt, und hinten sitzt ein Fahrgast. Der ist völlig eingeschüchtert und weiß nicht, wie ihm geschieht. Auch nicht, dass er nun ebenfalls Teil eines Buchs ist, das gerade erst geschrieben wird. Der Fahrgast heißt Grant, ist Assistenzprofessor und unterrichtet Englisch und Kreatives Schreiben an der Boston University.

 

Ist Grant Roxies Rettung?

 

Während Roxie merkt, wie das Adrenalin und ihr Training ihr helfen und sie sich ganz gut schlägt, scheint Grant mit der Situation überfordert zu sein. Er will nur nach Hause zu seiner Katze und wirkt, sorry, für Roxie erst mal wie ein Langweiler mit Khakihosen. Doch als Grant von seiner Krimileidenschaft erzählt, könnte er für Roxie doch noch hilfreich sein. Denn sie hat keinen Schimmer, wie Krimis funktionieren. Und steckt ja gerade mitten in so einem ...

 

Dass die Geschichte nun noch mehr Fahrt aufnimmt, ist klar. Die beiden sind zusammen auf der Flucht vor Jack, und der wird nicht der letzte Killer sein, der versucht, sie umzubringen. Grant hat immer noch Probleme zu glauben, dass er wirklich Teil einer Geschichte ist, die eine Autorin gerade schreibt. Kann man ihm nicht verübeln. Aber das Duo schlägt sich mit viel Glück und auch Schlagkraft irgendwie durch. Und bekommt von Autorin Anna Matthews nun auch noch ein herrlich spleeniges britisches Detektiv-Pärchen an die Seite gestellt. Lesley und Lissa. Die beiden behaupten, sie seien einem internationalen Mördernetzwerk auf der Spur, getarnt als Facebook-Buchclub. Der Plan: eine Reise nach London, wo Autorin Anna Matthews zwei Auftritte hat. Doch kann Anna überzeugt werden, ihre Geschichte zu ändern, oder überhaupt glauben, dass reale Menschen all das, was sie sich ausdenkt, erleben müssen? Hinter dem Mördernetzwerk scheint ein mysteriöser Mr. Page zu stecken. Ihn wollen Lesley und Lissa finden und ausschalten, natürlich mit der Hilfe von Roxie und Grant …

 

Pass auf, was du dir wünscht!

 

Der Thriller-Plot ist also herrlich durchgeknallt. Doch wo bleibt die Romance? Klar, bei Roxie und Grant. Langsam gewöhnt sich das ungleiche Duo aneinander. Grant, Bedenkenträger und Meister im Setzen des Oxford-Kommas, und Roxie, der es, wenn sie ehrlich ist, ziemlichen Spaß bringt, ihre Selbstverteidigungstechniken an den Mann zu bringen. Die beiden müssen zusammenarbeiten und die Macken des jeweils anderen aushalten. Wie die Geschichte weitergeht und was Roxie, Grant und Lesley und Lissa noch alles erleben, können wir natürlich nicht verraten. Genauso wenig, ob Anna Matthews sich erweichen lässt, ihre Hauptfiguren am Leben zu lassen, oder Roxie den mysteriösen „Hutmann“ findet, der sie überhaupt in diese Situation gebracht hat. Passen wir also im realen Leben auf, was wir uns wünschen – und begeben wir uns derweil mit „If Books Could Kill“ auf eine unterhaltsame und rasant-verrückte Reise in die Welt der Thromance.

 

GLOSSAR

 

ROXIE MITCHELL

Mann, Haus, Kinder, Hund – all das hat Roxie Mitchell definitiv nicht. Die 30-Jährige lebt in bescheidenen Verhältnissen und nimmt dröge Jobs an, um irgendwie durchzukommen. Wenn sie genug gespart hat, kommt die Auszeit. Denn reist Roxie für ihr Leben gern. Ihre Sehnsucht nach Liebe stillt sie mit der Lektüre von RomComs. Am liebsten mit denen von Anna Matthews. Seit Jahren trainiert Roxie Selbstverteidigung. Das hilft ihr nun ungemein, da sie sich in einem Thriller wiederfindet, in dem sie um ihr Leben kämpfen muss. Fliehen, kämpfen, sich Strategien überlegen – das scheint ihr Element zu sein. Ganz im Gegensatz zu Grant Hoffman. Der wird unfreiwillig ihr Partner bei ihrem gemeinsamen Job: zu überleben.

