Simon Latch ist ein kleiner Anwalt im ländlichen Virginia. Finanziell kommt er nur mit Müh und Not über die Runden, zudem geht seine Ehe in die Brüche. Dann betritt Eleanor Barnett sein Büro, eine ältere Witwe, die ein neues Testament braucht. Offenbar hat ihr Mann ihr ein gewaltiges Vermögen hinterlassen, von dem niemand etwas weiß. Simon behandelt den Auftrag streng vertraulich, aber die Nachricht von Eleanors Reichtum scheint durchzusickern. Als Eleanor Opfer eines Autounfalls wird, muss Simon erkennen, dass nichts so ist, wie es scheint. Kurz darauf findet er sich auf der Anklagebank wieder, der Vorwurf lautet Mord aus Habgier. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Ihm bleibt nur eine Chance, sich zu retten: wenn er den wahren Mörder findet.
leicht gekürzte Lesung mit Charles Brauer
2 MP3-CDs, 15h 14min
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Für Thriller-Leser ein Lesehighlight
Bewertung aus Ahrensburg am 18.05.2026
Bewertungsnummer: 3142414
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
John Grisham ist zeifellos ein Meister seines Fachs. Gerade dieser Thriller aber zeigt zu welcher Leistung Grisham fähig ist, denn "Das Vermächtnis" ist ein Highlight für jeden Krimi- und Thriller-Leser.
In Grishams neuester Geschichte lernen wir Simon Latch kennen. Er ist ein Anwalt im ländlichen Virginia und finanziell ist es bei ihm eher knapp. Als die Witwe Eleanor Barnett Simons Kanzlei betritt, ändert sich alles schlagartig. Zunächst setzt er für die Frau ein neues Testament auf und erfährt dabei von Eleanors geheimen Reichtum. Als die Witwe stirbt ist klar: Simon hat seine Finger im Spiel. Doch wie soll der Anwalt seine Unschuld beweisen? Ihm bleibt nichts anderes übrig als selbst aktiv zu werden und dem wahren Verbrecher Schritt für Schritt näher zu kommen.
Dieser Thriller hat mich ab einem gewissen Punkt richtig gepackt und ich fand es sehr spannend zu lesen wie Simon Latch versucht seine Unschuld zu beweisen. Grisham nimmt sich Zeit den Anwalt Simon Latch vorzustellen. Wir erfahren viel über seine Arbeit, sein Privatleben und seinen Charakter. Dadurch fiebert man richtig mit und staunt nicht schlecht, wenn das Verbrechen um Eleanor Barnett eine überraschende Wendung nimmt. Wenn der wahre Mörder gefunden wird und Simons Unschuld bewiesen wird spürt man die Last von seinen Schultern fällt.
Neben dem sehr mitreißenden Krimi war es auch sehr interessant zu lesen wie sich Simons Umfeld nach der Schuldzuweisung verändert. Auch der Schreibstil ist einfach super, sehr atmosphärisch und authentisch. Man wird richtig warm mit Simon Latch und kann seine Gedanken und Handlungen sehr gut nachvollziehen. Für ihn ist die Arbeit mit der Witwe ein finanzieller Glücksgriff, doch als er plötzlich des Mordes verdächtigt wird, gerät sein ganzes Leben ins Wanken. Wer glaubt ihn noch? Und wer war der wirkliche Täter?
Ein spannendes Lesehighlight und für John Grisham Leser ein absolutes Muss.
Naivität?
Michael Sterzik aus Wallenhorst am 08.06.2026
Bewertungsnummer: 3161255
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Habgier ist die leiseste, aber verheerendste aller Todsünden. Sie ist ein schleichendes Gift, das den moralischen Kompass zersetzt, bis selbst der aufrichtigste Mensch vor dem Spiegel seines eigenen Gewissens zu schwanken beginnt. In John Grishams packendem Justizthriller "Das Vermächtnis" wird dieses Motiv zum alles verschlingenden Zentrum einer Tragödie, in der Recht und Unrecht unentwirrbar miteinander verflochten sind. Es ist eine Welt, in der jeder einen Preis hat und die Grenze zwischen legalem Handeln und krimineller Energie im Nebel der persönlichen Not verschwimmt.