 

GRANT HOFFMAN

Humor hat Grant, das muss man ihm lassen. Nach seinen Stärken befragt im Kampf um sein Leben, gibt er die lakonische Antwort: „Ich würde grammatikalisch äußerst korrekt sterben.“ Roxie findet das gar nicht komisch, aber natürlich hat sie auch ein schlechtes Gewissen. Sie hat Grant schließlich in diese Geschichte hineingezogen. Grant hat einen Master in kreativem Schreiben und könnte z. B. die Charakterentwicklung des Killers kommentieren, während dieser ihn zerstückelt. Wie gut, dass der groß gewachsene Mittdreißiger nicht völlig unsportlich ist. Roxie trainiert mit ihm Selbstverteidigung, und er schlägt sich gar nicht mal so übel. Er hat zwar eine „Allergie gegen Aufregung“, was natürlich schlecht ist, wenn man in einem Thriller gefangen ist. Aber auch Lesley und Lissa – ein spleeniges Detektivpärchen – finden, dass Grant und Roxie ein klasse Duo abgeben.

 

LESLEY

Die erste Begegnung mit Lesley und Lissa war für Roxie und Grant fragwürdig. Sie dachten, die beiden seien Killer und ihnen auf den Fersen. Wie gut, dass sich alles geklärt hat, auch wenn so manches bei diesen zwei Figuren wunderlich erscheint. Lesley war mal bei der Polizei in London, ein guter Cop, doch nun ist der wohlhabende Mann Privatier und vertreibt sich die Zeit mit Detektivarbeit. Dass er und seine Partnerin Lissa einem international agierenden Mördernetzwerk auf die Spur gekommen sind, ist beachtlich. Zumal dort auch der geplante Mord an Roxie Mitchell gepostet wurde. Lesley fährt Jaguar, kleidet sich exzentrisch, aber geschmackvoll, und der Heimatstandort des Paares ist ein vornehmes Haus in London. Ein Haus, wie aus einem Schöner-Wohnen-Traum. Die Gästezimmer mit Kamin und luxuriösen Kingsize-Betten, sein Arbeitszimmer kommt Roxie „urenglisch gemütlich“ vor. Dunkle Holzmöbel, smaragdgrüne Wände, das Kaminfeuer brennt, und natürlich ist der Raum voll mit Bücherregalen. Vermutlich Grant Hoffmans Vorstellung vom Himmel.

 

LISSA

Legendär sind Lissas Kochkünste. Legendär schlecht allerdings. Ihre Versuche, etwas Essbares herzustellen oder Kuchen zu backen, missraten ständig. Aber wer würde mit einer Erscheinung wie Lissa, mit pinkfarbenem Haar und neonfarbenen Springerstiefeln, auch Kuchenrezepte austauschen wollen? Dass ihr Partner Lesley mit seinen zotteligen grauen Haaren eher wie ein alter Rockstar aussieht und nicht wie ein Privatdetektiv, stört Lissa nicht. Sie trägt schließlich mit ihren Klamotten auch dick auf: pinkfarbene Manga-Space-Buns und eine limettengrüne, pelzgefütterte Jacke. Für Roxie wirkt sie, als „wäre sie dreißig Jahre zu spät zum Vorsingen für einen Platz bei den Spice Girls gekommen. Das ist alles ganz schön viel, selbst für eine Romance-Autorin mit einer Neigung zu schrulligen Figuren.“ Denn natürlich sind auch Lissa und Lesley Teil des Buchs – oder doch nicht? Lissa ist jedenfalls stark an der Beschleunigung des Beziehungsstatus von Roxie und Grant interessiert. Die Partner sollen ein Paar werden, und zwar flott, bitte schön. Ob das romantische Wochenende in einem englischen Landhaus, das Lissa unter Vortäuschung falscher Tatsachen für die beiden gebucht hat, dabei hilft?

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