Mitten in diesem moralischen Minenfeld steht Simon Latch. Er ist kein glänzender Staranwalt aus den Metropolen, sondern ein Kämpfer am Rande des Existenzminimums im ländlichen Virginia. Sein Leben ist ein Trümmerhaufen: Die Kanzlei schreibt rote Zahlen, die Ehe liegt in den letzten Zügen, und der tägliche Überlebenskampf hat tiefe Furchen in sein Selbstvertrauen gegraben. Diese Verletzlichkeit macht ihn zur perfekten Zielscheibe für das Schicksal, als Eleanor Barnett sein verstaubtes Büro betritt. Die Begegnung mit der unscheinbaren Witwe ist kein gewöhnlicher Auftrag – es ist der Moment, in dem die Lawine ins Rollen kommt. Eleanor trägt ein Geheimnis bei sich, das in Form eines Testaments und eines unvorstellbaren Vermögens die Grundfesten von Simons Welt erschüttert.
Was als Hoffnungsschimmer auf finanzielle Rettung beginnt, mutiert nach einem fatalen Autounfall zu einem existenziellen Albtraum. Die Nachricht vom Reichtum der Witwe verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch die dunklen Kanäle der Kleinstadt, und plötzlich findet sich Simon nicht mehr im Gerichtssaal für seine Mandanten wieder, sondern auf der Anklagebank – als Beschuldigter in einem Mordprozess. Der Vorwurf: Mord aus Habgier. Während die Indizienmauer um ihn herum immer höher wächst und der gesellschaftliche Druck ihn zu erdrücken droht, bleibt Simon nur eine einzige, verzweifelte Chance. Er muss den wahren Drahtzieher im Schatten finden, bevor das System, dem er einst diente, ihn endgültig verschlingt. Ein meisterhafter Thriller über Verrat, die dunkle Seite der Justiz und den Preis der Wahrheit.
Grishams 'Das Vermächtnis' fungiert als Sezierbesteck für das amerikanische Rechtssystem, wobei er – wie gewohnt – die menschliche Imperfektion als treibende Kraft ins Zentrum rückt. Besonders Simon Latch dient hierbei als tragische Fallstudie: Ein Mann, der durch das Trümmerfeld seines eigenen Lebens irrt und dabei in einer Spirale aus katastrophalen Fehleinschätzungen gefangen ist. Zwar unterfüttert Grisham diese Charakterstudie mit einer Vielzahl an Nebenschauplätzen, doch offenbart sich hier eine erzählerische Ambivalenz. Während diese Details die psychologische Fallhöhe stetig vergrößern, bremsen sie das Erzähltempo bisweilen in eine zähe, fast ermüdende Ausführlichkeit ab.
Dennoch: Sobald der Schauplatz in den Gerichtssaal wechselt, findet der Roman zu alter Stärke zurück. Hier zündet Grisham das gewohnte Feuerwerk aus taktischer Finesse und juristischer Theatralik. Das Duell zwischen Anklage und Verteidigung gerät zur packenden Bühne, auf der nicht nur Paragraphen, sondern Menschenschicksale verhandelt werden. Gegen Ende zieht der Autor alle Register und verbindet sein fundiertes Insiderwissen mit einer erzählerischen Raffinesse, die das Blatt mehrfach wendet und den Spannungsbogen steil nach oben treibt.
Kritisch anzumerken bleibt jedoch der Hang zu Genre-Klischees, die zwar funktional sind, sich aber in ihrer Vorhersehbarkeit zwischen den Fronten von Gut und Böse bewegen. Zudem hinterlässt das Finale einen bitteren Nachgeschmack: Zahlreiche private Nebenstränge versanden ohne Auflösung. Da das Werk als in sich abgeschlossener Einzelband konzipiert ist, bleiben diese losen Enden als offene Wunden der Erzählung zurück.
Fazit
Naive Fehler und satte Fehleinschätzungen, die am Ende einen Justiz-Thriller bilden, der eine hohe Unterhaltung garantiert. John Grisham ist wieder in Form.
Michael Sterzik
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